Spielbericht

Bitterer Punktverlust in Nürnberg - Heuer Fernandes patzt und HSV fällt auf Rang fünf zurück

Der HSV verliert das erste Mal unter Trainer Tim Walter zwei Punktspiele in Folg. Mit 1:2 musste der HSV eine ganz bittere Pleite beim Verfolger 1. FC Nürnberger hinnehmen, der…

Bitterer Punktverlust in Nürnberg - Heuer Fernandes patzt und HSV fällt auf Rang fünf zurück

Der HSV verliert das erste Mal unter Trainer Tim Walter zwei Punktspiele in Folg. Mit 1:2 musste der HSV eine ganz bittere Pleite beim Verfolger 1. FC Nürnberger hinnehmen, der dadurch am HSV vorbeizog. Tragischer Held dabei: Daniel Heuer Fernandes. Der zuletzt zurecht gefeierte HSV-Keeper spielte 88 Minuten gewohnt stark, bis ihm der spielentscheidende Fehler unterlief. Vom Helden am Mittwoch zum tragischen Helden heute – so nahe liegen Freud‘ und Leid manchmal beieinander. „Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen. Wir haben einen überragenden Team-Spirit und deswegen wirft uns so etwas nicht aus der Bahn", bilanzierte Trainer Tim Walter anschließend hörbar enttäuscht und sein Kapitän Sebastian Schonlau versuchte, den Blick nach vorn zu richten: „Wir spielen eine gute ersten Hälfte, nutzen unsere Chancen aber nicht. Danach verlieren wir den Faden. Die Niederlage ist bitter und schmerzt für den Moment, aber ab morgen richten wir den Blick wieder auf die nächsten Aufgaben.

Dabei begann das Spiel erwartungsgemäß. Bei diesem dritten Aufeinandertreffen des HSV mit dem 1. FC Nürnberg in dieser Saison war klar, was passieren würde. Nachdem der HSV unter der Woche anstrengende 120 Minuten zuzüglich Elfmeterschießen in den Beinen hatte, witterten die Gastgeber ihre Chance im Angriffspressing. Frühes attackieren, hohe Laufbereitschaft – also genau das, was den HSV eigentlich stark macht. Und der HSV war darauf bestens vorbereitet. So gut, dass man mit Gegenpressing nach drei Minuten den Spieß schon umdrehte – und nach elf Minuten plötzlich in einen Konter lief. Kittel hatte den Ball verloren, Fischer spielte auf Köpke – und das hätte das 1:0 sein müssen. War es aber nicht. Zum Glück.

HSV muss führen - und kassiert das 0:1

Denn so blieb der HSV im Spiel und hatte quasi im Gegenangriff seine erste Hundertprozentige. Ludovit Reis war zentral auf Sechzehnerhöhe freigespielt, sein Schuss wurde aber geblockt und fiel Chakvetadze vor die Füße. Und der Georgier hätte diesen Ball zu seinem Premierentor veredeln müssen – tat es aber nicht, weil FCN-Keeper Mathenia dran war und dahinter ein Nürnberger klären konnte. Bitter für den HSV – vor allem, weil wiederum im Gegenzug die Gastgeber dann doch trafen. Der Ex-Niendorfer und HSV-Jugendspieler Fabian Nürnberger setzte sich im Sechzehner zu leicht gegen Jonas Meffert durch und sein Schuss fiel von Vuskovic abgefälscht im hohen Bogen FCB-Angreifer Köpke vor die Füße, der nur noch einzuschieben brauchte. Das 0:1 (15.).

Wieder ein Rückstand, der dem HSV das Leben wieder unnötig schwermachte. Aber wie in meinem Ergebnistipp (bei Instagram) gesagt: Dieser HSV KANN schwer. Und das bewies er keine zehn Minuten später. Kittel schickte Jatta rechts in den Sechzehner und der Gambier fand im Rückraum den sehr aktiven Ludovit reis, der heute wieder den Vorzug vor David Kinsombi erhielt, und der Niederländer verwandelte gezielt und gekonnt flach ins lange Eck zum 1:1 (25.). Das war dann auch der Halbzeitstand in einem guten Zweitligaspiel bis hierhin.

Unverändert – zumindest personell – begann dann auch die zweite Halbzeit mit zwei früh attackierenden Mannschaften, von denen der FCN zunehmend besser wurde. Auch, weil den HSV langsam die Kräfte verließen. Warum Trainer Tim Walter hier nicht wechselte, erschloss sich mir nicht. denn die HSV-Profis wurden merklich müder. Frischer Wind wie zuletzt hätte hier sicher gutgetan.

Walter verpasst rechtzeitige Wechsel und Heuer Fernandes patzt

Dennoch hätte der HSV dieses Spiel mit einem Punktgewinn beenden müssen. Denn so war das schon sehr bitter. Ausgerechnet der zuletzt beständigste Keeper der Zweiten Liga, Daniel heuer Fernandes wurde zum tragischen Helden, als einen eigentlich harmlosen Schuss des Nürnbergers Handwerker unter sich durchliefen ließ. Ich weiß. Nicht genau, worauf Heuer Fernandes da spekulierte, aber es war zu 100 Prozent sein Ding. Und leider kostete es den HSV heute nicht nur diesen einen Punkt beim FCN, sondern es kostete den HSV auch seinen vierten Tabellenplatz, den jetzt die Nürnberger innehaben. „Ich habe gedacht, dass er höher aufspringt – aber trotzdem ist der haltbar. Es ist sehr ärgerlich, dass wir durch so ein Dreckstor verlieren.“

Eine Pleite, die Trainer Tim Walter folgendermaßen zusammenfasste: „Wir kassieren momentan Gegentore, die so nicht fallen dürfen. Nachdem wir uns in der ersten Hälfte viele Chancen erarbeitet hatten, fehlte uns in der zweiten die Durchschlagskraft.“ Letztere braucht der HSV ab jetzt umso mehr, wenn es gegen die vermeintlich kleineren Gegner geht, die sicherlich nicht so hoch pressen werden wie die Nürnberger heute…

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

Die Spielerbewertungen: 

Daniel Heuer Fernandes: Sogar als Libero (34., nach Ballverlust Muheim, 50. gegen Köpke) ist er in Topform. Wie immer stark - und dann so ein Patzer in der 88. Minute! Diesen Ball nimmt er normalerweise sogar mit dem Fuß an, so leicht war der für ihn. Ganz bitter. Aber es ist halt so: Macht ein Torwart ein Fehler, ist es meist ein Gegentor. Und genauso, wie man ihn feiert, muss man ihn auch kritisieren. Macht er selbst glücklicherweise auch sehr ehrlich. Von daher kommt er leider von einer glatten zwei zur Gesamtnote: 5.

Josha Vagnoman (bis 90.): Es ist schon was anderes, im K.O.-Spiel bei Rückstand kurz vor Schluss eingewechselt zu werden, oder eben wie heute in Nürnberg zu beginnen. Das sah man ihm deutlich an. Denn der Rechtsverteidiger, der gegen den KSC so viel Schwung gebracht hatte, wachte erst in der 40. Minute auf, als er selbst zum Torabschluss kam (guter Schuss, wurde aber zur Ecke abgewehrt). Danach war er auch offensiv wieder dabei, wenn auch insgesamt etwas zu verhalten. Note: 4

Mikkel Kaufmann (ab 90.): Nicht zu bewerten. 

Sebastian Schonlau: Gutes Stellungsspiel, schaltete sich zudem sehr viel nach vorn mit ein, was ich an seiner Stelle aktuell vermieden hätte. Denn eines ist auch erkennbar: der Kapitän muss immer mehr kämpfen, um physisch an seine 100 Prozent zu kommen. Der Kapitän ist müde – und hatte in der 84. Minute trotzdem eine Riesenchance zum 2:1 selbst auf dem Fuß. Ich hätte es ihm gegönnt. Note: 3.

Mario Vuskovic: Unglücklich – aber schuldlos bei den Gegentoren. Auch beim 0:1, denn da musste er alles versuchen, und das tat er. Ansonsten absolut solide. Note: 3

Miro Muheim: Eine unterirdisch schlechte erste Halbzeit! Gedanklich und physisch immer einen Schritt zu langsam, am Ball fahrlässig. Er hatte riesig Glück, dass er in der 77. Minute nicht mit gelbrot runter musste. Das war nichts. Note: 5,5.

Jonas Meffert (bis 90.): Wirkte etwas zu langsam für das quirlige Mittelfeld der Nürnberger und sah auch deshalb seine 5. Gelbe Karte, weshalb er am kommenden Wochenende gegen Aue fehlen wird. Er profitierte heute davon, dass Reis zumindest in den meisten Aktionen sehr wach war und wurde in der zweiten Halbzeit besser. Note: 4

Anssi Suhonen (ab 90.): Konnte nichts mehr retten. Keine Note. 

Ludovit Reis: Von Beginn an präsent. Forderte die Bälle, gewann die Bälle und war immer anspielbar. In der zweiten Halbzeit tauchte er leider zunehmend mit unter. Erste Halbzeit Note 2, zweite Halbzeit Note 4 – macht insgesamt Note: 3.

Sonny Kittel (bis 82.): Fand nicht statt. Er fiel mir das erste Mal vor dem 1:1 auf, als er Jatta steil schickte. Und danach wieder nicht mehr. Das war zu wenig. Note: 5.

David Kinsombi (ab 83.):  Zu seiner Verteidigung, es war ein schwieriges Spiel, insbesondere für Einwechselspieler. Daher: ohne Note.

Bakery Jatta (bis 82.): Wenn er doch nur etwas zielen könnte bei seinen Abschlüssen – er würde vielleicht gar nicht mehr beim HSV spielen. Denn inzwischen bereitete er auch Tore vor. Wie immer war er von Beginn an immer im höchsten Tempo unterwegs, so auch vor dem Ausgleich, den er mit seiner 5. Torvorlage in dieser Saison mustergültig auflegte. Aber: Seine Power ist ein Pfand für den HSV – heute auch wieder bei schnellen Gegenstößen defensiv. Note: 3.

Manuel Wintzheimer (ab 83.): Dabei. Ohne Benotung.

Giorgi Chakvetadze: Hätte das 1:0 machen müssen, dann wäre es der perfekte Start gewesen, nachdem er zuvor auf der linken Außenbahn schon sehr aktiv. Tauchte mit zunehmender Spieldauer immer weiter unter und wirkte in einigen Aktionen (Ballannahme 66., als er allein aufs Tor zugelaufen wäre) unglücklich. Note: 4,5

Robert Glatzel: Wie gegen den KSC lange vergleichsweise unauffällig und mit vielen direkten Zweikämpfen statt Torabschlüssen. Der Unterschied: Heute traf er nicht und war in der zweiten Halbzeit nicht mehr zusehen. Note: 5

Die Daten zum Spiel:

1. FC Nürnberg: Mathenia - Handwerker, Sörensen, Schindler, Fischer - Nürnberger (85. Krauß), Tempelmann - Schleimer (90+1 Geis), Daehli (90+1 Suver), Duman - Köpke (85. Dovedan)

HSV: Heuer Fernandes - Muheim, Schonlau, Vuskovic, Vagnoman (90+2 Kaufmann) - Kittel (82. Kinsombi), Meffert (90+1 Suhonen), Reis - Chakvetadze, Glatzel, Jatta (82. Wintzheimer)

Tore: 1:0 Köpke (15.), 1:1 Reis (25.), 2:1 Handwerker (88.)

Zuschauer: 25.000

Schiedsrichter: Dr. Matthias Jöllenbeck (Müllheim)

Gelbe Karten: Köpke (33.), Klauß (45+1.), Mathenia (65.), Tempelmann (71.) / Meffert (35.), Jatta (66.), Muheim (67.), Reis (73.), Kaufmann (90+2)

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