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Aufstieg ohne Magath: HSV-Beirat lehnt Club-Idol als Präsidentenkandidaten ab

Während der HSV den historischen Doppelaufstieg von Frauen und Männern in die Bundesliga feiert, spielt sich hinter den Kulissen ein Machtkampf ab, der ebenso bedeutsam für die…

Aufstieg ohne Magath: HSV-Beirat lehnt Club-Idol als Präsidentenkandidaten ab

Während der HSV den historischen Doppelaufstieg von Frauen und Männern in die Bundesliga feiert, spielt sich hinter den Kulissen ein Machtkampf ab, der ebenso bedeutsam für die Zukunft des Vereins sein könnte: HSV-Legende Felix Magath wird vom Beirat nicht zur Präsidentenwahl am 21. Juni zugelassen. Ein Paukenschlag – und ein umstrittenes Signal.

Noch vor wenigen Wochen hatte Magath gemeinsam mit dem früheren HSV-Torwart Richard Golz seine Kandidatur öffentlich gemacht. Selbstbewusst erklärte der 71-Jährige, er sei „der richtige Präsident für die nächsten Jahre“. Für viele Fans war das ein Hoffnungsschimmer, ein Rückgriff auf alte Stärke. Für andere jedoch eine riskante Rückwärtsbewegung in unsichere Zeiten.

Beirat lehnt Bewerbung ab – Magath überzeugt nicht

Doch der Beirat entschied anders. Wie das Hamburger Abendblatt zuerst berichtete, wurde Magaths Bewerbung abgelehnt. Begründet wird die Entscheidung offenbar damit, dass der frühere Europapokalsieger inhaltlich nicht überzeugt habe. Vor allem habe er – so berichten es mehrere Quellen übereinstimmend – deutlich gemacht, dass sein Hauptinteresse dem Profifußball und nicht dem HSV als Gesamtverein gilt. Und genau hier liegt der Kern der Diskussion.

Die Diskussion um Felix Magath ist nicht neu. In den vergangenen Jahren hatte sich der frühere Nationalspieler und Meistertrainer des FC Bayern München (2005 und 2006) sowie des VfL Wolfsburg (2009) immer wieder selbst ins Gespräch gebracht – zunächst als Trainer, später auch als möglicher Sportvorstand. Doch weder an der Seitenlinie noch auf der Führungsebene kam es zu einem Comeback beim HSV. Auch im vergangenen Jahr scheiterte Magath mit dem Versuch, Nachfolger von Jonas Boldt als Sportvorstand zu werden. Der Verein entschied sich stattdessen für Stefan Kuntz.

Transparenz trifft Verantwortung – eine konsequente Entscheidung

Felix Magath hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass seine Leidenschaft dem Profi-Geschäft gehört. Schon bei seiner Kandidatur war klar: Niemand wird ihm abnehmen, dass er sich vorrangig für Laiensportgruppen, Breitensportförderung und Vereinsverwaltung engagieren will. Und es war nur konsequent, dass er diese Haltung auch im Gespräch mit dem Beirat offen kommunizierte. Doch wenn das so ist – und Magath seinerseits damit ehrlich und transparent war – dann ist es ebenso die Aufgabe des Beirats, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Magath ist zweifellos eine der größten Persönlichkeiten in der Geschichte des HSV. Doch seine jüngsten Pläne haben für zusätzliche Diskussionen gesorgt: So soll Magath dem Beirat angedeutet haben, dass er im Falle seiner Wahl den Aufsichtsrat vollständig nach seinen Vorstellungen neu besetzen wolle – mit Personen seines Vertrauens. Zur Erinnerung: Das Präsidium des HSV e.V. ernennt die Mitglieder dieses Kontrollgremiums. Zwar haben die derzeitigen Mitglieder im Zuge des Rechtsformwechsels erst kürzlich ein Mandat bis März 2029 erhalten, doch ein neues Präsidium könnte sie jederzeit abberufen.

Magath selbst äußerte sich dazu nicht öffentlich. Aus seinem Umfeld ist jedoch zu hören, dieser Vorwurf entspreche nicht den Tatsachen.

Darüber hinaus hatte Magath sein Unverständnis über den Wahltermin Ende Juni geäußert. Seiner Ansicht nach seien zu diesem Zeitpunkt vermutlich bereits alle wichtigen sportlichen Entscheidungen für die kommende Saison gefallen. Dass er sich dennoch zur Wahl gestellt habe, liege daran, dass ihn nach dem abermals verpassten Aufstieg im Vorjahr viele Menschen aus dem Verein angesprochen hätten. Der Tenor: „Felix, du musst es machen! Sonst geht hier alles den Bach runter.“

Was ein HSV-Präsident leisten muss

Aber: Der Präsident des HSV e.V. ist eben nicht der Chef der Profimannschaft. Er repräsentiert einen Mehrspartenverein mit Tausenden Mitgliedern. In dieser Rolle muss man bereit sein, für die Interessen des Gesamtvereins zu stehen – und nicht nur für die Fußball-AG.

Felix Magath ist zweifellos eine der größten Persönlichkeiten in der Geschichte des HSV. Aber seine Kompetenzen liegen eindeutig im Bereich Profifußball – nicht in der Führung eines Sportvereins mit mehr als 30 Abteilungen. Ob er dem HSV dennoch auf andere Weise helfen kann oder soll, müssen andere entscheiden. Vielleicht als Berater. Vielleicht in einer Rolle, die zu seiner Expertise passt.

Ein mächtiges Gremium – der HSV-Beirat unter der Lupe

Was die Entscheidung des Beirats aber auch zeigt: Dieses Gremium besitzt eine außergewöhnlich starke Machtstellung im Verein. Ein Kreis aus nur drei bis fünf Personen entscheidet darüber, wer überhaupt zur Wahl gestellt wird – wer also die Möglichkeit bekommt, HSV-Präsident zu werden. Dass ein solches Gremium eine Vereinslegende wie Magath ausschließt, ist mutig, konsequent – und wird garantiert nicht ohne Widerstand bleiben. Denn Magath genießt nach wie vor hohe Sympathien im Umfeld des Vereins, nicht zuletzt durch die Unterstützung von Investor Klaus-Michael Kühne.

Die kommenden Wochen werden also nicht nur im sportlichen Bereich herausfordernd, wenn es darum geht, eine erstligataugliche Mannschaft zusammenzustellen. Auch auf Vereinsebene könnte es unruhig werden. Die Entscheidung gegen Magath war ein deutliches Zeichen – aber der letzte Akt in dieser Personalfrage ist damit womöglich noch nicht gespielt.

Die zugelassenen Kandidaten für die Präsidiumswahl im Überblick

KANDIDATEN PRÄSIDENT 

• Kai Esselsgroth 

• Henrik Köncke 

• Frank Ockens

KANDIDIERENDE VIZEPRÄSIDENT:IN 

• Richard Golz 

• Laura Ludwig 

• Anna Stöcken

KANDIDATEN VIZEPRÄSIDENT UND SCHATZMEISTER 

• Dr. Ralph Hartmann 

• Michael Papenfuß

Doch noch einmal: Wer die Diskussion um Felix Magath führt, muss zwangsläufig auch die Rolle und Verantwortung des Beirats hinterfragen. Denn dieses Gremium hat letztlich genau das getan, wofür es eingesetzt wurde: Es hat die Eignung der Kandidatinnen und Kandidaten geprüft – und entschieden. Dass sich der Beirat damit bewusst gegen einen Bewerber mit großer öffentlicher Strahlkraft stellt, ist nur logisch, wenn die fachliche und strukturelle Passung nicht gegeben ist. Es war letztlich eine Entscheidung im Sinne des Amtes – nicht im Sinne der Beliebtheit. Gleichzeitig wirft diese Entscheidung auch eine weitere Frage auf: Warum wurde ein ähnlich geprägter Kandidat wie Bernd Hoffmann in der Vergangenheit zugelassen, Magath aber nicht? Die Antwort darauf bleibt das Gremium bislang schuldig.

Unabhängig davon bietet die Kandidatenliste zur diesjährigen Wahl interessante Optionen. Zwei Teams (Esselsgroth/Stöcken/Papenfuß und Ockens/Ludwig/Hartmann) sowie der sympathische Einzelkandidat Richard Golz stehen zur Auswahl. Alle treten einzeln an – die Mitglieder können also frei kombinieren und sich ihr Wunsch-Gremium zusammenstellen. Persönliche Einschätzungen und ausführliche Vorstellungen der Kandidierenden werden in den kommenden Wochen folgen.

Sportlich wieder erstklassig – jetzt braucht es Substanz

Doch bei aller Bedeutung der Vereinsstruktur: Noch wichtiger ist in diesen Tagen die sportliche Zukunft. Gespräche über mögliche Darlehen mit Investor Klaus-Michael Kühne dürften nach der Entscheidung gegen Magath nicht leichter werden – ohnehin hatte sich Sportvorstand Kuntz zuletzt deutlich dagegen ausgesprochen. Er nannte eine solche Abhängigkeit "armselig" und forderte eigene, nachhaltige Lösungen. Klare Worte – und wohltuend klare Haltung.

Kuntz hat sich in den vergangenen Wochen als starker Repräsentant des HSV erwiesen. Mit ruhiger Hand, interner Geschlossenheit und einem respektvollen Umgang hat er nicht nur sportlich, sondern auch atmosphärisch viel bewegt. Er blickt nicht wehmütig auf die vermeintlich glorreiche Vergangenheit zurück – sondern gestaltet den HSV im Hier und Jetzt.

Stefan Kuntz – ein Repräsentant mit Haltung für ein neues Selbstverständnis

Wie gelungen das aus sportlicher Sicht bislang ist, das werden wir am Freitag gemeinsam mit Chefanalyst Mats Beckmann anhand konkreter Daten zur Kaderstruktur bewerten. Spoiler: Diese Bilanz ist stark ausbaufähig bzw. MUSS verbessert werden. Aber: wer Kuntz aktuell in Interviews erlebt, spürt: Hier spricht jemand, der den Ernst der Lage kennt, der realistisch bleibt – und der weiß, was es braucht, um in der Bundesliga zu bestehen. Aber seht, hört und urteilt selbst:

Fakt ist: Der HSV hat mit seinem Auftreten, seinem Trainerteam um Polzin, Favé und Krohn und seiner leidenschaftlichen Anhängerschaft ein Pfund in der Hand, das mehr wert ist als jede Darlehenszusage. Die Aufstiegsfeier war dafür der beste Beweis. Die Stadt steht – endlich wieder – hinter diesem Club. Die Kunst wird nun darin bestehen, aus dieser Euphorie Substanz zu machen. Und vielleicht braucht es dafür am Ende gar keinen Magath und auch keinen Kühne. Sondern nur die richtigen Menschen an den richtigen Stellen – mit Mut, Demut und Weitblick. Und das ab sofort.

In diesem Sinne,

Scholle

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