Beweist endlich, dass ihr gelernt habt!
„Sport ist Mord“ – das stand in großen Lettern an unserer alten Schulturnhalle vom Gymnasium Ohmoor auf der Seite, von der ich morgens die Schule betreten habe. Und ich habe…

„Sport ist Mord“ – das stand in großen Lettern an unserer alten Schulturnhalle vom Gymnasium Ohmoor auf der Seite, von der ich morgens die Schule betreten habe. Und ich habe mir wirklich jedes Mal gedacht: Was für ein Quatsch! Ein Leben ohne Sport war damals für mich absolut gar nicht vorstellbar. Und zumindest mit Letzterem habe ich Recht behalten – ich kann einfach nicht ohne Sport. Aber ich muss leider immer häufiger erkennen, dass mein Körper eben lange nicht mehr das macht, was mein Kopf gern möchte. Allein an diesem Wochenende hatte ich ein Punktspiel und ein Turnier. Kein Fußball mehr, weil die Knie das nicht mitmachen und ich nicht eine ganze Mannschaft in Situationen hängen lassen und sagen muss: „Ging gerade mal nicht…!“
Da aber Sport ohne Ball (ich sollte Schwimmen, Fahrradfahren oder Laufen/Walke) für mich nichts ist, habe ich nach mehr als 20 Jahren keine Tenniskarriere noch mal aufgenommen. Wenn ich da mal nicht laufen kann, bestrafe ich nur mich allein – das passt. Dachte ich. Denn heute weiß ich es besser. So vielversprechend meine sportlichen Perspektiven damals als 17- oder 18-Jähriger auch waren – heute verliere ich gegen Spieler, denen ich früher Training gegeben habe. Weil diese einfach fitter sind.
Und zu allem Übel streikt mein Körper auch bei dieser Belastung immer wieder. Das Punktspiel (je ein Einzel und ein Doppel) sowie ein Tagesturnier über Pfingsten haben mich zerlegt. „Schleimbeutelentzündung in der Schulter“, so die Diagnose. Und das auch nur, weil ich von meinen Knien gar nicht erst was erzählt habe. Und obgleich ich als bekennender „Nicht-Zehnfingersystem-Tipper“ hauptsächlich die rechte Hand brauche, um zu schreiben, versuche ich es heute. Die Ibuprofen sollten dabei zumindest etwas helfen können. Fakt ist aber, dass ich mit Sport nicht aufhören werde, sondern nur nach einem neuen Weg suchen werde, irgendwann doch noch mal so zu spielen, wie ich es von mir erwarte. Es wird nur etwas dauern.
Am schlauesten ist, wer weiß, was er nicht weiß
Vor allem aber wird es mich schwierige Kompromisse kosten. Denn mit Gewalt werde ich nur noch mehr kaputtmachen. Statt nach dem veralteten Prinzip „Schmerz ist nur Schwäche, die den Körper verlässt“ zu agieren, werde ich mir die nächsten Monate in aller (erzwungener) Ruhe die Zeit nehmen, auf Ratschläge derer zu hören, die sich damit besser auskennen sollten als ich. Weil ich allein, so nahe ich meinem eigenen Körper auch bin und so oft mich Verletzungen auch schon als Begleiter zurückgeworfen und abgehärtet haben, eben nicht alles wissen kann. Ich werde die längst gesagten Worte „bau Dich langsam wieder auf, sonst wirft es Dich weit zurück“ beherzigen und (vergleichsweise langweiliges) Präventivtraining machen müssen. Das ist völlig wider meinen inneren Antrieb – aber eben vernünftig. Und am Ende erfolgreicher – womit ich den Schlenker zum HSV bekommen will.
Denn hier müssen einige erkennen, wann sie allein klarkommen und wann sie auch mal einen Kompromiss eingehen und „eine Kröte schlucken“ müssen. Denn es gibt den einen Allwissenden einfach nicht. „Am schlauesten ist, wer weiß, was er nicht weiß", hat mir mein Opa mal gesagt. Hab ich am Anfang als kleiner Junge nicht verstanden - inzwischen schon. Und das stimmt, das war schon zu besten Hoffmann/Beiersdorfer Zeiten so – und das ist jetzt wieder so. Sportdirektor Michael Mutzel wurde von Jonas Boldt mächtig abgewatscht, weil dieser sich in den letzten Wochen der Saison nicht in der Form loyal gezeigt hatte, wie es der Sportvorstand erwartet hätte. Dennoch sagt Boldt (wie fast alle in der Szene) über Mutzel, dass er ein sehr guter Kaderplaner sei und ein sehr gutes Auge für Talent hat. Vom Aufsichtsrat ist derweil zu hören, dass die Stelle von Mutzel bei einem etwaigen Abgang nicht neu besetzt würde, sondern intern nach Ersatz gesucht werden müsste. Mit anderen Worten: Der HSV schwächt sich qualitativ selbst, weil hier Eitelkeiten (ob von Mutzel oder Boldt ausgehend lasse ich offen, das ist Ansichtssache) wieder über den HSV an sich gestellt werden. Und das nervt zunehmend.
Und noch mal, um das ganz klar herauszustellen: Ich kenne inzwischen beide Sichtweisen – also die pro Mutzel und die pro Boldt. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, welche korrekt ist bzw. welche korrekter ist. Denn beide Sichtweisen haben durchaus Schnittmenge. Und sowohl Boldt als auch Mutzel haben Vorzüge, die sich in den letzten ergänzt haben, die aber noch nicht dazu geführt haben, dass man das gemeinsame Ziel Wiederaufstieg realisieren konnte. Wenn man jetzt auf Konstanz setzt, aber aus diesem Fundament einen wesentlichen Baustein herauszieht, ohne ihn zu ersetzen, befürchte ich, dass nichts anderes als eine Schwächung dabei herauskommen kann. Auch deshalb kann ich diese Trennung nicht nachvollziehen.
Okay, Mutzel ist nicht von Boldt zum HSV geholt worden, sondern von dessen Vorgänger Ralf Becker. Und ja, es geht nicht ohne vertrauensvolle Zusammenarbeit. Und ja, ein unantastbarer starker Mann an der Spitze täte dem HSV gut. Aber gerade davon entfernt sich der HSV mal wieder. Und auch, wenn Boldt selbst das anders sehen mag, seine Art lässt ihn für mich nicht stärker werden. Mir hätte imponiert, wenn Boldt die Situation ausschließlich aus Sicht des HSV zu lösen versucht hätte. Intern. Ruhig. Ohne öffentliche, bloßstellende Statements. Vielleicht sogar, indem man den vorherrschenden Krach. Denn so wirkt das auf mich nicht stark, sondern für den Moment nur destabilisierend.
Vagnoman stellt Verbleib beim HSV in den Raum
Und wo wir gerade dabei sind, Josha Vagnoman hat sich heute noch einmal zu seiner Zukunft geäußert, die noch nicht entschieden ist. „Alles ist offen“, sagte der 22-jährige U21-Nationalspieler dem TV-Sender Sky vor dem EM-Qualifikationsspiel mit der Deutschen U21-Nationalmannschaft am Dienstag gegen Polen. Der Abwehrspieler gilt nach dem erneut verpassten Bundesliga-Aufstieg der Hanseaten trotz seines Vertrags bis zum 30. Juni 2024 schon länger als möglicher Kandidat für einen Wechsel.
Die Saison sei noch nicht zu Ende, betonte der gebürtige Hamburger. Er wolle erst alle Spiele spielen, bevor er eine Entscheidung treffe. Rückblickend auf die Saison und die riskante Spieleröffnung im System von Trainer Tim Walter sagte Vagnoman: „Für die Spielphilosophie braucht man, sage ich mal, Eier in der Hose.“ Die Mannschaft habe Zeit gebraucht, um Walters Vorstellungen umzusetzen. „In der Rückrunde hat man dann sensationell gesehen, wie wir Fußball gespielt haben“, sagte Vagnoman: „Das hat Spaß gemacht. Darauf kann man aufbauen.“ Vielleicht ja auch weiter mit ihm.
In diesem Sinne, ich lege meine Schulter jetzt ruhig und werde das Feierabendbierchen zum Länderspiel heute gegen England dann eben mal mit links heben. Und, nur nebenbei: Diesen Kompromiss gehe ich ganz ohne zu murren und gern ein…
Bis morgen.
Scholle
P.S.: Weil ich es per Email gefragt wurde: Bislang habe ich – zumindest seit der letzten Ansage - noch niemanden vorübergehend gesperrt, da mein Blogprogramm dafür um ein Tool erweitert werden muss. Das hat Janik gerade in Angriff genommen. Ich werde Euch dann aber auch an dieser Stelle informieren, sobald ich die vorübergehenden Sperren einbaue.
Zeig deine Farben
Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.
Shirt HAMBURG ALLSTARS
Eine Startelf aus Hamburger Legenden, großflächig auf dem Rücken.
39 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print HAMBURG ALLSTARS
Dieselbe Startelf als Fine-Art-Print — A3 oder 50 × 70.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print COMEBACK DES DINOS
Mai 2025, das 6:1 — nach sieben Jahren zurück in der Bundesliga.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print UNS UWE
Uwe Seeler nach dem verlorenen Wembley-Finale 1966.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.
Lies weiter
Meinung
HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem
Weiterlesen

Diskussion
0 KommentareDiskutier mit!
Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.
Jetzt kostenlos registrierenAnmelden