Das Magath-Aus beim HSV, der Beirat – und die Einordnung meiner Haltung
Der HSV e.V. ist ein demokratisch organisierter Verein mit einer von den Mitgliedern verabschiedeten Satzung. Diese Satzung ist für alle bindend – auch für mich. Solange sie in…

Der HSV e.V. ist ein demokratisch organisierter Verein mit einer von den Mitgliedern verabschiedeten Satzung. Diese Satzung ist für alle bindend – auch für mich. Solange sie in Kraft ist, respektiere ich sie und akzeptiere jede darauf basierende Entscheidung. Das gilt auch im aktuellen Fall Felix Magath. Aber: Das heißt nicht, dass ich keine eigene Meinung dazu haben darf. Und diese werde ich auch weiterhin äußern.
Denn: Dieser Blog ist mein Blog. Hier schreibe ich, was ich denke. Mal emotional, mal sachlich, mal analytisch – aber immer mit dem Anspruch, transparent zu sein, statt allen gefallen zu wollen. Wer mich und diesen Blog kennt, weiß, dass ich zwischen persönlicher Meinung und sachlicher Einordnung unterscheide. Bei Spielanalysen bin ich oft leidenschaftlich und subjektiv – bei strukturellen oder satzungsrelevanten Themen bemühe ich mich um Objektivität. So auch gestern.
Fakten nicht mit Wertungen verwechseln
Als es um die Nichtzulassung von Felix Magath zur Präsidentschaftswahl ging, habe ich mich bewusst auf die Fakten beschränkt. Ich habe erklärt, wie die Satzung aufgebaut ist, welche Rolle der Beirat darin spielt und was Magath selbst über seine Ziele beim HSV gesagt hat. Ich habe keine Bewertung seiner Person vorgenommen, sondern versucht, die Strukturen so einzuordnen, wie sie eben sind – nicht, wie ich sie gerne hätte.
Natürlich habe ich eine Meinung dazu, ob ein Gremium wie der Beirat heute noch zeitgemäß ist. Natürlich kann man die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, wenn drei bis fünf Personen vorfiltern, wer von über 120.000 Mitgliedern überhaupt gewählt werden darf. Und selbstverständlich habe ich auch eine persönliche Haltung zu Felix Magath – eine respektvolle und durchaus wohlwollende, wie ich mehrfach betont habe. Aber das sind andere Diskussionen, die nicht den sachlichen Kern des gestrigen Beitrags berührt haben.
Was mich allerdings irritiert, sind Kommentare, die mir Parteilichkeit, politische Absichten oder sogar „Systemloyalität“ unterstellen. Da wird plötzlich der Blog zum Feindbild erklärt, der „gegen die Wahrheit“ arbeitet. Und ganz ehrlich: Wer die Dinge so eindimensional betrachtet und die Komplexität einer Vereinsstruktur komplett ausblendet, will nicht diskutieren, sondern bestätigt werden.
Fast hätte ich den ersten User von mir aus gesperrt
Diesmal hat es ein Blog-User geschafft, als erster überhaupt von mir gesperrt zu werden. Zwar nur kurz, weil ich mir hier nicht nachsagen lassen mag, dass ich für Kritik sperre. Aber in diesem Fall geschah das zunächst aus Rücksicht. Er selbst hat sich als von mir absichtlich „verdummt“ bezeichnet und eingestanden, dass er hier keinen Mehrwert mehr findet. Ich habe das respektiert, danke ihm aufrichtig und wünsche ihm, dass er andernorts genau das findet, was er sucht. Aber: Ich sperre nicht wegen Kritik. Ich sperre allerdings ab sofort dort, wo der Dialog unmöglich geworden ist.
Zum Schluss noch mal ganz deutlich: Ich halte mich an demokratische Entscheidungen – ohne Wenn und Aber. Aber ich nehme mir das Recht, diese kritisch zu begleiten, solange ich das mit Respekt, Sachlichkeit und Fakten tue. In diesem Sinne lege ich heute zwei Kommentare offen, die ich beide voll und ganz unterschreibe: Einen nüchternen, sachlichen zur Rolle des Beirats. Und einen sehr emotionalen, der die Frage stellt, wie der HSV eigentlich mit Persönlichkeiten wie Magath künftig umgehen will.
Beide Texte helfen – so hoffe ich – dabei, mich besser einschätzen zu können. Denn ich stehe nicht über den Dingen. Aber ich stehe für eine Haltung, die differenziert, die zuhört – und die mitdenkt. Gerade, wenn es ungemütlich wird.
Anbei zwei Kommentare aus zwei komplett unterschiedlichen Blickwinkeln. Einmal journalistisch korrekt und objektiv-faktenorieriert wie gestern – einmal emotional und subjektiv. Dennoch mag es helfen, meine Einstellung grundsätzlich zu verstehen, zumal ich beide Kommentare so zu 100 Prozent unterschreiben würde:
Kommentare zur Nichtzulassung von Felix Magath:
Eine sachliche Einordnung
Zunächst eines vorweg: Der HSV e.V. unterliegt einer demokratisch abgestimmten Satzung, die für alle Mitglieder gleichermaßen gilt. Sie ist die verbindliche Grundlage des Vereinslebens – und an sie haben sich alle Organe und Mitglieder zu halten, solange sie nicht durch Anträge und demokratische Abstimmungen verändert wird. Diese Satzung schafft Ordnung, Struktur und Verbindlichkeit – und ist damit auch das Maß, an dem sich Entscheidungen wie die jüngste des Beirats zu orientieren haben.
Im Zusammenhang mit der Entscheidung des Beirats, Felix Magath nicht zur Wahl als Präsident des HSV e.V. zuzulassen, ist mir persönlich eines besonders wichtig: Ich war an keiner Stelle „gegen Magath“, sondern habe mich durchgängig an der Sache und den Fakten orientiert.
Die Aufgabe des Beirats besteht laut Satzung darin, die Eignung von Kandidaten für das Präsidentenamt zu prüfen – und zwar anhand der Anforderungen, die dieses Amt innerhalb des Hamburger Sport-Verein e.V. mit sich bringt. Es geht also nicht um Popularität, sportliche Erfolge oder Vereinsgeschichte, sondern um die Verantwortung für einen Mehrspartenverein mit über 30 Abteilungen, 8.500 aktiven Sportlerinnen und Sportlern und insgesamt mehr als 120.000 Mitgliedern.
Felix Magath hat nie einen Hehl daraus gemacht – weder öffentlich in Interviews noch im Gespräch mit den Beiräten –, dass sein Fokus nicht auf dem e.V. mit all seinen sportlichen und organisatorischen Bereichen liegt, sondern auf dem Profifußball. Und da gehört Felix Magath auch hin. Problem hierbei: Der Präsident des HSV e.V. gehört hier eben nicht hin. Dass Magath dies im Gespräch mit dem Gremium offen ausgesprochen hat, zeugt von Ehrlichkeit und verdient Respekt. Aber genau diese Ehrlichkeit war zugleich nicht vereinbar mit dem Amt, für das er kandidierte. Der Präsident des HSV e.V. ist nicht der verlängerte Arm der HSV Fußball AG. Er ist Repräsentant und Verantwortungsträger des gesamten Hauptanteilseigners des HSV.
Man kann – und sollte – durchaus kritisch diskutieren, ob die Struktur des HSV mit einem solch einflussreichen Gremium wie dem Beirat zeitgemäß ist. Denn natürlich ist es legitim zu fragen, ob drei bis fünf gewählte Mitglieder am Ende darüber entscheiden sollten, welche Kandidatinnen und Kandidaten überhaupt zur Wahl gestellt werden dürfen. Diese Diskussion ist wichtig – und ich habe sie auch geführt. Sie ist aber nicht mit der Entscheidung über Felix Magath zu verwechseln.
Zur Einordnung: Auch Bernd Hoffmann hat das Amt des Präsidenten einst genutzt, um sich an die Spitze der HSV Fußball AG zurückzubewegen. Daran zweifelte bei dessen Kandidatur niemand. Auch damals hätte der Beirat einschreiten können – hat es aber nicht. Warum, bleibt offen. Doch anders als Hoffmann hat Magath eben keine aufwendige Argumentationslinie konstruiert, sondern klar gesagt, worum es ihm geht. Das war ehrlich – aber mit Blick auf die Satzung auch unvereinbar mit dem Präsidentenamt.
Ich habe zu keinem Zeitpunkt behauptet, dass die Ablehnung Magaths meine persönliche Wunschentscheidung war. Und im Gegensatz zu denen, die mir genau diesen Unfug vorwerfen, kenne ich Magath persönlich – und ich schätze ihn für seine Erfolge, seine Erfahrung und seine Ehrlichkeit. Ich bin mir auch sicher, dass Magaths Erfahrungsschatz diesem HSV mächtig helfen könnte! Aber wie es mit Satzungen so ist, wurde hier nach eben dieser gehandelt. Es ist schlicht eine nachvollziehbare und sachlich begründete Folge des Auftrags, den der Beirat zu erfüllen hatte. Eine Entscheidung im Sinne der Vereinsordnung – nicht der persönlichen Präferenzen.
Mein persönliches Fazit ist eindeutig: Felix Magath ist und bleibt eine große Persönlichkeit des deutschen Fußballs. Seine Erfahrung und sein Know-how sind unbestritten – und er wäre für viele Profiklubs eine Bereicherung. Auch für den HSV. Aber: Wenn er Teil der Zukunft dieses Vereins sein will, muss er sich qua Satzung auf einem passenderen Spielfeld einbringen. Das Amt des Präsidenten ist dafür nicht der ausgeschriebene Platz, wenn das Ziel primär die Einflussnahme auf den Profifußball ist.
Und genau darum geht es. Es war keine Entscheidung gegen eine Legende, sondern eine Entscheidung im Sinne der Satzung. Ob diese am Ende sinnvoll für des Gedeihen des HSV in Gänze ist, das ist indes eine andere Frage.
KOMMENTAR NUMMER 1
Kommentar zur Nicht-Zulassung von Felix Magath:
Eine emotionale Einordnung
Felix Magath will helfen. Und das nicht erst seit gestern.
Seit Jahren versucht sich eine der größten Persönlichkeiten, die dieser Verein je hervorgebracht hat, immer wieder beim HSV einzubringen. Mit seiner Expertise. Mit seiner Erfahrung. Mit seinem unerschütterlichen Glauben daran, dass dieser Klub wieder Größe entfalten kann – und muss. Doch bislang wurde ihm regelmäßig signalisiert: „Nein danke.“ Der Vorwurf, der unausgesprochen stets im Raum steht: Zu unbequem. Zu einflussreich. Zu sehr Magath.
Aber ist das wirklich ein Grund, auf jemanden wie ihn zu verzichten? Ein großer Verein darf keine Angst vor großen Persönlichkeiten haben. Im Gegenteil: Er braucht sie. Der HSV braucht sie.
Magath mag unbequem sein. Ja, vielleicht ist er es sogar absichtlich. Aber genau das gehört in einen Klub, der endlich aufhören will, sich in einer wohligen Komfortzone einzurichten – nicht nur auf dem Platz, sondern auch im Umfeld. Die Wohlfühloase gehört überall abgeschafft, auch auf den Fluren, in den Büros, in den Gremien. Und wer ernsthaft glaubt, dass man das mit netten Schulterklopfern, Harmonieversprechen und konfliktscheuen Führungskonzepten erreicht, hat das Problem nie verstanden.
Natürlich kann Felix Magath nicht im Alleingang alles entscheiden. Auch ihm müssen Grenzen gesetzt werden – so wie es für jede Person in einer verantwortungsvollen Position gelten muss. Aber dann stellt sich eben die eigentliche Frage: Welches Amt, welche Rolle ist die richtige für ihn? Denn dass der HSV auf ihn als Person nicht verzichten sollte, steht für mich außer Frage.
Die Entscheidung des Beirats, Magath nicht zur Präsidentenwahl zuzulassen, mag formal korrekt gewesen sein. Die Satzung hat klare Vorgaben, und diese wurden offenbar erfüllt. Doch sie offenbart zugleich einen Widerspruch, der schon viel zu lange im Raum steht: Der Präsident des HSV e.V. ist qua Struktur auch immer mitverantwortlich für das größte Vermögen des Vereins – nämlich die Profiabteilung. Zu erwarten, dass dieser Präsident sich dann ausschließlich für den Amateurbereich interessiert, ist nicht nur realitätsfern, sondern geradezu absurd.
Wenn die Satzung auf der einen Seite klare Trennung fordert, aber auf der anderen Seite faktisch eine Machtposition schafft, die tief in die HSV Fußball AG hineinreicht, dann braucht es eine neue Lösung. Sonst wird man immer wieder in die gleiche Diskussion geraten: Darf jemand wie Magath überhaupt kandidieren, obwohl er sich für den Profibereich interessiert? Und schlimmer noch: Wird man in Zukunft weiterhin Menschen ablehnen, die genau dort ihre Expertise einbringen könnten – weil es die Satzung formal nicht vorsieht?
Wer so denkt, riskiert nicht nur Reibungsverluste, sondern echten Verdruss. Beim Mitglied. Beim Fan. Und bei Persönlichkeiten, die dem Verein helfen wollen – wie Magath. Gleichzeitig darf man nicht verschweigen, dass auch die Strukturen rund um den Profifußball beim HSV regelmäßig auf den Prüfstand gehören. Es geht nicht um einzelne Namen, nicht um Personen, die aktuell in Verantwortung stehen. Im Gegenteil: Viele leisten Hervorragendes. Aber zu viele Entscheidungen werden im Schatten einer harmonischen Oberfläche getroffen – zu selten hinterfragt, zu wenig gerieben.
Warum arbeitet der HSV immer noch mit nur zwei Vorständen, die ihre Bereiche wie autonome Inseln führen? Warum gibt es so wenig offene, kontroverse Diskussionen – intern wie extern? Reibung ist kein Problem. Sie ist Voraussetzung für Entwicklung. Was im Spielbetrieb längst erkannt wurde, muss auch in den Führungsetagen gelten.
Deshalb bleibt die zentrale Frage bestehen: Wo kann – und muss – man Felix Magath einbinden, damit der HSV von seinem reichen Erfahrungsschatz profitiert? Ein Verein, der wachsen will, darf keine Angst vor Reibung haben. Sondern muss lernen, daraus Energie zu ziehen.
Magath will sich einbringen. Unbedingt. Und das ist nichts, was man abwehren sollte. Das ist etwas, das man ermöglichen muss. Nicht um seiner Person willen. Sondern um des HSV willen.
KOMMENTAR NUMMER 2
Wenn es in Zukunft darum geht, hier über demokratische Prozesse wie Wahlen zu sprechen, werde ich es mir vorbehalten, mich objektiv-faktenorientiert zu äußern. Kandidatinnen und Kandidaten ausreichend vorstellen, alle nach Möglichkeit im gleichen, fairen Rahmen. Dass ich persönlich dabei eine eigene Meinung habe, oder diese im Zuge des Wahlkampfes entwickle - logisch! Und ich behalte mir in meinem Blog ebenso vor, diese Meinung dann mit allem nötigen Respekt allen Kandidierenden gegenüber zu äußern.
Aber eines muss hier bitte allen klar sein: Ich vertrete hier ausschließlich meine Meinung. Diese bilde ich mir aus meinen Beobachtungen, meinen Gesprächen mit den Verantwortlichen und meinen Informationen. Mir ging und geht es dabei nullkommanull darum, hier irgendjemanden zu "verdummen" oder zu beeinflussen. Wofür auch? Mir ging und geht es ausschließlich darum, hier einen Ort für Diskussionen über und für den HSV zu schaffen.
An dieser Diskussion beteilige ich mich gern schriftlich und per Videos und lade alle ein, daran teilzunehmen. Zumindest so lange, wie sie dies respektvoll hinbekommen.
Und um gleich mal im Thema (und passenderweise sogar im "Team Magath" zu bleiben, noch ein paar Worte zu Richard Golz, dessen Kandidatur für das Amt des Vizepräsidenten zugelassen wurde. Der ehemalige HSV-Keeper hat heute via Social Media sein Programm veröffentlicht, siehe hier:



Ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Tagen und Wochen noch mehr solcher Programme präsentiert bekommen werden. Ich werde dann selbstverständlich darauf eingehen, um Euch hier die komplette Breite der Kandidaturen anbieten zu können.
In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Mittwochabend. Ich melde mich dann morgen mit einem neuen Video zurück - dann mit unserem Chef-Analysten Mats Beckmann, mit dem ich die abgelaufene Saison besprechen, auf die neue Saison vorausschauen und über potenziell notwendige Personalien sprechen werde.
Bis morgen!
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