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Baumgart fehlt Unterstützung - HSV-Vorstand in der Pflicht

Der HSV stagniert nicht, er fällt zurück. Er ist schwächer geworden, seit dem Trainerwechsel. Oder sogar „durch den Trainerwechsel“? Ja, behaupte ich – aber das liegt nicht an…

Baumgart fehlt Unterstützung - HSV-Vorstand in der Pflicht

Der HSV stagniert nicht, er fällt zurück. Er ist schwächer geworden, seit dem Trainerwechsel. Oder sogar „durch den Trainerwechsel“? Ja, behaupte ich – aber das liegt nicht an der Qualität Steffen Baumgarts, sondern vor allem daran, wie er in Hamburg arbeiten kann.  „Wir sind weit weg von dem, wie ich mir das vorstelle“, schimpfte Baumgart nach der schwachen Vorstellung seines neuen Teams bei Fortuna Düsseldorf am Freitag. Es gibt eine ganze Menge, was wir verändern müssen. Das hat jedenfalls mit dem Fußball, wie ich ihn mir vorstelle, noch nicht viel zu tun.“ Angesichts der unzureichenden Leistungen in den ersten Spielen unter seiner Führung muss das auch zu erwarten sein. Denn so wird das mit dem Aufstieg nichts. Also nicht einmal mit dem aktuellen dritten Rang, der zur Teilnahme an der Relegation berechtigt.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht mehr gewillt bin, auf platte Kommentare zu reagieren. Ich hätte doch so gen Walter gewettert und nun sei nichts besser, schreiben mir ein paar wenige und behaupten, mit Walter würden wir besser dastehen. Woher sie diese Ansicht nehmen – schwer zu sagen. Aber in einem Punkt haben sie tatsächlich recht: Der HSV spielt schwächer als unter Walter. Und das hat ganz einfache Gründe, die ich zusammen mit Profi-Analytiker Mats Beckmann von Createfootball.com in unserem neuen Talk besprechen und klar benenne. Und, Achtung, Spoiler: Die HSV-Führung um Sportvorstand Jonas Boldt spielt eine sehr zentrale Rolle. Aber seht und hört gern selbst:

Fakt ist, dass der HSV in Person seines Sportvorstandes zuletzt kein Mikrofon ausließ, um Baumgarts Vorgänger Tim Walter den Rücken zu stärken. Interviews, die bei allen ankamen – auch bei den Spielern. Ebenso kam und kommt bei den Spielern an, dass Boldt und Co. widerwillig den Trainer gewechselt haben und zunächst auch den wartenden Baumgart haben warten lassen. Alles in der Hoffnung, mit einer Interimslösung um Merlin Polzin aufzusteigen. Erst als dieser im Spiel bei Hansa Rostock (2:2) nichts verbessern konnte, beugte sich Boldt dem Druck und holte Baumgart. Aber die Frage, die unbeantwortet ist: Wollte Boldt Baumgart wirklich? Ich behaupte: Nein.

Baumgart wird nicht wie die Wunschlösung präsentiert - und so geschwächt

Und ich behaupte auch, dass die Mannschaft diese Haltung sehr wohl mitbekommen hat. Ein Dilemma für den Neuen, der hier gar nicht die Voraussetzungen vorfindet, um alles zu ändern, was er ändern müsste, um sein Spiel spielen zu lassen. Angefangen bei einer Mannschaft, die sehr monotaktisch geprägt ist bis hin zur fehlenden Rückendeckung. Diese wiederum führt dazu, dass es Baumgart schwer hat, die Mannschaft so umzustellen, wie er es sich vorstellt, ohne dass er eine große Unruhe intern riskiert.

Dass Baumgart das nicht selbst moniert – logisch. Es darf nicht jammern, wenn er seine eigene Position nicht unnötig weiter schwächen will. Er soll schließlich der neue Anker werden, mutiger zu agieren. Er will dieser Anker auch sein und vorangehen. „Einfach mal umsetzen, was vorher klar besprochen war“, forderte Baumgart von seinem Team und kündigte in der Kommunikation einen klareren Ansatz an: „Ich muss deutlicher werden.“

So, wie bei Rückkehrer Laszlo Benes, der nach abgesessener Rot-Sperre auf der für ihn ungewohnten Linksaußenposition kein Faktor war. „Es weiß jeder, dass dies nicht meine Lieblingsposition ist“, hatte Benes seine Positionierung und damit die Entscheidung Baumgarts kritisieret, doch Baumgart blieb auch in dieser Frage stur: „Ich wüsste nicht, warum das nicht funktionieren sollte.“ Ich schon: Weil Benes im Mittelfeldzentrum sein Tempodefizit besser kaschieren kann und weil er zum anderen aktuell der einzige zentrale Mittelfeldspieler mit halbwegs Normalform ist, da Immanuel Pherai und Ludovit Reis derzeit schwächeln.

Fazit: Baumgarts schwache Ausgangsposition lässt ihm wenig Spielraum. Zu wenig, um seine Veränderungen schnell durchzusetzen. Und die Kompromisse, die er eingehen muss, lassen ihn zusätzlich Fehler machen wie im Falle Benes. Eine Mischung, die toxisch ist und die den HSV aktuell weiter abrutschen lassen. Es ist eine Mischung, die den Trainerwechsel-Effekt ins Negative verkehrt und die im unveränderten Fall zum Komplett-Umbruch Nummer 10.000 führen würde. Dann nach einem erneut verpassten Wiederaufstieg.

Viele haben gefordert, dass sich die Mannschaft mal intern zusammensetzt, Tacheles redet und für die restlichen neun Spiele richtig einschwört. Mir persönlich würde es fürs Erste reichen, wenn Vorstand Boldt sowie Sportdirektor Claus Costa und Trainer Baumgart dies machen und nach außen auch die Geschlossenheit proklamieren, die Baumgart braucht, um die nötigen Veränderungen auch in der Mannschaft umsetzen zu können. Und zwar sofort, denn Zeit für Umgewöhnung hat der HSV keine mehr.

Euch allem einen schönen Abend.

Scholle

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