Auswärts wie ein Absteiger: HSV geht in Hoffenheim unter
Dieser Auftritt in Hoffenheim war ein bitterer, aber ehrlicher Realitätscheck: Der HSV ist auswärts nicht nur tabellarisch die schwächste Mannschaft der Bundesliga. Punkt. Und…

Dieser Auftritt in Hoffenheim war ein bitterer, aber ehrlicher Realitätscheck: Der HSV ist auswärts nicht nur tabellarisch die schwächste Mannschaft der Bundesliga. Punkt. Und wenn man weiß, dass wir selbst im eigenen Stadion trotz der zuletzt starken Leistungen nicht jedes Spiel gewinnen werden, dann wird klar, wie schwierig es wird, die Klasse zu halten, Komma, weil man einfach davon ausgehen muss, Komma, dass der HSV zu Hause nicht jeden Abend ein Feuerwerk abbrennen wird. Punkt. Das 1:4 in Sinsheim war jedenfalls deutlich zu wenig – und muss aufgearbeitet werden. Dringend.
15.000 HSV-Fans – und trotzdem zeigt die Mannschaft ihr Auswärtsgesicht
Die Szene war beeindruckend: Zwischen 12.000 und 15.000 HSV-Fans machten die PreZero Arena phasenweise zu einem gefühlten Heimspiel. Der Gästeblock bebte, die Farben waren blau-weiß-schwarz, die Mannschaft lief mit breiter Brust auf – noch getragen vom emotionalen Derbysieg gegen Werder.Doch schon nach wenigen Minuten wurde klar: Die Fans wollten etwas anderes sehen als das Team. Denn während die Anhänger das Stadion dominierten, dominierte Hoffenheim das Spiel.
Der HSV hingegen zeigte genau das Gesicht, das ihn auswärts seit Monaten zum Punktelieferanten macht: harmlos, fahrig, unaufmerksam und viel zu anfällig in der Defensive.
Der frühe Knockout – und keine echte Reaktion
Acht Minuten waren gespielt, da war die Partie praktisch schon angeknackst. Muheim verlor Prömel viel zu leicht aus den Augen, der bedankte sich per Kopf zum 1:0. Ein Standardfehler, der sich durch die gesamte Auswärtssaison zieht: fehlende Konsequenz, fehlende Aufmerksamkeit, fehlende Präsenz. Hoffenheim rannte weiter an, der HSV verteidigte irgendwo zwischen Zögern und Hoffen. Das 2:0 durch Kabak nach feiner Kombination – wieder mit Muheim und Vuskovic im direkten Umfeld – fiel folgerichtig. Erst kurz vor der Pause tauchten Königsdörffer und Baldé per Konter gefährlich auf, doch Oliver Baumann machte die Chancen zunichte. Der HSV hatte eine kurze Phase, aber nicht mehr. Es war die einzige Phase in einem ansonsten einseitigen Auswärtsspiel.
Ein kurzes Aufflackern – und dann der totale Einbruch
Zu Beginn der zweiten Halbzeit sah es kurz so aus, als hätte der HSV verstanden. Philippe kam, die Mannschaft presste aggressiver, Muheim prüfte Baumann aus der Distanz – der TSG-Keeper rettete stark. Doch wie so oft in fremden Stadien verpuffte der Druck nach zehn Minuten. Dann brach alles zusammen:
- 3:0 Lemperle (65.) – Capaldo wird leicht gezogen, rutscht aus, dahinter ist die Defensive ist offen wie ein Scheunentor
- 4:0 Asllani (72.) – Vuskovic verliert den Ball, Prass serviert, Hoffenheim bedankt sich
Es war ein Bild, das wir mittlerweile zu gut kennen: Der HSV gerät auswärts ins Wanken – und fällt dann um. Diese Mannschaft hat auswärts kein stabiles Fundament, keine defensive Ordnung, keine Ruhe am Ball, keinen Plan B. Und sie wirkt nach Gegentoren viel zu oft komplett verunsichert.
Ein Ehrentreffer – und ein Sinnbild für den Nachmittag
Philippe erzielte nach 82 Minuten immerhin das 1:4 – ein ordentlich herausgespielter Treffer.
Doch der Elfmeter in der Nachspielzeit, als Philippe wegrutscht, sich selbst anschießt und den Ball über die Latte jagt, fasst diesen Nachmittag perfekt zusammen: Denn wenn es auswärts schlecht läuft, dann läuft beim HSV wirklich alles schief.
Auswärts schwächste Mannschaft der Liga – ein Risiko, das gefährlich werden kann
Der HSV bleibt nach sieben Auswärtsspielen:
- als einziger Bundesligist ohne Sieg in der Fremde
- mit nur 2 von 21 möglichen Auswärtspunkten
- und einer Auswärtsbilanz, die eher nach Abstiegskampf als nach Bundesliga aussieht
Und genau hier liegt das Problem: Wenn du auswärts kaum punktest, musst du zu Hause nahezu perfekt sein.
Und das wird selbst im Volkspark – trotz der großartigen Atmosphäre und der oft überragenden Auftritte – nicht jede Woche gelingen. Der Auftritt heute in Hoffenheim war ein Schritt zurück in alte Muster. Und einer, der zeigt, wie dünn das Fundament dieser Mannschaft außerhalb Hamburgs aktuell ist.
Fazit:
Das war ein bitterer Rückfall – und ein deutliches Warnsignal. Der HSV hat in Hoffenheim schonungslos offengelegt, dass er auswärts die schwächste Mannschaft der Liga ist. Punkt. Leidenschaft, Mut und Struktur, die im Volkspark oft sichtbar sind, fehlen in fremden Stadien weiterhin viel zu häufig. Der Derbysieg hat daran nichts geändert, denn das Grundproblem bleibt bestehen: Diese Mannschaft muss endlich lernen, bundesligareif auswärts zu spielen.
Hoffenheim war in allen Belangen klar besser – wacher, zielstrebiger, entschlossener. Und der HSV? Deutlich zu wenig. Dieser Auftritt muss unbedingt aufgearbeitet werden, besser früher als später. Denn wer auswärts nicht liefert, bringt sich selbst in Gefahr. Und zwar in echte.
DIE EINZELKRITIKEN:
Daniel Heuer Fernandes: Wurde mächtig im Stich gelassen – hatte selbst einige Wackler. Daher Note: 4
Giorgi Gocholeishvili (bis 45.): Fing richtig gut an, hatte dann aber seine Seite defensiv nicht mehr im Griff und verursachte Note: 5
Rayan Philippe: Unglaublich, mit wie wenig Engagement, Körpereinsatz und Wille er unterwegs ist. Als er seine Chance sah, zog er einmal durch und zeigte, was man eigentlich von ihm erwarten darf. Seine Einstellung stimmt einfach nicht. Deshalb trotz des Tores und ausdrücklich nicht wegen des verschossenen Elfers die eher noch schmeichelhafte Note: 5
Nicolas Capaldo (bis 88.): Beim Lemperle-Treffer war er zu leicht – ansonsten wie immer kämpferisch vorbildlich, aber zu oft zu wild. Note: 5
Soumahoro (ab 88.): Dabei.
Luka Vuskovic: Die Hoffenheimer Offensive war zu schnell, seine Direktion nicht ausreichend. Er selbst sah beim 0:2 und noch mehr beim 0:4 schlecht aus. Note: 5
Jordan Torunarigha: In entscheidenden Momenten traf er falsche Entscheidungen und riss Löcher für die Hoffenheimer. Note: 5
Miro Muheim: Was macht er da immer wieder (vor allem: nicht) bei Flanken? Wie kann man nur immer wieder so pennen wie heute vor dem 0:1? Auch beim 0:2 sah (aber nicht nur) er schlecht aus. Die erste Halbzeit war ne glatte 6, die zweite Halbzeit nur unwesentlich besser. Note: 6
Albert-Sambi Lokonga: Ging mit unter. Note: 5
Jonas Meffert (bis 67.): Erste Liga ist einfach zu schnell für ihn. Er weiß, wie und wo er defensiv stehen muss. Er ist aber mit Ball am Fuß einfach zu langsam. Auch deshalb spielt er fast jeden Ball zurück. Seine Leistung demonstrierte brutal, wie wichtig remberg bereits für den HSV ist. Note: 5
Daniel Elfadli (ab67.): Schön, dass er wieder gesund ist. Er wird dem HSV beld wieder mehr helfen.
Fabio Vieira: Den Willen kann man ihm nicht absprechen. Er versucht viel – aber er initiiert nichts Gefährliches. In der zweiten Halbzeit tauchte er ab, spielte dann den Pass zum 1:4 – und tauchte wieder ab.Note: 5
Fabio Baldé (bis 78.): War viel unterwegs, sehr fleißig und hat ein sehr gutes Tempo. Aber torgefährlich ist er noch nicht. Trotzdem war er gemessen an dem, was man erwarten darf, besser als seine Kollegen. Note: 4
Bakery Jatta (ab 78.): Läuft rum, als wüsste er gar nicht, was er machen soll.
Ransford Königsdörffer (bis 78.): Er ist einfach kein Torjäger. Im Gegenteil: Aktuell verhindert er mögliche Tore und ist ein echter Chancentod. Katastrophale erste Halbzeit! Wer sich so dämlich schon in der ersten Halbzeit eine Gelbe Karte einfängt, indem er zweimal in Folge nach Abpfiff den Ball wegschlägt, der bekommt schon dafür eine Note abgezogen. Bis zu seiner Auswechslung wurde es auch nicht besser. Note: 6
Yusuf Poulsen (ab 78.): Für mehr scheint es noch nicht zu reichen.
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DAS SPIEL IM STENOGRAMM:
TSG 1899 Hoffenheim: Baumann – Coufal (88. Gendrey), Hranac, Ozan Kabak, Hajdari – Avdullahu – Prömel (80. Hlozek), Burger – Kramaric (67. Asllani) – Lemperle (79. Bebou), Toure (67. Prass)
HSV: Heuer Fernandes – Capaldo (88. Soumahoro), Vuskovic, Torunarigha – Gocholeishvili (46. Philippe), Sambi Lokonga, Meffert (67. Elfadli), Muheim – Vieira, Königsdörffer (78. Poulsen), Balde (78. Jatta)
Tore: 1:0 Prömel (8.), 2:0 Kabak (31.), 3:0 Lemperle (65.), 4:0 Asllani (72.), 4:1 Philippe (82.)
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Martin Petersen (Stuttgart)
Gelbe Karten: Prömel / Königsdörffer, Capaldo, Sambi Lokonga
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