Darum/darin muss der HSV fleißiger werden
Es ist frei. Der HSV trainiert erst am Montag wieder, abgesehen von den angeschlagenen Spielern, die auch an den freien Tagen im Kraftraum aktiv sind und sich anschließend…

Es ist frei. Der HSV trainiert erst am Montag wieder, abgesehen von den angeschlagenen Spielern, die auch an den freien Tagen im Kraftraum aktiv sind und sich anschließend pflegen lassen. Und auch wir werden das Wochenende nutzen, um uns mal anderen Themen als dem HSV zu widmen. Und ich hoffe, dass auch Ihr alle ein richtig schönes Wochenende vor Euch habt. Anbei noch der neue Communitytalk - und darunter beantworte ich dann noch eine Frage, die mir heute im Kommentarbereich von einem sehr liebenswerten Menschen gestellt wurde, dessen Einstellung zum Fußball ich sehr schätze.
Jürgen Linnenbrügger schrieb heute:
Entschuldige bitte Scholle, aber ich muss mich mal aus dem Exil melden. Erst gestern hast du den Jahresabschluss des HSV erläutert, und dein MR. X sagte folgendes.“Scholle,
hierzu werde ich mich nicht mit Namen äußern, diese Bilanz liest sich erschreckend “ und
„Ohne den Stadiongrundstücksverkauf wäre es offenbar ganz eng geworden. Schon dieses Jahr.“ Anders gesagt, der HSV geht bereits auf dem Zahnfleisch, ohne neue liquide
Mittel sieht es doch wohl zappenduster aus. Und heute schlägst du allen ernstes vor, der HSV sollte ein Ausbildungsverein werden !!. Erklär mir doch bitte mal, wie dieses denn finanziert werden soll, wie will der HSV die Zeit, bis sich der Erfolg einstellt, überbrücken?
Hallo Jürgen!
Halten wir uns erst einmal an den Fakten fest:
- Der HSV hat kein Geld für große Investitionen.
- Der HSV hat die Infrastruktur, um in allen relevanten Jahrgängen Spieler auf dem höchsten Niveau auszubilden.
- Der HSV wird keine Mondgehälter mehr zahlen können wie zu Kühne-Zeiten, dementsprechend wird er auf Spieler setzen müssen, die entweder aussortiert wurden oder die ihr Leistungslimit noch lange nicht erreicht haben. Auf jeden Fall wird der Spielergehalts-Etat weiter gesenkt werden müssen. Und das geht am allerbesten mit eigenen talenten, von deren Leistungsniveau man sich über Jahre hinweg überzeugt hat.
Im Prinzip ist dieser Weg durchaus plausibel, aber bevor ich diesen, neuen Weg einschlagen kann, müssen grundlegende Dinge erstmal geregelt werden. Hier muss erst auf der finanziellen Seite ein solides Fundament gelegt werden. Wie beim Hausbau ist ein gutes Fundament Grundvoraussetzung, auf dem man alles andere aufbaut, alles andere wäre nur nichts halbes und nichts ganzes, einfach nur so weiter wurschteln.
Der HSV muss einfach lernen, seine vorhandenen Mittel maximal effektiv einsetzen.
Der HSV ist mit FC Midtjylland überhaupt nicht zu vergleichen, er muss seinen eigenen Weg finden (siehe Freiburg, Union Berlin, Bielefeld). Diese Vereine stehen auf einem grundsoliden Fundament.
Bei Freiburg gehe ich mit, Union Berlin indes kommt ja gerade erst in die Versuchung, die eigenen Mittel und Möglichkeiten zu überschätzen. Sie werden diese Phase erst noch mit Weitblick überstehen müssen – wovon man derzeit zugegebenermaßen ausgehen darf. Und Arminia Bielefeld ist bereits einmal die Klippe runtergefallen, ehe dort erkannt wurde wie es funktioniert. Nichtsdestotrotz haben alle drei von Dir genannten Klubs eines gemeinsam: Allesamt haben es geschafft, sich über Spielerausbildungen und deren gewinnbringenden Verkäufe nach oben zu arbeiten. Und das muss der HSV auch.
Wir liegen grundsätzlich nicht weit auseinander, Jürgen. Und wenn ich davon spreche, dass der HSV ein Ausbildungsverein werden muss, impliziert das kein Dogma. Denn wenn der HSV sich über starke Drittligaspieler oder mit Leihspielern von Erstligisten sportlich verbessern kann, ist das ebenso statthaft wie über die eigenen Talente. Fakt ist aber: Die Tür für die eigenen Talente muss immer offen sein.
Fazit: Mir geht es bei allem, was ich schreibe, nur darum, dass der HSV endlich fleißiger wird. Mehr Handarbeit als Geldeinsatz – weil Letztgenannter immer weniger möglich sein wird. Soll heißen: Der HSV muss zusehen, seinen größten Betrag – finanziell und vom Engagement her - jährlich in die Nachwuchsförderung (vom Scouting bis zum Training) zu stecken. Teuer war einmal – jetzt muss der Fleiß in Einklang mit Fähigkeiten den HSV besser machen als andere. Und dafür bedarf es nicht einmal der teuersten Funktionäre, sondern einfach nur der Besten. Denn auch die haben sich irgendwann mal irgendwo ihre Meriten verdient. Und ohne den HSV zu überhöhen – aber die hiesige Infrastruktur ist trotz allem noch besser als bei viele anderen, aktuell deutlich erfolgreicheren Klubs (wie Union, Bielefeld und Freiburg beispielsweise). Dafür kann der HSV an sich noch nicht einmal was – aber er kann sehr wohl was dafür, dass diese Infrastruktur nicht richtig genutzt wird.
In diesem Sinne, Euch allen ein schönes Wochenende. Ich freue mich schon auf Montag!
Scholle
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