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Beim HSV zeigt die Basis, wie es funktioniert

Dass es nach dem Rücktritt von HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld nicht gleich ruhiger würde, war abzusehen. Zum einen, weil der einzig verbleibende HSV-Vorstand Jonas Boldt intern…

Beim HSV zeigt die Basis, wie es funktioniert

Dass es nach dem Rücktritt von HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld nicht gleich ruhiger würde, war abzusehen. Zum einen, weil der einzig verbleibende HSV-Vorstand Jonas Boldt intern schon etliche Kritiker hatte und hat. Zum anderen aber, und darum wird es den den nächsten Tagen und Wochen gehen, weil der HSV-e.V.-Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende Marcell Jansen in den letzten Monaten immer wieder den stark in die Kritik geratenen und jetzt zurückgetretenen Vorstand Wüstefeld gestützt hatte. Auch gegen offene Empfehlungen. Und jetzt ist es so weit: Gegen Jansen ist ein Abwahlantrag gestellt worden. Darüber hatte das Hamburger Abendblatt zuerst berichtet. Demnach soll der Jurist und HSV-Mitglied Till Hischemöller als Antragsteller seinen Vorstoß mit fehlendem Vertrauen begründet haben. „Aufgrund seiner grob fahrlässigen Amtsführung als Aufsichtsratsvorsitzender der HSV Fußball AG ist in der Person von Herrn Marcell Jansen ein Vertrauensverlust eingetreten, welcher ihn auch für die Fortführung seines Amtes als Präsident des Hamburger Sport-Vereins e.V. als ungeeignet erscheinen lässt“, schreibt Hischemöller zur Begründung seines Antrags.


Der Jurist wirft Jansen vor, was viele Kritiker Jansen vorwerfen: Dass der Aufsichtsratsvorsitzende zu lange tatenlos geblieben ist und trotz zahlreicher Vorwürfe Finanzvorstand Thomas Wüstefeld nicht rechtzeitig abberufen habe. Jansen habe „gänzlich mit seinem Amt überfordert“ gewirkt, schrieb Hischemöller.

Mitglied stellt Misstrauensantrag gegen Jansen

Inwieweit das weitere Kreise zieht, ist allerdings noch offen. Denn eine Abwahl Jansens ist satzungsgemäß nur bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung oder durch die schriftliche Zustimmung von einem Zehntel aller stimmberechtigten Mitglieder möglich. Das Pikanteste an dieser Nummer: Jansen selbst wiederum sieht keinen Bund, von sich aus zu gehen, im Gegenteil: Jansen beabsichtigt, bei der bevorstehenden Hauptversammlung aller Gesellschafter der HSV-AG den Aufsichtsrat neu zu bestimmen und einige seiner Kritiker wiederum zu entfernen, weil er in denen illoyales, vereinsschädigendes Verhalten erkannt habe.

Ein Führungschaos, wie es der HSV einfach zu oft schafft. Und so sehr andere Vereine und AGs unter ebensolchen Problemen leiden, hier in Hamburg ist der geneigte Fan einfach nur noch genervt von derartiger Inkompetenz bzw. von einer derartigen Führungsschwäche beim HSV. Auch ich ehrlich gesagt. Allerdings betrachte ich die ganze Nummer inzwischen als nahezu hoffnungslos. Denn bislang hat es noch kein einziger Vorstand beim HSV geschafft, nicht gleich mit Amtsantritt eine Opposition gegen sich zu haben. Auch Boldt aktuell ist alles andere als unumstritten. Und genau das führt immer wieder dazu, dass Parteien innerhalb des HSV entstehen, die gegeneinander und nicht miteinander arbeiten.

Die Frage ist dieselbe wie vor der Ausgliederung 2014: Wie kann man das ändern? Und hierfür freue ich mich auf die Kompetenz und die Expertise von unserem Blogfreund und Psychologen Dr. Olaf Ringelband, der mir einen sensationell informativen Artikel für morgen zur Verfügung gestellt hat. Einen, der aktueller nicht sein könnte. Sein passender Titel: Warum werden die meisten Fußballvereine so unprofessionell gemanagt? Freut Euch drauf!

Trainer und Team retten den HSV vor komplettem Chaos

Apropos Freuen: ich freue mich momentan mehr denn je auf die Spiele des HSV. Denn sie bilden immer wieder eine hervorragende Ablenkung zu der Inkompetenz in den Führungsgremien und zeigt, dass bei diesem HSV nicht alles verloren ist. Der Teamgeist, mit dem die Mannschaft aktuell unterwegs ist – bitte schaut Euch mal die Videos der letzten Spiele an, wie bei den entscheidenden Toren gejubelt wurde! Nicht nur von den unfassbaren Massen an (Auswärts-)Fans, sondern von allen Stamm- wie Ersatzspielern, vom gesamten Trainerteam und den Betreuern beim HSV. Das war authentisch, das war ehrliche Freude! Von allen! Das war gelebte Gemeinsamkeit. Oder anders formuliert: Beim HSV ist es aktuell die Basis, die der Führung zeigt, wie es geht. Selbst dann, wenn die Führung so unterperformt wie aktuell.

Nicht mitwirken kann am Sonnabend aller Wahrscheinlichkeit nach Jean-Luc Dompé, der auch heute wieder nur individuell trainieren konnte. Sollte er nicht spätestens am Donnerstag wieder voll mitmachen können, dürfte das Spiel vor ausverkauftem Haus am Sonnabend gegen den 1. FC Kaiserslautern ausgeschlossen sein. Leider. 

In diesem Sinne, bis morgen! Dann wie gesagt mit einem außergewöhnlich interessanten und aktuellen Artikel von Dr. Olaf Ringelband. Ich werde diesen Artikel im Nachtrag dann noch mit allem Wissenswerten vom Tage (inklusive Pressekonferenz) ergänzen. 

Bis dahin,

Scholle

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