Auf diesen HSV kann man stolz sein
Es ist Länderspielpause und beim HSV sind diese Tage zumeist etwas ruhiger. Nicht so in dieser Länderspielpause, in der der HSV mit Kevin McKenna (Herzlich willkommen!) endlich…

Es ist Länderspielpause und beim HSV sind diese Tage zumeist etwas ruhiger. Nicht so in dieser Länderspielpause, in der der HSV mit Kevin McKenna (Herzlich willkommen!) endlich den Wunsch-Cotrainer von Steffen Baumgart verpflichtet hat und in der Guilherme Ramos nach Portugal verliehen wurde. Zwei sehr sinnvolle Personalien, wie ich finde. Ebenfalls sinnvoll wie die geile Aktion der HSV-Profis übers Wochenende. Das fand ich schon richtig stark! Umso verwunderter war ich, wie hier und anderswo einige wenige Besserwisser (oder sind es Dauernörgler?) darauf reagieren, dass sieben Spieler und einige Mitglieder des Betreuerstabes den jüngst verurteilten Mannschaftskollegen Mario Vuskovic in seiner Heimatstadt Split besucht haben. Dass sie die anstehende Länderspielpause zu einem besonderen Kurztrip genutzt haben, um ihren wegen Dopings bis Herbst 2026 gesperrten Mitspieler aufzumuntern und dafür in dessen kroatische Heimat flogen anstatt heute zu trainieren sei „unprofessionell“, behaupten einige.
Ich behaupte: Das ist eine Aktion, für die jeder Trainer seinen Spielern und Betreuern einen Tag Extra-Urlaub schenken würde! Ich würde sowas auf jeden Fall IMMER unterstützen!
Zumal dieser Kurztrip seinen Zweck ganz offensichtlich auch erfüllte. Vuskovic postete am Montag ein mit einem Herz und dem Wort „Family“ versehenes Foto mit den Überraschungsgästen bei Instagram. Unter anderem zählten Kapitän Sebastian Schonlau und Torjäger Robert Glatzel zur Reisegruppe. Beide waren zuvor auch Teil einer groß angelegten Unterstützungsaktion für ihren Mannschaftskollegen beim 4:1-Heimsieg gegen Preußen Münster. „Wir sind eine große Familie und Mario ist ein großer Teil davon. Vielleicht war das auch ein kleines Geschenk für ihn“, hatte HSV-Coach Steffen Baumgart nach dem ersten Heimsieg der Saison gesagt.
Und obwohl ich das gegen Vuskovic verhängte Strafmaß durchaus differenzierter bewerte als die HSV-Profis und die allermeisten Fans, bin ich begeistert von der Art der Mannschaft und des Vereines. Sich so unbedingt hinter die eigenen Farben zu stellen und zu unterstützen, das spricht für Charakter und ist tausendmal mehr wert als irgendwelche teuer erkauften Leitfäden mit einer Halbwertszeit einer Banane. Denn Vuskovic in seiner schwierigsten Phase so nachhaltig zu demonstrieren, dass er eben nicht allein ist, ist genau das, was man jetzt machen kann. Viel mehr geht nicht. Dass der Verein parallel alles versucht, um den Spieler auch vertraglich gegen alle Vorschriften im Verein zu halten, top!
Ich erinnere mich noch an meine erste HSV-Zeit im Stadion. Im Block E/F standen wir mit dem Vater eines Freundes, der uns immer mitnahm. Und immer wieder mussten wir mit ansehen, wie Gegenspieler von HSV-Fans rassistisch beleidigt wurden aus der Kurve. Teilweise gab es sogar Hitlergrüße. Und genau das war mir unendlich peinlich, wenn ich in meinem Freundeskreis mit St.-Pauli-Fans diskutierte und eben diese Haltung - von damals einigen! – HSV-Fans nicht leugnen konnte. Umso begeisterter war ich im Zuge des Stadionumbaus, wie eben diese Fans immer mehr ausgegrenzt wurden. Und inzwischen kann man wirklich mit allerbestem Gewissen diskutieren und stolz darauf sein, was für eine Stimmung innerhalb des Stadions bei Heimspielen herrscht. Denn da kommt auch unser Erstliga-Nachbar lange nicht mit!
Vor allem aber hat der HSV in den letzten Jahren eine Wandlung vollzogen in der Außendarstellung. Auf vereinspolitischer Seite ist da sicher noch lange nicht alles so, wie es sein sollte. Aber von Seiten des Vereines und der Fans kommen extrem viele gute Dinge – wie zuletzt der Zusammenhalt beim Thema Bakery Jatta, wie die eigene Stadionauslastung, die Auswärts-Unterstützung – und eben jetzt die Unterstützung Vuskovics. Und das sind nur ein paar Beispiele dafür, dass Zusammenhalt beim HSV inzwischen auch wirklich gelebt wird. Selbst dann, wenn er mal rational nicht so einfach zu erklären ist. Ich hoffe nur, dass sich das alles auszahlt und nicht plötzlich der Spieler es sein wird, der nach Ablauf seiner Sperre woanders hin wechseln will. Erst das Trikot küssen und dann seinen Wechselwunsch äußern ist schließlich kein seltenes Gebaren unter Fußballprofis….
Aber auch das würde die Aktionen der HSV-Spieler und des Vereins nicht abwerten können. Im Gegenteil: Im Fall Vuskovic hat der HSV Haltung bewahrt und demonstriert, dass hier einige dabei sind, denen es eben nicht nur darum geht, die Kohle abzuholen und sich dann wieder zurückzuziehen. Hier wurde eigeninitiativ Charakter bewiesen und eine geile Aktion durchgezogen.
Apropos: Heute wurde bekannt (BILD), dass der HSV eine Umstrukturierung der Gehälter plant. Zum Grundgehalt und den bisherigen Prämien soll jetzt auch noch ein Auflaufprämie dazukommen für die Spieler, die in der Liga und im Pokal eingesetzt werden. Ich kann dazu sagen, dass es im Amateurbereich absolut üblich ist, den Spielern mehr zu zahlen, die auch auflaufen – aber beim HSV scheint das neu zu sein, wenn ich meinen Kollegen glauben darf. Dadurch würden die festen Grundgehälter niedriger und der HSV würde in Summe Gelder sparen. Profitieren würden demnach neben dem HSV auch die Stammkräfte, die so sogar etwas mehr verdienen als aktuell. Allein die nicht eingesetzten Spieler würden hierbei Minus machen.
Aber auch hier sage ich: Gut so! Leistung muss der Faktor sein, der geldwert ist für die Spieler! Soll heißen: Jede kleine Stufe bis hin zur Meisterschaftsprämie muss einzeln als Ansporn vorgesetzt werden.
- Wer sich im Training stärker als andere präsentiert, wird für den Kader am Wochenende nominiert.
- Wer sich in die Top 11 trainiert, der spielt. Und wer spielt, bekommt mehr Geld.
- Wer spielt und gewinnt, bekommt noch etwas mehr Geld.
- Und wer ganz viel spiel, ganz viel gewinnt und dem HSV so am Saisonende eine besonders gute Tabellenposition beschert, verdient am meisten!
Wer hierbei zwar immer dabei ist, aber sich weder für Kadernominierungen noch Spiele und dementsprechend auch nicht Siege zu empfehlen wusste, der muss mit dem Grundgerüst des Gehaltes auskommen und zusehen, dass er sich steigert. Erst dann verdient er auch mehr. So funktioniert Leistungsprinzip.
Punkt!
Manches ist dabei schon so logisch, dass es fast wehtut. Diese Regelung ist sowas für mich. Natürlich weiß ich, dass jeder Spieler am Ende seine Position selbst verhandelt und der HSV nicht selten vom eigenen Vorsatz abweicht, wenn er einen Spieler unbedingt will. Aber der Versuch und der Vorsatz von Stefan Kuntz geht auch hier in die absolut richtige Richtung!
In diesem Sinne, Euch allen noch einen schönen Mittwochabend!
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