Capaldo & Poulsen: Der HSV formt sein neues Herzstück für's Oberhaus
Yussuf Poulsen steht vor einem bemerkenswerten Karriereschritt: Der dänische Angreifer, der mit RB Leipzig von der 3. Liga bis in die Champions League aufstieg, wird…

Yussuf Poulsen steht vor einem bemerkenswerten Karriereschritt: Der dänische Angreifer, der mit RB Leipzig von der 3. Liga bis in die Champions League aufstieg, wird voraussichtlich morgen beim HSV unterschreiben. Der Medizincheck ist absolviert, die Vertragsunterzeichnung für zwei Jahre steht laut übereinstimmenden Medienberichten kurz bevor. Die Ablöse soll bei etwa 1,5 Millionen Euro liegen, das Jahresgehalt von rund zwei Millionen Euro ist deutlich geringer als zuletzt in Leipzig – ein klares Zeichen für Poulsens Motivation? Ich gehe schwer davon aus, dass er sich über Prämien und Signing-Fee noch ein paar Euro hat sichern können…
Sicher ist, dass Poulsen am Wochenende das Testspiel seiner künftigen Kollegen beim FC Kopenhagen, das der HSV mit 0:1 verlor, verpasste. Wobei das sportliche Resultat angesichts des besonderen Charakters dieses Freundschaftsspiels in den Hintergrund geriet. Etwa 9000 HSV-Fans sorgten für eine beeindruckende Kulisse, feierten gemeinsam mit den Anhängern des dänischen Meisters, zündeten Pyrotechnik und zeigten in Wechselgesängen ihre Fanfreundschaft. „HSV!, FCK!“ hallte es durchs Parken-Stadion. Eine Demonstration der festen Fan-Freundschaft beider Klubs.
Ultras kritisieren HSV-Führung für die Auswärtstrikots
Neben der Euphorie kam es aber auch zu Kritik. Die Ultras äußerten ihren Unmut über das neue Auswärtstrikot des HSV. Auf einem Spruchband hieß es: „Wer die Satzung nicht ehrt, ist das Wappen nicht wert“. Hintergrund ist, dass die Raute auf dem neuen Trikot ohne den vorgeschriebenen blauen Hintergrund erscheint. Laut Satzung muss das Vereinszeichen auf blauem Grund stehen. Zwar kann das Präsidium in Ausnahmefällen Abweichungen zulassen, doch die Ultras sehen darin einen Bruch mit den Grundwerten des Klubs. Der Protest verlief friedlich, sorgt aber für Diskussionen.
Sportlich zeigte sich Trainer Merlin Polzin trotz der Niederlage naturgemäß zufrieden: „Wir haben Dinge ausprobiert, an denen wir weiterarbeiten müssen.“ Besonders der Einsatz im neuen 3-4-2-1-System stach hervor. Hier dürfte Poulsen eine Schlüsselrolle einnehmen, als physisch starker Mittelstürmer neben Robert Glatzel. Neuzugang Nicolai Remberg zeigte sich übrigens begeistert vom Anhang: „Als ich gehört habe, dass 8000 Fans mitkommen, dachte ich, das ist ein Witz. Aber die waren wirklich da!“
Währenddessen könnte der nächste Transfer bereits in Kürze vermeldet werden: Der Argentinier Nicolás Capaldo wechselt vom RB Salzburg zum HSV. Der 26-jährige zentrale Mittelfeldspieler bringt internationale Erfahrung aus Übersee und der Champions League mit. Die feste Ablösesumme beträgt 2,1 Millionen Euro, inklusive Bonuszahlungen kann sie auf bis zu 2,9 Millionen Euro anwachsen. Capaldo, ausgebildet bei den Boca Juniors, ist für seine kompromisslose, laufstarke Spielweise bekannt – eine Eigenschaft, die ihn geradezu prädestiniert, die Rolle des zu Club Brügge gewechselten Ludovit Reis zu übernehmen. Trainer Polzin beschrieb ihn augenzwinkernd als selbstbewusst und betonte, wie sehr er sich auf dessen "südamerikanisches Blut" freue.
Zuletzt hatte Capaldo aufgrund eines Zehenbruchs gefehlt, doch dieser scheint überstanden: In Herzogenaurach wird der Argentinier voll ins Training einsteigen. Schon jetzt soll Capaldo, gemeinsam mit Poulsen, eine neue Defensiv-Mentalität in die Mannschaft tragen. Beide Neuzugänge stammen aus dem RB-Kosmos und bringen damit ein tief verankertes Verständnis für Pressing- und Gegenpressing-Spiel mit – Qualitäten, die der HSV in der Bundesliga dringend brauchen wird.
Cardoso lobt Neuzugang Capaldo: „Ein Kämpfer, der uns guttun wird.“
Ex-HSV-Profi Rodolfo Cardoso, der Capaldo bereits aus Argentinien kennt, zeigte sich in der MOPO überzeugt: „Er ist ein Kämpfer mit Mentalität, der uns guttun wird.“ Capaldo spielte bereits für die argentinische U23 und zählte zeitweise zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft. Seine Entwicklung beim HSV könnte ihm wieder die Tür zur Albiceleste öffnen.
In der Abwehr kämpft derweil Sebastian Schonlau um seine Rolle. Der Kapitän zeigte gegen Kopenhagen eine starke Leistung, lässt seine Zukunft aber offen. "Ich konzentriere mich auf das Hier und Jetzt", so Schonlau, der zuletzt seinen Stammplatz verlor. Auch Guilherme Ramos und Silvan Hefti präsentierten sich ordentlich – ihre Zukunft ist ebenfalls noch nicht abschließend geklärt.
Mit dem Wechsel ins Trainingslager nach Herzogenaurach beginnt für Polzin und sein Team nun eine entscheidende Phase. Dort sollen taktische Abläufe verfeinert und der Teamgeist gestärkt werden. Der Fokus liegt auf Details, Positionsarbeit und Teambuilding, unter anderem mit gemeinsamen Aktivitäten wie Padel-Tennis. Abgeschlossen wird das Camp mit einem weiteren Testspiel gegen Sturm Graz.
Mit Yussuf Poulsen und Nicolás Capaldo verleiht der HSV seinem Bundesliga-Kader nicht nur sportlich neue Qualität, sondern sendet auch ein deutliches Signal: Der Neustart in Liga eins soll mit Substanz, Charakter und Identifikation gelingen. Die Fans jedenfalls sind bereit – im Stadion wie auch kritisch auf den Tribünen. Fakt ist, dass viel Energie im Raum ist - und die sollten alle Seiten mitnehmen. Auch Kuntz, Costa und Co., die sicher noch eine Mengte Arbeit bei der Kadergestaltung vor sich haben.
Ab morgen ist Tom dann für uns im Trainingslager in Herzogenaurach dabei und berichtet von vor Ort. Und er wird eine Menge zu berichten haben, da bin ich mir ganz sicher!
Bis dahin!
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