Bayern demontiert den HSV – Analyse und klare Worte
Das Spiel in München ist nun 2 Tage her und auch ich bin wieder bei Kräften. Schließlich waren wir am Ende ca. 26 Stunden unterwegs. Nur um uns am Ende eine 0:5 Klatsche…

Das Spiel in München ist nun 2 Tage her und auch ich bin wieder bei Kräften. Schließlich waren wir am Ende ca. 26 Stunden unterwegs. Nur um uns am Ende eine 0:5 Klatsche abzuholen. Eine Sache, die man zumindest positiv aus dem Spieltag mitnehmen kann, ist das der HSV eine Fanbase hat, die mehr als erstklassig ist. Trotz des wirklich desolaten Spiels war die Stimmung über 90 Minuten überragend. Ich denke am Ende waren es ca. 10000 Hamburger, die das Stadion elektrisierten. Unabhängig vom Ergebnis konnten die HSV-Fans stimmungstechnisch mit den Bayern mithalten, waren eventuell sogar etwas besser. Ob das auch so im Fernsehen rüberkam könnt ihr ja gerne mal schreiben, ich wollte mir die Wiederholung nicht nochmal anschauen.
Bayern dominiert ohne ernsthaft gefordert zu sein
Da kommen wir dann zum wesentlichen, und zwar dem Fußball, den der HSV auf dem Platz gezeigt hat. Das Ganze fing mit dem Anstoß an. Viele spielen ja mittlerweile den Anstoß ins Aus des Gegners, um direkt eine Pressing Situation zu schaffen. Grundsätzlich gut, ehrlicherweise ist Bayern aber der Gegner, der diese Pressing Situation am ehesten ausspielen kann. Naja, so schön so gut. Aber so weit hat es der HSV nicht mal geschafft. Denn anders als alle anderen Vereine kam der HSV auf die grandiose Idee den Ball hoch zu chippen, um ihn dann in den Fuß des Gegners zu schlagen. Ohne hinterherzulaufen. Sowas hilfloses habe ich noch nie gesehen. Man hat den Ball beim Anstoß und schenkt ihn einfach wieder her ohne irgendeinen Plan. Als Bayern den Ball dann unter Kontrolle hatte, schob die Kette hoch. Ich hatte ja bereits vor dem Spiel gesagt, dass jeder mit 100% Überzeugung pressen muss, damit man gegen Bayern einen hohen Ballgewinn erzeugt. Und was ist passiert? Richtig die HSV-Kette steht hoch aber läuft Kimmich nicht an. So hatte Kimmich nach 30 Sekunden erstmals genug Zeit, um mit einem Ball die komplette HSV-Mannschaft zu überspielen. Olise lief im Sprintduell Soumahoro davon und der junge Franzose wusste sich nicht anders zu helfen, als Olise gleich mal richtig schön umzunieten. In dem Fall wahrscheinlich sogar die beste Variante, sonst hätte es nach 40 Sekunden schon 1:0 gestanden.
Das 1:0 von Gnabry, okay, das war ein wenig glücklich, aber auch hier spielte der HSV wieder ordentlich mit. Zweikämpfe am Strafraum wurden ja über die meiste Zeit des Spiels gemieden, da war es für die Bayern mit ihrer Qualität natürlich relativ leicht schnell direkt vor das Tor zu kommen. Ich hatte zu meinen Kollegen gesagt, wir müssen versuchen so lange wie möglich die 0 zu halten. Das hat ganze 3 Minuten geklappt. Gnabry wusste selber nicht, warum er von da schießt, aber das war auch wieder HSV-like, dass Gnabry das Ding aus diesem Winkel in den Knick feuert.
Und auch beim 2:0 fragte man sich, ob die Spieler in den blauen Trikots wissen, dass sie den Gegner auch angreifen, dürfen. Ja das war auch gut rausgespielt, aber die Zuteilung und das Zweikampfverhalten war nicht zu sehen. Kane darf beim 3:0 30 Meter vor dem Tor alles machen, was er will. Langer Ball, Elfer, 3:0. Das gleiche passiert beim 4:0. Ja abgefälscht, nein so frei darf Diaz nicht zum Schuss kommen.
Alle sind in der Pflicht
Das schlimmste an dem ganzen Spiel ist eigentlich, dass Bayern nach 30 Minuten mit 4:0 führt, ohne den HSV auch nur ein Stück ernst zu nehmen. Olise hat in dem Spiel gefühlt mehr Pässe mit der Hacke gespielt als der HSV-Pässe in der gegnerischen Hälfte. Umso schlimmer, dass von diesen Hackenpässen jeder ankam. Selbst ein Konrad Laimer sah aus wie Philipp Lahm zu seiner besten Zeit. Laimer in allen Ehren, aber zwischen ihm und Lahm liegen normalerweise doch ein paar Stufen.
Kurz gesagt: Bayern musste sich nicht mal wirklich anstrengen und hat den HSV trotzdem komplett zerlegt. Wenn Bayern über 90 Minuten 100% gegeben hätte, wäre das Spiel wahrscheinlich sogar zweistellig ausgegangen. So hart muss man das einfach mal sagen. Man hätte ja damit leben können, wenn Bayern den HSV so ausspielt, obwohl man immer in den Zweikämpfen ist und alles versucht. Aber das war eine pure Kapitulation vom Anstoß weg. Und das ist eigentlich das Schlimmste daran. Das man das Spiel positiver sieht als es war, liegt eben nur daran, dass Bayern nach dem 4:0 aufgehört hat ernst zu machen.
Und da muss man nun jeden in die Pflicht nehmen, ausnahmslos. Die Spieler, weil keiner auch nur ansatzweise Willen gezeigt hat. Das Trainerteam, weil sie es nicht geschafft haben, eine Mannschaft auf den Platz zu bekommen, die am Spiel teilnehmen wollte. Und die Menschen aus dem Büro, weil sie es anscheinend nicht hinbekommen haben, einen Kader zu erstellen, der mithalten kann. Das ist zumindest das, was man nach den ersten 3 Spielen sagen muss. Man hat gegen Pauli nicht mithalten können und das Spiel am Wochenende war eine Offenbarung. Und wie viele Aussagekraft der Punkt in Gladbach hat, müssen wir nach diesem Wochenende auch neu bewerten. Ich bin mir nicht sicher, wie sich das ganze ändern soll.
Fazit
Fakt ist, das ganze muss sich ganz schnell ändern, und zwar bis Samstag um 15:30 Uhr. Denn hier MUSS der HSV gewinnen. Heidenheim ist qualitativ die schwächste Mannschaft der Liga. Wenn man dort nicht überzeugt, gegen wen dann? Mein Fanherz sagt, dass der HSV am Wochenende gewinnt und am Ende den Klassenerhalt schafft, aber mein Kopf gibt mir die Angst, dass wir am Ende wieder genau da sind, wo wir 7 Jahre lang waren, und zwar in der zweiten Bundesliga.
Man hatte jetzt wirklich eine solide Basis. Man stieg auf, die Euphorie war in der ganzen Stadt zu spüren. Man hatte einen jungen Trainer, mit dem man sich eine positive Entwicklung über die nächsten Jahre vorstellen konnte. Und nun sind wir am dritten Spieltag, haben Zweifel, ob der Kader bundesligatauglich ist und einige diskutieren schon am dritten Spieltag über das Traineramt. Das ist eine Entwicklung die genau entgegengesetzt zu der Situation nach dem Aufstieg abläuft. Und das macht mir irgendwie Angst.
Tom
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