Baldé fällt aus - Kuntz fordert HSV-Entwicklung im Top-Spiel
So und nicht anders geht man mit seiner Nummer eins um. Trainer Steffen Baumgart hat sich klar auf Daniel Heuer-Fernandes festgelegt. Der Keeper musste zuletzt in den Spielen…

So und nicht anders geht man mit seiner Nummer eins um. Trainer Steffen Baumgart hat sich klar auf Daniel Heuer-Fernandes festgelegt. Der Keeper musste zuletzt in den Spielen beim FC Kaiserslautern und zuhause gegen den SC Paderborn (beide Spiele endeten 2:2) wegen einer Verletzung gefehlt und war durch Matheo Raab (25) vertreten worden. „Wenn er ein klares Zeichen gibt, steht er im Kasten“, sagte Baumgart vor dem Spiel am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) bei Tabellenführer Fortuna Düsseldorf heute auf der Pressekonferenz. Er wolle allerdings für die endgültige Entscheidung Heuer Fernandes‘ noch das Training am Sonnabend abwarten.
Wichtig sind hierbei immer klare Fronten – und die setzt Baumgart. Er signalisiert damit großes Vertrauen an Heuer Fernandes. Und selbst Raab kann aus dieser Ansage für sich einen positiven Schluss ziehen, dass der Trainer nicht sofort alles umwirft, wenn mal einer der Keeper ausfällt. Dass er zuletzt nicht übermäßig überzeugen konnte, war zum einen den Spielverläufen geschuldet. Zum anderen war ihm gegen den SC Paderborn ein böser Fehler unterlaufen, der gleich zu einem Gegentor führte. Aber, und das nehme ich Baumgart auch so ab, das spielte bei Baumgarts Entscheidung pro Heuer Fernandes ebenso wenig eine Rolle, wie es überragende Partien gemacht hätte. „Bis auf die eine Aktion, wo er den Ball nicht trifft, hat er zwei gute Spiele gemacht“, lobte der Trainer Aber Heuer Fernandes sei eben nur wegen der Verletzung, die nicht schwerwiegend sei, aus dem Tor gegangen und daher weiter die Nummer eins.
Ebenfalls gesetzt bleibt Sebastian Schonlau. Der Kapitän fehlte zwar heute im Training, aber Baumgart erklärte, dass der Kapitän am Sonntag dabei sein kann und wird. Ander s als Fabio Baldé, der ebenso wie Lukasz Poreba noch nicht wieder ins Mannschaftstraining einsteigen konnte und sicher ausfallen wird. Oder anders formuliert: Bahn frei für Jean Luc Dompé - sollte man meinen. Nicht so Baumgart, der noch offenhält, ob der schnelle Außenstürmer nach seinem Bankdasein zuletzt diesmal in der Startelf stehen wird. Aber der HSV-Coach ließ durchblicken, dass es nicht überraschend käme. Baumgart über Dompé: „Er hat jedes Mal mit Vollgas auf die Einwechslungen reagiert. Deswegen habe ich immer den Gedankengang, ihn von Anfang an zu bringen. Er ist sehr dicht dran, das war er letzte Woche auch schon.“
Aus Düsseldorf kommen indes kämpferische Ansagen seitens des Ex-HSV- und aktuellen Düsseldorf-Trainers Daniel Thioune – und viel Lob seitens des Vorstandes Klaus Allofs, der als Spieler und Funktionär am Sonntag zum insgesamt 73. Mal (!) auf den HSV trifft. Für Allofs setzt der HSV trotz der eigenen Tabellenführung vor dem achten Spieltag die Maßstäbe in der Zweiten Liga. „Für mich ist der HSV der Riese der Liga. So nehme ich ihn wahr“, sagte der 67-Jährige der MOPO. Das hänge an den wirtschaftlichen Voraussetzungen der Hanseaten, „das Stadion ist eigentlich immer ausverkauft“. Die Einnahmesituation sei für die 2. Liga außergewöhnlich. Zudem erscheine der Zusammenhalt beim HSV groß. „Wenn man dort im Stadion erlebt, wie sehr die Mannschaft unterstützt wird, auch wenn es nicht immer glattläuft, finde ich das außergewöhnlich“, meinte Allofs.
Nun denn, auch das sind nur sehr schöne Nebensächlichkeiten, denn am Ende geht es um die Punkte. Und da ist die Fortuna dem HSV nach nur sieben Spielen schon 5 Punkte voraus. Und die Fortuna, die ich mir wirklich gern ansehe, weil sie nach der bitter verpassten Relegation im vergangenen Sommer sehr stark zurückgekommen ist, hatte zuletzt zwei Spiele, die gezeigt haben, was dieses Jahr für sie drin ist. Denn beide Spiele wurden in der Nachspielzeit noch gedreht. Einmal im Derby gegen den 1. FC Köln mit einem (zugegeben sehr glücklichen) Treffer in der 95. Minute. Und danach in Fürth per Foulelfmeter in der 91. Minute. Es läuft einfach für dien Fortuna...
Der HSV wird also nach dem starken SC Paderborn auch an diesem Wochenende wieder auf ein Topteam der Zweiten Liga treffen. Und Baumgart macht auch keinen Hehl daraus, für wie stark er den kommenden Gegner hält. „Was wir alle nicht auf dem Schirm haben, ist, dass sie trotz einer defensiven Grundordnung in vielen Situationen den besten Angriff haben. Das bedeutet nicht, dass sie nicht schlagbar sind, oder dass sie keine Torchancen haben. Das soll nur heißen, dass sie ein klares Prinzip haben. Hinten soll die Null stehen und vorne sind sie mit ihren Jungs immer wieder äußerst gefährlich und haben klare Abläufe“, lobt Trainer Steffen Baumgart die Mannschaft von Thioune, die das spielt, was ich seit vielen Jahren gern wieder beim HSV sehen würde.
Baumgart sieht das etwas anders. Zwar sei die Fortuna in vielen Dingen schon eine Art Vorbild – aber weniger sportlich-taktisch. „Vielleicht sind sie ein kleines Vorbild für uns. Nicht ganz der Fußball, aber die Art und Weise, wie man arbeitet, kann doch auch sehr inspirierend sein“, lobt Baumgart die Ruhe, die alle Verantwortlichen nach der verpassten Relegation bewahrt haben. „Ich hatte auch mit Daniel drüber telefoniert. Den Gedankengang nach der Relegation gehabt, wie kommt man da wieder raus? Da muss man sagen, das ist ganz starke Arbeit“, zollt er seinem Kollegen und der Fortuna an sich Respekt. „Im Moment stehen sie da oben in der Tabelle auch verdient. Und für uns könnte das ein klares Signal sein, was passieren kann, wenn du kontinuierlich weiterarbeitest.“ Und ja, hier sind sicher auch wieder ein paar persönliche Wünsche Baumgarts dabei…
Wobei man fairerweise sagen muss, dass man beim HSV weiterhin sehr ruhig ist. Die mahnenden Worte von Sportvorstand Stefan Kuntz darf man als absolut sachlich und fachlich wertvoll in der aktuellen Situation sehen. „Unsere Punkteausbeute ist akzeptabel. Nehmen wir das Spiel gegen Paderborn: Die taktische Idee des Trainers war gut, aber mir fehlt ein bisschen Mut und Überzeugung bei der Umsetzung durch die Spieler“, erklärt Kuntz im kicker. „Mir geht es um ein Selbstverständnis auf dem Platz, um eine Herangehensweise, zu sagen: Wir sind der HSV! Wir müssen mit mehr Überzeugung spielen.“ Das anstehende Spitzenspiel wird für Kuntz zum Gradmesser. „Ich möchte in Düsseldorf nun eine Steigerung gegenüber dem Spiel gegen Hannover sehen.“
Worte, die dem Selbstverständnis aller beim HSV entsprechen. Zumal auch Baumgart und seine Spieler alles andere als zufrieden damit waren und sind, dass sie immer nur einen Teil ihrer Spiele gut spielt. Aber noch nie über die gesamten 90 Minuten. Das hatten zuletzt auch die Spieler moniert, unter ihnen auch Robert Glatzel, der in Düsseldorf gern ein Zeichen setzen würde. „Wir wollen auf keinen Fall, dass der Abstand noch größer wird, wollen den Abstand verringern“, so der Torjäger bei Sky im Gespräch. Wir sahen letzte Saison deutlich nicht wirklich gut aus und deshalb nehmen wir uns für das Spiel sehr viel vor und wollen mit aller Macht gewinnen. Es ist ein Signal an die Liga und ein Signal an uns. Es wäre ein sehr wichtiger Sieg für uns.“
Und einer, der die Liga für den HSV spannender hält, nachdem heute Abend Paderborn (3:0 gegen Regensburg) und Karlsruhe (3:3 gegen Darmstadt) zu punkten wussten. Und es wäre wichtig, um zu erkennen, ob dieser HSV wirklich einen Schritt nach vorn macht in seiner Entwicklung. Zuletzt war man zwar defensiv stabiler, dafür aber offensiv nur sehr partiell aktiv. Mehr als 45 vernünftige Minuten gab es eigentlich nur in einem Spiel – und das war im Heimspiel gegen Aufsteiger Jahn Regensburg. Zu wenig für den eigenen Anspruch. Von daher bin ich sehr gespannt, was in der ausverkauften Merkur Spiel-Arena am Sonntag vom HSV kommt.
In diesem Sinne, Euch allen noch einen schönen Freitag! Bleibt gesund und bis bald!
Scholle
P.S.: Weil er unter der Woche seinen Vertrag bis 2029 verlängert hat, auch hier noch mal ein, zwei Worte zu Finanzvorstand Eric Huwer, der schon vor seiner Inthronisierung beim HSV als der Mann hinter den wenigen guten Entscheidungen galt. Dass der HSV-Vorstand seine Presseabteilung im Zeitraum der Gespräche über seinen neuen Vertrag fast täglich einen neuen (mal größeren, mal kleineren) Sponsor für sich einzusetzen wusste, stört mich nicht wirklich.
Denn die Arbeit Huwers ist sehr ordentlich. Er hat einen guten Draht zu allen Gesellschaftern, er holt neue Sponsoren ran, er verlängerte gerade mit dem Hauptsponsor für 4 Millionen Euro pro Jahr. Vor allem aber hat Huwer erkannt, dass es wichtig, richtig und finanziell wertvoll ist, die lokalen Sponsoren anzugehen und sie zu pflegen. Denn so schafft man eine deutlich engere Bindung – und bestenfalls auch deutlich verlässlichere Partnerschaften.
Oder anders formuliert: Die Vertragsverlängerung mit Huwer war für mich nichts anderes als die logische Folge seiner sehr guten Arbeit bis hierhin. Ergo: Glückwunsch – ebenso an Huwer wie den HSV!
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