Meinung

Dem HSV fehlt der unabhängige Blick von außen

So schnell verselbständigen sich Diskussionen. Da sprechen einige Leute miteinander, die allesamt Vermutungen äußern. Sie haben einen Punkt, in dem sie sich einig sind – nennen…

Dem HSV fehlt der unabhängige Blick von außen

So schnell verselbständigen sich Diskussionen. Da sprechen einige Leute miteinander, die allesamt Vermutungen äußern. Sie haben einen Punkt, in dem sie sich einig sind – nennen wir es mal: die Abneigung gegenüber einer bestimmten Person - und sprechen sich gegenseitig in Rage. Im Laufe dieser Diskussion werden aus Thesen plötzlich Wahrheiten. Und aus ihren Überschneidungen schlussfolgern sie dann Wahrheiten, auf deren Basis sie neue Geschehnisse beurteilen. Noch immer ohne jeden einzelnen, eigenen Einblick in die wahren Geschehnisse. Aber das interessiert irgendwann niemanden mehr. Im Gegenteil: Plötzlich tauchen auch noch so genannte „Insider“ auf, die behaupten, sogar Dinge zu wissen. Aber das tun sie in den meisten Fällen nachweislich nicht.

Auch ich bin tatsächlich weit weg davon, zu behaupten, alles zu wissen beim HSV. Weder in den Themen von heute, noch in denen der Vergangenheit. Ich habe zwar das Privileg, täglich mit den Entscheidungsträgern sprechen zu können. Aber auch die erzählen mir als Journalisten naturgemäß meistens nur das, was sie gefahrlos erzählen können, ohne sich selbst in Bedrängnis zu bringen. Nur sehr selten kommen dabei „Geständnisse“ heraus, mit denen sich die Quelle selbst auch anklagt.

Von daher werde ich mir auch nie anmaßen, sicher beurteilen zu können, woran der Niedergang des HSV in den letzten zehn Jahren lag. Ich meine zwar genügend zu wissen, um Hauptverantwortliche nennen zu können. Nicht alle und alles en detail, und sicherlich übersehe ich an verschiedenen Stellen auch die eine oder andere Verfehlung derer, mit denen ich am meisten gesprochen habe. Aber wenn ich die hier im Blogform aufgestellten Thesen lese, muss ich eines loswerden: Bitte, bitte, liebe alle! Seid vorsichtiger! Verwechselt bitte nicht Eure Interpretationen von Geschehnissen mit Tatsachen.

Dass Dietmar Beiersdorfer in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender in Hamburg ab 2014 im Ergebnis schlechte Arbeit abgeliefert ist, kann selbst er nicht leugnen. Macht er auch nicht. Er sagt auch nicht, dass er gut war, er sieht seine Arbeit aber bis heute besser, als ich sie beurteile. Trotzdem macht er im Gegensatz zu seinen Vorgängern eben auch nicht, was alle in diesem Geschäft machen, um den eigenen Namen irgendwie zu retten: Er schwärzt nicht andere an, um von sich abzulenken. Klingt richtig – es führt aber nur dazu, dass er damit gegen alle anderen, die deutlich lauter sind, in der Öffentlichkeit verliert. Das hat er auch in seiner ersten Amtszeit als Sportchef schon. Auch damals wehrte er sich nicht gegen die Intrigen um ihn herum, die letztlich – so weit würde ich zurückgreifen – der Anfang vom Ende des HSV waren.

https://soundcloud.com/user-36211795/do251121-vagnoman-fallt-weiter-aus-peters-neuer-aufsichtrat-und-beiersdorfers-brisante-ruckkehr?si=89147111a2e9429a84fb785c354aa91d

Denn seither fiel der HSV durch Machtkämpfe auf. Man arbeitete nicht zusammen, weil sich niemand vertraute. Auch Beiersdorfer verschleuderte Millionen für Spieler, die es nicht wert waren. Dass dabei immer auch ein paar Euro links und rechts runterfielen, wie auch ihr hier schreibt – alle denken es, aber es ist nicht zu beweisen. Und daher kann und werde ich sowas auch niemals schreiben, egal wie offensichtlich es zu sein scheint und egal, wie sehr ihr mich dazu auffordert. 

Und damit noch mal kurz zurück zu meinem Beiersdorfer-Blog von gestern, der hier für Posts gesorgt hat, bei denen man sich um die Gesundheit des Verfassers Sorgen machen musste. Darum ging es mir nicht. Beiersdorfer ist als Person in seiner neuen Funktion zweifellos ein Thema des Spiels am Sonntag. Ich würde an dieser Stelle auch über Werner Hackmann (er möge in Frieden ruhen!), Bernd Hoffmann oder andere höchst umstrittene Persönlichkeiten schreiben, wenn diese heute noch einmal irgendwo im HSV-Umfeld auftauchen würden. Bericht zu erstatten über den HSV ist eben auch kein Wunschkonzert. Aber ich muss mich als Blogbetreiber auch darum kümmern, dass aus selbigen nicht irgendeine Bewegung entsteht, die schädlich ist, oder einfach nur falsch.

Und wenn ich lese, mit welcher Selbstverständlichkeit sich hier einige hinsetzen und Posts verfassen, in denen sie abstruse Behauptungen als Wahrheiten deklarieren, dann muss ich einschreiten. Von daher fasse ich es kurz und knapp ohne große Argumentationskette zusammen: Beiersdorfer hat in seiner Zeit als Sportchef den HSV sportlich (und daraus resultierend auch finanziell) ebenso vorangebracht, wie er den HSV als Vorstandsvorsitzender Jahre später mit Fehlentscheidungen Geld und Entwicklungsmöglichkeiten gekostet hat. Meine Begründung: Weil er nur in seiner ersten Amtszeit als HSV-Funktionär den richtigen Posten besetzt hat. Aber entscheidender noch für den Niedergang als Beiersdorfer allein waren die Personen um ihn herum. Denn sie haben ihn wissentlich falsch eingesetzt, behaupte ich. 

https://open.spotify.com/episode/7Juo7cFMnpQOdg4TTaK59g?si=a1f79ee9fae94c1f

Der HSV hatte sich schon vorher und insbesondere mit der Ausgliederung auf wichtigen Positionen immer mehr taktisch, als strategisch gut und produktiv besetzt. Der Blick eines Unabhängigen von außen ist nie gewollt gewesen. Weil der HSV krank war. Wobei: wenn ich sehe, wie Marcell Jansen aktuell den Aufsichtsrat mit seinen Wunschkandidaten besetzt, befürchte ich völlig unabhängig von den intellektuellen Fähigkeiten selbiger, dass wir noch immer mittendrin in diesem ungesunden Prozess sind. Denn Jansen macht es den Heckenschützen im HSV-Umfeld mehr als leicht, ihm strategischen Machterhalt anzulasten. Und DAS wiederum macht mir heute sehr viel mehr Sorgen als ein Blog über Beiersdorfer.

Sorgen hatte ich heute auch kurzfristig, als Faride Alidou das Training nach nur wenigen Minuten wieder abbrach. Aber glücklicherweise nur kurz, da der Youngster selbst später via soziale Netzwerke erklärte, dass er geimpft worden sei und deshalb kürzertrat. Sein Einsatz am Sonntag gegen Ingolstadt soll nicht gefährdet sein. Daniel Heuer Fernandes trainierte heute wieder auf dem Platz und scheint langsam wieder in Fahrt zu kommen – auch wenn es für Sonntag sicher noch nicht reichen wird.

Ansonsten möchte ich an dieser Stelle eine Sache vorantreiben, um vielleicht der einen oder anderen schädlichen Entwicklungen schon zuvorzukommen: Das Q&A hier im Blog. Der Communitytalk, den ich Euch hier reinstelle, ist ein erster kleiner Schritt dahin. Aber allen, die sich gestern so maßlos über den Beiersdorfer-Blog geärgert haben, biete ich gern an, mir hier ihre Fragen zu stellen, die ich ihnen gern beantworten werde. Damit wir uns alle auch in Zukunft hier auf Augenhöhe treffen können.

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend! Bleibt gesund und bis morgen!

Scholle

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