Meinung

Beim HSV entscheidet sich alles jetzt - vor allem im Kopf

Trainer Tim Walter sieht die Partie des HSV beim SSV Jahn Regensburg als Herausforderung an. Seine Mannschaft müsse sich nach dem 1:3 im Pokal-Halbfinale gegen den SC Freiburg…

Beim HSV entscheidet sich alles jetzt - vor allem im Kopf

Trainer Tim Walter sieht die Partie des HSV beim SSV Jahn Regensburg als Herausforderung an. Seine Mannschaft müsse sich nach dem 1:3 im Pokal-Halbfinale gegen den SC Freiburg wieder beweisen, sagte Walter am heutigen Donnerstag. „Wir waren sehr, sehr enttäuscht, aber auch stolz auf das Erreichte», betonte der 46-Jährige. Und er weiß, wie schwer es wird, seine Mannschaft nach diesem Highlight vor 57.000 Zuschauern im Stadion und mehr als 5 Millionen Zuschauern vor dem TV auf das Spiel beim SSV vor erwarteten 13.000 Zuschauern vorzubereiten. Denn der Kopf wird in den letzten vier Saisonspielen besonders wichtig werden.

„Glaubst du an vier Siege in den letzten vier Spielen“ wurde ich heute im Communitytalk gefragt. Und was soll ich sagen? Es ist möglich! Regensburg, Ingolstadt, Hannover und Rostock sind definitiv schlagbar. Aber wie immer kann der HSV genauso gut mit null Punkten aus diesen Partien gehen, wenn er nicht an seine Leistungsgrenze kommt. Schaue ich mir Mentalitätsspieler wie Mario Vuskovic und Anssi Suhonen oder auch so konstante Spieler wie Daniel Heuer Fernandes, Jonas Meffert, Moritz Heyer und Tobert Glatzel an – dann habe ich da gar keine Bedenken, dass zumindest der Einsatz bei 100 Prozent liegen wird. Aber diese sechs Spieler werden am Ende nicht reichen.

Der HSV braucht mehr. Er braucht jetzt Impulse von außen, also vom Trainer. Er braucht die Impulse von innen – also von den Führungsspielern. Und vor allem braucht der HSV jetzt Charakter bei seinen Spielern. Denn einige Spieler wie David Kinsombi, Manuel Wintzheimer, Mikkel Kaufmann und auch Jan Gyamerah wissen (so gut wie sicher), dass der HSV mit ihnen nicht für die neue Saison plant. Trotzdem müssen sie sich noch mal auf 100 Prozent hochfahren. Denn nur wer unabhängig von seiner eigenen Zukunft beim HSV noch mal bereit ist, die letzten vier Spieler Vollgas zu geben, kann helfen. Alle anderen stören.

https://soundcloud.com/user-36211795/do210422-hsv-aufsichtsrat-und-vorstand-tagen-wie-gehts-mit-walter-weiter-wer-kommt?utm_source=clipboard&utm_medium=text&utm_campaign=social_sharing

Ich hoffe sehr, dass es „die anderen“ in diesem Fall gar nicht gibt. Allerdings ist es durchaus möglich, weil auch menschlich, wenn sich Spieler falsch behandelt und falsch beurteilt fühlen, dass auch sie Probleme haben, sich für eben diesen Klub noch mal bedingungslos zu zerreißen. Von daher gilt auch hier: Trainer Tim Walter muss noch genauer hinsehen. Er muss entscheiden, wer noch bereit ist, und wer eben nicht mehr. Letztgenannte gehören dann auch definitiv nicht mehr in den Kader berufen. 

Immerhin ließ Walter erneut keinen Zweifel daran, dass man bei den neuntplatzierten Oberpfälzern seine minimale Resthoffnung auf die Bundesliga-Rückkehr am Leben erhalten wolle. „Wir fahren da hin, um zu gewinnen»“, stellte Walter klar. Der SSV ist seit fünf Spielen unbesiegt, spielte davon aber viermal 1:1. Nur beim 1:0 über den SC Paderborn gab es einen Sieg für die Mannschaft von Chefcoach Mersad Selimbegovic. „Sie holen viel aus ihren Möglichkeiten heraus“, zollte Walter den Regensburgern Respekt. Zudem erwartet der HSV-Coach viel Kampf, viel Leidenschaft und viel Wucht von den Regensburgern: „Aber wir wissen, dass wir das bespielen können.“

Personell haben die Hamburger am Samstag keine Sorgen. Bis auf die Langzeitverletzten haben alle Akteure die Strapazen des Pokalspiels überwunden und sind einsatzbereit, während für Jahn Regensburgs Trainer Mersad Selimbegovic das Duell mit dem HSV  wie an diesem Wochenende immer noch nicht zur Gewohnheit geworden ist. „Für mich ist das immer noch nicht normal, dass sich der Jahn regelmäßig mit dem HSV messen darf“, räumte Selimbegovic vor der Partie ein.

Die Regensburger haben nach 30 Spieltagen 39 Zähler auf ihrem Konto und wollen endlich die 40-Punkte-Marke knacken. Der HSV indes hofft – wenn auch nur noch minimal - auf ein Comeback im Aufstiegsrennen. Das mache eine „besondere Konstellation“ aus, befand Selimbegovic am Donnerstag und prognostizierte ein „hitziges Duell“ vor erwarteten rund 13.000 Zuschauern in der heimischen Arena. „Wir müssen auf der Hut und bereit sein, viel zu investieren.“

Ich freue mich trotz allem auf die Partie in Regensburg. Ich freue mich darauf, weil es viele neue Schlüsse geben wird, die den HSV schlauer machen können, wenn er selbst diese auch erkennt. Vier Spiele bleiben den Kontrolleuren im Aufsichtsrat und dem Vorstand gemeinsam noch, um zu entscheiden, was man aus dieser Saison mit in die neue Serie retten sollte – und was eben nicht. Genau DAS meinte ich gestern im Blog mit der Überschrift: HSV-Alltag wirft Fragen auf - und verlangt Antworten. Denn diesen einen Vorteil bieten diese letzten vier Spiele noch einmal: Sie werden unter Beweis stellen, wer mit solchen Situationen gut und richtig umgehen kann – und auf wen man sich eben nicht verlassen kann. Und dazu werde ich mich nach den nächsten Spielen abschließend äußern.

In diesem Sinne, bis morgen!

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