Das Land, wo Milch und Honig fließen gibt es nicht mehr...
Ich habe letzte Woche damit aufgehört – und ich fange diese damit an: Mit einer Reaktion auf einen Post von Jürgen Linnenbrügger. Zugegeben: Ich kenne Jürgen schon recht lange…

Ich habe letzte Woche damit aufgehört – und ich fange diese damit an: Mit einer Reaktion auf einen Post von Jürgen Linnenbrügger. Zugegeben: Ich kenne Jürgen schon recht lange und schätze ihn menschlich wie fachlich. Dennoch möchte ich mich hier für diese Bevorzugung nicht entschuldigen, es aber erklären. Denn Jürgen ist heute noch einmal auf das Thema der Vorwoche eingegangen, das sich schier endlos weiter diskutieren ließe. Am Ende noch kurz die Meldungen des Tages im Telegrammstil, zuvor in Kursiv der Post von Jürgen und meine Antworten dazu:
Es wird ja von Scholle hier die Meinung vertreten, das der HSV, nur über eine gute Nachwuchsförderung wieder in die Spur kommen kann, also Weiterentwicklung der eigenen Talente. Hier kommt es auch auf eine gute Scoutingabteilung an, die neue Talente frühzeitig aufspürt, und auf ein qualitatives Trainerteam im NLZ . Ich bin der festen Meinung das die Scoutingabteilung alle in Frage kommenden Spieler kennt und in Ihrer Kartei hat.
Das wäre der Optimalfall, ist aber mitnichten so. Der HSV ist aus finanziellen Gründen für freie Scouts nicht mehr ansatzweise so interessant wie die hiesigen Erstligisten und die Top-Klubs der zweiten Liga. Um von den europäisch spielenden Klubs gar nicht erst zu sprechen. Daher melden diese sich natürlich auch zuerst dort, wo sie mehr Geld für sich wittern. Das war immer so – das wird auch so bleiben. Und dass die HSV-Scouts einen kompletten Überblick haben ist utopisch. Kein Verein der Welt schafft das allein mit seinen Angestellten. Das Netzwerk ist entscheidend.
Das viel größere Problem sehe ich in der Realisierung diese Übertalente auch zum HSV zu holen. Der WB auf diesem Gebiet ist riesig, daher wird man die absoluten Toptalente nicht bekommen.
Der HSV wird sich über seine Ausbildungsqualität versuchen müssen, zu etablieren. Alles andere ist aus finanzieller und sportlicher Sicht derzeit nicht darstellbar. Erst wenn der HSV zu einer Top-Ausbildungsstätte für Talente geworden ist und ein Sprungbrett darstellt in den Profibereich, wird er auf dem Markt der großen Talente wieder in Teilen mitmischen können. Den schnöden Mammon aber darf man hier nicht außer Acht lassen. Bayern, Bayer, VW, RB und BVB werden hier immer vor dem HSV stehen. Auch deshalb hatte ich zu Beginn der Kühne-Ära beim HSV geschrieben, dass es aus meiner Sicht am allermeisten Sinn machen würde, wenn Kühne in die Talentausbildung investierte. Hat er aber nicht, bzw. der HSV hat die vielen Millionen für andere Dinge verschwendet. Und das Ergebnis ist ein mieses Erbe, denn heute muss man mit Hausmitteln versuchen, das nachzubauen, was man vor einiger Zeit mit Geld deutlich schneller hätte aufbauen können.
Daher ist es nach meiner Meinung ebenfalls sehr wichtig den Markt der 18 - 23 Jährigen Spieler (3. Liga, die 2. Ligen in Frankreich, Spanien. Portugal etc. gut zu kennen, um auch hier frühzeitig an interessante Spieler dran zu sein.
Sehe ich genau so. Genau das hatte ich in meinen letzten Blogs auch so geschrieben.
Dann sind wir jedoch wieder bei dem leidigen Thema Geld. Bis alle diese Kriterien greifen vergehen sicherlich 3-5 Jahre (siehe Freiburg). Das Geld hierfür sollte daher, versucht werden zusätzlich, über Gönner, Sponsoren zu generieren, die speziell, losgelöst vom Profiteam, sich hier im Jugendnachwuchsbereich engagieren.
So ähnlich hatte ich das mit Kühne gemeint. Wenn ich in den letzten Jahren wiederholt geschrieben habe, dass jeder Euro im Nachwuchsbereich mehr wert ist als 100.000 Euro in den Profikader, meinte ich genau das. Ich meinte, dass der HSV oben verschwenderisch ausgegeben hat, was unten geholfen hätte. Ich hatte die Jugendausbildung immer als Geschäftsmodell für den HSV gesehen – aber leider fehlte den beteiligten dazu die Bereitschaft. Sie wurden durch das viele Geld träge und dachten, dass es immer so weitergehen würde. Wobei einige auch dachten „wenn es zu spät ist, bin ich eh nicht mehr da“. Fakt aber ist, dass sich keiner langfristig Gedanken gemacht hat – und dieses Fiasko werden die Verantwortlichen der nächsten Jahre ausbaden müssen. Lange noch, behaupte ich.
Dazu bedarf es aber auch über ein überzeugendes Konzept. Hier wäre Horst Hrubesch als Galionsfigur gefragt, der hier sicherlich schon als Person überzeugen könnte. Die Voraussetzungen sind doch hier sehr gut. Das übrige Geld wird zwingend dafür gebraucht werden, die Bundesligamannschaft konkurrenzfähig zu halten, sodass Sie jedes Jahr um dem Aufstieg mitspielen kann, dieses ist für die weitere Konsolidierung des HSV unbedingt erforderlich.
Letzteres muss immer das Ziel bleiben – wenn auch nicht immer für sofort, sondern auf Sicht. Der HSV muss den Plan verfolgen, sich jedes Jahr so aufzustellen, dass der Aufstieg möglich ist. Das wirtschaftliche Umfeld ist in diesem Bereich aus meiner Sicht lange noch nicht ausgenutzt – aber leider in großen Teilen verschreckt von dem Habitus des lange Zeit überheblichen HSV. Hier würde es reichen können, wenn Präsident Marcell Jansen seine Agenda auf Hamburger Ebene etwas stärker umzusetzen versuchte. Allein an Hamburger Unternehmen gibt es ausreichend, um sich mit einem nachhaltigen Konzept aus Profifußball und dazugehöriger Talentausbildung so aufzustellen, dass Aufstieg ebenso wie die Ausbildung eigener Profis ausgebaut und umgesetzt werden kann.
Ich will hier nicht über das „Gesamtkonstrukt HSV“ sprechen, das würde hier den Rahmen sprengen. Wie ihr seht es gibt viel zu tun. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen im HSV hier erheblich besser werden und hieran arbeiten, arbeiten, arbeiten…….
Das hoffen wir alle. Denn eines ist ganz sicher: Anders wird es nicht mehr funktionieren. Die Zeit, wo der HSV für seine Angestellten das Land war, in dem Milch und Honig zu fließen schien, ist lange vorbei. Dieser HSV ist ein normaler Zweitligist mit überproportionalem Potenzial im Umfeld. Oder anders formuliert: Das Umfeld des HSV ist deutlich besser, als es der HSV zu nutzen weiß.
Das zum Thema „HSV der Zukunft“. Heute durfte sich Trainer Tim Walter erst einmal darüber freuen, dass Daniel Heuer Fernandes wieder auf dem Platz trainieren konnte. Die Nummer eins trainierte zwar vor der Mannschaft individuell, aber sein Einsatz am Sonnabend gegen Regensburg ist damit weiter im Bereich des Möglichen. Ebenso – nein, sogar noch wahrscheinlicher dabei sein kann Jonas Meffert, der trotz gebrochenen Zehs heute voll mittrainieren konnte, während Faride Alidou beim 1:1 der deutschen U20-Nationalelf in Portugal in der 70. Minute eingewechselt wurde und den 0:1-Rückstand noch in ein Remis zu drehen wusste.
Das soll es für heute gewesen sein, bis morgen!
Scholle
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