"Da waren Dinge, die mir nicht gut gefallen haben" – die Stimmen nach Graz.
Nach dem Auftritt des HSV in Graz war die Stimmung rund um den Verein eher getrübt.

Nach dem Auftritt des HSV in Graz war die Stimmung rund um den Verein eher getrübt.
Viele Dinge, die nicht passten: zu wenig Laufbereitschaft, keine Kreativität nach vorne.
Nach dem Spiel äußerten sich Merlin Polzin und Noah Katterbach zum Spiel in Graz.
„Fangen wir vorne an. Wir sind auf einen Gegner getroffen, der es richtig gut gemacht hat. {…} Das war auch mit Abstand ihre stärkste Mannschaft, die sie auf das Feld gebracht hatten.“
Das waren die ersten Worte, die Polzin nach dem Spiel von sich gab. Und sprach damit die unterschiedlichen Stände in der Vorbereitung an. Während der SK Sturm Graz am nächsten Wochenende mit einem fertigen Kader in die Österreichische Liga startet, um den Titel zu verteidigen, kam der HSV aus dem ersten von zwei Trainingslagern.
Laut Polzin zeichnet das Spiel der Grazer ein superintensives Pressing aus. Er ergänzte: „Das haben wir in den ersten 15–20 Minuten zu spüren bekommen.“
Der HSV geriet in den ersten zwanzig Minuten zunehmend unter Druck. Das hohe und aggressive Pressing von Sturm brachte die HSV-Jungs immer wieder in enge Situationen und hatte viele HSV-Fehler zur Folge. Nach 20 Minuten stand es 1:0, es hätte aber auch schon 2:0 oder 3:0 stehen können.
Die Fehler begründete Polzin mit zu weiten Abständen und fehlenden Verbindungen.
Er schloss an: „Da waren dann Dinge, die mir nicht gut gefallen haben.“
Er fuhr mit der Analyse fort und erwähnte, dass der HSV dann nach 20 Minuten besser ins Spiel kam und für eigene Entlastung sorgte. Was dennoch fehlte, war laut Polzin der letzte Punch. Er spricht damit die Umschaltsituationen an, die meist über Dompe und Philippe liefen. Die Flanken fanden am Ende aber selten einen Abnehmer.
In der zweiten Hälfte hätte man es dann durchweg besser gemacht. Polzin sagte: „Wir hätten deutlich früher den Anschlusstreffer erzielen müssen.“
Auf die Frage, was genau Polzin nicht gefallen habe, antwortete dieser dann, dass man es einfach nicht geschafft habe, die Rautenformation der Grazer richtig zu bespielen. Man habe zu früh den Ball auf eine Seite gespielt und diesen dann dort gehalten, statt das Spiel zu verlagern.
Hier spricht Polzin einen wichtigen Punkt an, besonders wenn es gegen eine Raute geht. Denn den Ball früh in einen äußeren Bereich zu spielen, birgt das Risiko, von einer kompakt agierenden Raute isoliert zu werden. Wichtig ist es hier, den Ball schnell zu verlagern oder in das Zentrum zu bekommen. Letzteres machte der HSV dann häufiger über Soumahoro und genau das sprach Polzin dann auch an. „Wir haben es nach 20 Minuten besser geschafft. Nachdem Abou (Soumahoro) den Ball länger im Zentrum gehalten hat, konnten wir dann auch 1,2-mal einfach die Linien brechen.“
Allerdings gelang trotz der teilweise guten Bälle von Soumahoro über die Ketten kein richtig guter Abschluss.
Polzin fasste das Aufbauspiel in einem Satz zusammen: „Das war alles ein bisschen zu weit weg von dem, wie wir Fußball spielen wollen.“
Auf die Frage, ob das gespielte System favorisiert sei, sagte Polzin, dass man in der Analyse zu dem Ergebnis gekommen sei, dass man sich defensiv stabilisieren wolle.
„Von unseren Laufwerten her hätten wir in der Bundesliga keine Chance gehabt.“
Wenn man die richtigen Dinge umsetzte, sei das System sehr kompakt. Laut Polzin gäbe es aber den Anspruch, dass gewisse Dinge nicht verhandelbar seien: „Das ist die Intensität gegen den Ball und die Läufe, immer wieder zurückzumachen. Oder dann auch über diesen Punkt hinüberzugehen.“ Bei einigen wäre der Punkt erreicht worden, bei anderen nicht. Hier spricht Polzin die fehlende Intensität gegen den Ball an.
Vor allem beim 2:0, als der Gegner ohne Gegenwehr durch die HSV-Hälfte lief, fehlte diese komplett.
Die Aussage, dass man sich auf einige sonst sichere Spieler im Spiel nicht verlassen sollte, kommentierte Polzin folgendermaßen: „Das muss man dann auch einordnen, dass du nach einem Trainingslager müde bist und die andere Mannschaft extrem frisch ist.“ Und weiter: „Aber klar muss der Anspruch von jedem Einzelnen extrem hoch sein und wenn wir das Level nicht erreichen, sieht es so aus wie in den ersten zwanzig Minuten.“
Wen Polzin als deutlich positiv empfand, war Capaldo: „War extrem drinnen. {…} Das war schon genau das, was wir von ihm erwarten. Dieses Griffige gegen den Ball, um dann auch in die Zweikämpfe zu kommen.“
Auf die Frage, ob Jattas Nichtauftritt sportliche Gründe hatte, antwortete Polzin kurz und deutlich: „Ja.“
Polzin beendete die Runde, indem er erwähnte, dass die Testspielgegner bewusst gewählt seien. Ihm nach würde es deutlich mehr helfen, in einem Testspiel wie diesem zu merken, dass man nicht auf der Höhe ist, wenn man nicht 100 % gibt. Unterklassige Gegner würden demnach zwar ein gutes Gefühl vermitteln, man würde die Auswirkungen von Leistungen unter 100 % aber nicht so sehr spüren.
Katterbach im Interview
Polzin war sehr erfreut über das Comeback von Noah Katterbach. Dieser gab auch seine Stimme ab.
Katterbach sprach vor allem über seinen Weg nach der Verletzung. Laut ihm sei die Geheimformel, dass er direkt nach der Diagnose versucht habe, das Ganze positiv anzunehmen. Die Diagnose könne er nicht beeinflussen. Er machte sich laut eigener Aussage direkt schlau, welche Ernährung und welche Heimgeräte ihm beim Comeback helfen können. Wichtig seien vor allem Proteine, damit die Muskulatur nicht so stark abnehme.
Über sein Comeback sagte Katterbach: „Ich war auf jeden Fall erstmal ultra-glücklich, dass ich wieder auf dem Platz stehen konnte. Ich hab’s sehr vermisst.“
Probleme und Angst habe er nicht gehabt.
Laut eigener Aussage versuchte Katterbach zudem auch während der Reha-Phase, sein Team zu unterstützen. Er stellte immer wieder seine taktische Ansicht dar.
Bezogen auf den Kader und seine Stärke hinsichtlich der Bundesliga sagte Katterbach, dass es normal sei, dass bei vielen neuen Spielern alles erstmal etwas chaotisch sei. Laut ihm entwickle sich aber alles und man merke von Training zu Training die Verbesserungen.
Heute der Blog also mal etwas neutraler. Wie bewertet ihr die Aussagen? Wo stimmt ihr zu, was seht ihr anders?
Wir hören uns die Tage.
Euer Tom
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