Auch Baumgart muss beim HSV erst noch die Balance finden
Wenig Spektakel, dafür ein gutes Ergebnis: Trainer Steffen Baumgart hat mit seinem Stil viel Freude geweckt. Dank einer stabileren Defensive siegte der HSV letztlich verdient…

Wenig Spektakel, dafür ein gutes Ergebnis: Trainer Steffen Baumgart hat mit seinem Stil viel Freude geweckt. Dank einer stabileren Defensive siegte der HSV letztlich verdient mit 1:0 gegen die SV Elversberg, gegen die man im Hinspiel noch unterlag. „Das ist ein Spiel, auf das man aufbauen kann“, sagte Baumgart nach der Partie am Sonntag. Präzise benannte der 52-Jährige dabei, was ihm schon gut gefallen hat: Ballgewinne und Intensität. Er will aber, dass sein HSV geradliniger und genauer auftritt. Der Coach kritisierte, dass „bei jedem Einzelnen heute doch noch das ein oder andere gefehlt hat“. Und das gilt auch für den Matchwinner Ransford Königsdörffer, der wie vorher erwartet (und im Talk auch benannt!) die erste Erfolgsgeschichte unter Baumgart werden könnte.
Den Konjunktiv wähle ich hier allerdings ganz bewusst, weil Königsdörffer selbst dazu noch sehr viel mehr beitragen muss, als er in den letzten Wochen und Monaten anzubieten wusste. Dass er ein schwieriges Verhältnis zum Trainer hatte, beruhte dem Vernehmen nach auf der unterschiedlichen sportlichen Wahrnehmung. Wie so oft fand sich der Spieler besser als der Trainer, der ihn auf die Bank setzte. Und obwohl ich Königsdörffer für einen der Spieler halte, die dem HS sehr viel helfen können, muss ich eingestehen, dass er sportlich über weite Teile seiner HSV-Zeit enttäuschte.
Königsdörffer kann eine Erfolgsgeschichte werden, wenn...
Selbst jetzt am Sonntag gegen Elversberg hatte Königsdörffer mehr Schatten als Licht – trotz des Siegtreffers. Positiv war, dass er an den meisten gefährlichen Torszenen beteiligt war. Negativ hierbei war, dass er die meisten davon durch seine Zögerlichkeit vergab. „Er hat eine gute Aktion gehabt und das war die Aktion, dass er tief gegangen ist und den Ball optimal getroffen hat“, analysierte Baumgart und meinte damit den Treffer. Und er schob kritisch hinterher: „Wenn wir uns in der ersten Halbzeit zwei, drei Aktionen angucken, dann gehe ich davon aus, dass er erst mal wieder dahinkommen muss, was seine Stärken sind.“
Derart klare Worte über seine Spieler hatte Tim Walter zuvor vermieden. Walter hatte sich stets darum bemüht, schützend vor der Mannschaft zu stehen – was auch gut funktionierte. Bis zum Schluss stand die Mannschaft zum Trainer. Und dennoch: Baumgart hat Recht. Und das stimmt, behaupte ich. Umso besser, dass Baumgart nicht einfach das Momentum der ersten Euphorie nutzte, sondern sachlich blieb. Zumal seine Spieler schon deutlich positiver gestimmt waren. Als „enorm motivierend“ beschrieb ihn Torwart Matheo Raab, der den Vorzug vor Daniel Heuer Fernandes erhalten hatte. „Wir spielen hier jetzt Vollpressing, es ist einfach mehr Intensität da“, sagte Stürmer Ransford Königsdörffer, der den HSV mit seinem Tor wieder in Schlagweite der direkten Aufstiegsplätze brachte.
Dass es auch sonst ausschließlich positive Kommentare in Richtung des neuen Chefs gab – logisch. Immerhin will es sich niemand mit dem neuen Coach vermiesen. „Er ist halt einfach ein Typ. Der lebt den Fußball ja mit jeder einzelnen Faser, in jeder einzelnen Sekunde. Das hat er uns von Anfang an eingebläut“, sagte Schonlau über die ersten gemeinsamen Tage mit dem Trainer, der ihn schon beim SC Paderborn zum Kapitän gemacht hatte. Vom neuen Stil habe die Mannschaft einiges auch schon gegen die Saarländer gezeigt. „Ich glaube von der Energie her, von der Intensität, da hat man sicherlich Steffens Handschrift gesehen.“
Baumgarts bescheidene, gerade Art gefällt
Ohne Frage, bei der Vorgeschichte und der Attitüde hat Baumgart das Zeig zum Publikumsliebling. Und das ist gut. Aber es ist eben nicht der Faktor, der entscheidet, ob er der richtige Trainer ist oder nicht. Denn am Ende geht es von – bei Walter, Baumgart ebenso wie bei Nagelsmann, Klopp und allen anderen Profifußballtrainern um den Erfolg. Punkt. Deshalb verwechselt bitte nette Kommentare meinerseits über den Typen Baumgart nicht mit Komplimenten seine Arbeit betreffend. Auch bei Walter war meine persönliche Meinung vom Menschen Tim Walter nie ausschlaggebend dafür, wie ich seine Arbeit bewertet habe.
Fakt ist, dass Baumgart taktisch bislang ähnlich einspurig unterwegs ist wie Walter. Fakt ist aber auch, dass sich die Herangehensweise verändert. Mit Baumgart hat auch ein neuer Kommunikationsstil in und um das Volksparkstadion Einzug gehalten. Für seine klaren und ungeschönten Aussagen wird Baumgart von HSV-Fans schon jetzt gefeiert. Und ich muss gestehen, dass ich Baumgarts Art, sportlich zu analysieren, bislang sehr gut, weil zutreffend finde. Vor wie nach dem Spiel gegen Elversberg ging er mit der richtigen Portion Respekt und Demut an die Aufgabe. Vor allem aber danach gefiel mir die PK mit ihm. Baumgart sprach von vielen Dingen, die bei allen noch besser werden müssen. Vor allem aber feierte er das Spiel nicht, nur weil gewonnen wurde. Stattdessen lobte er Elversberg auf Augenhöhe und erkannte an, dass man das Spiel ebenso hätte verlieren können. Ich bin mir sicher, dass diese „Nur wir entscheiden, wer aufsteigt“-Sätze bei Baumgart nicht zum Repertoire gehören werden. Und das ist auch gut so.
Wie Ihr im Blitzfazit vielleicht schon gehört habt, war ich mit der Leistung des HSV am Sonntag nichtzufrieden. Spielerisch zu zögerlich, ohne Tempo nach vorn war allein das Defensivverhalten in Ordnung. Mit Schonlau und Hadzikadunic (der mir besser als zuvor gefiel) stand der HSV in der Innenverteidigung gut. Jonas Meffert hat davor gut abgeräumt und über die Außen ließen van der Brempt und Muheim (sowie später Katterbach) nicht viel zu. Im Tor wirkt Raab für mich zwar noch immer so, als würde er sich selbst zu viel Druck machen, aber grundsätzlich war es defensiv mit Luft nach oben zumindest schon mal in Ordnung.
War man unter Walter offensiv fast durchgehend gut und hatte gleichzeitig hinten Probleme, hat Baumgart gegen Elversberg die Defensive gestärkt und muss jetzt offensiv wieder mehr Schwung reinbekommen. Auch der neue Coach steht also vor der Problematik, die richtige Balance erst noch finden zu müssen. Deswegen freue ich mich wie die allermeisten hier über die Art, die der Trainer mitbringt. Und ich traue Baumgart auch absolut zu, diesen HSV zum Aufstieg zu coachen. Aber ich feiere ihn nach einem Spiel und einigen guten öffentlichen Auftritten noch nicht als den Messias, den einige andere schon in ihm sehen.
In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend! Und bleibt gesund!
Scholle
Zeig deine Farben
Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.
Shirt HAMBURG ALLSTARS
Eine Startelf aus Hamburger Legenden, großflächig auf dem Rücken.
39 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print HAMBURG ALLSTARS
Dieselbe Startelf als Fine-Art-Print — A3 oder 50 × 70.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print COMEBACK DES DINOS
Mai 2025, das 6:1 — nach sieben Jahren zurück in der Bundesliga.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Print UNS UWE
Uwe Seeler nach dem verlorenen Wembley-Finale 1966.
40 €
Bei HANDS OF GOD ansehen ↗
Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.
Lies weiter
Meinung
HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem
Weiterlesen

Diskussion
0 KommentareDiskutier mit!
Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.
Jetzt kostenlos registrierenAnmelden