Bierbecher, Kugelschreiber und Rassismus-Vorwürfe - HSV und DFB ermitteln mit Hochdruck
mit höchstem Nachdruck“, so Vereinssprecher Philipp Langer heute auf Nachfrage zu den rassistischen Beleidigungen von Khaled Narey und Bakery Jatta am Sonnabend beim Spiel des…

Der HSV macht, was er in einem solchen Fall machen kann. „Wir gehen allen Hinweisen nach und prüfen in aller Schärfe und mit höchstem Nachdruck“, so Vereinssprecher Philipp Langer heute auf Nachfrage zu den rassistischen Beleidigungen von Khaled Narey und Bakery Jatta am Sonnabend beim Spiel des HSV gegen Fortuna Düsseldorf. Und das ließ man heute auch noch einmal per Pressemitteilung vermelden. Hintergrund: Ein Fan hatte das Thema mit seinen Schilderungen angestoßen, inzwischen gibt es mehrere Zeugenaussagen, die untersucht werden. Zudem hat heute auch der Kontrollausschuss des Deutsche Fußball-Bundes auf die rassistischen Vorfälle reagiert und wird „Ermittlungen einleiten“. Das erklärte der Verband am Montag in einer Mitteilung. Dabei geht es im Übrigen auch um die Bierbecherwürfe und den Kugelschreiber, mit dem der Linienrichter getroffen wurde. Eine Geldstrafe ist dem HSV also in jedem Fall sicher.
Dass rassistische Äußerungen für mich inakzeptabel sind und dass ich Rassisten an sich verabscheue, muss ich hier sicher nicht weiter erwähnen. Weshalb der eine Mensch sich im Recht wähnt, andere Menschen herabzuwürdigen oder gar ob ihrer Herkunft zu beleidigen, es wird sich mir nie erschließen. Abgesehen von mangelndem Intellekt und/oder schlechter Erziehung sehe ich keine Gründe. Wobei ich auch nicht nachvollziehen kann, weshalb ehemalige Spieler wie Khaled Narey, die sich in Hamburg absolut top verhalten haben und sich hier im Guten verabschiedet haben, so viel Wut entgegenschlägt, dass Bierbecher und andere Dinge fliegen. Zumal das bei anderen Spielern der Gegner nicht passiert, obgleich die im Gegensatz zu Narey nichts Gutes für den HSV geleistet haben. Das Prinzip, dass ehemalige Spieler immer mehr Ablehnung erfahren als Fremde – auch so eine Unlogik, die ich noch nie verstanden habe.
Ich habe am Sonntag von einem Freund eine sehr passende Nachricht bekommen, die ich an dieser Stelle gern mit Euch teilen würde, weil er zu 100 Prozent meine Meinung trifft:
Moin Scholle,
hab ich eigentlich irgendetwas verpasst? Ich habe mich gestern geschämt HSV Fan zu sein! Nicht wegen des langweiligen Fussballs, den wir mal wieder gespielt haben. Daran habe ich mich gewöhnt! Gibt es irgendeinen plausiblen Grund, warum so vielen IDIOTEN Khaled Narey 90 Minuten lang auspfeifen müssen? Er hat sich doch absolut nichts zu Schulden kommen lassen. Hat weder einen Wechsel provoziert, noch vorangetrieben. Der HSV war es, der Ihn loswerden wollte. Warum ist das beim HSV immer so, dass man immer gegen etwas sein muss? Warum ist es am lautesten, wenn gesungen wird „scheiß Düsseldorf“? Warum machen alle mit, wenn es heißt „Wer nicht hüpft, der ist ein Bremer? Die Bereitschaft ist immer nur da, gegen etwas zu sein, anstatt für das Eigene. Sorry, ich wusste nicht, wo ich das sonst mal loswerden kann.
Ein Freund von MoinVolkspark per Messenger
Ich finde, er hat nicht ganz Unrecht. Warum schauen wir so viel auf das, was die anderen tun? Ähnlich wie bei den Aufstellungen. Auch hier ist meistens der Spieler gefordert, der nicht eingesetzt wurde. Wobei wir Journalisten hierbei zweifelsfrei auch eine große Rolle spielen, da viele junge Spieler zu schnell zu stark gehypt werden. Meistens, weil sie im Gegensatz zu den anderen noch nicht gezeigt haben, wo ihr Limit liegt. Tommy Doyle zum Beispiel wurde von so vielen Usern und Userinnen hier mit Nachdruck gefordert, obwohl diese ihn noch nie hatten spielen sehen. Weil er von den Kollegen vom Boulevard als „Juwel“ bezeichnet worden war?
Auf jeden Fall entstehen in der Betrachtung des HSV meiner Meinung nach ein deutlich realistischeres, schärferes Bild, wenn sich die verantwortlichen ausschließlich auf das beschränken würde, was sie selbst beeinflussen können. Oder aus Fan-Sicht gesprochen: Wenn man mehr über das spricht, was das eigene Team macht. Letztlich nützen uns auch 20 gefeierte Gegentore an einem Spieltag nichts, wenn der HSV selbst seine Aufgabe nicht erledigt. Daher auch gestern mein Zusatz: Nein, es tröstet mich überhaupt nicht, dass es bei Werder gerade nicht so gut läuft. Ebenso wenig tangiert es mich in meiner Betrachtung auf den HSV, was der FC St. Pauli gerade alles richtig macht…
Und wenn wir schon beim übereilten Abfeiern von Neuen sind, auch gleich noch ein Wort zu Faride Alidou, der nach seiner Einwechslung am Sonnabend einige viel versprechende Aktionen hatte. Ich kenne Faride schon seit der Jugend und weiß, dass er ein unfassbar großes Talent ist. Wie so viele hat er zumindest alle körperlichen und fußballerischen Voraussetzungen, um einen richtig guten Weg zu nehmen. Aber er ist in den letzten Monaten und Jahren immer wieder auch am Kopf gescheitert. Und auf den kommt es an, wenn man es bis ganz oben schaffen will. Allerdings gebe ich mit Freude zu, dass er auch mir Freude bereitet hat. Da bin ich mir mit den Kollegen komplett einig. Zumindest im Bezug auf Alidou allein. Aber auch wenn ich jetzt als Miesepeter hingestellt werde, ich konnte Alidous Einwechslung in dem Moment nicht richtig einordnen.
Ich habe sie in dem Moment sogar nicht verstanden. Hintergrund: Alidou kam für Robin Meißner, als dieser gerade richtig im Spiel war und ich die Hoffnung auf mehr Torgefahr hatte. Und im Gegensatz zur ersten Halbzeit, in der Meißner bedingt im Spiel war, hätte ich ihn da nicht mehr rausgenommen. Zumal er auch nicht müde war.
Aber zurück zu Falidou: Wäre er für einen defensiven Mittelfeldspieler gekommen, ich hätte die Ausrichtung verstanden. Und dass Alidou für sich gesehen gute Szenen hatte – absolut korrekt! Aber in dieser Phase des Spiels einen Eins-zu-Eins-Wechsel vorzunehmen, empfand ich als falsch. Es hat der Mannschaft meiner Meinung nach bis dahin lang gesuchten und gerade andeutungsweise gezeigten Rhythmus wieder genommen. Und das schreibe ich hier nur, weil ich es schon in der Sekunde der Wechsel im Spiel so zu meinem Abendblatt-Kollegen und Sitznachbarn Henrik Jacobs gesagt habe und mich inzwischen auch darin bestätigt sehe/fühle.
Ich hätte eher die Spitze verstärkt und taktisch klarer auf zwei Spitzen mit drei offensiven dahinter umgestellt, zumal man immer noch in Überzahl spielte. Das heißt: Alidou zu bringen war absolut okay, aber Meißner runterzunehmen hielt und halte ich noch immer für einen Fehler. Ebenso, dass Heyer zunächst nur auf der Bank saß. Aber okay, parallel zu mir werden die anderen knapp 39.000 Zuschauer auch ihre Ideen gehabt haben. Letztlich muss sich aber nur Tim Walter an den Ergebnissen messen lassen.
Und damit geht es deutlich lesbar los. Die Kollegen vom Boulevard fragen heute ganz offen, wer denn die Schuld daran tragen würde, dass man gerade erneut scheitert. Klingt nach ungemütlichen Tagen für Tim Walter und Sportvorstand Jonas Boldt sowie Kaderplaner Michael Mutzel… Aber: Auch daran werde ich mich nicht beteiligen. Ich werde mich in den nächsten Tagen nicht mit Trainerdiskussionen beschäftigen, sondern die aus meiner Sicht notwendigen Maßnahmen ansprechen. Ich werde mich auch hier gern von Euch daran messen lassen, inwieweit ich hier in nächster Zeit in Lösungen schreibe/spreche, und inwieweit ich mich in rückwärtig orientierte Diskussionen verliere…! Macht mich gern darauf aufmerksam!
Apropos: Ich werde am Mittwochvormittag wieder einen Communitytalk aufzeichnen, für den Ihr mir wieder Eure Frage/n schicken könnt. Morgen ab 11 Uhr könnt Ihr dies über Instagram machen. Und wer kein Instagram nutzt, dem steht auch die normale Email-Funktion (dann bitte an [email protected]) zur Verfügung. Also, schreibt mir gern!
In diesem Sinne, genießt den Montagabend und bis morgen! Da melde ich mich dann wieder pünktlich um 7.30 Uhr mit dem MorningCall bei Euch! Bis dahin!
Scholle
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