Beiersdorfers emotionale Rückkehr
Dietmar Beiersdorfer versuchte gar nicht erst, den eiskalten Fußball-Profi zu mimen. Es wäre ihm angesichts der vielen bekannten Gesichter in diesem Zoom-call auch nicht…

Dietmar Beiersdorfer versuchte gar nicht erst, den eiskalten Fußball-Profi zu mimen. Es wäre ihm angesichts der vielen bekannten Gesichter in diesem Zoom-call auch nicht gelungen. „Natürlich“, antwortete er auf die Frage nach seinen Gefühlen so unmittelbar vor seiner Rückkehr zum HSV am Sonntag, „natürlich“ werde dieser Sonntag für ihn ganz speziell, wenn er zum ersten Mal in neuer Funktion als Gegner auf den HSV trifft. Es ist seine große Rückkehr ins Hamburger Volksparkstadion - und das als Geschäftsführer des FC Ingolstadt, der am Sonntag beim HSV gastiert. Aber: „Ich werde in allererster Linie meinen Klub im Fokus haben und mich und uns möglichst gut auf das vorbereiten, was uns in Hamburg erwartet. Die Rückkehr kommt erst nachgelagert.“
Das sagte er. Aber selbst das nehme ich ihm so nicht ab. Denn Beiersdorfer war immer und ist wohl auch noch immer ein emotionaler Mensch. Einer, der eine Identifikation braucht, um in seiner Arbeit aufzugehen. So, wie lange Zeit in Hamburg, wo er nach einer sehr erfolgreichen ersten Station als Sportchef bei seinem zweiten Anlauf – da dann als „CEO“, wie er seinen Vorstandsvorsitz heute nannte – eher erfolglos agierte. Viel Geld wurde in dieser zeut ausgegeben. Und die Folgen dieser Fehlplanungen werden den HSV auch in den nächsten Jahren noch verfolgen.
Dennoch, persönlich hat Beiersdorfer in seinem persönlichen Ranking nur einen Rang eins zu vergeben. Und der geht offenbar weiterhin an den HSV: „Natürlich ist das auch mein Club, der mich mein ganzes Leben begleitet hat und zu dem ich viele Emotionen aufgebaut habe. Ich habe dem Club unglaublich viel zu verdanken.“ Dass er seit seiner Demission Ende 2016 nur einmal im Stadion war, sei auch darauf zurückzuführen, dass er lange brauchte, um mit dem HSV für sich abzuschließen. Er hatte sich bewusst zurückgezogen, um das eine endgültig abzuhaken, bevor er sich auf etwas Neues einlassen konnte.
Interessanterweise hatte Beiersdorfer unmittelbar nach seinem HSV-Aus vor fünf Jahren schon mal ein Angebot vom FC aus Ingolstadt – und damals lehnte er ab. Weshalb er es diesmal angenommen habe, wollte ich von ihm wissen, was ist diesmal anders gewesen? Aber Beiersdorfer ließ es bewusst unkommentiert. „So ein Job raubt einem auch sehr viele Kräfte“, gab er ehrlich zu und meinte damit die Zeit beim HSV. „Man muss sich freimachen, um nicht in der Vergangenheit, sondern der Zukunft zu leben.“
Und während ich hier schon „Scorpion“ und Co. schnaufen höre, sieht Beiersdorfer seinen Ruf beim HSV alles andere als belastet. Die veröffentlichte Meinung sei nicht immer gleich die öffentliche Meinung, so Beiersdorfers Wortspiel. Soll heißen: Was in der Öffentlichkeit berichtet oder in Foren geschrieben wird, ist nicht immer auch gleichbedeutend mit der tatsächlich vorherrschenden Meinung. „Und ich habe nie mitbekommen, dass man mir in Hamburg einen Vorwurf macht, ich habe mich immer sehr willkommen gefühlt“, so Beiersdorfer, der in Hamburg weiterhin seinen Lebensmittelpunkt hat.
Auf dem schon ziemlich abgeschlagenen Tabellenletzten liegt jetzt sein Fokus. Er will bei den Schanzern ein kleines Wunder bewirken und den Verbleib in der 2. Liga schaffen. Jetzt zählt erstmal die Gegenwart: Sonntag, 13.30 Uhr, Volksparkstadion. Schon kurz nach der Rückkehr ins schillernde Business des Profifußballs steht für den 58-Jährigen als Geschäftsführer des Tabellenletzten FC Ingolstadt dieses sehr emotionale Wiedersehen in der 2. Liga an. Mit dem Verein, der Beiersdorfers Karriere als Spieler und als Manager über viele Jahre prägte.
Wie er den HSV über die letzten Jahre als Privatmann verfolgt habe? „Ich habe es früher schon nicht gut gefunden, wenn sich Ehemalige als Außenstehende über die Verantwortlichen äußern, daher werde ich es mir selbst auch nicht gestatten“, so Beiersdorfer, der stattdessen noch ein paar warme Worte für den HSV bereithält. Die „diversen Versuche“ des Traditionsvereins, nach dem Abstieg 2018 in die Bundesliga zurückzukehren, habe er aufmerksam verfolgt, aber: „Natürlich wünsche ich mir für die Fans, diese Stadt, und für den HSV den Aufstieg“, sagte Beiersdorfer. Die guten Wünsche gelten aber nicht für diesen Sonntag, wenn er mit seinem neuen Arbeitgeber in Hamburg zu Gast ist.
Sein Ziel als neuer starker Mann beim FCI ist es, gegen seinen Herzensclub „gut abzuschneiden“, also zu punkten. Und ich behaupte: Das wird nichts, Herr Beiersdorfer. Sollte der HSV seine Lehren aus dem Regensburg-Spiel ziehen und das beibehalten, was schon deutlich besser war als in den Vorwochen, dann wird das Spiel am Sonntag einen sehr ähnlichen Verlauf haben. Das aber bedeutet auch, dass der Trainer auch diesmal der abgesicherten Defensive mehr Gewicht gibt als an den ersten zehn bis zwölf Spieltagen. Mit Mario Vuskovic neben Sebastian Schonlau, so viel scheint sicher, nachdem der verletzte Jonas David noch nicht wieder voll mittrainieren kann. Wobei der HSV-Coach auch keinerlei Grund hat, überhaupt etwas an der Startelf vom vergangenen Sonnabend zu ändern. Finde ich.
In diesem Sinne, morgen bekomme ich meine Booster-Impfung. Ich gehe mal davon aus, dass ich die genauso gut und problemlos überstehend werde wie meine beiden Impfungen bisher (dreimal auf Holz geklopft), von daher gehe ich auch ganz fest davon aus, dass ich mich morgen Abend an dieser Stelle wieder mit einem Blog melde.
Bis dahin Euch allen einen schönen Abend!
Scholle
Zeig deine Farben
Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.
Shirt HAMBURG ALLSTARS
Eine Startelf aus Hamburger Legenden, großflächig auf dem Rücken.
39 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print HAMBURG ALLSTARS
Dieselbe Startelf als Fine-Art-Print — A3 oder 50 × 70.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print COMEBACK DES DINOS
Mai 2025, das 6:1 — nach sieben Jahren zurück in der Bundesliga.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print UNS UWE
Uwe Seeler nach dem verlorenen Wembley-Finale 1966.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.
Lies weiter
Meinung
HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem
Weiterlesen

Diskussion
0 KommentareDiskutier mit!
Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.
Jetzt kostenlos registrierenAnmelden