Das ist Immanuel Pherai - der neue „Halbzehner“ des HSV
Die Mannschaft hat heute ihre Leistungstest beendet und wird morgen das erste Mal wieder auf dem Platz trainieren. Mit dabei sein wird auch der Zugang aus Braunschweig,…

Die Mannschaft hat heute ihre Leistungstest beendet und wird morgen das erste Mal wieder auf dem Platz trainieren. Mit dabei sein wird auch der Zugang aus Braunschweig, Immanuel Pherai. Ein offensiver Mittelfeldspieler, auf dessen Verpflichtung ich seit Monaten gehofft hatte – und über die ich mich jetzt umso mehr freue. Und das aus vielerlei Gründen, die sich hier auch statistisch wiederfinden. Denn wie immer haben wir auch diesmal keine Mühen und Kosten gescheut, um Euch über unsere Analyseprofis von Createfootball.com auch inhaltlich alles über den Neuen erklären zu können. Viel Spaß dabei:
Immanuel Pherai
Transferanalyse
Stärken
- Kreativität
- Chancenkreation
- Dribbling
Schwächen
- Kopfball
- Zweikampfeffizienz
Spielstil – Advanced Playmaker
Immanuel Pherai kommt von Ligakonkurrent Eintracht Braunschweig, wo er in den abgelaufenen zwei Spielzeiten trotz seines jungen Alters ein wichtiger Schlüsselspieler war. Im letzten Jahr entwickelte sich der Niederländer prächtig und glänzte auch in der 2.
Bundesliga als Leistungsträger. In der abgelaufenen Spielzeit kam Pherai, der in der Jugend von Borussia Dortmund ausgebildet wurde,in 27 Partien zum Einsatz, hauptsächlich als Zehner in variierenden Grundformationen. Der 22-jährige hatte dabei mit 16 Scorerpunkten erheblichen Anteil am Klassenerhalt der Niedersachsen. Pherais größte Stärke sind seine technischen Fertigkeiten, erist sehr dribbelstark, sucht über vier Mal pro 90 Minuten das direkte Duell mit einem Verteidiger und bringt mit vielen beschleunigendenLäufen mit dem Ball am Fuß das Spielgerät in Zonen vor dem gegnerischen Tor, ist somit das Herz sämtlicher Angriffsbemühungen. Mit0.6 Torbeteiligungen pro 90 Minuten befindet er sich im offensiven Output im oberen Viertel der 2. Bundesliga. Hervorhebenswert ist sein sehr mutiges Passspiel, kein offensiver Mittelfeldspieler der abgelaufenen Zweitligasaison hat einen höheren Anteil progressiver Pässe gespielt, jeden fünften Pass spielte Pherai progressiv, hat dadurch einen enorm hohen Raumgewinn durch sein Passspiel und kreiert viele Chancen für seine Mitspieler. Bei der Gesamtzahl an Pässen ins letzte Drittel liegt Pherai ligaweit auf Rang 4 und das obwohl er bei einer Mannschaft unter Vertrag stand, die den geringsten Ballbesitzanteil aller Zweitligisten aufwies. Beim HSV, die den dritthöchsten Ballbesitzanteil in der abgelaufenen Saison hatten, wird Pherai noch mehr ins Spiel eingebunden werden und häufigerdie Möglichkeit bekommen, gefährliche Pässe zu spielen. In der Offensive überzeugt der 22- Jährige aber nicht nur mit seinemPassspiel, er verfügt auch über einen gefährlichen Distanzschuss und gute Technik im Schießen von Standardsituationen. Gegen denBall überzeugt Pherai mit knapp acht Pressingaktionen pro 90 Minuten, allerdings muss er im Defensivzweikampf deutlich effizienterwerden, denn obwohl er die viertmeisten Defensivduelle aller offensiven Mittelfeldspieler absolviert, gewinnt er die fünftwenigsten.
Durchschnittliche Positionierung von Immanuel Pherai während der Spielzeit 2022/23. Je rötlicher die Farbe, umso häufiger hielt er sich in diesem Bereich auf (Heatmap)
Betrachtet man Pherais Laufdaten, so lässt sich schnell erkennen, dass er sich in der gegnerischen Hälfte sehr viel bewegt, sowohlin zentralen Positionen als auch im Halbraum. Im Ballbesitz ist Pherai ständig in Bewegung, auf der Suche nach Lücken in der gegnerischen Verteidigung und bietet sich fast durchgehend als Anspielstation an und fordert aktiv das Zuspiel. Von seinen vielen Laufangeboten ist knapp ein Drittel vor dem Ball, was seinen hohen natürlichen Offensivdrang unterstreicht. Pherai sucht dabei häufig den Gang in die Tiefe, wodurch seine Läufe viel Torgefahr entwickeln und er nahezu durchgehend Gegenspieler bindet, denn sobald er den Raum bekommt, um mit dem Ball Richtung Tor zu ziehen, ist er kaum aufzuhalten. Viele seiner Läufe spult er im hochintensiven Bereich ab, über einen Kilometer absolviert er pro Spiel in einer Geschwindigkeit zwischen 20 und 25 km/h ab, ein Topwert im Ligavergleich. Mit vielen Tempo- und Richtungswechseln, sowie einer überragend Übersicht und feinen Technik ist der Rechtsfuß nur schwer zu verteidigen, zusätzlich zu seinen intelligenten Offensivläufen spielt er auch selbst die Teamkollegen mit großer Zuverlässigkeit an, spielt mit die meisten Pässe in die Tiefe und sorgt auch dadurch für extrem viel Gefahr vor demgegnerischen Tor.
Benchmarking der relevanten Daten
| Pherai 22/23 | Avg. 2.Bundesliga OM 22/23 | Kittel 22/23 | Reis 22/23 | |
| Balleroberungen in dergegnerischen Hälfte | 1.8 | 2.4 | 2.1 | 3.0 |
| Luftduelle (% gewonnen) | 2.2 (22%) | 3.0 (32%) | 1.2 (7%) | 2.1 (39%) |
| Offensivzweikämpfe (%gewonnen) | 8.7 (43%) | 8.5 (39%) | 6.0 (41%) | 12.0(43%) |
| Dribblings (% erfolgreich) | 4.1 (55%) | 3.7 (52%) | 1.7 (51%) | 5.1 (61%) |
| Pässe (% angekommen) | 22.4 (64%) | 26.6 (74%) | 30.9 (79%) | 44.5(82%) |
| Vertikalpässe (%angekommen) | 6.6 (68%) | 8.3 (74%) | 9.7 (76%) | 14.9(85%) |
| Pässe ins letzte Drittel | 4.5 | 2.9 | 2.7 | 6.1 |
| Erwartete Torvorlagen | 0.21 | 0.16 | 0.24 | 0.08 |
| Scorerpunkte | 0.6 | 0.4 | 0.3 | 0.39 |
| Strafraumaktionen | 2.2 | 2.7 | 4.2 | 1.9 |
| Schussgenauigkeit % | 37% | 41% | 39% | 36% |
| Torschussverwertung % | 17% | 13% | 9% | 20% |
Wie gut passt Immanuel Pherai zum Hamburger SV?
Beim HSV wird Immanuel Pherai den Kaderplatz von Sonny Kittel übernehmen und ist im 4- 3-3-System von Tim Walter an der Seitevon Jonas Meffert und Ludovit Reis für das Dreiermittelfeld eingeplant. Mit seinen Qualitäten in der Chancenkreation wird Pherai als Achter / Halbzehner agieren. Jonas Meffert wird dann als Sechser seine Offensivläufe defensiv absichern und Ludovit Reis den Niederländer als Box-to-Box-Spieler unterstützen. Mit seinen vielen Pressingaktionen wird Pherai im hochintensiven Angriffspressingunter Tim Walter keine allzu großen Anpassungsschwierigkeiten haben und wird dadurch auch im Spiel gegen den Ball für denHamburger SV bedeutsam sein, wird seine Zweikampfeffizienz aber steigern müssen um Jonas Meffert in der Balleroberung nicht alleine zu lassen. Mit seinem zukünftigen Mittelfeldpartner Ludovit Reis wird sich Pherai gut ergänzen, beide schaffen ähnlich vieleLaufangebote für ihre Mitspieler, wobei Reis noch häufiger über den Halbraum oder die Außenbahn kommt, während Pheraivorzugsweise auf der Innenbahn agiert. Während Reis häufiger Angriffe aus tieferen Feldpositionen einleitet und mit hoher PräzisionPässe in den Strafraum bringt, sucht Pherai häufiger selbst den Abschluss und geht deutlich öfter mit in die Box, erzeugt so auch durchseine bloßen Läufe mehr Torgefahr. Mit seinen vielen Freilaufbewegungen wird Pherai gut ins dominante Spiel des HSV passen und daPherai einen Großteil seiner Laufangebote vor den Ball startet und Reis ebensolche sehr zuverlässig anspielt, ist davon auszugehen, dass Pherai und Reis auf der Acht gut harmonieren werden.
Die CREATEFOOTBALL GmbH ist eine Fußball-Consultancy, die national wie international Profivereine, Berateragenturen sowieMedienanstalten in den Themenfeldern Datenscouting und -analyse berät.
Proteste der HSV-Fans gegen Test gegen RB Salzburg
Und dann gibt es noch ein Thema des Tages, das sich mir seit Jahren nur sehr bedingt erschließt: Nachdem der HSV seine Testspiele für das Trainingslager gegen Viktoria Pilsen (07. Juli) und RB Salzburg (15. Juli) bekanntgab, löste das eine Welle des Protestes aus. In einem gemeinsamen Statement des Förderkreis Nordtribüne und der HSV Supporters Club heißt es: „Wir fordern unseren Verein auf, dieses Spiel abzusagen. Red Bull hebelt die 50+1 Regel aus, konterkariert den sportlichen Wettbewerb und nutzt ihn als Werbefläche. Dass wir in Pokal oder Liga gegen Red Bull Marken spielen müssen, haben uns DFB und DFL eingebrockt – dafür kann der HSV nichts. Aber ein freiwilliges Testspiel ist ein völlig unnötiges Zeichen der Akzeptanz und Legitimation für das Konstrukt RB im Sport. Es gibt unzählige andere Vereine, gegen die man sich sportlich messen könnte. Vereine deren Existenz darauf begründet, Sport zu betreiben und Vereine, die nicht als Werbe- und Vermarkungsfläche dienen.“ Neben dem grundsätzlichen Protest gegen den Red-Bull-Werksklub bemängeln die HSV-Anhänger in Ihrem Statement, dass man „in den vergangenen Monaten einen HSV mit Identität, Haltung und Kultur erlebt. Das wurde erkannt und honoriert: Zuschauerrekorde, tausende neue Mitglieder und ein unvergleichbarer Zusammenhalt – trotz des erneuten Verpassens sportlicher Ziele“. Die klare Forderung der HSV-Anhänger: „So muss es weitergehen. Ein Testspiel gegen RB steht im völligen Gegensatz zu diesem Weg. Das Spiel steht konträr zu der Identität und Kultur unseres Vereins. Es abzusagen wäre ein Zeichen klarer Haltung.“ Und abschließend: „In der Annahme, dass die Planung des Testspiels ein ärgerlicher Ausrutscher auf einem ansonsten guten Weg war, hoffen wir auf eine baldige Absage.“
Ich weiß, dass ich mich nicht beliebt mache, wenn ich dieses Statement kritisiere. Denn wer einen Verein liebt, der sich über einen Milliardär neunstellige Beträge zum Überleben (und investieren) teilweise schenken lässt und teilweise für Anteile des eigenen Klubs bezahlen lässt, der sollte sich nicht so grundsätzlich gegen ein Konstrukt wie das von Red Bull stellen und so laut schreien. Zumal Red Bull Salzburg sowie Leipzig den Umgang mit den Millionen in den letzten Jahren deutlich besser verstanden haben als der HSV. Und wer jetzt mit dem Faktor Tradition kommt: Die kann auch RB entwickeln. Wenn man sie so arbeiten lässt, wie man es mit dem HSV, Mönchengladbach, Bayern München und Co. gemacht hat. Ich jedenfalls honoriere die bislang sehr gute Arbeit bei RB Leipzig, weil ich dort einen Plan erkenne. Dass ich kein Fan von RB werde – Fakt. Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
Und: Über die Haltung zur 50+1-Regelung wird bundesweit konträr diskutiert. Ich bin gegen Investoren im Fußball als Eigentümer. Deshalb stehe ich Leipzig ebenso wie Salzburg weiterhin kritisch gegenüber. Ich bin aber auch für guten Fußball und dessen Entwicklung in einem guten Umfeld. Letzteres ist unabhängig von der Anzahl der Vereinsmitglieder und/oder der Fans. Dass die einen (Sandhausen) gerade 15.000 Fans haben, während andere in Deutschland Millionen Anhänger haben – das wird immer so sein. Trotzdem haben beide ihre Berechtigung.
Aber diese Diskussion ist zu weitläufig, als dass ich sie in diesem einen, einzelnen Blog abhandeln könnte. Ich werde diese Diskussion aber sicher in den nächsten Tagen noch mal aufnehmen.
In diesem Sinne, morgen berichtet Cornelius vom Trainingsauftakt. Bis dahin Euch allen einen schönen Abend!
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