„Auch deshalb ist die 50+1-Regel weiter sinnvoll“
Ich hatte es Euch am Freitag ja schon geschrieben: Auch in den oberen Kreisen geht es zu, wie auf der Kirmes. Da verbünden sich einige, weil sie mucksch sind. Da werden gute…

Ich hatte es Euch am Freitag ja schon geschrieben: Auch in den oberen Kreisen geht es zu, wie auf der Kirmes. Da verbünden sich einige, weil sie mucksch sind. Da werden gute Deals verhindert, weil sie vom falschen initiiert werden. Da werden gute Mitarbeiter abgesägt oder verhindert, weil sie der anderen Fraktion angehören. Und es werden Begriffe genutzt, die nichts mit gehobener Klasse zu tun haben – ganz im Gegenteil. Allein die Nummer, wie Dinsel verhindert wurde, macht das (wie viele, viele Beispiele vorher schon) deutlich. Wie hier Kleinstaktionäre dem Aufsichts- und dem Beirat gegenübergetreten sind, unterstreicht diese Niveaulosigkeit noch. „Mit einem Betonklotz am Bein in der Elbe versenkt“ – darauf muss man erstmal kommen.
Gehört habe ich von derlei Entgleisungen immer wieder mal. Vor allem auch gegenüber Marcell Jansen als Vereinspräsidenten und damit eben als Vertreter des Hauptaktionärs. Dass es hierbei nicht um Jansen an sich geht, sondern um seine Position als Vertreter des Hauptaktionärs – das ist mehr als naheliegend. Dass er es allerdings selbst nicht öffentlich gemacht hat, hat mich immer wieder verwundert. Denn würde nur ein Prozent dessen stimmen, was ich sonst noch über Klaus Michael Kühne, Karl Gernandt und die anderen Aktionäre gehört habe, diese jetzt öffentlich gewordenen Entgleisung wäre nicht mehr als die Spitze des Eisberges…
Und bei aller berechtigter Kritik wegen des zuletzt zu oft zu zögerlichen Handelns des Aufsichtsrates und Jansen als dessen ehemaligen Vorsitzenden, scheint es ausgerechnet dessen Nehmerqualität zu verdanken zu sein, dass der HSV in seiner Führung nicht längst implodiert ist. Während andere ihre Pressekontakte genutzt hätten, hat Jansen geschwiegen. Und dass Jansen trotz allem so ruhig bleibt, es spricht tatsächlich für ihn. „Wenn aber – und das ist beim HSV leider geschehen – das Präsidium und der komplette Beirat heftig attackiert werden, dann ist das respektlos“, sagte Jansen der BILD am Sonntag, um dann auch gleich wieder etwas Feuer rauszunehmen.
Vor allem auch gegenüber Kühne, der sich in den letzten Wochen mit Kritik an Jansen nie zurückgehalten hatte. Im Gegenteil: „Um das klarzustellen: Das kam nicht von Herrn Kühne persönlich! Aber das alles ist hier geschehen, und es trifft Menschen, die mit viel Leidenschaft und mit einem hohen Zeitaufwand professionell und zeitgleich ehrenamtlich einen Verein unterstützen. Und diese Menschen haben einen respektvollen Umgang verdient!“ Worte, die übrigens auch hier im Blogforum gelten. Ich kenne einige der Aktionäre. Auch persönlich. Und ich hätte nicht geglaubt, dass so etwas passieren könne. Aber so irrt man sich.
Ich stelle mir allerdings die Frage, wie man in Zukunft mit solchen Vorfällen umgehen soll. Aktionäre ausschließen? Anteile zwangsenteignen? Geht alles nicht. Dennoch wirft ein solches Verhalten ein Licht auf den HSV und dessen Wertevorstellung, das nicht hinnehmbar ist. Ebenso übrigens der Satz von Klaus Michael Kühne im „Manager Magazin“, wo er von einer Schlacht“ gegen Marcell Jansen gesprochen hatte, die noch nicht geschlagen sei. Mehr als unpassend. Vor allem in Zeiten wie diesen.
Problem hierbei: Diesen Leuten gehört ein Teil des HSV. Und das allein zeigt schon auf, wie schnell man den HSV an Leute verloren haben könnte, die zwar überbordend Geldwerte besitzen, dafür aber einen Mangel an ethisch-moralischen Werten haben. Menschen, die „die Raute im Herzen tragen“, wenn sie sich das erste Mal vorstellen. Menschen, die dem Vernehmen nach Geld geben aus Passion zum HSV. Aber eben auch Menschen, die irgendwann glauben, sich alles erlauben zu können. Ich weiß, dass das wieder für viel Kritik sorgen wird, aber ich will meinen Verein nicht nur siegen sehen – ich will ihn mögen können. Auch deshalb halte ich die 50+1-Regel weiterhin für sinnvoll. Trotz aller daraus resultierender sportlicher und wirtschaftlicher Nachteile der internationalen Konkurrenz gegenüber.
In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend.
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