Das war zu wenig! HSV nur 2:2 gegen Darmstadt
So ist es unter Trainer Tim Walter. Immer all in. Läuferisch fordert er es von seiner Mannschaft eh immer – und sehr oft geht eben auch er all in. Heute personell. Moritz Heyer…

So ist es unter Trainer Tim Walter. Immer all in. Läuferisch fordert er es von seiner Mannschaft eh immer – und sehr oft geht eben auch er all in. Heute personell. Moritz Heyer musste er bringen, da sich Jan Gyamerah durch die Folgen seiner Kopfverletzung aus dem Derby nicht rechtzeitig einsatzbereit zurückmelden konnte. Dennoch, die Spekulationen, ob und. Wen er ausa dem Achter-Duo auf der Bank lassen würde, beantwortetet Werner deutlich mit: Beide! Maximilian Rohr und Anssi Suhonen kamen für Ludovit Reis und David Kinsombi. Und im Ergebnis blieb am Ende eine diskutable erste Halbzeit, eine bessere zweite Hälfte – und nach nur zwei Toren (Schonlau und Heyer trafen) mit diesem 2:2 gegen Darmstadt 98 ein nur wenig zufriedenstellender Punkt vor 17.950 Zuschauern im Volksparkstadion.
Wild und unsortiert begann das Spiel. Wobei, besser gesagt: der HSV spielte Wildwest-Fußball. Laufen, laufen, kämpfen – kontrolliert-dominanter Fußball blieb auf der Strecke. Es ergaben sich durch Ballverluste des HSV immer wieder Umschaltmomente für den Gast aus Darmstadt, der diese Räume leider auch zu nutzen wusste. Auf HSV-Seite wirkte es oft übermotiviert und ohne jeden klaren Plan. Darmstadt selbst spielte nicht einmal wirklich gut – und bekam trotzdem seine Szenen. Geschenkt! Im Mittelfeld liefen Suhonen, Meffert und Rohr sich ‘nen Wolf – hatten aber kaum Zugriff aufs Spiel. Und hinten erwischte Jonas David einen schwachen Start, den einzig das Schiedsrichtergespann noch zu toppen wusste. Wie man es schafft, ein Spiel nach 20 Minuten schon so entgleiten zu lassen: Dieses Spiel dürfte als Lehrbeispiel dafür dienen.
Schiedsrichter und HSV verlieren Kontrolle übers Spiel
Allein die dritte Minute schien schon ein Fingerzeig zu sein, was folgen sollte. Da wurde Tim Leibold im Kopfball-Duell mit Philipp Tietz vom Ellenbogen des Angreifers im Gesicht getroffen. Und zwar nicht unglücklich aus einer natürlichen Bewegung, sondern fahrlässig. Der schwache Schiedsrichter Sven Jablonski beließ es bei einer Ermahnung. Trotz Videoschiris und einer Milliarde Zeitlupen – unfassbar. Mich kotzt dieser Videoschiri – ABSOLUT NICHT!! nur in HSV-Spielen, wohlgemerkt! - inzwischen nur noch an.
Ebenfalls ein Lehrstück der negativen Art bot der HSV defensiv, mit dem jungen David in einer traurigen Hauptrolle. Nachdem der HSV durch Jatta (nach sehr schöner, scharfer Hereingabe vom guten Sonny Kittel) knapp das 1:0 verpasst hatte (6.), kamen die Darmstädter zu Gelegenheiten. Eine davon war dann auch die Szene, in der David leider im Sechzehner zu spät kommt und dem starken 98-Angreifer Tietz auf die Zehen steigt. Dieser nutzt diese Einladung, fällt kurz hin, bekommt den Elfer, schnappt sich den Ball selbst und verlädt Daniel Heuer Fernande zur Führung für die Gäste per Foulelfer (14.). Es hätte sogar noch schlimmer kommen können. Der in der ersten Hälfte auffällig fehlerhafte Moritz Heyer spielt viel zu langsam zu seinem Keeper zurück. Honsak ist dazwischen, legt sich den Ball um Heuer Fernandes herum, doch der Keeper eilt hinterher und erobert sich die Kugel im Laufduell zurück (19.). Glück für den HSV! Und Glück für Heyer, dass sein Keeper so gut reagierte.
Pech hatte der HSV fast direkt im Gegenzug, als Tim Leibold per flacher Hereingabe den frei stehenden Glatzel findet und dieser mit seinem Schuss 98-Keeper Marcel Schuhen „abschießt“. Das hätte der Ausgleich sein müssen! Dieser fiel allerdings erst zehn Minuten später. Nach einem Standard. Kittel schlägt einen Freistoß von rechts scharf ins Zentrum, wo Sebastian Schonlau sich gleich gegen zwei Darmstädter (Holland und Patric) durchsetzt und per Aufsetzer tritt. D98-Keeper ist zwar noch an diesem Aufsetzer dran – und hätte ihn halten können. Tat er aber nicht.
HSV dreht Rückstand und geht verdient in Führung
Apropos Nichtstun: Das traf immer wieder auch auf Schiri Jablonski samt Assistenten-Team und Kölner Keller zu. Zumindest aus meiner Sicht hier im Stadion hätte der Bremer dieses Spiel klarer reglementieren müssen. In der dritten Minute verpasste er es aber ebenso wie im Rest des Spiels. Und ohne jetzt über Nahaufnahmen zu verfügen, sah mir auch das Foul von Emir Karic an Heyer in der 34. Minute nicht nur nach Gelb aus. Aber das wird Pascal Müller als VAR sicher genauestens seziert haben. Zumindest gab es (nur) Gelb für den Darmstädter…
Trotzdem: Der HSV kam langsam besser in die Partie und hätte in der 41. Minute das 2:1 machen müssen. Da legte Kittel stark am Sechzehner auf den heranstürmenden Jatta ab, der legte sich den Ball zu weit vor und kam nur noch unkontrolliert zum Abschluss. Zu allem Überfluss rasselte der Gambier auch noch mit Keeper Schuhen zusammen und holte sich einen deftigen „Pferdekuss“ ab, der behandelt werden musste.
Dass der HSV trotzdem in Führung ging – es war dem Spielverlauf entsprechend nicht einmal unverdient. Denn so unkontrolliert das Spiel auch wirkt – es steckt eine extreme Intensität drin. Und der Wille, Tore zu erzielen. So auch in dieser 45. Minute, als Meffert einen Abpraller wieder Richtung Tor bringt und Heyer diesen per Hacke ins Tor verlängert (45.). Eine Pausenführung, die Mut machen sollte – dachten wir. Bis Tietz kam und per Abpraller in der vierten Minute der Nachspielzeit zum Ausgleich einköpfte, nachdem Heuer Fernandes einen Schuss nur an den Pfosten lenken konnte. Das 2:2 (45+4). Bitter.
Dennoch kam der HSV stark verbessert aus der Halbzeitpause. Allemal deutlich kontrollierter. Es wirkte strukturierter, und der HSV hatte gleich nach wenigen Minuten die große Kopfballchance durch den heute unglücklich agierenden Rohr, der wohl einen Gedanken zu viel hatte. Zumindest köpfte er weder direkt aufs Tor, noch legte er den Ball quer (49.). Und nach Rohr hatte auch der andere Startelf-Debütant in der Liga seine Hundertprozentige: Erst kann Schuhen den aufsetzenden Distanzschuss von Meffert nur nach vorne abwehren, dann kommt Suhonen und verzieht freistehend im Rutschen und aus kurzer Distanz mit Wucht den Ball weit über das Tor. (62.) Da war deutlich mehr drin!
Suhonen vergibt Siegchance - Walter mahnt Geduld an
So, wie im ganzen Spiel – das allerdings kurz vor Schluss auch noch hätte in die falsche Richtung kippen können. Denn eine der 9 Torchancen (Quelle: Kicker.de) der Darmstädter hatte Darmstadts bester Mann auf dem Platz, Tietz. Allerdings verzog er. „Mit der Art und Weise sind wir zufrieden. Bei meinem Team ist es aber momentan noch so, dass es die Euphorie im Offensivspiel noch nicht ins Defensivspiel übersetzen kann“, analysierte Walter im Anschluss. „Dennoch gab es heute häufiger gute Phasen.“
Aber eben noch nicht konstant genug. Wobei das angesichts des unfassbaren Aufwandes auch schwer ist. „Ich glaube zumindest, dass wir vorwärtskommen“, sagte Torschütze Schonlau zum Abschluss: „Wir müssen einfache Fehler abstellen, dann sieht es wieder ganz gut aus.“ Vor allem muss man zusehen, dass nicht selbst Mannschaften aus dem unteren Mittelfeld zu derartig vielen Torchancen kommen wie Darmstadt heute. Ich jedenfalls bleibe dabei, dass man auf lange Sicht mit einem derart aufwendigen, intensiven und riskanten Fußball nicht ganz oben landen wird. Auch, wenn Walter nach Spielschluss sagte: „Mit der Punkteausbeute sind wir nicht zufrieden. Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen. Am Ende haben wir ein wenig den Kopf verloren. Es braucht noch mehr Geduld, weil wir uns dann die Chancen herausspielen. Das muss unser Weg sein.“
Aber dazu morgen noch mehr. Für heute soll es das gewesen sein. Ich werde unzufrieden in den Restabend starten und melde mich dann morgen früh mit dem MorningCall wieder pünktlich um 7.30 Uhr bei Euch. Bis dahin!
Scholle
DAS SPIEL IM STENOGRAMM:
HSV: Heuer Fernandes - Heyer (88. Kaufmann), David, Schonlau, Leibold - Rohr (63. Kinsombi), Meffert, Suhonen (77. Reis) - Jatta, Glatzel, Kittel (77. Wintzheimer)
SV Darmstadt 98: Schuhen - Müller, P. Pfeiffer, Riedel, Holland - Honsak (57. Goller), Gjasula, Schnellhardt (86. Celic), Karic (86. Berko) - L. Pfeiffer (71. Kempe), Tietz
Tore: 0:1 Tietz (14./FE), 1:1 Schonlau (30.), 2:1 Heyer (45.), 2:2 Tietz (45.+4)
Zuschauer: 17.950
Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)
Gelbe Karten: Meffert (63.), Suhonen (75.) / Karic (34.), Gjasula (34.), Müller (44.), Riedel (84.)
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