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Baumgart ist aufgeregt - Walter wählt stilvollen Abgang

Zugegeben: Mit dieser Art kann man sich nicht nicht freuen über Steffen Baumgart. Natürlich, gerade, einfach und ohne rumzudröhnen machte er auch heute keinen Hehl daraus, dass…

Baumgart ist aufgeregt - Walter wählt stilvollen Abgang

Zugegeben: Mit dieser Art kann man sich nicht nicht freuen über Steffen Baumgart. Natürlich, gerade, einfach und ohne rumzudröhnen machte er auch heute keinen Hehl daraus, dass er aufgeregt sei. Vor seinem Debüt als HSV-Trainer sei es eine Mischung aus Vorfreude und etwas Aufregung, so der gebürtige Rostocker. „Es ist jetzt kein ruhiger Schlaf“, sagte der 52-Jährige vor seinem ersten Heimauftritt mit dem Spiel gegen die SV Elversberg am Sonntag. „Ein Schauspieler würde sagen, er hat Lampenfieber.“

Bislang sind knapp 51.000 Tickets abgesetzt. Und ich könnte mir vorstellen, dass es noch ein paar mehr werden, die Zeugen werden wollen, inwieweit es Baumgart gelingt, das HSV-Problem zu lösen, das da heißt: Defensivschwäche. Denn Baumgart soll den zuletzt unsicheren HSV stabilisieren. Nach 22 Spieltagen hat man gerade einmal 38 Punkte auf dem Konto und steht auf dem dritten Platz. Weniger Punkte hatte der HSV zu diesem Zeitpunkt in der Zweiten Liga noch nie. Und das liegt nicht daran, dass man zu wenig Tore schießt – man fängt einfach zu viele ein.

Dass Baumgart bei seiner Vorstellung über sich selbst sagte, dass er nicht der Typ Trainer sei, bei dem die Null hinten Priorität habe, ließ mich kurz zusammenzucken. Denn Baumgart gilt mit seinem hohen Pressing und laufintensivem, sehr offensiv ausgerichteten Spielstil nicht als Defensivspezialist. Dennoch muss er genau das hinbekommen, um seinem mehr als überzeugenden persönlichen Auftritt sportlich ähnlich Gutes folgen zu lassen. 

Klar ist für Baumgart, dass nichts weniger als Saufstieg für ihn zählen dürfe. Das hatte der neue Coach schon bei seiner Vorstellung am Dienstag klar formuliert: Nach sechs Jahren Zweitliga-Zugehörigkeit soll der HSV am Ende dieser Saison aufsteigen. Wie schon Boldt und Walter zuvor, bescheinigt Baumgart seinem Team eine Qualität, die nichts anderes hergeben würde.

Aber auch dem nächsten Gegner, dem Tabellenneunten SV Elversberg bescheinigte Baumgart eine sehr hohe Qualität. Seine Aufregung hänge auch ein wenig mit dem Gegner zusammen. Der ist zwar Aufsteiger, aber hat dem HSV vor nicht allzu langer Zeit schon weh getan. In der Hinrunde siegte die Mannschaft um das ausgeliehene Bayern-Talent Paul Wanner 2:1 gegen den HSV. Die Pleite in Elversberg war der Auftakt einer peinlichen Negativserie für den HSV gegen die Aufsteiger der Liga. Danach folgten ein 1:2 in Osnabrück und ein 1:1 bei Wehen Wiesbaden. „Hier kommt keine Mannschaft hin, die sich vor Angst in die Hose macht, sondern die kommt hier her und die hat ein klares Ziel. Die wollen uns ein Bein stellen.“

Nunja, so kommen wahrscheinlich alle Gegner. Aber was Baumgart sagen will: Man dürfe die Aufsteiger aus dem Saarland nicht unterschätzen. Dass der HSV das Hinspiel unter Tim Walter 1:2 in Elversberg verloren hatte, dürfte für seine Spieler Warnung genug sein, während Baumgart nur vier Tage hatte, um sich vom Gesamtzustand seiner neuen Mannschaft zu überzeigen. Spannend wird dabei, welche taktische Herangehensweise der Coach wählt. Hält er in Jonas Meffert an einem defensiven Mittelfeldspieler fest oder bekommt der 29-Jährige einen Positionspartner für die hier im Blog so oft schon gewünschte Doppelsechs? 

Und während Jean Luc Dompé auszufallen droht, scheint klar, dass Baumgart weiter an der Viererkette in der Abwehr festhalten wolle. Kapitän und Innenverteidiger Sebastian Schonlau gilt hierbei als Schlüsselspieler für Baumgart, der gemeinsam mit ihm mit dem SC Paderborn von der 3. Bis in die 1. Liga aufstieg. Fraglich ist, ob gegen Elversberg Stephan Ambrosius oder Dennis Hadzikadunic neben den wieder gesunden Abwehrchef Schonlau aufgeboten wird. Beide könnten es laut Baumgart ausfüllen und eine gute Leistung bringen. Eine Entscheidung scheint es bisher nicht zu geben. Erst wolle der neue Fußball-Lehrer mit beiden sprechen. Ähnlich halte er es bei der Frage, ob Matheo Raab oder Daniel Heuer Fernandes im Tor steht. In den vergangenen beiden Spielen hatte Raab den vorherigen Stammtorwart verdrängt.

Wen ich aufstellen würde? Ich hätte Heuer Fernandes gar nicht erst ausgetauscht, ehrlich gesagt. Intern aber halten die meisten sportlich Verantwortlichen Raab für den besseren Keeper. Und aus dieser sportlichen Sicht muss auch Baumgart entscheiden. Er muss für sich entscheiden, wer seine Nummer eins ist. Eine Situation, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu einer aus HSV-Sicht unangenehmen Torwartdiskussion führen wird. Denn sollte Heuer Fernandes weiter nicht spielen, dürfte die Freude über seine jüngste Vertragsverlängerung schnell zum Boomerang werden. Sollte Baumgart aber Raab wieder rausnehmen, wüsste dieser, dass er auch weiterhin ein Bankdasein vor sich hat. Dann würde er mit Sicherheit versuchen, das Gespräch mit den sportlich Verantwortlichen zu suchen bezüglich seiner HSV-Zukunft…

Und so unnötig diese Diskussion von Tim Walter auch angezettelt worden ist, so stilvoll hat er sich im Stadionmagazin „HSVlive“ noch mal zu Wort gemeldet. „Es bricht mir das Herz, dass ich mich auf diesem Weg von Euch allen verabschieden muss“, schrieb der 48-Jährige in einer Botschaft im offiziellen Club-Magazin. Zweieinhalb Jahre sei es sein ganzes Bestreben gewesen, „mit Euch gemeinsam in die 1. Liga aufzu­steigen. Dafür habe ich jeden Tag alles gegeben“, schrieb Walter. Dass sie es zusammen nicht geschafft haben, mache ihn sehr traurig – „und in Anbetracht mancher Geschehnisse auch wütend“, womit Walter mit Sicherheit die Causa Mario Vuskovic anspricht.

Dennoch überwiege vor allem Dankbarkeit. Dafür, „ein Teil und Mitgestalter eines so großartigen Vereins gewesen sein zu dürfen“, sagte Walter. „Auch in den schlimmsten Niederlagen haben wir immer alle zusammengehalten, uns gegenseitig unterstützt, aufgebaut und weitergemacht. Dafür möchte ich DANKE sagen, allen voran meinen Spielern und meinem gesamten Trainer-, Ärzte- und Therapeutenteam. Es war mir jeden Tag eine große Freude und Ehre mit Euch!“ Darin mit einbezogen sind auch Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Claus Costa mit ein: „Ihr wart mir immer ein großer Rückhalt.“

Walters Botschaft endet mit den Worten: „DANKE Euch allen und jedem Einzelnen dieser fantastischen FANS, die mit uns GEMEINSAM durch Höhen und Tiefen gegangen sind und uns oft ein Stück getragen haben.  IHR SEID 1. LIGA!“

Ein Abgang mit Stil. Chapeau, Tim Walter!

In diesem Sinne, auch Euch ein schönes Wochenende! Genießt den Abend und wir sehen und hören uns nach dem Heimspiel gegen Elversberg am Sonntag wieder!

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