Das ist nicht der richtige Zeitpunkt für Diskussionen
tgliederversammlung meines Heimatvereines, der sich eine Weile anschickte, dem HSV Konkurrenz zu machen. Nur alles noch ein Stück provinzieller. Heute nun soll es endlich die…

Ich bin heute in vielen Terminen verhaftet, zum Teil auch private und Arztbesuche. Heute Abend muss ich zudem zu einer Mitgliederversammlung meines Heimatvereines, der sich eine Weile anschickte, dem HSV Konkurrenz zu machen. Nur alles noch ein Stück provinzieller. Heute nun soll es endlich die Lösung im Sinne des Gesamtvereines geben – da bin ich als stimmberechtigtes Mitglied gefühlt verpflichtet, vor Ort zu sein. An einem Dienstagabend in der Innenstadt im Großen Kino. Nicht wirklich mitgliederfreundlich. Aber wenn ich sehe, dass der HSV seine MV auf einem Mittwochabend stattfinden lässt, gibt es hier doch wieder Parallelen…
Ebenfalls eine Parallele: Sehr lange Zeit hatte die HSV-Führung eine große Stärke: Integrität. Diese wird aktuell auf eine harte Probe gestellt, da sich das eine oder andere Mitglied der HSV-Führung aus Vorstand und/oder Aufsichtsrat bemüßigt sieht, seine/ihre Meinung kundzutun. „Rumoren“ nennen das die einen, „Spekulationen“ die anderen. Ich nenne es: Bullshit. Vereinsschädigender Bullshit ist das! Denn egal wie man jetzt zu den führenden Personen stehen mag, diese Meinung gehört nicht in dieser kritischen Phase diskutiert. Zusammenstehen für die letzten zwei Spiele ist alles, was die Verantwortlichen jetzt noch hinbekommen müssen. Vielleicht auch noch mal zwei Spiele danach, wenn es richtig gut läuft. Das war es dann. Und von dem Moment an kann Tacheles noch und nöcher gesprochen werden.
Aber um der langen Rede einen kurzen Sinn zu verleihen, werde ich heute mal wieder zu einem ausgewählten Post Stellung beziehen, da sportlich nicht allzu viel Berichtenswertes da ist und ich an diesen irrwitzigen, vereinsschädigenden Diskussionen und Gerüchten nicht teilhaben will. Denn meine Infos sind: Abgerechnet wird am Schluss. Die große Analyse nach Saisonende ist in den entscheidenden Teilen sogar ergebnisoffen. Und so muss es auch formuliert sein. Und das sage ich in dem Wissen, dass sich SELBSTVERSTÄNDLICH jeder intern seine Meinung oder zumindest schon eine recht klare Tendenz gebildet hat.
Und damit komme ich zu einem Post, der mir aufgefallen ist und auf den ich gern reagiere. Frank Müller schrieb zum letzten Blog:
KONITINUITÄTS-GEQUASSEL
-Keine Veränderung- ist NICHT der Schlüssel zum Erfolg.
Wenn etwas nicht hinhaut, sollte man etwas anderes versuchen.
Antwort: Das stimmt natürlich. Aber: Die allesentscheidende Frage ist, welchen Maßstab man da ansetzt. Haut etwas beim HSV schon dann nicht hin, wenn der HSV nicht aufsteigt? Oder gibt es da noch Unterstufen?
Ich weiß, dass der allergrößte Teil hier der Meinung war und ist, dieser HSV MUSS aufsteigen, weil man noch immer den drittgrößten Etat der Liga hat (meist schreiben die Leute sogar fälschlich, dass der HSV den höchsten Etat hätte). Wer mehr Geld bekommt, der muss auch mehr leisten, glauben viele. Kann man wirtschaftlich betrachtet auch so sehen. Aber sie vergessen, dass das Geld allein eben nicht den Erfolg bringt. Nicht, wenn eine menschliche Komponente im Spiel ist. Und die zählt immer dazu im Mannschaftssport. Das Umfeld, die Trainingsqualität sowie der Trainer samt seiner Philosophie. Sogar das Verhältnis Fans/Mannschaft ist sehr wichtig, weil Fußball am Ende eben nicht allein mit den Füßen, sondern vor allem im Kopf entschieden wird.
Oder würde mir hier einer widersprechen, wenn ich behaupte, dass Sonny Kittel fußballerisch die Fähigkeiten besitzt, ein richtig guter Erstligaspieler oder aber zumindest ein Führungsspieler beim HSV zu sein? Wahrscheinlich nicht. Und dennoch weiß ich genauso gut wie ihr, dass Kittel mental eben nicht dazu imstande ist. Jetzt kann man entscheiden, ihn auszutauschen – klar. Er bekommt viel Geld, der Maßstab ist Führungsspieler – und den hat er nicht erfüllt. Diese Debatte habe ich selbst sogar so geführt. Denn mir wären 80 Prozent von Kittel in 100 Prozent der Spiele lieber als 100 Prozent Kittel in 60 Prozent der Spiele. Soll heißen: Der personelle Austausch könnte begründet werden. Aber der birgt sehr viel Risiken, sich letztlich zu verschlechtern.
Noch viel wertvoller ist aus meiner Sicht, wenn man Kittels Kompetenzen richtig einordnet und einbringt. DAS wäre ein Qualitätsnachweis für die sportliche Leitung. Es gibt nämlich immer auch einen zweiten Ansatz: Denn niemals hat Kittel gesagt, er wolle als Führungsspieler gelten. Er wurde dazu gemacht, weil ihm viele das zutrauten. Und jetzt hat er hat enttäuscht, weil er eben das nicht kann. Dennoch hat Kittel dem HSV massiv geholfen und ist der beste Scorer der letzten Jahre. Die Frage, die ich hier also stellen würde, ist: Kann man es sich erlauben, Kittels Qualitäten maximal in seine Mannschaft einzubauen, ohne auf der anderen Seite Führung zu erwarten? Klar kann man das. Man bräuchte dafür nur jemanden, der Kittels Führungsart übernimmt. Läuft das optimal, würde man Kittel eine Last nehmen und der Mannschaft noch mehr Führung verleihen. Denn eines stimmt bei Kittel: Er fühlt sich beim HSV sehr wohl und hat viele Erfahrungen sammeln können, die er nutzen kann.
Ähnlich sehe ich es auch bei Tim Walter. Der HSV-Trainer hat nie gesagt, dass der Aufstieg das erklärte Ziel sei. Und das hat er nicht gemacht, um sich selbst das Leben einfacher und die Ziele leichter zu erreichen zu machen. Er hat es nach einer Abschätzung seines Planes und den Begebenheiten getan. Dass hier einige glauben, mehr Überblick zu haben als der Trainer (und übrigens der gesamte Vorstand) ist normal. Das ist immer so. Das heißt das aber nicht, dass es richtig ist.
Von daher würde es mir als Aufsichtsrat nach Saisonende zu 100 Prozent darauf ankommen, ob die Pläne des Trainers mit denen des HSV übereinstimmen. Ist dem so, bewerte ich die Wahrscheinlichkeit, diese Ziele mit diesem Trainer erreichen zu können (mit dieser Saison als Grundlage für Walters Handeln). Komme ich hier zu dem Schluss dass Walter den richtigen Weg eingeschlagen hat und diesen fortzusetzen weiß, behalte ich di Konstellation so bei wie bisher.
Das Klein-Klein-Gepicker vorm eigenen Tor ist ja nicht verbessert worden, weil man es die Saison über beibehalten hat.
Nicht? Ich behaupte, dass es definitiv etwas sicherer geworden ist, weil die Mannschaft die Fehler der ersten Spiele bzw. der Hinrunde in der Rückrunde zu vermeiden versucht. Aber ich stimme Dir zu, dass hier noch immer zu stur gehandelt wird.
Hier wird behauptet, die Trainer- und Systemwechsel hätten den Verein „in die Irre geführt“. Nicht die jeweilige Veränderung war falsch sondern es waren die falschen leitenden Personen. DIE passten NICHT.
Aha. Das ist im Nachgang so zu konstatieren, okay. Aber wer genau weiß jetzt, wer den HSV wieder nach vorn bringt? Hast Du bei der Verpflichtung von Boldt und Co. wirklich „gewusst“, was passieren würde? Oder bei Hecking? Nein, sicher nicht. Wie auch. Die Frage, die man sich hier stellen muss, ist: Schafft Boldt es, aus seinen Fehlern der letzten Jahre die richtigen Schlüsse zu ziehen? Und: Schafft Walter es, sich selbst so weiterzuentwickeln, dass die Mannschaft die nächsten Schritte gehen kann? Sind Boldt/Mutzel/Walter sportlich betrachtet geeignet, den HSV zu entwickeln?
Fakt ist, dass die hiesig Verantwortlichen den HSV, sein Umfeld und alle Umstände kennen und sich nicht erst darauf einstellen müssen. Das haben sie allen Neuen voraus. Abzuwägen gilt also, ob dieser Vorteil schwerer wiegt, als das Qualitätsplus eines neuen Trainers/Vorstandes, der dagegen alles neu aufbauen müsste/will.
Boldt ist stolz, hier etwas „kreiert zu haben. Nachwuchs, Entwicklung und den Walter-Ball. Er sagt: „Die Leute identifizieren sich damit.“ Falsch. DIE LEUTE schreien sich auf´m Platz die Seele aus dem Leib, weil sie die Bedeutungslosigkeit des HSV nicht mehr länger ertragen.
Nein, das ist nicht falsch. Und ich behaupte, das beurteilen zu können, weil ich mit sehr vielen im HSV-Umfeld direkten Kontakt habe. Von den Führungskräften bis hin zu den Fans und uns hier. Viele finden den eingeschlagenen Weg gut, einige haben sogar nichts dagegen, noch ein Jahr zweite Liga zu spielen. Weil sie glauben, so könnte der HSV sein Fundament noch viel nachhaltiger gießen. Und ganz ehrlich: Auch wenn ich die Herausforderung Erste Liga lieber sofort als beispielsweise nächstes Jahr angehen würde – ich kann diese Argumentation nicht eindeutig widerlegen. Du?
Auch die von Boldt gerühmte grandiose Einheit sehe ich nicht. Die ist bei den meisten Vereinen größer, schon weil sie jedenfalls Leader auf´n Platz schicken können.
Das ist polemisch. Ich gehe mal davon aus, dass Du bewusst übertreibst, um Deinen Standpunkt noch etwas deutlicher zu machen. Fakt ist aber, dass diese Mannschaft Zusammenhalt hat und diesen auch in jedem Spiel zeigt. So widerstandsfähig wie in diesem Jahr war der HSV die letzten Jahre nicht. Und das ist die Mannschaft, weil sie intern Zusammenhalt entwickelt hat. Und: Diese Mannschaft hat Leader: Heuer Fernandes, Schonlau, Meffert, Glatzel – selbst Vuskovic schwingt sich schnell zu einem Leader auf dem Platz auf. Ob dadurch die Qualität des HSV größer ist als bei Werder Bremen oder Schalke 04? Nein! Nominell sind diese beiden Teams die besten der Liga. Aktuell kann da nur Darmstadt mithalten – übrigens mit Zusammenhalt als Basis der eigenen Homogenität. Und egal was man auch über Walter sagen will: Die Mannschaft und er stehen eng zusammen. Und das ist anders als bei den HSV- Mannschaften der letzten Saisonendspurts.
Zur „neuen Linie“ gehört eben auch die Eindimensionalität Walters und dessen absolute Sturheit. Die führt den Verein eher in die Irre als eine Veränderung.
Ja, vieles wirkt eindimensional. Einiges sogar zu eindimensional. Und ich gebe zu, dass hier meine größte noch offene Frage in der Beurteilung Walters liegt. Denn dieser hat zwar sein Offensivspiel in der Hinrunde angepasst (als ihm wichtige Spieler wegbrachen), aber er wurde dazu von so vielen unerwarteten Umständen gezwungen, dass ich mir sicher bin, dass hier weder Einsicht noch Vernunft der Antrieb waren. Und ja: Sturheit ist nie gut, behaupte ich. Denn so lange nicht einer die 100-prozentige Wahrheit kennt, muss sich jeder für Verbesserungen öffnen. Alles andere ist in Sachen Entwicklung eher hemmend als fördernd.
Womit wir wieder beim Gespräch bzw. der großen Analyse nach Saisonende sind. Sollte der HSV aufsteigen, würde es noch mal schwerer für Walter, stur an seinem Spiel festhalten zu wollen. Es sei denn, Klaus Michael Kühne stellt dem HSV-Coach mit viel Geld die dafür nötige Mannschaft auf den Platz – was auszuschließen ist. Von daher ist Walter aus meiner Sicht gezwungen, sich und sein Spiel an verschiedenen Punkten nachzujustieren. Und das – wenn auch etwas weniger extrem – auch bei einem weiteren Zweitligajahr. Hier muss der Vorstand ganz genau prüfen, inwieweit Walter dazu imstande ist.
Aber: NACH der Saison ist dafür Zeit genug. Aktuell gilt es, den handelnden Personen maximale Unterstützung (und Ruhe!) zukommen zu lassen, damit man die Minimalchance auf den Aufstieg vielleicht doch noch zu nutzen weiß. Oder seht Ihr das anders?
In diesem Sinne, bis morgen. Ich werde jetzt versuchen, dabei zu helfen, dass wir es besser machen.
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