Darmstadts Höhenflug ist kein Zufall - Kühne und Jansen einigen sich
Gestern hatte ich Rüdiger Fritsch an dieser Stelle erwähnt. Der Präsident des SV Darmstadt 98 hat, der gern für einen flotten Spruch zu haben ist, hat in diesen Tagen allen…

Gestern hatte ich Rüdiger Fritsch an dieser Stelle erwähnt. Der Präsident des SV Darmstadt 98 hat, der gern für einen flotten Spruch zu haben ist, hat in diesen Tagen allen Grund zur Freude. Zusammen mit seinem Team ist er in der 2. Liga seit 20 Spielen ungeschlagen und thront vor dem Spitzenspiel gegen den direkten Verfolger HSV an diesem Sonnabend vor allen Konkurrenten an der Tabellenspitze. Aber Fritsch weiß um die Schwere der bevorstehenden Aufgabe – und derer, die da noch folgen. „Das Rennen ist noch nicht vorbei, deshalb bleiben wir demütig“, so der Präsident des Tabellenführers.
Dabei kennt Fritsch es, aufzusteigen. Der Durchmarsch in die Bundesliga 2015 ist bei dem 61-Jährigen zwar immer noch präsent. „Der Aufstieg damals war wie ein Märchen, einfach der Wahnsinn.“ Anders zudem. In dieser Spielzeit sei der aktuelle sportliche Höhenflug allerdings nicht annähernd so überraschend. Vor dem Duell mit dem HSV hat das Team von Trainer Torsten Lieberknecht vier Punkte mehr als Tim Walters Team. Der Vorsprung vor dem 1. FC Heidenheim auf dem Relegationsplatz beträgt zudem schon acht Zähler. Und vor dem SC Paderborn auf dem ersten Nichtaufstiegsrang sind es sogar zehn Punkte. „Wir sind nicht wie Phoenix aus der Asche aufgestiegen, wenn man sich die Platzierungen der vergangenen drei Jahre anschaut.“ Allerdings räumte Fritsch auch ein: „Dass es bis dato so gut läuft, war nicht absehbar.“
Darmstadt hat Aufstiegsexperten am Ruder
Dabei sind die Protagonisten nicht erst seit eben anerkannte Experten. Lieberknecht ist bereits aufgestiegen – und der ehemalige HSV-Keeper Carsten Wehlmann hat in der Zweiten Liga schon in Kiel bewiesen, das er aus sehr wenig sehr viel machen kann. Trotzdem bleiben die Darmstädter ruhig. Und bescheiden. „Wir haben in den vergangenen anderthalb Jahren noch einmal einen deutlichen Sprung gemacht und sind auch ambitioniert unterwegs. Aufstiegsparolen wären aber fehl am Platz“, sagte der Sportliche Leiter Carsten Wehlmann. „Bei uns läuft niemand jeden Tag mit der Tabelle herum.“
Für mich ist Carsten ein absolut entscheidender Baustein für den Erfolg der Darmstädter. Ich kenne Carsten schon seit einigen Jahren, weiß um seine Art. Er ist extrem ehrgeizig, dabei zurückhaltend im Auftritt. Aber er weiß vor allem, dass er nichts allein schafft. Wehlmann ist ein Teamplayer. Ebenso wie Trainer Torsten Lieberknecht, der wie die Faust aufs Auge zu Wehlmanns Philosophie passt. „Die Dinge, die wir uns erhofft haben, sind voll aufgegangen. Er ist fachlich top und bringt dazu die menschliche Komponente ein. Er lebt mit der Stadt und dem Verein. Wir freuen uns natürlich, dass es so gut funktioniert“, sagte Wehlmann.
Das Beste an allem ist, dass die Ansprüche in Darmstadt aktuell übertroffen werden und die Fans mitgenommen werden. Ähnlich wie es sportlich in Hamburg läuft, wo in dieser Saison voraussichtlicher eine neue Bestmarke in Sachen Zweitliga-Zuschauerschnitt erreicht wird. Und ähnlich wie es Walter immer mehr schafft, so hat auch Lieberknecht die Fans von sich überzeugt. „Der Trainer ist authentisch. So wie er nach außen hin wirkt, ist er auch. Er ist keiner, der eine andere Rolle spielt, wenn die Kameras und Mikrofone angeschaltet sind“, lobte Fritsch. „Er passt zu unserem Klub, in dem wir auf der Führungsebene seit zwölf Jahren Kontinuität haben. Die Ruhe und Professionalität in allen Bereichen strahlen aus. Wenn der Trainer dann noch so gut reinpasst, kommen solche Ergebnisse zustande.“
HSV-Fans wird Choreo in Darmstadt untersagt
Enttäuschend ist dagegen, dass dem HSV und seinen Anhängern für das Spitzenspiel bereits genehmigte Choreografien untersagt werden. Der HSV selbst reagierte mit deutlicher Kritik an diesem Vorgehen: „Heimverein, Ordnungsdienst und Feuerwehr hatten der Choreo bereits unter Berücksichtigung der sicherheitsrelevanten Aspekte zugestimmt. Uns ist die Kooperation mit Sicherheitsträgern ein wichtiges Anliegen, um ein sicheres Stadionerlebnis zu ermöglichen. Das Verbot kreativer Ausdrucksmittel ist ein massiver Eingriff in die Fankultur. Wir lehnen kollektive Verbote und Einschränkungen wie diese ab, da sie weder zielführend noch gerechtfertigt sind.“ Man wünsche sich künftig „einen konstruktiveren Dialog mit Blick auf die Fußballkultur in unseren Stadien“.
Apropos Dialog: Heute und gestern haben die Gespräche der Aktionäre mit dem HSV-Präsidium stattgefunden. Heute und gestern, weil Klaus Michael Kühnes Vertreter Karl Gernandt nur gestern, aber nicht heute zum eigentlichen Termin erscheinen konnte. Und das Ergebnis ist durchaus überraschend – im positiven Sinne., Denn wie ich gehört habe, sollen sich gestern Gernandt und das HSV-Präsidium auf einen gemeinsamen Weg in Sachen Aufsichtsratsbesetzung geeinigt haben. Und diese Entscheidung wurde heute von den anderen Aktionären bestätigt.
Demnach sind die Präsidiumswünsche Henrik Köncke und Stephan von Bülow quasi drin und am Montag wird über den/die 7. Aufsichtsrat/-rätin abgestimmt. Drei Kandidaten/-innen, die für alle Beteiligten als Auswahlgrundlage akzeptiert wurden, soll es hierfür geben. Eine davon ist die bisherige Aufsichtsrätin Lena Schrum, der allerdings keine Chancen eingeräumt werden. Und ein Kandidat, der sogar dem Wunsch Kühnes nach genommen werden soll: Andeeas C. Peters. Der Jurist wollte eigentlich aus dem Rat ausscheiden, konnte aber als gemeinsamer Nenner von Präsidium und Aktionären zu einer weiteren Amtszeit überredet werden.
Ergo: Es ist nach dem Kühne-Interview, in dem er von einer Schlacht gegen Jansen sprach, doch erst einmal wieder Frieden eingekehrt. Aber dazu in den nächsten Tagen nach dem Spiel mehr.
Auswärtscouch muss pausieren, wenn...
In diesem Sinne, bis morgen! Wobei: Hier dann noch ein Wort in eigener Sache: Da einige Jungs von uns in Darmstadt sind und ich leider seit gestern etwas kränkle, droht die Auswärtscouch leider auszufallen. Da wir das eigentlich unbedingt vermeiden wollen, entscheiden wir das morgen früh, sobald wir wissen, wie es genau aussieht. Wir werden es dann über alle unsere Kanäle vermelden.
Bis dahin!
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