Analyse

Baldé verschärft Konkurrenz beim HSV - Baumgart muss aussortieren

Ich habe ihn gestern einmal kurz am Rand thematisiert. Und eigentlich ist das auch besser so. Denn selbst für ihn selbst ist der aktuell sehr steile Aufstieg beim HSV surreal.…

Baldé verschärft Konkurrenz beim HSV - Baumgart muss aussortieren

Ich habe ihn gestern einmal kurz am Rand thematisiert. Und eigentlich ist das auch besser so. Denn selbst für ihn selbst ist der aktuell sehr steile Aufstieg beim HSV surreal. „Ich lebe meinen Traum. Es ist immer noch ein bisschen unbeschreiblich“, betont Fabio Baldé. Und so wird es wohl auch erst einmal weitergehen. Nach zuletzt drei Assists in zwei Spielen von Beginn führt der Mann mit der Rückennummer 45 die Vorlagenstatistik der zweiten Liga gemeinsam mit drei anderen Profis an. Aber vor allem darf der 19-jährige Außenbahnspieler trotz der großen Konkurrenz auch auf einen Einsatz beim Samstagabendspiel beim 1. FC Kaiserslautern hoffen. Zumindest deutete Trainer Steffen Baumgart das heute recht deutlich an. Er sehe angesichts der aktuellen Entwicklung Baldés keinen Anlass, ihn nicht spielen zu lassen.

„Ich wollte hier unbedingt bleiben“

In der Vorbereitung hatte Baldé auf sich aufmerksam machen können. Sein Tempo, seine Dribblings und der Zug zum Tor waren spannend. So spannend, dass er bei den Profis blieb und von Trainer Steffen Baumgart Einsatzzeit bekam. Zunächst noch etwas zögerlich. Aber jetzt hat er – sicherlich auch bedingt durch die Erfolgserlebnisse – endlich den Mut, durchzuziehen. Wie ein Spieler mit erst fünf Zweitliga-Auftritten wirkte der veranlagte Rechtsfuß zuletzt nicht. Im Gegenteil: Er überzeugt mit seiner Lust an Eins-gegen-Eins-Duellen und mit unwiderstehlicher Geschwindigkeit. Auch deshalb erhielt Baldé einen Profivertrag bis 2029. „Das ist meine Heimat“, sagte der im Stadtteil Wilhelmsburg aufgewachsene Dribbler. „Ich wusste, ich wollte hier unbedingt bleiben.“

Natürlich wollte er. Zumal es noch keine großen Alternativen gegeben haben wird. Zumindest keine, bei der er so schnell Ligaeinsätze bekommen würde. Aber: Beobachter haben den Jungprofi nachweislich schon länger auf dem Zettel. Zuletzt avancierte er zum Stammspieler in der höchsten Jugendmannschaft, der U19 des HSV*. In der U21 überzeugte er letzte Saison mit fünf Assists und zwei eigenen Treffern. Sein persönlicher Rekord, den er in dieser Saison zwei Klassen höher auf Profiebene durchaus knacken könnte.

Baumgart verteidigt Jugendarbeit 

Steffen Baumgart war die Genugtuung anzumerken. Nach der in den vergangenen Monaten vereinzelt aufgekommen Kritik, dass er und der HSV zu wenig auf seinen Nachwuchs baue, lobte der Trainer genüsslich den Saisonstart von Baldé. „Das zeigt, wo wir hinwollen, welchen Weg wir gehen wollen“, verteidigte der 52-Jährige seinen Umgang mit der Jugend. Lob kommt hierbei auch von Kapitän Sebastian Schonlau. „Er macht es gut, er macht es unbekümmert. Ich glaube, er denkt im Moment nicht zu viel nach, er sucht sich seine Aktionen. Man merkt ihm an: Er hat Selbstvertrauen. Es ist egal, ob mal eine Aktion klappt oder nicht.“

Der selbstbewusste Baldé sieht das ähnlich. „Wenn mal etwas nicht klappt, dann muss man einfach weitermachen. Irgendwann klappt es.“ Dass er zuletzt den Vorzug bekam, macht Baldé „stolz“, wie er sagt. „Ich weiß aber auch, dass es nicht selbstverständlich ist, dass ich jedes Spiel spielen werde“, so die Nachwuchshoffnung, die erstaunlich abgeklärt klingt. Allerdings sollte man darauf nicht vertrauen, sondern weiterhin sehr bedacht mit dem jungen Talent umgehen. Und deshalb wird es an dieser Stelle auch viel Freude geben, wenn es Grund dafür gibt. Aber zum Star oder „Sternchen“ erklären wir Baldé erst, wenn er voll durchgestartet ist und seine Leistungen immer wieder auch über die gesamten 90 Minuten abliefert.

HSV hat die Qualität, von der Bank besser zu werden

Und damit möchte ich nicht kritisieren, dass das noch nicht der Fall ist. Im Gegenteil: Es ist völlig normal und dafür hat der HSV am Ende auch den Kader, den er hat. Zu sehen, wie Baldé aufdreht bis zum Anschlag, sich verausgabt und dann gegen Jean-Luc Dompé ausgewechselt wird, der dann seinerseits zwei Tore macht – das gefällt mir. Zu sehen, dass der HSV offensiv jederzeit für ein Tor gut ist und parallel dazu defensiv so stabil steht, dass viele das schon als langweilig kritisieren – DAS gefällt mir. Und ich ertrage diese Langeweile sehr gut, solange der HSV damit diesen Erfolg hat.

Baumgart, der heute auf der Pressekonferenz wieder Rede und Antwort stand, steht vor allem auf der Außenbahn vor einem Luxusproblem. Allein links konkurrieren Baldé, Jean-Luc Dompé - und Neuzugang Emir Sahiti, auf den ich extrem gespannt bin. Gleiches gilt für Marco Richter, den ich bislang noch sehr kritisch sehe. Insbesondere in dem sehr laufintensiven System von Baumgart. Er selbst weiß um die große Konkurrenz: „Man sieht bei uns im Training, dass jeder bereit ist, um seinen Platz zu kämpfen. Ich würde nicht gerne mit dem Trainer tauschen. Du hast viele, die den Anspruch haben, in der 2. Liga im Kader zu stehen, und musst dann mehrere Jungs streichen. Aber das regelt der Trainer sehr gut, indem er die Spieler auch mal vorab im persönlichen Gespräch bei der Entscheidung schon abholt.“

Baumgart nimmt zwei Neue mit – und muss aussortieren

Und genau das wird auch morgen spätestens wieder der Fall sein, wenn Baumgart den Kader für das Spiel am Sonnabendabend beim 1. FC Kaiserslautern bekannt gibt. Dann wird er auf jeden Fall schon mal zwei Spieler streichen müssen, die zuletzt gegen Regensburg im Kader standen. Denn heute verkündete Baumgart bereits, dass die beiden zuletzt nicht berücksichtigten Neuzugänge Adam Karabec und Lucas Perrin mit auf den „Betze“ nach Kaiserslautern reisen würden. Ob sie die aktuell wackelnden Immanuel Pherai und Daniel Elfadli ersetzen, ist noch offen. Aber die beiden Letztgenannten drohen auszufallen.

Eine Entscheidung soll hier am Freitag gefällt werden. „Bei beiden werden wir morgen erst entscheiden, ob sie dabei sind.“ Und dann befeuerte Baumgart meine Hoffnung, dass wenigsten Elfadli dabei ist: „Wer Daniel kennengelernt hat, weiß, dass er mit aller Macht auch spielen will.“ Baumgart betonte, er sei guter Dinge, dass Elfadli mit nach Kaiserslautern reisen kann: „Er trainiert fast alles, ist bei fast Allem dabei.“ Ich drücke die Daumen, denn gerade Elfadli ist für mich einer der Faktoren, weshalb der HSV inzwischen defensiv stabiler steht.

In diesem Sinne!

Scholle

*korrigiert falsche Daten

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