Den Fokus endlich wieder aufs Wesentliche richten...
Dass der HSV auf Mario Vuskovic für lange Zeit nicht zurückgreifen kann, das war für alle Beteiligten seit Mitte Dezember klar. Zeit genug also, um sich auf das Szenario in der…

Dass der HSV auf Mario Vuskovic für lange Zeit nicht zurückgreifen kann, das war für alle Beteiligten seit Mitte Dezember klar. Zeit genug also, um sich auf das Szenario in der Rückrunde vorzubereiten. Und: Mit Javi Montero wurde ein junger Innenverteidiger gefunden, der trotz seiner jungen Jahre über eine Menge Erfahrung verfügt. Sogar Einsätze in der Champions League kann der Linksfuß vorweisen. Statistisch also ein Kandidat, der interessant ist. Problem nur: Sportlich blieb der Spanier bislang alles schuldig. Mehr noch: Montero verschuldete Gegentore maßgeblich, wurde einmal zur Halbzeit ausgewechselt und flog in den anderen beiden Spielen zweimal vom Platz. Mit anderen Worten: Bislang ist Montero noch ein Fehlgriff – und damit eine Gefährdung für das große Ziel Wiederaufstieg.
Aber: Weniger Montero trägt hieran die Schuld als vielmehr die Verantwortlichen, die ihn als geeignet empfunden und verpflichtet (sechs Monate auf Leihbasis von Besiktas Istanbul) haben. „Mit Javi Montero haben wir einen wichtigen Baustein für unsere zentrale Defensive gefunden. Aufgrund seines starken linken Fußes und seiner fußballerischen Qualität bietet er uns zusätzliche Variabilität im Spielaufbau“, erklärte HSV-Vorstand Jonas Boldt seinerzeit. „Sein Zweikampfverhalten in der letzten Linie und seine internationale Erfahrung werden uns zudem weitere Stabilität verleihen und den Konkurrenzkampf erhöhen.“ So weit, so gut. Aber: Montero kam mit gerade einmal vier Einsätzen in der erste Halbserie – und so präsentiert er sich auch.
Denn bei allem, was ich an ihm kritisiere (und das ist tatsächlich fast alles, was er bisher für den HSV auf dem Platz gezeigt hat), sieht man sehr wohl, dass er es besser konnte – und eigentlich auch wieder können muss. Allerdings ist das HSV-System in seiner Komplexität und mit seiner riskant-offensiven Ausrichtung für Defensivspieler eine besondere Herausforderung – und dieser ist der 24-Jährige aktuell ebenso wenig gewachsen, wie alle anderen Alternativen in der Innenverteidigung. Sebastian Schonlau explizit ausgenommen. Und das ist auch nicht so wirklich verwunderlich. Die Frage ist nur: Was tun, wenn man das Personal für sein System nicht mehr zur Verfügung hat?
Die Antwort werdet Ihr Euch denken können. Ich habe sie hier schon hundertfach reingeschrieben und ich bleibe dabei, dass Walter mit dem HSV überzeugenden, guten und spektakulären Fußball spielen kann – dies aber nie über eine ganze Saison durchhält. Zumindest hat er es auch diese Saison wieder nicht geschafft. Oftmals konnte der HSV eine schwächelnde Defensive mit einer starken Offensive ausgleichen, seltener aber zumindest ein paar Male auch andersrum. Aktuell fehlt es defensiv an der nötigen Sicherheit und offensiv an der nötigen Effizienz. Eine beschissene Mischung, die den HSV in der Tabelle fallen lässt.
Wie es anders geht, zeigen seit Jahren die Konkurrenten, die (Paderborn im Aufstiegsjahr mal ausgenommen) mit eher einfachem Fußball aufsteigen. Hinten wird massiv dicht gemacht mit Verteidigern, die weniger über filigranes Passspiel denn über effektive Tacklings verfügen. Heidenheim spielt so, Darmstadt spielt so, der FC St. Pauli spielt seit Wochen schwer erträglich anzuschauenden Fußball, der an Huub Stevens‘ Taktik erinnert. Aber: Sie alle punkten mehr als der HSV, bei dem der Walter-Fußball zum Politikum wird. Oder wie ich meine: Walters Offensivfußball ist längst nicht mehr das taktisch überraschende Tool, mit dem man alle Gegner an die Wand spielen kann. Vielmehr ist er ein Handicap, weil das Überraschungsmoment fehlt. Noch viel mehr aber, weil dem HSV ohne Vuskovic das notwendige Personal dafür fehlt.
Es wird aber werde personell nachgelegt werden können, noch darf auf Walters Einsicht gehofft werden. Und deswegen bleibt mir nur die Hoffnung, dass der HSV offensiv wieder Feuerwerke zünden kann. Er muss es zumindest, wenn er bei der aktuellen Konstellation Siege einfahren will. 13 Gegentore in nur neun Spielen seit der Winterpause. In der gesamten Hinrunde waren es insgesamt 19 Gegentore nach 17 Spielen. Oder habt Ihr eine bessere Idee?
Enttäuschend ist, dass der HSV es seit Jahren immer wieder verpasst, die Spannung hochzuhalten – sportlich wohlgemerkt. Wenn ich dazu noch höre, was Walter aktuell im Kicker-Podcast „DAZN meets kicker“ sagt, lässt das meine Zweifel wachsen. Denn dabei dreht es sich weniger darum, aktuelle Probleme zu beheben, als darum, über Nebensächlichkeiten zu fabulieren. Dass rund 20.000 Hamburger die Reise an einem Freitag angetreten haben, sei „unfassbar und unglaublich. Das ist das Größte, was wir hier geschaffen haben in den letzten eineinhalb Jahren“, sagt Walter zum Beispiel. Und ich behaupte, dass es darum immer gehen muss – aber nie zu Lasten des sportlichen Fokusses. Denn der MUSS IMMER an erster Stelle stehen. Meine Frage: Tut er das noch?
Ich hatte in den letzten Tagen immer auch wieder das Thema Reizpunkte hier genannt. Diese zu setzen, das muss jetzt die Aufgabe für Walter sein. Er muss defensive Stabilität herstellen und dabei Tore schießen lassen – darum geht es! Ob das vor zwei oder 57.000 Zuschauern passiert, das muss für Walter jetzt fast zweitrangig sein. Zumal: Wenn in den letzten Jahren völlig unabhängig von Trainer und Spielsystemen eine Sache wirklich immer funktioniert hat, dann war es der Zuspruch der Fans… Von daher: Bitte, richtet den Blick endlich mal nur auf das Wesentliche. Dann klappt's vielleicht auch mal mit dem Aufstieg.
Scholle
Zeig deine Farben
Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.
Shirt HAMBURG ALLSTARS
Eine Startelf aus Hamburger Legenden, großflächig auf dem Rücken.
39 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print HAMBURG ALLSTARS
Dieselbe Startelf als Fine-Art-Print — A3 oder 50 × 70.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print COMEBACK DES DINOS
Mai 2025, das 6:1 — nach sieben Jahren zurück in der Bundesliga.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print UNS UWE
Uwe Seeler nach dem verlorenen Wembley-Finale 1966.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.
Lies weiter
Meinung
HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem
Weiterlesen

Diskussion
0 KommentareDiskutier mit!
Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.
Jetzt kostenlos registrierenAnmelden