Bittere Pleite vor Gericht für den HSV
In der arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung mit dem bislang freigestellten Sportdirektor Michael Mutzel hat der HSV eine fast noch bitterere Niederlage erlitten als am Sonntag…

Vorstand Jonas Boldt hatte sich drei Tage vor dem ersten Saisonspiel von dem ehemaligen Bundesliga-Profi von Eintracht Frankfurt, dem VfB Stuttgart und dem Karlsruher SC getrennt. Der Freistellung vorausgegangen war eine massive öffentliche Kritik seines Vorgesetzten Jonas Boldt: „Michael funktioniert in einer Führungsrolle rund um die Mannschaft nicht“, sagte der Sportvorstand Anfang Juni und setzte unter anderem durch, dass Mutzel keinen Kontakt mehr zur Mannschaft haben durfte.
Gespräche zwischen dem Ex-Sportdirektor und dem Verein vor dem Gerichtstermin waren ergebnislos geblieben. Nach der Entscheidung von Dienstag muss der HSV Mutzel theoretisch weiterbeschäftigen. Das Gericht betonte die „besondere Eilbedürftigkeit für eine fortgesetzte Beschäftigung, weil andernfalls ein weitergehender erheblicher Reputationsschaden“ entstünde. Und völlig abgesehen davon, dass das Vertrauensverhältnis selbstverständlich nie wieder arbeitsgerecht aufgebaut werden kann, hätte der HSV zwingend vorher eine Einigung mit Mutzel herstellen sollen, ehe man die Trennung an die große Glocke hängt. So aber wird es verdammt teuer. Mutzel hatte heute vor dem Arbeitsgericht rund eine Million Euro als mögliche Abfindung angeführt.
Mir stellt sich bei dem ganzen ungeschickten Vorgehen des HSV die Frage, wie man so blindlings in eine Niederlage vor Gericht rennen kann. Dass man unter anderem die „zu große Nähe“ zu Vorstand Thomas Wüstefeld mit ins Feld führte als Kündigungsgrund macht alles noch unverständlicher. Darüber kann ein Richter nur lächeln. Ebenso wie der Anwalt Mutzels. Selbst eine mögliche Berufung erscheint angesichts der extrem dünnen Lage von Vorwürfen eher sinnfrei. Ergo: 1:0 Mutzel. Ein Sieg, der nichts verbessert, sondern die Situation nur in die Länge zieht. Und eben teuer macht für den HSV.

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