Auch eine Lehre der Niederlage: Die zweite Reihe des HSV steht bereit
Die Niederlage gegen Werder Bremen passt irgendwie nicht rein. Sie ärgert. Mich auch, weil sie absolut nicht nötig war. Und schon am Mittwoch, also nur drei Tage nach dem 2:3…

Die Niederlage gegen Werder Bremen passt irgendwie nicht rein. Sie ärgert. Mich auch, weil sie absolut nicht nötig war. Und schon am Mittwoch, also nur drei Tage nach dem 2:3 gegen den Nordrivalen, geht es im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen den Karlsruher SC nicht nur um den Halbfinaleinzug, es geht zugleich auch um viel Geld. HSV-Trainer Tim Walter, der nach der verpassten Chance, den Topfavoriten Bremen hinter sich zu lassen und die Tabellenspitze zu übernehmen, die Mannschaft gelobt hatte, wird sich intern bemühen müssen, die Köpfe der enttäuschten Spieler wieder frei zu bekommen. Wie gegen Abstiegskandidat SV Sandhausen (1:1) reichte auch diesmal nur eine gute Halbzeit – trotz deutlicher Steigerung in der zweiten Halbzeit - nicht zum Sieg.
Trotzdem es schon am Mittwoch die nächste große Aufgabe gibt, komme ich heute nicht drumherum, die Elfmeterauslegung bei so genannten Handspielen zu diskutieren. Vorstand Jonas Boldt macht das auch (siehe Video). Und wie Boldt werde auch ich hier die Schiedsrichter-Auslegungen nicht als generellen HSV-Nachteil bewerten. Im Gegenteil: Der HSV hat ebenso davon profitiert, wie er einstecken musste. Aber mich nervt diesenu8nrealistische Auslegung generell. Wenn ich als Abwehrspieler einen Meter vom Gegner entfernt stehe und jedes Mal die Arme hinter dem Rücken verstauen muss, um keinen Handelfer zu riskieren, nehme ich mir jede natürliche Bewegung.
Handspielentscheidungen müssen nachvollziehbarer werden
Und bei Meffert gestern war es eine absolut natürliche Bewegung, ohne dass er seine Abwehrfläche maßgeblich (und schon gar nicht mutwillig!) vergrößert hat. Da auf Elfmeter zu entscheiden ist einfach weltfremd und schadet dem sportlich-natürlichen Ausgang der Partie. Ich bin in diesem Thema bei dem Vorschlag, der nun schon von vielen Trainern und Spielern gemacht wurde: Setzt doch bitte einen Ex-Profi oder einen erfahrenen Fußballer mit in den Kölner Keller, der den VARs dieser Welt in solchen Situationen erklärt, welche Bewegung natürlich und somit nicht fahrlässig - geschweige denn mutwillig - ist. Zu oft fehlt den Verantwortlichen genau hier das entscheidende Gespür für die Szenen.
Oder wie sagte es Sky-Experte Torsten Mattuschka:

Auch Trainer Walter weiß, dass die Diskussionen um schwer nachvollziehbare Handregeln im Fußball unnütze Energie kosten. Alles in allem gleichen sich die umstrittensten Regeln für jedes Team im Verlauf einer Saison aus: Mal kommen sie als Bestrafung über einen, mal sind sie eine Art Belobigung. „Wir akzeptieren diese Entscheidungen, wir müssen sie aber nicht gutheißen“, befand der HSV-Coach sicht- und hörbar genervt ob der zwei Videoentscheide. Und ich will auch gar nicht zu weit auf das Derby zurückblicken.
Die Auslegung, was nun Handelfer ist und was nicht, wird sowieso bei egal welcher Regelung nie einwandfrei sein. Aber mich nervt es. Ich würde lieber mal ein Handspiel durchgehen lassen, als jede kleine Berührung über 3000 Zeitlupen-Wiederholungen ausfindig zu machen und Elfer zu geben. Also anders als im Derby. Und ja, der Schock des frühen Elfmeter-Gegentores mag auch zum zerfahrenen Auftritt in der ersten Hälfte beigetragen haben. Aber die erste Halbzeit machte auch deutlich, dass der HSV es schwer hat, wenn der Gegner die Räume geschickt zustellt und seinerseits früh attackiert.
Daran muss Walter mit seiner Mannschaft arbeiten. Genau DAS dürfte der nächste zu nehmende Entwicklungsschritt dieser jungen Mannschaft sein, die Walter nicht aufhörte, zu loben. Und das zum Teil zurecht. Denn die Power und der Mut, nach Rückschlägen immer wieder aufzudrehen, waren auch diesmal da. „Diese Niederlage wirft uns nicht um“, sagte Torjäger Robert Glatzel trotzig, nachdem er sich über das nicht anerkannte Tor geärgert hatte. „Wir sind trotz all der Nackenschläge in dieser Partie immer wieder zurückgekommen.“
Walter baut seine Spieler auf - und hat Ersatz parat
Walter sprach derweil von einem „tollen Spiel“, von „jugendlichen Eifer“. Und er spricht davon, dass sie es „grandios gemacht haben“. Sein junges Team ist jedoch noch nicht da, wo er es haben will. „Unabhängig vom Ergebnis war auch dieses Spiel wieder eine Weiterentwicklung der Mannschaft“, sagte er. Walter ist überzeugt: „Unsere Art und Weise wird sich irgendwann auszahlen.“ Und ich finde ehrlich gesagt, das hat es schon. Und sollte der HSV die letzten verbliebenen zehn Spiele so spielen wie die gerade gespielten letzten zehn Partien – dann wird es am Ende auch zu Großem reichen können. Angefangen mit dem schwierigen DFB-Pokal-Viertelfinale am Mittwochabend gegen den Karlsruher SC.
Ich muss aber im Nachgang zum Werder-Derby noch einmal meinem Bremer Kompagnon Giuseppe gratulieren. Zudem muss ich sagen, dass ich positiv überrascht war, wie sich Josha Vagnoman nach fünf Monaten Pause sofort eingefunden hat. Denn der junge Rechtsverteidiger wird am kommenden Zweitligaspieltag spätestens – eventuell ja auch schon im Pokal gegen den KSC – Moritz Heyer vertreten. Der ist nämlich nach seinem taktischen Foul gegen Werder mit er fünften Gelben Karte gesperrt. Ob Vagnoman schon im Pokal eingesetzt wird, um sich für Sonnabend einzuspielen? Walter ließ die Frage unbeantwortet. Und ich gehe davon aus, dass Heyer spielen wird, während Vagnoman im Laufe des Spiels kommen wird. Aber wichtig nach gestern ist nur: Vagnoman ist fit. Denn ein Heyer-Ausfall tut (mir zumindest) doppelt weh.
Ebenfalls spannend finde ich, dass sich offenbar David Kinsombi noch einmal aufschwingt, sportlich einen Stammplatz einzufordern. Denn die Auftritte zuletzt in Sandhausen und auch gegen Werder haben deutlich gemacht, dass der Mittelfeldspieler in Partien, in denen ein Sechser reicht, die Acht durchaus effektiv ausfüllen kann. Zuletzt sogar besser als der bis Sandhausen bärenstarke Ludovit Reis. Aber auch sonst haben sich mit Manuel Wintzheimer und Giorgi Chakvetadze weitere Spieler aus der zweiten Reihe in den letzten Wochen absolut empfehlen können. Ergo: Personell geht es dem HSV aktuell gut. Und auf die Kaderbreite wird es gerade zum Ende der Saison noch einmal ankommen. Davon bin ich fest überzeugt.
In diesem Sinne, bis morgen.
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