Analyse

Das Personalkarussell nimmt beim HSV Fahrt auf

Merlin Polzin ist ein junger Trainer, in allen Belangen. Denn trotz seiner X Jahre beim HSV als Cotrainer in der Zweiten Bundesliga, ist die Rolle als Cheftrainer eben noch mal…

Das Personalkarussell nimmt beim HSV Fahrt auf

Merlin Polzin ist ein junger Trainer, in allen Belangen. Denn trotz seiner X Jahre beim HSV als Cotrainer in der Zweiten Bundesliga, ist die Rolle als Cheftrainer eben noch mal eine ganz andere Nummer. Dass er diese Rolle bis Winter innehaben wird, wurde unlängst von Sportvorstand Stefan Kuntz verkündet. Wie es danach weitergeht? Darüber haben Mats Beckmann von Createfootball.com und ich uns offenbar mehr Gedanken gemacht als Polzin selbst.

Dass er nachts häufiger wachliegt, schiebt der Interims-Chef des HSV zumindest nicht auf seine nach der Winterpause noch ungewisse Zukunft.  Stattdessen sei es seine Motivation, den Fußball-Zweitligisten erfolgreich wieder an die Tabellenspitze zu führen. „Wir wollen für einen Fußball stehen, für den die Leute ins Stadion kommen und auf den der HSV dann auch stolz sein kann. Und das ist der Antrieb, der uns Tag und Nacht wachhält“, so der der 34-Jährige vor dem Auswärtsspiel beim Aufsteiger SSV Ulm am Sonnabend (Anpfiff 13 Uhr. 

Polzin will Dauerlösung werden

Polzin versucht, aus seiner Bewährungszeit eine Daueranstellung als Cheftrainer zu machen. Seine bisherige Bilanz: ein besseres 3:1 beim Karlsruher SC und ein durchwachsenes Remis (2:2) gegen den starken SV Darmstadt 98. Nach den beiden Spielen gegen vermeintlich größere Teams folgen nun also zwei Spiele gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte. Mit Personalformen. Denn der HSV hat auf der Torhüterposition Probleme. Matheo Raab, zuletzt durchaus gleichwertiger Ersatz für Stammtorwart Daniel Heuer Fernandes, fehlt dem HSV monatelang wegen seines Handbruchs, der dritte Torwart Tom Mickel fällt krankheitsbedingt aus. 

Polzin deshalb den gerade erst 19 Jahre jungen U21-Spieler Hannes Hermann in den Profikader hoch. „Bei Hannes ist es ja so, dass er auch jetzt jahrelang schon im Verein ist, eine fantastische Entwicklung genommen hat“, lobte Polzin den jungen Mann, der sonst zwischen den Pfosten bei der zweiten HSV-Auswahl in der Regionalliga steht. Auf Profi-Niveau hat er bislang noch keine Erfahrungen in Spielen gesammelt. Eine Notlösung – aber im Normalfall dürfte sich das nicht bemerkbar machen.

Anders steht es offenbar um die interne Aufstellung der HSV-Verantwortlichen. Und damit meine ich weniger Polzin, der selbst sagte: „Ich halte wenig davon, jetzt zu viel in die Zukunft zu denken. Es ist eher besonders, weil wir mit fantastischen Spielern zusammenarbeiten dürfen, weil wir wissen, wie vielen Menschen der HSV etwas bedeutet. Und das ist das, was uns antreibt. Und es ist weniger so, dass wir uns da viele Gedanken darüber machen, was passieren könnte und was auch nicht passieren könnte.“

Anders steht es hierbei um die Aufstellung um die Profimannschaft herum. Die Verantwortlichen um Sportvorstand Kuntz möchten unbedingt, dass der Plan mit dem jungen Coach aufgeht. Viele namhafte Trainer haben es seit dem Abstieg 2018 nicht geschafft, den Verein zurück in die erste Liga zu führen. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, erwägt der Traditionsverein die Installation eines technischen Direktors neben Profifußball-Direktor Claus Costa. Der Club wolle offenbar „mehr Führung in die Kabine bringen“, hieß es- und das ist eher kein Kompliment an Polzin. Denn diese Führung soll auch dem bislang als Cheftrainer eher unerfahrenen Polzin helfen.

Aber okay, der HSV macht es mal wieder wie immer: Ziele verpassen – und aufstocken. Mehr Kosten, bei gleichem (oder weniger) sportlichen Ertrag. Denn noch ist der HSV nicht auf Erstligakurs. Dass man einen Sportvorstand, einen Sportdirektor und jetzt auch noch einen Technischen Direktor braucht – ich halte es für ein weniger großes Problem, als es sportlich die Innenverteidigung darstellt. Einen schnellen, zweikampfstarken Innenverteidiger zu finden ist dem HSV jetzt seit Vuskovic nicht gelungen. Vielleicht sollte man das aber endlich mal priorisieren, bevor man wieder Leute teuer einkauft, die andere teure Leute finden sollen…

Kommt ein Technischer Direktor? Polzin soll Hilfe für die Kabine bekommen

Dass man parallel die Kaderkosten senken will, ist ebenso wenig neu wie sinnvoll. Zuletzt wurden mit Öztunali und Heyer bereits zwei Spieler aussortiert, nachdem bekannt geworden war, dass Suhonen und Oliveira den HSV auf Leihbasis verlassen dürften. Sollte man alle vier zum Teil ganz und zum anderen Teil partiell von der Gehaltsliste streichen können, sollte dennoch erst einmal in neues Personal auf dem Platz investiert werden. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Ich sehe in der Verteidigung (zuerst innen, dann rechts) den mit weitem Abstand größten Handlungsbedarf. Oder wie seht Ihr das?

 In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend!

Scholle

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