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Darum ist Hrubesch das Ass im Ärmel des HSV

So, das Wochenende hat beginnen, und der HSV hat Pause. Eigentlich die perfekte Gelegenheit, hier auch einmal Pause zu machen. Aber das bewahre ich mir für morgen auf. Morgen…

Darum ist Hrubesch das Ass im Ärmel des HSV

So, das Wochenende hat begonnen - und der HSV hat Pause. Eigentlich die perfekte Gelegenheit, hier auch einmal Pause zu machen. Aber das bewahre ich mir für morgen auf. Morgen werde ich den gesamten Tag mit meinen Kindern und meiner Frau Quatsch machen, soweit es die Coronabedingungen zulassen. Heute aber will ich weder über Mustafa Kucukovics Drogenvorwürfe noch auf den HSV an sich eingehen, sondern auf Euch. In diesem speziellen Fall auf den von mir sehr geschätzten Vater eines richtig guten Freundes: Jürgen Linnenbrügger.  Jürgen hat mich etwas gefragt und ich will die Gunst der (freien) Stunde nutzen, und darauf antworten. Sein Post bezog sich auf meine Beschreibung, dass der HSV mit Horst Hrubesch ein As im Ärmel hätte, dessen Persönlichkeit Strahlkraft auf junge Talente habe. Unter anderem, weil Hrubesch meiner Meinung nach bewiesen hatte, dass er junge Talente ausbilden kann. Jürgen sieht das etwas anders und schreibt:

Moin Scholle,

erklär mir doch bitte mal wo Horst Hrubesch Spieler entwickelt hat ?
Seine Tätigkeit beim DFB, im Jugendbereich, liegt 8 Jahre zurück. Hier hat er die besten Spieler des Jahrgangs auf dem Silbertablett serviert bekommen, entwickelt wurden die Spieler in Ihren Heimatvereinen. Ich sehe hier kein As, welches der HSV, groß und breit ausspielen könnte, auch da die in Frage kommenden Spieler mit den Namen Horst Hrubesch sicherlich nicht viel anfangen können, also daher auch nicht locken kann. Die jungen Talente wollen auch schon um Meisterschaften spielen, davon sind die Jugendmannschaften des HSV jedoch noch meilenweit entfernt. Bevor hier erste Erfolge sichtbar werden, werden sicherlich noch Jahre vergehen, selbst in Nord/Ost ist der WB um die besten Jugend-Spieler hart umkämpft. (Bremen/Berlin/Leipzig/Hannover/Wolfsburg etc.)

Der Name Horst Hrubesch allein wird hierbei keinen Ausschlag geben, ob ein talentierter Spieler zum HSV kommt.

Blog-User und Freund J. Linnenbrügger

Hallo Jürgen,

das sehe ich anders. Ich gehe bei Deiner Argumentation insoweit mit, als dass viele von den ganz jungen Talenten den Namen Horst Hrubesch nicht mehr mit den HSV-Meisterschaften, Athen, seinen Kopfballtoren oder dem EM-Titel 1980 in Verbindung  bringen wird. Aber die Jungs werden von ihren Trainern, Eltern und Beratern sehr wohl erzählt bekommen, dass Hrubesch zu den ganz Großen dieses Sports gehört. Und dort werden die o.g. Titel ebenso genannt wie die EM-Titel als Trainer der deutschen U19-  sowie den mit der U21-Auswahl. Insofern wird jedes Talent zumindest im Groben wissen, dass ihm da einer gegenübersitzt, dessen Karriere sie nur zu gern machen würden…

Zudem genießt Hrubesch weiterhin einen sehr guten Ruf. Bei den deutschen Klubs ebenso wie bei dem DFB. Vor allem aber bei seinen ehemaligen Spielern – und damit komme ich zu dem Teil, in dem ich Dir widerspreche, dass Hrubesch nur aus den Besten eine erfolgreiche Mannschaft gemacht hat. Er wird noch heute von Weltklassespielern wie Manuel Neuer, Toni Kroos, Jerome Boateng, Benedict Höwedes oder auch Mesut Özil in den allerhöchsten Tönen für seine Art gelobt, mit der er die jungen Auswahlteams geführt habe. Und obgleich ich Dir Recht geben, Jürgen, dass die Basis der Ausbildung zweifellos in den Vereinen stattfindet, so reichen die besten Fußballer nicht, um die beste Mannschaft daraus zu machen. Das weißt Du aus Deiner Zeit mit jungen Fußballern ja nur zu gut. 

Hrubesch hat vielen Spieler, die es später nach ganz oben geschafft haben, den Weg gezeigt, wie man das schafft. Vielleicht weniger im Training mit dem Ball – aber drumherum. Und genau das ist auch heute seine Aufgabe beim HSV. Von daher sehe ich diese Qualität definitiv als As im HSV-Ärmel, wenn es darum geht, diesen Talenten aufzuzeigen, dass die Ausbildung beim HSV ihrer Karriere zuträglich ist. Denn neben dem Umgang mit dem Ball, dem taktischen Verständnis und der Physis zählt der Kopf noch immer mit am meisten. Er entscheidet fast immer, ob Talent auch Erfolg wird. Und genau hier kann der HSV mit Hrubesch zweifellos jemanden bieten, der nicht nur von seinen ehemaligen Spielern Kroos, Neuer, Boateng und Co. als absolutes  „As“ bezeichnet wird. 

Oder siehst Du das anders, Jürgen?

Ich kenne Dich ja nun auch schon ein paar Jahre und weiß genau, dass Du sehr viel Wert auf solche Themen legst und gelegt hast. Du weißt besser als viele hier, dass Titel nicht zwingend als Maßstab von Nachwuchsentwicklung zu betrachten sind. Und dennoch gebe ich Dir hier absolut Recht: Junge Spieler wollen immer das Höchste erreichen. Sie wollen Deutsche Meister, Pokale gewinnen und mit der jeweiligen Junioren-Nationalmannschaft internationale Titel gewinnen. Und von Deutschen Meistertiteln ist der HSV seit jeher ewig weit entfernt. Das gilt es zu ändern. Allein die Reihenfolge, das endlich zu ändern,  ist hier diskutabel. Finde ich.

Denn ich würde erst die Infrastruktur (hierzu zähle ich Gebäude, Plätze, Trainer und den Nachwuchsleiter gleichermaßen) verbessern, ehe ich erwarten würde, dass man an größere Talente leichter und schneller herankommen kann. Hrubesch ist dabei einer dieser Schritte in die richtige Richtung. Der Rest ist mit dem Otto-Campus und den tadellosen Trainingsplätzen mehr als erfüllt. Soll heißen: Der HSV muss jetzt nur noch den Ruf erwerben, als Ausbildungsstätte das zu sein, was man lange über Stuttgart, Freiburg und noch mehr Schalke 04 gesagt hat. Der HSV muss Spieler aus dem eigenen Nachwuchs im Profibereich erfolgreich unterbringen – am besten über Einsätze bei der eigenen Profimannschaft. Und auch hier ist der HSV mit Ambrosius, Vagnoman sowie in Teilen auch Wintzheimer und Onana auf einem sehr ordentlichen Weg. Noch nicht gut genug – aber zumindest endlich mal auf Kurs. Auch Dank Hrubesch.

In diesem Sinne, lieber Jürgen! Ich weiß ja aus unseren Gesprächen, dass wir in sehr vielen Punkten unsere Ansichten teilen. Gerade was den Nachwuchs betrifft, hast Du wie ich ein riesengroßes Manko beim HSV in den letzten 20 Jahren ausgemacht. Wir wissen beide, dass der HSV nur über den eigenen Nachwuchs die Chance hat, sich zu gesunden. Vor allem aber wissen wir beide aus nächster Nähe (Du als Betreuer der Jugendteams von Stellingen 88 und ich aus Sicht des Niendorfer TSV), dass der HSV nicht einmal direkt vor der eigenen Haustür seine Arbeit richtig gemacht hat. Viele Talente sind unerkannt am HSV vorbeigezogen und woanders aufgeblüht. Und auch beim HSV hatte die Nachwuchsabteilung nie das Gewicht, das sie haben muss. Aber dazu gern morgen mehr…

Bis dahin hoffe ich, dass ich Deiner Bitte nach einer persönlichen Antwort hiermit nachkommen konnte und Du – wie natürlich auch alle anderen hier mitlesenden -  nachvollziehen kannst, warum Hrubesch sehr wohl ein As im Ärmel des HSV ist. Denn sein Part in er Ausbildung der Jugendlichen – die Persönlichkeitsbildung – ist noch immer einer der ganz wesentlichen, entscheidenden Bestandteil bei der Selektion zwischen ewigen Talenten und den erfolgreichen Profis von morgen. Davon, dass beim HSV neben den Spielern vor allem auch die Nachwuchstrainer von Hrubeschs Erfahrung maximal profitieren und dadurch die Qualität der Trainer deutlich steigt, bin ich ebenfalls überzeugt.

Von daher, Dir einen schönen Abend mit einem sehr spannenden Spiel, wie ich finde, lieber Jürgen. Denn das Spiel der deutschen U21 heute Abend gegen die Niederländer wird zeigen, ob ich mit meiner Beobachtung, dass die Mannschaft von Trainer Stefan Kuntz unglaublich reifen, abgeklärten Fußball spiel, richtig lag. So, wie bei Hrubesch und dem HSV… ;-)

Aber im Ernst: Dir, lieber Jürgen, wünsche ich ebenso wie allen anderen hier einen richtig schönen Abend!

Scholle 

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