Das „andere Würzburg“ wartet auf den HSV
Die Würzburger Kickers fühlen sich bereit für eine dicke Überraschung. „Ich denke, wir sind jetzt einfach dran, auch solche Spiele mal wieder zu gewinnen. Wir sind dran, habe…

Die Würzburger Kickers fühlen sich bereit für eine dicke Überraschung. „Ich denke, wir sind jetzt einfach dran, auch solche Spiele mal wieder zu gewinnen. Wir sind dran, habe ich das Gefühl“, sagte Trainer Bernhard Trares vor dem Heimspiel am Sonntag gegen den HSV. „Wir brauchen großes Vertrauen in unsere Stärken. Wir müssen es schaffen, dass Hamburg sich nicht wohlfühlt", sagte Kickers-Neuzugang Rajiv van La Parra und Trares erinnerte an den 2:1-Erfolg gegen die ambitionierte Fortuna Düsseldorf Ende Januar als Mutmacher. Beim 1:3 im Hinspiel sei Würzburg auch nah dran gewesen, in Hamburg zu punkten, sagte Trares, der damals noch nicht im Amt war. „Da darf man sich gerne dran erinnern, dass man den HSV zum Wackeln gebracht hat. Das werden wir auch im Heimspiel versuchen“, sagte der 55-JährigeEx-Cotrainer des HSV.
Und ganz ehrlich, wenn es nicht ausgerechnet jetzt gegen den HSV gehen würde, würde ich den Würzburgern tatsächlich die Daumen drücken, nachdem sie zweimal durch klare Fehlentscheidungen des Videoassistenten benachteiligt worden waren. Auch Trainer Daniel Thioune sprach das heute auf der turnusmäßigen Pressekonferenz noch mal an. „Sicherlich ein wenig irritiert haben die eine oder andere Entscheidung, die dann gegen die Würzburger Kickers ausfiel. Ich fand, dass sie gerade gegen die Topmannschaften auch sehr gut im Spiel waren. Also zum einen haben sie in Fürth sehr, sehr gut Fußball gespielt. Sie haben sich sehr viele Torchancen herausgespielt, sind letztendlich aber dann als Verlierer vom Platz gegangen, weil sie beim Stand von 1:2 einen Elfmeter gegen sich ausgesprochen bekommen haben, der vielleicht nicht ganz so regelkonform war. Zudem natürlich auch die Entscheidung am vergangenen Wochenende in Kiel, wo sie auch über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht haben sehr kompakt standen.“
Beide Male hätten es auch die Würzburger sein können, die als Gewinner vom Platz gingen. Waren sie aber nicht. Und auch deshalb wird das Spiel am Sonntag in Würzburg „spannend“, wie Thioune es nennt. „Es wartet wieder eine spannende Aufgabe auf uns. Völlig losgelöst vom Hinspiel, weil im Hinspiel stand ein anderer Übungsleiter am Rand und zudem auch ganz, ganz viele andere Protagonisten auf dem Platz. Zumindest auf Würzburger Seite. Also wenn man auf die Aufstellung des Hinspiels schaut und jetzt auf die zu erwartende Aufstellung, dann hat sich sehr viel getan“, so Thioune, „und auf Würzburger Seite geht es darum, die Liga zu halten und jetzt noch Punkte einzusammeln. Wir wissen, dass da ein wenig Arbeit auf uns zukommt.“ Stimmt.
Die Gefahr der Unterschätzung besteht. Immer vor solchen Spielen. Unterbewusst zumindest, auch wenn Thioune selbst es kategorisch ausschließt. Und totz der Zahlen: Denn die besagen, dass hier das beste gegen das schwächste Team antritt. Die Würzburger haben nach 21 Spielen lediglich zwölf Punkte auf dem Konto, 30 weniger als der HSV hat. Thioune und Co. stehen mit einer positiven Tordifferenz von 21 oben, die Unterfranken mit einer negativen von 22 ganz unten. Der beste Sturm (46 Tore) trifft auf die schwächste Defensive (44 Gegentore). Viel gegensätzlicher geht es eigentlich nicht.
Thioune spricht auch deshalb von einer Erwartungshaltung im Spiel der Tabellen-Gegensätze und betont, „dass man nicht beim Tabellenletzten stolpern möchte. Zumal der VfL Bochum und Holstein Kiel vor Beginn des 22. Spieltags mit 42 Zählern punktgleich waren. Und Greuther Fürth (39) lauert knapp dahinter. Ob der Druck wächst? Thioune: „Druck kann auch positiv sein“, meinte Thioune und nannte das beste Mittel gegen zunehmenden Druck: „Wenn wir gewinnen, müssen es die anderen auch tun.“ Dann liegt der Druck vor allem bei der Konkurrenz.
Offen ist allerdings noch, wer die Arbeit zuerst aufnehmen darf, nachdem sich heute auch Bakery Jatta wieder zurückgemeldet hatte. Bis auf die Langzeitverletzten Klaus Gjasula und Toni Leistner sowie den gesperrten Stephan Ambrosius könnten alle Spieler am Sonntag im Kader stehen. Das sagte Thioune zunächst. Später schränkte er jedoch ein, dass auch Rick van Drongelen nach seiner langen Verletzungspause noch keine Alternative sei.
Bedeutet: Moritz Heyer und Gideon Jung werden voraussichtlich in der Innenverteidigung beginnen, sofern Thioune nicht doch auf Dreierkette umstellt. Fraglich ist allerdings, wer Heyers Position auf der Sechs übernimmt. Da sich glücklicherweise auch Jeremy Dudziak gesund zurückgemeldet hatte, hat Thioune jetzt im Zentrum die Qual der Wahl. Amadou Onana wäre für mich der erste Alternative. Allerdings lobte der Trainer heute auch noch einmal Aaron Hunt, der gegen Fürth wirklich ein richtig gutes Spiel gemacht hatte. Offensiv wie defensiv. Ergo: Onana, Hunt, Kinsombi, Dudziak – drei dieser vier werden beginnen. Zumindest, wenn Jatta und Kittel wieder die Außenbahnen besetzen.
Meine Startelfvermutung: Ulreich – Gyamerah, Jung, Heyer, Leibold – Onana - Jatta, Hunt, Kinsombi, Kittel – Terodde.
In Würzburg trifft der HSV auch auf einen Protagonisten aus alten Tagen: Felix Magath. Der ehemalige Spieler, Manager und Trainer des HSV ist der sportliche Verantwortliche bei den Würzburger Kickers. Der einstige Mannschaftskamerad von Hrubesch, Kaltz und Co. löst auch bei Thioune etwas aus: „Felix Magath ist eine Generation um die besten Zeiten beim HSV. Wenn wir an Turin denken, dann auch immer an Felix Magath. Er hat auch als Trainer in den letzten Jahren sehr viel bewegt. Ich verspüre da größte Wertschätzung und freue mich auch ihn zu sehen“, freute sich der HSV-Trainer auf das Treffen. „Vor Ehrfurcht werden wir nicht erstarren, auch wenn ich ihn sehr bewundere.“
In diesem Sinne, bis morgen. Da reist die Mannschaft schon nach Würzburg und trainiert am Nachmittag vor Ort. Ich melde mich aber dennoch am Abend noch einmal bei Euch mit letzten News zum Spiel. Bis dahin Euch allen einen schönen Abend!
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