Analyse

Ausfälle dürfen keine Rolle spielen - HSV geht gegen den KSC „all-in“

HSV-Verteidiger Rick van Drongelen war am schnellsten. Er postete bei Instagram ein Foto der beiden aus einem Trainingslager und schrieb dazu: „Bleib stark mein Bruder, wir…

Ausfälle dürfen keine Rolle spielen - HSV geht gegen den KSC „all-in“

HSV-Verteidiger Rick van Drongelen war am schnellsten. Er postete bei Instagram ein Foto der beiden aus einem Trainingslager und schrieb dazu: „Bleib stark mein Bruder, wir stehen alle hinter dir“ inklusive zahlreicher Herzen. Er ist nicht nur ein Mannschaftskamerad des schwerer verletzten Innenverteidigers. Van Drongelen ist auch der erste Ersatz am morgigen Donnerstag, wenn es im Volksparkstadion gegen den Karlsruher SC geht. Und er ist ein richtig guter Typ! Auch weitere Spieler wie Josha Vagnoman oder Amadou Onana meldeten sich zu Wort, drückten ihre Unterstützung aus. Das soll an dieser Stelle erwähnt werden.

Aber van Drongelen, der zuletzt selbst eine lange Leidens-Odyssee hinter sich bringen musste, weiß ganz genau, wovon er spricht. Und ihm nehme ich auch ab, dass er sich zuallererst um seinen Freund sorgt, bevor er den daraus entstehenden Vorteil für sich sieht. Den er wird morgen zu 99 Prozent von Beginn an auflaufen, da parallel auch Moritz Heyer wegen seiner 5. Gelben Karte gesperrt fehlen wird. Und wisst ihr was? Mich stört das  nicht einmal. Obwohl ich mir sicher bin, dass van Drongelen noch nicht so weit ist, dass er als stabil zu betrachten ist. Der Ausfall insbesondere von Ambrosius wird eine akute Schwächung für den HSV sein. Aber darum geht es  gegen den KSC nur bedingt.

Ambrosius, Heyer und Dudziak fallen aus - na und?!

Parallel zu dieser schon schlechten Meldung gesellte sich heute noch der Ausfall von Jeremy Dudziak, der wegen eines grippalen Infektes heute das Training verpasste und morgen das Spiel verpassen wird. Und es gab bislang noch keinen Spieltag, an dem ich über den Ausfall des aus meiner Sicht besten Kreativen beim HSV nicht traurig war – bis heute. Ich hätte ihn zwar lieber in seiner alten Verfassung dabei gehabt, aber es soll halt nicht so sein. In Regensburg hatte mich seine lasche Spielhaltung schon massiv geärgert. Und ich hätte gern gesehen, wie er das gegen den KSC wiedergutmacht. Vor allem gönne ich niemandem schlechtes.

Aber noch mal: Morgen ist scheißegal, wer auf den Platz geht. Entscheidend ist nur, dass diese Elf den Arsch in der Hose hat, den KSC niederzukämpfen. Selten war es passender zu sagen: Die Mannschaft muss über den Kampf ins Spiel finden als jetzt. Dieses „wir sind nicht gut ins Spiel gekommen“ muss endlich aufhören. Anstatt das jedesmal wieder von den Verantwortlichen zu hören, will ich morgen sehen, dass sich die Mannschaft diesen Weg ins Spiel mit allen Mittel und bedingungslos freiräumt. Also aktiv werden – nicht auf irgendein Wunder warten! Soll heißen: Will sich ein Karlsruher hier in den Weg stellen, wird er beiseite geräumt. Mit allen erlaubten Mitteln. Und mit allen gemeinsam. 

Ich erinnere mich noch gut an das Heimspiel gegen Heidenheim, wo Simon Terodde damals coronabedingt fehlte. Viele erwarteten, dass der HSV zusammenbricht. Auch ich war gespannt, wie sich seinerzeit ein Bobby Wood präsentieren würde. Und obwohl der US-Amerikaner nicht gut spielte, nicht traf und auch nicht auflegte, wurde er von einer geschlossen starken Mannschaftsleistung getragen. Und sogar von den karg gefüllten Rängen, auf denen sich einige HSV-Mitarbeiter eingefunden hatten, kam Energie rüber.

Wenn sich Spieler für den Sieg auf dem Platz voll reinknieten, wurden sie mit Anfeuerungen und Applaus gefeiert. Die Reservebank sprang bei spannenden Szenen auf, Jonas Boldt mit seiner tiefen Stimme pöbelte über Schiri-Entscheidungen und feuerte seine Jungs an. Es war das Spiel in dieser Saison, in der ich die größte Geschlossenheit miterlebt habe – und es wurde hochverdient gewonnen.

Kurzum: Es war ein richtig gutes Spiel – auch ohne die besten Fußballer auf dem Platz. Und so wird es morgen auch werden. Solange sich die HSV-Mannschaft samt Umfeld zu 100 Prozent auf den Sieg fokussiert und sofort deutlich macht, dass alles andere inakzeptabel ist – so lange wird es für den Gegner schon mal sch…. schwierig.

Dazu gehört auch Lautstärke. Von außen – aber eben auch auf dem Platz, womit ich wieder zu van Drongelen komme. Denn der ist normalerweise laut. Und ich hoffe, dass er sich diese Rolle trotz der langen Auszeit auch morgen wieder zutraut, da diese Mannschaft ansonsten kaum jemanden hat, der das macht. Zusammen mit Toni Leistner bildet er den Hoffnungsschimmer für mich, was die Umsetzung von Kampfgeist und auf dem Platz betrifft.

Zuletzt war mal wieder von zu hohen Erwartungen von außen die Rede. Und ich ordne das mal als Schutzhaltung ein, die die Verantwortlichen ihrer völlig überforderten, leblosen Mannschaft wider besseres Wissen zugestanden haben. Denn von dem, was die Mannschaft in den letzten beiden Spielen gezeigt hat, war nahezu nichts gut. Auch die zweite Halbzeit in Regensburg war nicht mehr als eine normale Leistung – eher Note vier als Note zwei. Und eine gute Zwei erwarte ich von dieser Mannschaft eigentlich immer.

Apropos, die Ausfälle sortieren ein wenig die Optionen für die Startelf. Angesichts des Ausfalles von Dudziak könnte sogar der zuletzt völlig indiskutabel auftretende David Kinsombi wieder ein Thema werden. Oder der Trainer stellt auf Dreierkette um – was ich wohl machen würde. Ich würde folgendermaßen beginnen: Ulreich – Gyamerah, Leistner, van Drongelen – Vagnoman, Wintzheimer, Gjasula, Onana, Hunt, Kittel – Terodde. Das sind nicht die elf besten, individuellen Spieler auf dem Platz - aber mit der richtigen Einstellung können sie definitiv zur besten Mannschaft werden, die der HSV stellen kann.  

Oder wie seht Ihr das?!

In diesem Sinne, bis morgen! Da melde ich mich nach dem Spiel wieder mit einem Blog und dem Blitzfazit. Bis dahin Euch allen einen schönen Restabend und meinen Freunden von Alpha-Films vielen Dank für das coole Intro, das Ihr oben im neuen Communitytalk zu Beginn sehen könnt - und natürlich uns allen ein gutes Spiel am Donnerstag gegen den KSC!

Scholle 

Wichtig, weil einfach eine sehr gute Aktion: 

Eines wird am Donnerstag in jedem Fall anders sein: Die Spieler laufen in Sondertrikots auf. Anlass ist das zehnjährige Jubiläum des schwul-bi-lesbischen Fanclubs „Volksparkjunxx“. Das Logo des Clubs mit einem großen X in den Regenbogenfarben wird groß auf der Brust der Spieler zu sehen sein.

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