Ballermann statt Volkspark - HSV ergreift ungewöhnliche Maßnahme im Saisonendspurt
Es ist ja immer so, dass man im Fußball unterschiedliche Meinungen haben kann. Und dann gibt es hierfür immer auch die etwas besonderen Fälle – beim HSV beispielsweise Jonas…

Es ist ja immer so, dass man im Fußball unterschiedliche Meinungen haben kann. Und dann gibt es hierfür immer auch die etwas besonderen Fälle – beim HSV beispielsweise Jonas Meffert, dessen Spielweise die einen feiern und die anderen hassen oder zumindest stark kritisieren. Im Spiel gegen Elversberg habe ich Meffert als einen essenziellen Baustein beschrieben, weil er viele Räume der SVE zugelaufen hat, weil er Bälle gewonnen und verteilt hat und weil er immer wieder die Ordnung hergestellt hat. So auch nach der etwas schwierigeren Phase zwischen der 50. und der 70. Minute. Aber das haben nicht alle so gesehen. „Töftinger“ zum Beispiel auch nicht. Und auf dessen Post möchte ich an dieser Stelle einmal kurz eingehen.
„Also da muss ich der „grauen Eminenz“ aber mal zur Seite springen. Es war doch wohl offensichtlich, dass Muheim nach den Länderspielen in der 2. HZ völlig platt war. Das hast du nicht gesehen, Scholle?
Töftinger am heutigen 29. März im Blog-Forum
🤔 Vielleicht konzentrierst du dich einfach zu sehr auf Meffert, der übrigens nicht annähernd so abgeräumt, geordnet bzw. das Spiel angetrieben hat, als dass man ihm eine 2 geben kann. In welcher Saison hat Meffert zuletzt einen Ball abgelaufen? Um die Note 2 zu bekommen, muss man auch mal ein paar Akzente in der gegnerischen Hälfte setzen, was er aber überhaupt nicht drauf hat. Diese Meffert-Skills reichen eine Liga höher nicht mal annähernd aus.
Kann mich nicht vorstellen, dass Mats Beckmann den Meffert so gut findet. Das geben die fassbaren Werte so mit Sicherheit nicht her.
Vorschlag zur Güte: Lass doch mal den Fachmann was zu Meffert sagen.“
Antwort auf Post: Meffert ist im Mittelfeld noch unentbehrlich
Kurz vorweg: Zu Muheim sage ich im Blitzfazit, dass er zwischendurch müde wirkte, aber zum Spielende hin noch mal diesen toten Punkt überwinden konnte. Allerdings ist das gestrige Spiel definitiv eines gewesen, in dem Meffert seine Aufgaben erfüllt hat. Problem bei Töftinger und anderen ist hier, dass geglaubt wird, Meffert müsse das eigene Offensivspiel ankurbeln. Denn das kann er – im Gegensatz zu Daniel Elfadli beispielsweise – zweifellos nicht. Aber: Elfadli wird im Abwehrzentrum dringender benötigt, und im aktuellen HSV-System ist Mefferts Kernaufgabe das Stopfen von Löchern. Und das hat er gegen Elversberg sehr gut gemacht. Fanden zumindest die beiden Trainer gestern im Gespräch nach dem Spiel. Und nein, ich muss mich gar nicht auf Meffert konzentrieren. Dessen Spielweise kenne ich, und dass er seine Aufgabe mehr als erfüllt, sieht jeder, der Fußball kennt. Zumindest waren sich dahingehend gestern Polzin und Horst Steffen einig. Und auch alle anderen HSV-Trainer haben das bislang so gesehen. Sogar der von Dir angefragte Mats Beckmann im Übrigen. Aber was bedeutet das schon, hätten sie doch lieber mal dich als Fachmann gefragt, Töftinger...
Und im Ernst: Jonas Meffert ist auf Zweitligaebene ein sehr guter Sechser, weil er Spiele besser antizipieren und damit gegnerische Offensivaktionen besser unterbinden kann als andere. Besser ist aus meiner Sicht ein Daniel Elfadli, weil er eben neben den defensiven Qualitäten auch noch die Power hat, selbst Akzente nach vorn zu setzen und so dem Spiel eine Dynamik verleiht, die Meffert nicht erzeugen kann. Aber Elfadli ist dem mangelhaften Scouting des HSV zum Opfer gefallen, da dieser seit zweieinhalb Jahren keinen guten Innenverteidiger verpflichten konnte. Deshalb sortiert der Zugang aus Magdeburg schon seit Wochen die Defensive – recht erfolgreich und gut, wie ich finde.
Und ja, wer von Meffert eine Spielweise à la Stuttgarts Stiller erwartet, der muss enttäuscht sein. Aber: Meffert ist ein Spieler, dessen Leistung zu 95 Prozent aus Defensivarbeit im Mittelfeld besteht – und diese Arbeit macht er definitiv sehr gut. Mefferts Aufgabe bestand und besteht darin, die eigene Defensive maximal zu unterstützen, indem er frühzeitig Räume der Gegner zuläuft. Mefferts Aufgabe ist zumeist: Bälle gewinnen und selbige einem offensiveren Spieler zuspielen. Wenn dann, wie gestern, auch die beiden offensiveren zentralen Spieler wie Reis und Karabec zu wenig Dynamik entfachen, passiert genau das, was sich gestern zeigte: Der HSV kam kaum dazu, sich gefährliche Torchancen zu erspielen.
Um meine Einschätzung hier zu vervollständigen: Ich spreche bei Meffert über dessen Potenzial für diesen HSV in dieser Zweiten Liga. AUSSCHLIESSLICH. Sollte es denn hochgehen in die Erste Liga, würde ich mich als Kaderplaner nicht mehr auf Meffert stützen. Dann müsste ein Spieler her, der aggressiver und spielstärker ist. Einer, der das Spiel auch mitgestaltet und technisch in der Lage ist, auch mal einen Torabschluss zu produzieren. Und: Sollte der HSV so einen Spieler für die Zweite Liga finden, wäre er auch dann schon Meffert vorzuziehen. Da das aber nicht der Fall war und nicht der Fall ist, weil die HSV-Trainer (akzeptierst du die als Experten, Töftinger?) bis heute der Meinung sind, Meffert sei unentbehrlich, spielt Meffert. Zurecht. Und er erfüllt seine Aufgaben besser als viele andere. Relativ betrachtet sogar manchmal am besten – wie gestern. Meiner Meinung nach.
Ungewöhnliche Maßnahme: HSV ins Mini-Trainingslager nach Mallorca
Gut finde ich auch, dass sich die Trainer immer wieder etwas Neues einfallen lassen. So kommen die Spieler im Zweifel gar nicht erst dazu, zu oft und zu viel daran zu denken, wie sie in den letzten Jahren zu dieser Zeit gescheitert sind. Und deshalb haben Merlin Polzin und seine Trainerassistenten jetzt noch mal ein Kurz-Trainingslager angesetzt. Auf Mallorca. Vor den letzten sieben Spieltagen reisen Meffert, Glatzel, Selke und Co. ab Sonntag (30. März) in das viertägige Trainingscamp. „Wir wollen bewusst aus dem Trainingsalltag in Hamburg raus und uns mit intensiven und fokussierten Einheiten auf den Endspurt einstimmen sowie an zahlreichen Details arbeiten. Dazu werden wir auch bewusst viel Zeit miteinander verbringen, um als Team noch enger zusammenzurücken“, erklärt Polzin das Ziel des Camps. „Wir als Trainerteam sind dem Verein sehr dankbar dafür, dass er uns diese Möglichkeit gibt“, ergänzt der Coach.
Und diese Idee hat eine Geschichte. Bereits im Winter, unmittelbar um die Übernahme des Cheftrainerpostens herum, entstand die Idee. „Das Trainerteam hat uns die Idee für den Zeitraum Mitte der Rückrunde schon im Dezember vorgestellt und diese entsprechend weiterentwickelt. Mit Blick auf die bestmöglichen Bedingungen vor Ort und unter Beachtung der Erreichbarkeit des Ziels und der Verfügbarkeit hat sich jetzt die Möglichkeit ergeben, dies kurzfristig umzusetzen“, sagt Claus Costa. „Sieben Spieltage vor Schluss der Saison ist ein idealer Zeitpunkt, um noch einmal gezielt an Details zu arbeiten und die Sinne zu schärfen“, so der Direktor Sport weiter.
Und ich glaube, das ist gut. Alles, was man jetzt anders macht als in den letzten Frühlingsphasen, ist aus meiner Sicht produktiv. Wenn dazu noch intensiv an den Fehlern der letzten Wochen gearbeitet werden kann, umso besser. Fakt ist, dass das Spiel des HSV gegen Elversberg nicht optimal war. Im Mittelfeld war zu wenig Tempo, was neben Meffert vor allem auch an einem diesmal nicht so zweikampfstarken Ludovit Reis und einem mal wieder nicht ausreichend aktiven Adam Karabec lag. Zudem lag es an einer defensiv und taktisch herausragend organisierten Elversberger Mannschaft. Letztlich war ich aber mit dem Spiel in Summe nicht unzufrieden. Aus meiner Sicht wäre das respektlos der nachgewiesenen Qualität und Leistung der SV Elversberg gegenüber.
In diesem Sinne euch allen noch ein schönes Restwochenende! Und schreibt bitte gern in die Kommentare, wie ihr das Vlog-Format von Tom findet! Er freut sich auf eure Reaktionen!
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