Das Spiel gegen Düsseldorf wird besonders wichtig, weil...
Das hat gutgetan! Mal eine ganze Woche raus aus der HSV-Mühle, mal nichts gelesen, nicht einmal richtigen Internet-Empfang auf der Hütte gehabt. Natur pur um mich herum – und…

Das hat gutgetan! Mal eine ganze Woche raus aus der HSV-Mühle, mal nichts gelesen, nicht einmal richtigen Internet-Empfang auf der Hütte gehabt. Natur pur um mich herum – und meine Familie. Ein Traum! Dazu noch ein paar Ausflüge (u.a. Rheinfall von Schaffhausen, Europa Park Rust etc.) – mehr ging nicht. Wobei doch: Noch eine Woche länger wäre ein Traum gewesen. Aber andererseits wird diese Woche auch beim HSV mehr als spannend werden, denn am Sonnabend steht ein extrem wichtiges Spiel auf dem Plan. Behaupte ich.
Warum? Ganz einfach: Eine Niederlage würde den HSV ins tabellarische Niemandsland zurückwerfen – ein Sieg könnte den Anschluss an die Tabellenspitze wiederherstellen. Vor allem würde man mit einem Sieg gegen die Fortuna aus Düsseldorf selbige auf sechs Punkte distanzieren. Von daher: Ein richtungsweisendes Spiel, sage ich. Und damit möchte ich gar nichts hochstilisieren, sondern bin tatsächlich überzeugt davon, dass der HSV jetzt zeigen wird, wo er dieses Jahr hingehört.
Dass Sportvorstand Jonas Boldt öffentlich davon spricht, dass man diese Saison nicht aufsteigen muss, es aber durchaus will – alles okay. Was soll er sonst sagen? Immerhin wissen auch beim HSV inzwischen alle, dass dieser Kader zwar Potenzial für Großes hat, aber eben noch lange nicht groß ist. Dafür muss noch sehr viel gearbeitet werden. Und die heute in der Mopo aufgeworfene Frage, ob der FC St. Pauli gerade den HSV als Nummer eins der Stadt ablöst, kann man – oder muss man? - mit ja beantworten. Und das sogar, ohne deshalb nervös zu werden.
St. Pauli darf den HSV überholen - aber nicht auf Sicht
Denn eine solche Entwicklung musste man bei dem aktuellen Umbruch einkalkulieren. Natürlich wäre es schöner, wenn man seinen sportlichen Reset tabellarisch stets vor dem FC St. Pauli vollziehen könnte. Aber dafür ist der Stadtrivale leider aktuell zu stark. Denn dort hat man diesen Reset bereits vor knapp einem Jahr vollzogen und seitdem konsequent weiter daran gearbeitet. Mit erheblichen personellen Verlusten (Marmoush, Zalazar), aber auch mit einem starken Grundgerüst, das im Laufe der letzten Saison bis zur Hinrunde auf einem Abstiegsplatz stand und sich jetzt aufschwingt, die Zweite Liga von ganz oben zu grüßen.
Der FC St. Pauli ist aktuell also stärker als der HSV, und viele werden mich jetzt verteufeln, dass ich das so hinnehme. Aber all denen sei gesagt: Das darf eine Momentaufnahme sein – aber es darf kein bisschen mehr werden. Soll heißen: Der HSV muss angesichts der weiterhin ungleichen wirtschaftlichen Potenziale im jeweiligen Umfeld diesen Zustand nie auf Dauer hinnehmen. Im Gegenteil: Alle hier anwesenden Entscheider müssen sich daran messen lassen, einen Weg aufzuzeigen, wie man schnellstmöglich nicht nur den Stadtrivalen wieder hinter sich bringt, sondern auch die Erste Liga wieder erreicht. Alles andere ist zu wenig – aber der Weg dahin ist am aktuellen Status gemessen noch weit.
Mit anderen Worten: Der HSV steckt in einer Entwicklungsphase, die uns nicht beunruhigen muss, die aber auch niemanden zu irgendeinem Moment zufriedenstellen darf. Der HSV darf zudem nicht auf andere schauen und darf sich von Prestige-Nummern wie Stadtmeisterschaft und andere Rivalitäten nicht vom Wesentlichen ablenken lassen. Denn nur so lange, wie zu erkennen ist, dass der HSV eine Entwicklung nach vorn macht, ist es okay. Stagnation ist nicht hinnehmbar.
Moniz fordert mehr Charakter und Arbeit - zurecht!
Auch deswegen wird das Spiel am Sonnabend wichtig sein, um zu erkennen, woran man beim HSV aktuell ist. Die letzten zwei Partien gegen Nürnberg und Aue jedenfalls können eher nicht als positive Entwicklung gewertet werden. Und: nein, damit deute ich keine Trainerdiskussion an, sondern betrachte den Status Quo einfach nur ganz nüchtern! Denn wenn man sich wie der HSV neu erfinden will, muss jeder Tag ganz genau beleuchtet werden. Jeder Tag muss so intensiv genutzt werden, wie es Ricardo Moniz im Abendblatt zuletzt wiederholt hat. Wie schon im Gespräch bei ihm in der Kabine (im Jahr 2009, als Moniz beim HSV seinen ersten Auftritt hatte) verlangt der Niederländer auch diesmal noch mehr Engagement – weil er eben NIE zufrieden ist. Er sagt Sätze wie „Die Spieler könnten bis 21 Uhr die Trainingsmöglichkeiten im Volkspark nutzen und jeden Tag 120 Prozent geben. Doch das passiert zu selten.“ Oder auch: „Wir sind alle keine Naturtalente, und deshalb braucht man 400 Wiederholungen im Training, zum Beispiel im Abschluss, um die Qualität anzuheben.“ Und wer jetzt zuerst die Trainingsplanung von Tim Walter und seinen Vorgängern anprangert, dem entgegnet Moniz, dass solche Extraschichten auch von den Spielern ausgehen müssten. Moniz: „Du musst jeden Tag trainieren, was du nicht kannst. Auch wenn niemand zuschaut – das ist Charakter. In der ersten Mannschaft existiert heute weniger Arbeitstalent als früher.“
Recht hat er. Aber diese David Jarolims, Ivica Olics und Co. gibt es leider nur noch sehr selten. Und das hat der HSV sicher nicht exklusiv. Umso wichtiger ist es aber, dass der Blick von außen auf die Entwicklung des HSV penibel genau ist und bleibt. Und daher, noch einmal meine Warnung für das Spiel am Sonnabend gegen zweifelsfrei gute Düsseldorfer: Noch so ein Spiel wie gegen Aue oder in großen Teilen auch gegen Nürnberg muss als Alarmzeichen verstanden werden. Daraus müssen konkrete Analysen entstehen, die im Training Beachtung finden. Inhaltlich – und ggf. eben auch in Form von mehr und/oder längeren Trainingseinheiten. Aber dazu werde ich Euch morgen schon mehr hier aufzeigen können. Denn da werde ich Euch die erste Zwischenbilanz auf Daten basierend von unseren Freunden von Createfootball.com hier reinstellen.
Heute wurde auch wieder trainiert. Noch ohne die Länderspielfahrer und leider doch noch ohne Josha Vagnoman, der weiterhin individuell trainiert. Wann der U21-Nationalspieler wieder einsetzbar ist, ist somit weiter offen. Von daher: Ich freue mich, wieder zurück zu sein und melde mich morgen früh wieder wie gewohnt mit dem MorningCall. Und weil ich es zuletzt gefragt wurde: Wer seine Fragen für den Communitytalk stellen möchte, der kann das immer am Dienstag ab zehn Uhr über unsere Instagram-Seite machen oder mir einfach eine Email mit der Frage an [email protected] senden. Bis dahin! Genießt den Montagabend und bleibt gesund!
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