Beendet diese Posse! Jetzt.
Es war ein langer Ritt zurück. Anstrengend, mit Autoproblemen und mit viel Stau. Trotzdem sind wir alle wieder heil angekommen. Weil es gar keine Alternative gab, als…

Es war ein langer Ritt zurück. Ein sehr langer sogar. Er war anstrengend, mit Autoproblemen und mit viel Stau. Trotzdem sind wir alle wieder heil angekommen. Weil es gar keine Alternative gab, als weiterzufahren. Dabei habe ich mich immer wieder auch an den HSV erinnert gefühlt. Auch da geht es immer weiter. Irgendwie. Und eigentlich auch immer mit viel Ärger. Oft mit stotterndem Motor bis hin zum Verdacht auf wirtschaftlichen Totalschaden. Aber auch hier gilt: Es muss weitergehen. Auch jetzt, wo sich die zwei Vorstände aus verschiedenen Gründen nicht (mehr) riechen können. Die Frage, die sich in dieser Woche aber mehr denn je stellt: Kann man mit beiden zusammen zum Ziel kommen? Oder muss einer von beiden gehen? Oder gar beide?
In dieser Woche soll es hierzu mehr geben. Aber okay, das habe ich schon häufiger gesagt bekommen. Ohne, dass es wirklich passiert ist. Diese Art Flurfunk, wo plötzlich alle meinen, brisante Interna zu kennen und sich alle gegenseitig ein Geheimnis erzählen, bis es alle etwas wissen. Oft werden hierbei Unwahrheiten zu Wahrheiten. Das gab es und das gibt es auch beim HSV. In den vergangenen Jahrzehnten durchaus intensiver als heute – aber es gibt ihn, diesen Flurfunk, der bis zu uns Journalisten gelangt. Was genau er in diesem Fall besagt – alles! Wirklich alles!
Vom Szenario, dass Aufsichtsratsboss Marcell Jansen zusammen die Anteilseigner zusammenruft, um so der Abberufung Wüstefeld durch den Aufsichtsrat vorzubeugen bis hin zu der Abberufung des zweiten Vorstandes, Jonas Boldt. Alles wird sich erzählt – weil alles seine Sympathisanten hat und alle ihre Interessen durchsetzen wollen. Kurzum: Es wird Propaganda betrieben. Mitarbeiter versuchen, Stimmungslagen zu beeinflussen, Die Hauptbeteiligten versuchen, sich öffentlich gut darzustellen, um möglichste viele Sympathisanten zu gewinnen. Und es werden Allianzen geschmiedet.
Aktuell heißt es, Jansen und Wüstefeld gegen Boldt, Walter und Hrubesch. Also der Administrative Apparat gegen den Sportlichen. Ein Abnutzungskampf, der den eigentlichen Kern der HSV Fußball AG gefährdet. Denn alle diese Menschen, die jeweils wichtige Ämter ausüben, sollen im Teamwork dafür sorgen, den Profifußball funktionieren zu lassen. Aber genau den gefährden sie. Massivst. Und dieses Thema ist beim HSV zwar schon alt – aber gerade deswegen ist es einfach nicht mehr zu akzeptieren. DENN SIE MÜSSEN ES ALLE BESSER WISSEN!
Dass der Aufsichtsrat prüft, inwieweit es weitergehen könnte. Mit beiden. Und das ist okay. Für eine Woche, oder zwei. Vielleicht sogar drei oder vier Wochen, wenn die laufenden Gespräche neue Erkenntnisse bringen. Aber hier? Seit Wochen spitzt sich das Verhältnis Boldt/Wüstefeld zu und alle reden um den heißen Brei herum. Klaus Michael Kühne, dessen Wort beim HSV immer viel Gewicht hat, sprach zuletzt von einer „schwachen Führung“ beim HSV. Und das trifft es zu 100 Prozent. Die einen (Boldt und Wüstefeld) sind intern wie extern angezählt. Und die anderen (die Aufsichtsräte unter Vorsitz Jansens) üben ihr Amt nicht entsprechend ihres Mandates aus. Zumindest kann ich mir nicht erklären, weshalb es hier noch immer keine klare Kante gibt.
Inzwischen zieht es nämlich schon Kreise bis hin zur Mannschaft. Immerhin steht der komplette sportliche Apparat zur Disposition. Muss Boldt gehen, wird auch Hrubesch gehen. Und das Ende von Trainer Tim Walter wäre eine zu erwartende Kettenreaktion. Damit könnte der HSV schon nach zwei Spieltagen die komplette Saison abhaken. Okay, einen Trainer zu wechseln, das geht. Entschuldigen Sie, Herr Walter. Ist nicht despektierlich gemeint. Einen Sportdirektor bzw. den Sportvorstand kann man auch mal erneuern – sorry, Herr Boldt! Aber beide auf einen Schlag und dazu noch den Nachwuchschef – das funktioniert nicht. Oder glaubt hier wirklich jemand, der HSV könne das schaffen?
Nein. Sicher nicht.
Und das weiß auch der Aufsichtsrat. Von daher erschließt sich mir das Zögern desselbigen auch längst nicht mehr. Sollte man es als Erpressung erachten, was die Koalition Boldt und Co. veranstaltet, muss man sich von dieser Trennen. Mit Inkaufnahme aller sportlicher Konsequenzen und es dann auch nach außen so kommunizieren. Oder aber man trennt sich vom anderen Streitenden – dem Finanzvorstand Dr. Thomas Wüstefeld, der eigentlich eh nur bis Dezember im Amt verweilen sollte und der sich intern wie extern wiederholt den Vorwurf anhören muss, er würde mehr versprechen, als er halten könne. Diese Abwägung zu erkennen, das schafft jeder. Auch beim HSV. Warum also handelt der HSV nicht? Meine Antwort ist, und ich hätte nicht gedacht, Herrn Kühne mal so zustimmen zu müssen: Weil dieser HSV schwach geführt wird. Das macht diese Ausnahmesituation leider mehr als deutlich.
Warum also sollte der auf dem Feld besser spielen, als es seine Führungskräfte drumherum schaffen? Warum sollte der Sport funktionieren, wenn er de facto von dem Streit Boldt/Wüstefeld längst betroffen ist? Immerhin gibt es hier die kommunizierte Uneinigkeit darüber, wie man sich vor der Transferphase ausgerichtet hatte und wie es letztlich umgesetzt wird. Wüstefeld soll mehr Geld versprochen haben, als letztlich da ist, sagt Boldt. Und auch der Trainer ruft wider sein bisheriges Auftreten laut nach Verstärkungen, die noch fehlen. Dass jetzt offenbar doch noch einmal Bewegung in den Transfer von Amadou Onana kommt und der HSV hier frische Millionen erhalten könnte, es darf als Glücksfall mitgenommen werden. Es darf aber eben nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser HSV unter normalen Umständen wieder alles in den Sand gesetzt hätte.
Ergo: Es MUSS Konsequenzen geben, die klarmachen, dass sowas nicht noch mal passiert. Anders werden sich die nötigen Verbesserungen nicht umsetzen lassen. Daher, noch einmal und in aller Deutlichkeit:
Beendet diese peinliche Posse im Vorstand! So oder so. Jetzt.
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