Baumgart Kandidat Nr.1 - HSV sucht stabileres Korsett
Das liest man doch gern. Fußball-Profi Nils Petersen drückt dem HSV im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg die Daumen: „Ich hätte den HSV gerne wieder oben, die waren lange genug…

Das liest man doch gern. Fußball-Profi Nils Petersen drückt dem HSV im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg die Daumen: „Ich hätte den HSV gerne wieder oben, die waren lange genug weg von der Bildfläche. Für die Bundesliga ist es interessanter, wenn Hamburg hochgeht als Fürth oder Kiel», sagte der Angreifer des SC Freiburg der Mopo. Dem 32-Jährigen fehlen die Duelle im Volksparkstadion: „Ich liebe es, dort zu spielen, es ist halt ein Kultklub. Der Vater ist dort schon hingegangen, jetzt das Kind mit seinem Kind. Man steht zum HSV, egal, wie scheiße es läuft.“ Auch, dass es sch… gelaufen ist, fügt Petersen hinzu: „Es geht immer um Geld, um Macht, um mehr“, sagt Petersen, der aber auch zugibt: „Natürlich sitze ich mit im Boot, ich verdiene gutes Geld, und man würde sich natürlich ungern sein eigenes Grab schaufeln. Aber der Fußball muss aufpassen, dass er die Basis nicht verliert.“
Vor allem auch der HSV, der bei der Suche nach einem neue Weg auf Daniel Thioune gestoßen war – und diesen inzwischen schon freigestellt hat. Hier in Hamburg setzen die Verantwortlichen im Schlussspurt der Saison noch einmal auf den Effekt des Trainerwechsels. Und auf die große Persönlichkeit von Horst Hrubesch, der aus meiner Sicht wie gesagt einer der ganz wenigen großen HSVer ist, die sich diese Gewinner-Aura beibehalten konnten. Oder anders formuliert: Der HSV hat sich noch einmal auf die Schnelle ein wenig Aufbruchstimmung selbst gespritzt. Nicht gesund, kann aber kurzweilig helfen.
Dennoch, die Tage danach werden kommen. Schnell. Und dann muss der HSV erneut die Aufgabe „Neuanfang“ bewältigen. Denn egal wie man es auch drehen mag, der neue Trainer wird nicht den identischen Weg von Thioune einschlagen und ihn so auch nicht gehen . Er wird seine eigenen Vorstellungen haben. Und das wiederum ist für mich auch nicht das Wichtigste. Das Wichtigste ist, dass der HSV drumherum ein Korsett erstellt, dass Stabilität und Ehrgeiz vorlebt. Jeden Tag übrigens und nicht nur in extremen Situationen. Aber dazu schreibt mir unser Freund und Psychologe Dr. Olaf Ringelband einen außergewöhnlich interessanten wie nachvollziehbaren Blog, den ich hier bei der nächsten guten Gelegenheit auch veröffentlichen werde.
Ich hatte heute die Ehre, bei meinem ehemaligen Arbeitgeber und meinen Freunden Kai Schiller und Henrik Jacobs zu „HSV, wir müssen reden…“ eingeladen zu werden. Zusammen mit meinem Freund und Kollegen Sebastian Wolff vom „kicker“. Und gerade Sebastian war mir im Zusammenhang mit der Beurteilung der Konstellation auf Führungsebene beim HSV in den letzten Wochen und Monaten immer wieder sehr positiv aufgefallen. Auch heute in diesem Gespräch, in dem wir uns einig waren, dass der HSV an sich Nachholbedarf hat - bei wichtigen Positionen auf dem Platz ebenso wie auf der Geschäftsstelle. Denn Fakt ist: Solange nicht auf allen Ebenen das Leistungsprinzip erkennbar gelebt und gefördert wird, wird es darunter auch nicht funktionierten.
Die Führungsgremien müssen Leistung vorleben
Angefangen beim Aufsichtsrat: Seit den Rücktritten von Thomas Schulz und Max Arnold Köttgen ist der Kontrollrat zwei Personen zu klein. Hinzu kommt, dass der Vorsitzende Marcell Jansen inzwischen als Präsident des e.V. zurückgetreten ist. Also sind von den ursprünglich sieben wichtigsten Personen der AG noch genau vier unverändert aktiv. Wenn sie denn wirklich aktiv sind. Zu hören ist derzeit nichts von ihnen – was ich grundsätzlich und in Anbetracht der letzten zehn Jahre erst einmal als positiv werten möchte. Fakt ist aber auch: In der aktuellen Konstellation kann man nicht von geordneten Verhältnissen sprechen.
Geordneter ist es dagegen auf Vorstandseben. Wobei hier seit der Demission Bernd Hoffmanns zweit statt zu dritt agiert wird – ohne benannten Vorstandsvorsitzenden. Es wird auf Augenhöhe entschieden, heißt es bei dem für den Sport zuständigen Vorstand Jonas Boldt ebenso wie von Finanzvorstand Frank Wettstein, die sich in ihren Wirkungsbereichen in Ruhe lassen. Auch das ist grundsätzlich gut. Aber auch gefährlich. Denn die fehlende Diskussion führt nicht dazu, dass man besser wird. Dafür erhöht es die Gefahr, dass man stagniert und seine eigenen Fehler nicht sieht/ausmerzt. Aber: Wer, wenn nicht das operativ entscheidende Gremium kann nach unten besser Leistungskultur vorleben? Aber wie gesagt, hierzu wird sich unser Blog-Psychologe Dr. Olaf Ringelband hatte sich in den letzten Wochen und Monaten schon mal sehr intensiv mit dem Thema Leistungskultur auseinandergesetzt und wird das hier noch einmal spezialisieren. Und ich freue mich sehr darauf – weil es mich immer ein Stück weit schlauer macht.
Noch nicht wirklich schlauer bin ich, was die Suche nach einem Nachfolger für Thioune für die kommende Saison betrifft. Sicher ist, dass sich die HSV-Verantwortlichen mit Steffen Baumgart beschäftigen, dieser aber auch von anderen Klubs wie beispielsweise Hannover 96 und dem 1. FC Köln umworben wird. Aber wie gestern geschrieben, bis zur neuen Saison ist es noch ein weiter Weg. Aktuell gilt es, Horst Hrubesch die Unterstützung und das Vertrauen mitzugeben, was dieser braucht, um aus der vergleichsweise hoffnungslosen Situation vielleicht doch noch etwas zu machen.
Personell hat „der Lange“, wie Hrubesch von seinen Freunden gerufen wird, fast alle Mann an Bord, die beiden Langzeitverletzten Stephan Ambrosius und Aaron Hunt mal ausgenommen. Auch Jeremy Dudziak stößt langsam wieder zu Team und sollte am kommenden Montag in Nürnberg wieder einsetzbar sein. Offen ist nur, worum es dann noch gehen wird. Denn wenn ich diese Kieler bis hierhin (es ist bHalbzeit) spielen sehe, befürchte ich, dass diese sich keine großen Patzer leisten werden.
In diesem Sinne, bis morgen.
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