Spielbericht

Den FC Bayern an den Rand einer Niederlage gespielt - "das war ein magischer Abend"!

Was für ein Abend im Volksparkstadion. Das 2:2 des HSV gegen den FC Bayern München fühlte sich für die Fans wie weit mehr als ein Punkt an – es war ein Beweis dafür, dass diese…

Den FC Bayern an den Rand einer Niederlage gespielt - "das war ein magischer Abend"!

Was für ein Abend im Volksparkstadion. Das 2:2 des HSV gegen den FC Bayern München fühlte sich für die Fans wie weit mehr als ein Punkt an – es war ein Beweis dafür, dass diese Mannschaft weiß, wer sie ist, wofür sie steht und wie sie selbst einem übermächtigen Gegner Paroli bietet. Von der ersten Minute an war spürbar, dass der HSV diesen Abend nicht dem Zufall überlassen wollte. Intensität, Kompaktheit und eine klare Idee bestimmten das Spiel. In Phasen, in denen die Bayern Druck machten und der HSV leiden musste, blieb die Mannschaft ruhig, hielt dagegen und verlor nie die Ordnung. Genau das war Teil des Plans: nicht kopflos zu verteidigen, sondern kontrolliert, gemeinsam und mit Überzeugung.

Mit und gegen den Ball präsentierte sich der HSV kompakt, wach und unangenehm – ein Mix, der den Bayern sichtbar Probleme bereitete. Und diese Stabilität war kein Zufallsprodukt. Das Trainerteam hatte die Mannschaft akribisch vorbereitet und ihr einen Matchplan an die Hand gegeben, der voll aufging. Mannorientiert gegen den Ball, mutig und variabel im eigenen Ballbesitz – der HSV nahm die Duelle an und schaffte es immer wieder, durch Bewegung und Positionswechsel Räume zu öffnen. Dass dabei nicht nur defensive Sicherheit, sondern auch zahlreiche Torchancen entstanden, überraschte selbst die Spieler. Spätestens in der ersten Halbzeit wurde deutlich, dass die Hamburger nicht nur mithalten, sondern dem Rekordmeister tatsächlich wehtun konnten.

Der Rückschlag nach der Pause, als die Bayern früh das 2:1 erzielten, hätte das Spiel kippen lassen können. Doch genau hier zeigte sich die mentale Stärke dieser Mannschaft. Statt Unsicherheit oder Nervosität folgte eine Phase, in der der HSV mit voller Energie nach vorne spielte, den Gegner erneut unter Druck setzte und sich belohnte. Dieses schnelle Zurückkommen war Ausdruck einer inneren Überzeugung: Wir bleiben bei uns, wir glauben an unseren Plan. Und beinahe wäre daraus sogar mehr als der Ausgleich entstanden.

Getragen wurde diese Leistung auch von der Atmosphäre im Volksparkstadion. Für die Spieler ist dieses Stadion ein besonderer Ort, an dem sie spüren, wie viel möglich ist, wenn alles zusammenkommt. Der HSV rannte, kämpfte und arbeitete unermüdlich, jagte den Bayern nach, ohne dabei die Struktur zu verlieren. Selbst als in der Schlussphase die Kräfte schwanden und der Druck der Münchner zunahm, verteidigten die Hamburger mit allem, was sie hatten – konzentriert, leidenschaftlich und gemeinsam.

Der Schlüssel zu diesem Auftritt lag in den Attributen, die Merlin Polzin seiner Mannschaft mitgegeben hatte: Mut, Galligkeit und Überzeugung. Der HSV wollte nicht abwarten, sondern selbst Fußball spielen, extrem mutig im Ballbesitz sein und den Gegner durch Rotationen „auf eine Reise mitnehmen“. Gleichzeitig war allen klar, dass man gegen die individuelle Qualität der Bayern auch kritische Situationen überstehen muss. Genau das tat der HSV - ohne Hektik, ohne Panik, mit klarem Kopf. In den entscheidenden Momenten war die Mannschaft da.

Am Ende stand ein Unentschieden, das sich gerecht anfühlte, weil es hart erarbeitet war. Ein Punkt, der Selbstvertrauen gibt – und der in der Tabelle enorm hilft. Der HSV machte gleich drei Plätze gut. Bei einer Niederlage hätte man sich plötzlich auf einem Relegationsrang wiedergefunden, nun aber sendet dieser Abend ein starkes Signal: Diese Mannschaft hat alle Mittel, um die Klasse zu halten. Punkt.

Mehr noch: Wenn es der sportlichen Leitung gelingt, diese Basis mit einem echten Knipser zu ergänzen - einem Spieler, der die zunehmende Präsenz im gegnerischen Sechzehner konsequent in Tore ummünzt -, dann kann es für den HSV schnell in ruhigere Fahrwasser gehen. Struktur, Intensität und Mentalität sind bereits da.

So magisch dieser Abend auch war, lange Zeit zum Genießen bleibt nicht. Jetzt heißt es, den Schalter umzulegen und den Fokus auf das nächste Spiel in Heidenheim zu richten – weniger glamourös, weniger beachtet, aber sportlich mindestens genauso wichtig. Doch eines bleibt: Dieser Abend im Volksparkstadion hat gezeigt, dass der HSV lebt, glaubt und bereit ist, sich in dieser Liga zu behaupten.


Das war einfach ein richtug geiler Abend – in allen Belangen.

DIE EINZELBEWERTUNGEN:

Daniel Heuer Fernandes: Wurde nach guten zehn Minuten des HSV gleich zweimal sachwer geprüft – und bestand diese Prüfungen wie auch alle weiteren im Spiel. Dazu mit dem Ball am Fuß wieder bärenstark! Note: 2

Nicolas Capaldo: Hatte die größte Chance im ersten Durchgang für den HSV und vergab. Er muss offensiv schneller Entscheidungen treffen, dann trifft er auch bald. Defensiv ist und bleibt er eine Kampfmaschine. Aber: In Heidenheim wird er defensiv gelbgesperrt fehlen. Note: 2

Luka Vuskovic: Er ist aktuell der torgefährlichste HSVer. Hinten fand er sich nach kurzem Wackeln schnell – und vorne traf er on top. Dass sich die Bayern so offensiv in seine Richtung äußerten rund um das Spiel kann man als stillos bezeichnen. Er jedenfalls zeigte, dass er mit ganzem Herzen HSVer ist.  Note: 1

Daniel Elfadli: Erst löst der das Abseits auf, dann verliert er Kane aus dem Fokus – und schon trifft dieser zum 1:1. Vom Engagement und Willen eine glatte 1 – spielerisch manchmal zu wild, aber insgesamt gut! Note: 2

Bakery Jatta (bis 59.): Dem schwachen Scouting ist es zu verdanken, dass er jetzt schon als Defensivspieler aufgeboten wird. Er ließ sich beim 1:1 düpieren und entschied sich beim 1:2 für den falschen Gegenspieler. Aber: Er lernt das Defensivspiel ja auch gerade erst… Insgesamt war das absolut in Ordnung heute. Note: 2

Giorgi Gocholeishvilli (ab 60.): Hatte mit Diaz einen frischen Mann als Gegenspieler, der schon ein unverkennbares Niveau mitbringt. Und im Ernst: Dieses Duell war so ungleich, wie es ungleicher kaum sein kann. Aber der Georgier gab alles – wie immer, was gut ist! Aber: Er war dabei oft etwas übermotiviert und wild. Zu wild! Note: 3

Albert-Sambi Lokonga (bis 84.): Seine Zweikampfstärke und seine Abgeklärtheit am Ball sind in solchen Spielen besonders wichtig. Unfassbar! Mal beruhigendes, dann belebendes – aber immer kontrollierendes Element auf dem Platz. Bester Mann auf dem Platz in einer insgesamt stark aufspielenden Mannschaft.  Note: 1

Immanuel Pherai (ab 85.): Sein potenzielles Abschiedsspiel war kurz, aber läuferisch intensiv. Er machte alles, was er in dieser kurzen Zeit noch machen konnte, um zu helfen. Ich habe es zwar schon mal gesagt, aber ich wiederhole mich gern: Ich würde ihn nicht ziehen lassen!! Problem: sein Weg scheint nach Nürnberg zu führen. Leider!

William Mikelbrencis (bis 72.): Er überraschte mich. Erst in der Startelf – dann mit seinem Spiel auf dem Platz. Flanken verhindern ist weiterhin nicht seine Kerndisziplin, aber wenn er dafür solche Flanken offensiv schlägt, wie zum 2:2 auf Vuskovic, dann komme ich damit klar. Machte sein mit weitem Abstand bestes Spiel im HSV-Trikot. Note: 2

Warmed Omari (ab 73.): Endlich ist er wieder da. Er wird dem HSV noch sehr helfen, da bin ich mir sicher. Mich freut sein Comeback extrem!!

Nicolai Remberg: Bekam früh Gelb und war im Anschluss vorsichtiger.  Er fiel nur deshalb etwas weniger auf als sonst, weil er mit Lokonga heute jemanden neben sich hatte, der überragte und dem er im Grunde „nur“ assistieren musste. Gutes Spiel. Note: 2,5

Miro Muheim: Gegen Olise so wenig zuzulassen ist stark. Sehr stark. Dass er trotzdem noch nach vorn mitspielte und in der Schlussphase lange Sprints ziehen konnte – stark. Note: 2 

Fabio Vieira (bis 85.): Er wird besser, weil er endlich die Position spielen darf, die er spielen muss: Zentral offensiv! Er musste aber das 3:2 machen. Vielleicht hätte er den Ball erst annehmen, zwei, drei Schritte machen und sich dann die Ecke aussuchen sollen. Wie wichtig er und Lokonga fürs Team sind wurde besonders deutlich, als die beiden ausgewechselt waren. Note: 1,5

Robert Glatzel (ab 86.): Half mit, den Punkt über die Zeit zu retten.

Ransford Yeboah Königsdörffer (bis 72.): Kam richtig gut ins Spiel und machte, was er machen sollte – er lief an und schleppte Bälle nach vorn. Nur seine Abschlüsse/Pässe  fanden ihre Ziele nicht. Aber heute war er ein wesentlicher Faktor. Note: 2,5

Rayan Philippe (ab 73.): Ich hätte ihn – aus bekannten Gründen nicht gebracht. Insgesamt war er aktiver als sonst und hätte fast den Siegtreffer vorbereitet. Bleibt zu hoffen, dass es ab jetzt endlich aufwärts geht. Er würde der HSV-Offensive in Topform so viel helfen können… Note: 3

Schiedsrichter Harm Osmers: Verpasste es, Kane (zwingend!) gleich nach Spielbeginn gelb zu geben (3.). Und er machte so unsouverän weiter. Die Gelben Karten für den HSV waren diskutabel, aber okay. Dennoch, bei identischen Fols gab es für die Bayern:  NICHTS! Auch, was Kompany sich am Rand durchweg abkniff, war grenzwertig und wurde von Osmers zu großzügig bewertet. Er blieb zwar ohne spielentscheidenden Fehler - aber insgesamt war er absolut kein souveräner Leiter des Spiels. Note: 4,5

Trainerteam Polzin/Favé/Köhn: Heute haben sie nahezu alles richtig gemacht und sich sowie der Mannschaft bewiesen, was drin ist, wenn alle voll mitziehen. Dass mit zunehmenden Wechseln auch das Niveau abnahm – in einem so intensiv geführten Spiel ist das fast unvermeidbar. Aber das Trainerteam holt aus diesem Kader heraus, was rauszuholen ist. Um es wie bei der Mannschaft auch im Trainerteam zu halten, gibt es eine Sammelnote: 1


DIE STIMMEN ZUM SPIEL:

Daniel Heuer Fernandes: Es ist ein gerechtes Unentschieden, das wir uns hart erarbeitet haben. Ich bin stolz auf unsere Leistung. Wir haben genau das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir wollten intensiv sein. Wir wussten, dass es Phasen geben würde, in denen wir leiden müssen. Diese haben wir aber gut überstanden. Wir haben sehr gut dagegengehalten gegen einen Gegner, der individuell sehr stark besetzt ist. Zudem haben wir es dem Gegner schwer gemacht. Wir waren mit und gegen den Ball sehr kompakt und insgesamt einfach gut. Es war ein gelungener Mix in unserem Spiel.

Nicolai Remberg: Das Trainerteam hat uns perfekt auf dieses Spiel vorbereitet. Unser Plan ist voll aufgegangen: Wir wollten Mann gegen Mann verteidigen. Dass wir uns auch noch so viele Chance gegen die Bayern herausspielen, damit hätte ich nicht gerechnet. Nach dem 1:2 direkt nach der Pause habe ich gedacht, dass es unangenehm werden könnte. Ich kann nur den Hut ziehen vor der Mannschaft, wie wir danach voller Energie nach vorn gespielt haben. Man darf nicht vergessen, wer unser Gegner war. Und beinahe hätten wir das Spiel sogar gedreht. 

„Das hat gezeigt, dass wir mental sehr stark sind“

Miro Muheim: Das Trainerteam hat uns mitgegeben, dass wir mehr laufen müssten, um eine Chance zu haben. Das haben wir gut umgesetzt. Wir können sehr stolz auf unsere Leistung sein. Das Gegentor nach der Pause war sehr frustrierend, aber wie wir zurückgekommen sind, hat gezeigt, dass wir mental sehr stark sind. Es ist ein großartiges Gefühl, gegen eine Mannschaft wie Bayern einen Punkt zu holen.

Nicolas Capaldo: Jedes Mal ist es etwas Besonderes im Volksparkstadion. Wir wissen, wie gut wir sind, wenn wir zu Hause spielen. Das Spiel hat gezeigt, dass wir ein Team sind, das sich jederzeit reinhängt. Heute mussten wir sehr viel laufen, weil wir unseren Gegnern nachgejagt sind. Wir waren zum Start in die zweite Hälfte etwas schläfrig, aber wir haben einen Weg zurück ins Spiel gefunden. Zum Schluss haben wir ohne Ende verteidigt.

Merlin Polzin: Die Attribute, die wir vor dem Spiel von der Mannschaft eingefordert haben – Mut, Galligkeit, Überzeugung –, haben sich alle in unserem Spiel wiedergefunden. Wir waren extrem mutig im Ballbesitz und hatten viele Positionswechsel. Ein Riesenkompliment an das Trainerteam, was den Matchplan und die Vorbereitung angeht. Wir haben es durch Rotationsbewegungen immer wieder geschafft, den Gegner auf eine Art Reise mitzunehmen. Auch im Spiel gegen den Ball wussten wir, dass wir bei der Qualität der Bayern die eine oder andere Situation überstehen müssen. Das haben wir geschafft. Wir sind nicht nervös geworden, auch wenn der Gegner mal länger den Ball hatte. In den entscheidenden Momenten waren wir da. Es war ein magischer Abend hier im Volksparkstadion.


DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

HSV: Heuer Fernandes – Capaldo, L. Vuskovic, Elfadli – Jatta (59. Gocholeishvili), Remberg, Sambi Lokonga (85. Pherai), Muheim – Vieira (85. Glatzel), Mikelbrencis (72. Omari) – Königsdörffer (72. Philippe)

FC Bayern München: Neuer – Stanisic, Upamecano, M.-J. Kim (65. Tah), Davies – Kimmich, Pavlovic, Olise, Karl (46. Luis Diaz), Gnabry (65. Musiala) – Kane

Tore: 1:0 Vieira (34./FE), 1:1 Kane (42.), 1:2 Luis Diaz (46.), 2:2 Vuskovic (53.)

Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)       

Schiedsrichter: Harm Osmers (Hannover)

Gelbe Karten:  Remberg, Muheim, Sambi Lokonga, Gocholeishvili, Heuer Fernandes, Capaldo / M.-J. Kim, Kane, Olise

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