Meinung

Bitte, Herr Thioune, sie haben es selbst in der Hand....

Oh Mann, wie scheiße muss das sein. Jetzt hockt die ganze Mannschaft im Süden irgendwo im Nichts aufeinander und schiebt Frust nach einem der schwächsten Spiele der Saison in…

Bitte, Herr Thioune, sie haben es selbst in der Hand....

Oh Mann, wie scheiße muss das sein. Jetzt hockt die ganze Mannschaft im Süden irgendwo im Nichts aufeinander und schiebt Frust nach einem der schwächsten Spiele der Saison in der vielleicht wichtigsten Phase der Saison. Und alle wissen um das, was sie gerade verbockt haben, obwohl sie sich allesamt im Vorfeld so viel vorgenommen hatten. Wahrscheinlich wird ihnen sogar noch visuell untermauert, was sie eh alle wissen MÜSSEN: Dass sie in Sandhausen im Kollektiv versagt haben. Und das muss man so deutlich sagen, weil sich aus der gemäßigten Beurteilung der letzten Wochen eine gefährliche Passivität über diese Mannschaft gelegt hat, die schnellstmöglich unterbrochen werden muss. Ich hoffe, dass der Trainer hier den Hebel anzusetzen weiß – denn auf der anderen Seite wird alternativ schon die Trainerdiskussion begonnen. Selbst HSV-Legende Uwe Seeler, der vor ein paar Wochen noch als Thioune-Fan geoutet hatte, wird heute zitiert, dass Horst Hrubesch es jetzt übernehmen könnte.

Dass diese Diskussion aufkommt,  sobald sich der HSV in einer gefährlichen Krise befindet, war schon seit Hrubeschs Verpflichtung klar. Jetzt ist es soweit. Und das Schlimmste daran: Es ist selbst verschuldet! Und das nervt mich kolossal!! Denn es ist ein leicht vermeidbares, handwerkliches Problem. Stichwort: Zu späte Wechsel im Spiel, zu wenig reaktive Fähigkeiten seiner Mannschaft, und vor allem zu wenig Entscheidungsfreude beim Trainer. Thioune selbst braucht immer wieder zu lange, um auf negative Entwicklungen zu reagieren. Er nennt es vertrauen, ich nenne einiges davon „falsche Passivität“. Denn in diesem Bereich muss man mehr erwarten dürfen.

Geduld darf kein Selbstzweck werden

Zumal Thioune ein Analystenteam um sich herum hat, das seinem Assistenzcoach souffliert. Und dass hier etwas nicht funktioniert, ist allzu offensichtlich. Oder wie erklärt man, dass man komplett unterlegen und ideenlos in Sandhausen erst in der 85 Minute dreifach wechselt, nachdem man in der 15. Minute zwangsläufig einen Stürmer rausnehmen musste und dafür einen defensiven Mittelfeldspieler gebracht hat? Geht nicht. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass man im Mittelfeldzentrum nicht nur mit der falschen Aufstellung beginnt (Kinsombi war ein Geist), sondern sie bis zur 85. Minute  nicht entscheidend ändert. Dabei hat allein das eher plumpe, aber eben strikt offensiv ausgelegte Spiel vom eingewechselten Wintzheimer deutlich gemacht, mit welch simplen Mitteln der HSV in Sandhausen gefährlicher hätte sein können.

Das für mich größte Problem bei diesen Zeilen für mich ist: Ich würde sie gern nicht schreiben müssen. Fakt ist, dass alle – ich vorneweg – Thioune für einen sehr guten Trainer halten. Oder besser gesagt, für einen bislang guten Trainer, der sich in den nächsten Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem sehr guten Trainer entwickeln wird. Alle hoffen, dass er das im Gleichschritt mit dem HSV selbst schafft. Aber Fakt ist aber auch, dass die aktuelle HSV-Situation klare Aktionen bedarf und keinen Raum lässt, auf Potenziale zu warten. Es muss JETZT gewonnen werden, egal wie! Jetzt muss geliefert, nicht entwickelt werden.  Auch nicht beim Trainer. Und der scheint in seinen Entscheidungen dem aktuell geforderten Tempo leider nicht schritthalten zu können.

In der wichtigsten Phase die schlechtesten Zweikampfwerte

Soll heißen: Der HSV könnte einen richtig guten Trainer opfern müssen, von dem grundsätzlich alle überzeugt sind. Selbst ein Großteil der Spieler. Denn wenn ich dem glauben kann, was ich erzählt bekomme, ist die Mannschaft in sich geschlossen. Inklusive Trainerteam passt es. Es ist harmonisch – zu harmonisch. Statt förderlichen Teamgeist fördert man aktuell damit die Lethargie. Ich hatte ehrlich gesagt Hoffnung, dass die Aussortierung und der Knatsch in der Causa Bobby Wood das Klima zumindest noch einmal anheizt. Aber statt körpereigenem Adrenalin scheint die Druckphase bei den Spielern Lethargie hervorzurufen. Ob in der Halbzeit gestern mal ein Spieler laut geworden ist? Wer‘s glaubt…

Nein, diese Mannschaft hat weder auf dem Platz noch daneben derzeit ausreichend Antreiber. Passend dazu heute eine Statistik meiner Mopo-Kollegen: Nur 45 Prozent der Zweikämpfe konnte der HSV gewinnen! In keinem anderen Spiel der laufenden Saison war die Zweikampfbilanz der Hamburger so schlecht wie bei diesem vorher als so wichtig proklamierten Nachholspiel gegen die Sandhäuser. Allen voran das Mittelfeld konnte dem Spiel kaum seinen Stempel aufdrücken. Kein Mittelfeldakteur aus der ersten Elf konnte mehr als 45 Prozent seiner Zweikämpfe für sich entscheiden. Mit lediglich 38 sowie 36 Prozent gewonnener Zweikämpfe waren vor allem die Außenbahnspieler Tim Leibold und Sonny Kittel auf verlorenem Posten.

Ich habe  im Blitzfazit einen Spieler besonders genannt, dessen Auftritt aber nur exemplarisch für die Gesamtleistung der Mannschaft gelten soll. Aber wenn ein Spieler mit so wenig Wirkung bis zur 85. Minute auf dem Platz bleiben darf, dann hat man entweder keine Ersatzspieler zur Verfügung, oder etwas übersehen. Erstes können wir ausschließen. Und das wiederum führt dazu, dass die Mannschaft, die nicht in der Lage ist, sich selbst zu regulieren, signalisiert bekommt, dass so wenig ausreichen kann. Von Leistungskultur, wie sie Thioune propagiert und wie sie eine Spitzenmannschaft zwingend leben muss, ist hier keine Spur mehr. Was ich gemacht hätte, habe ich gestern in eine Whattsappgruppe geschrieben, wo sich ein paar HSV-Fans während der Spiele mit Text- und Sprachnachrichten während des Spiels unterhält. Ich hätte nach 15 Minuten nicht nur Jatta ausgewechselt, sondern auch Kinsombi. Denn es war längst nicht das erste Mal, dass man sich Führung von dem Mittelfeldspieler erhofft und Versteckspiel bekommen hat. Zudem wäre es ein ganz wichtiges Zeichen an die Mannschaft gewesen, dass der nette Herr Thioune eben auch anders kann…

Thioune muss umdenken - sonst wird es unnötig eng

Ich behaupte, dass der Diplomat und Pädagoge Daniel Thioune auch seinen bislang souverän wirkenden Weg überdenken und ggf. korrigieren muss. Besondere Situationen erfordern eben auch besondere Maßnahmen. Erkennt Thioune das nicht, wird ein alles andere als zukunftsorientierter Kurzzeit-Effekt seine HSV-Karriere beenden, obwohl die noch sehr viel Positives bereithält. Und das sage selbst ich, der wirklich zu 100 Prozent fest davon überzeugt ist, dass Thioune super zum HSV passt und ein richtig guter Trainer wird. Denn jetzt schlägt das Ergebnis alles. Auch das Profil der Entwicklung beim HSV, auf das sich alle eingelassen hatten. Ergo: Thioune muss jetzt maximal Spannung aufbauen – zuerst bei sich, dann vor allem und schnellstmöglich bei der Mannschaft. Schafft er das nicht, wird der Verein wider den langfristigen Gedanken handeln und tatsächlich mit Hrubesch noch versuchen, die Saison bzw. die Aufstiegschancen zu retten. Es wäre genauso notwendig wie traurig!

Von daher, Herr Thioune – reißen Sie sich zusammen und bringen Sie die Mannschaft wieder in die Spur. Es geht hier auch darum, nicht etwas aufgeben zu müssen, was auf lange Sicht richtig gut funktionieren kann! Und vor allem: So schwer ist es nicht, klarzumachen, dass es nur noch 5-mal 90 Minuten Vollgas sind. Wer das nicht zu 100 Prozent will, wer hier auch nur ein Prozent weniger geben kann/will, der gehört raus! Auf die Bank oder gar ins Off gestellt.  Es muss eben NICHT immer harmonisch sein, um bestmöglich zu funktionieren! Ganz im Gegenteil….!

Aber okay, bevor ich mich hier auf Sportpsychologie einlasse, überlasse ich das Wort an dieser Stelle einem promovierten Wissenschaftler, der das besser beschrieben und dessen Expertise ich seit einiger Zeit in diesem Blog veröffentlichen darf: Dr. Olaf Ringelband. Seine Ausarbeitung werde ich Euch morgen an dieser Stelle bereitstellen. Vorweg schon so viel: Er hat Recht. Behaupte ich. Und das einzusehen ist nicht leicht – aber eben dringend notwendig.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

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