Analyse

Analyse, Teil2: In der Abwehr fehlt es rechts und in der Mitte

Die Causa Mario Vuskovic zieht sich sicher noch eine ganze Weile, bis hier das Strafmaß steht und vollzogen wird. Die Hoffnung auf das Wunder und den beweis auf die Unschuld…

Analyse, Teil2: In der Abwehr fehlt es rechts und in der Mitte

Die Causa Mario Vuskovic zieht sich sicher noch eine ganze Weile, bis hier das Strafmaß steht und vollzogen wird. Die Hoffnung auf das Wunder und den beweis auf die Unschuld des Kroaten ist vielleicht noch bei dem einen oder anderen – vor allem natürlich beim Spieler selbst. Aber sie erscheint tatsächlich nur noch minimal.  Auch beim HSV bereiten sich alle auf eine lange Sperre des Innenverteidigers vor, der beim HSV bislang ein wesentlicher Faktor dafür war, dass die Viererkette so gut stand. Ihn zu ersetzen wird eine der Kernaufgaben für HSV-Trainer Tim Walter, wenn er das Ziel Wiederaufstieg weiter am Leben erhalten will. Denn Fakt ist: So gut wie das Duo Sebastian Schonlau/Vuskovic stand ansonsten keine Kombination in der Innenverteidigung. Nicht mal ansatzweise.

Aber die Defensive ist mehr als seine Innenverteidiger. Die Bedeutung der Keeper (insbesondere Stammtorhüter Daniel Heuer Fernandes) hatten wir gestern in der ersten Analyse schon beschrieben. Und Heuer Fernandes als Backup der Viererkette wird ein Faustpfand sein. Die Frage ist nur, wie schnell sich ein Jonas David, ein Valon Zumberi, ein Moritz Heyer (sofern für die rechte Abwehrseite eine Lösung gefunden wird) oder eben der neue Innenverteidiger, der noch gesucht wird, einfinden.

Aber das ist Zukunft – hier und heute geht es darum, das Gezeigte zu bewerten. Und da beginne ich gern mit der rechten Abwehrseite, die bis heute eine Problemzone des HSV ist. Und das nicht, weil Moritz Heyer es nicht gut gemacht hat. Ganz im Gegenteil. Es fehlt einfach ein zweiter Rechtsverteidiger mit ausreichend Qualität, um Heyers Ausfall zu kompensieren. So gesehen ab dem 13. Spieltag. Zwölf Spieltage lang galt Heyer als gesetzt und ließ zusammen mit seinen Kollegen bei 17 eigenen Treffern nur zehn Gegentore zu – Quote 0,83. In den fünf Spielen ohne Heyer kassierte der HSV neun Gegentore – Quote 1,8.

Und wie es die Zahlen andeuten, ist es dann auch: Mit Moritz Heyer ist der HSV stabiler. Deutlich sogar. Denn William Mikelbrencis, der vor der Saison als talentierter Backup geholt worden war, konnte sich bislang noch nicht durchsetzen. Der Franzose durfte dreimal ran, davon einmal nur eine Minute. Über die gesamten 90 Minuten durfte der Neuzugang noch nicht ran. Schlimmer noch: Ihm wurde am Ende sogar ein Stürmer als Rechtsverteidiger vorgezogen: Ransford Königsdörffer. Der Angreifer, der diese Position defensiv nur unzureichend ausfüllte, blieb sogar bis zur Winterpause Rechtsverteidiger. Ein klarer Wink an den jungen Franzosen, dessen Verpflichtung sich bislang noch nicht auszahlt. Daher bekommt der Franzose, der auch im Training keinen bleibenden Eindruck hinterließ, im Gegensatz zum offensiv wie defensiv belebenden Allrounder Heyer (Note 2-) die Note 5.

In der Innenverteidigung werde ist die Benotung von Mario Vuskovic in das sportlich gezeigte und das Drumherum schwierig. Das funktioniert nur für den Fall, dass Vuskovic nicht gedopt hat – ansonsten bleibt alles Sportliche immer mit einem faden Beigeschmack versehen.  Stand heute muss leider davon ausgegangen werden, dass die unter strengen Sicherheitsvorkehrungen entnommenen und untersuchten Dopingproben korrekt sind. Und das kann nichts anderes als die schlechtestmögliche Note nach sich ziehen. 

Anders gestaltet sich das bei Mannschaftskapitän Sebastian Schonlau, dessen Standing beim HSV seit dieser Saison so klar ist wie nie. Auch hier wurde immer wieder kritisiert, dass der Abwehrchef zu langsam sei, was grundsätzlich sicher auch ein Kritikpunkt sein kann. Allerdings wiegt Schonlau dieses Manko durch seine hohe Spielintelligenz und vor allem seine Leaderqualität mehr als auf. Schonlau macht nicht nur die Defensive stabiler und das Aufbauspiel sicherer – er ist vor allem dank seiner Antizipation und seiner Qualität, seine Mitspieler richtig zu stellen unverzichtbar. Was früher den Libero auszeichnete, bringt Schonlau zu 100 Prozent ein: Er dirigiert seine Mitspieler. So gut, dass er sie dadurch besser macht. Note: 2

Gut zu erkennen ist das bei Vuskovic (sportlich) und vor allem zuletzt auch Jonas David. Der hatte neben Heißsporn Vuskovic Probleme und wirkte stark verunsichert, während er im letzten Spiel endlich wieder neben Schonlau agierte – und dabei deutlich souveräner spielte. Kopfballstark und vergleichsweise schnell ist David sicher ein Spieler, der auf Sicht neben Schonlau funktionieren kann. Ob das allerdings sofort funktioniert, ist offen. Dafür fehlt ihm meiner Meinung nach noch die Handlungsschnelligkeit am Ball. Zudem ist sein Stellungsspiel bislang noch nicht ausgereift genug – daher auch die Verbesserung unter Schonlaus Anleitung… Aber David ist zweifellos ein Spieler, der es schaffen kann, wenn er lernen darf. Schade nur, dass dafür eine kurze Rückrunde nicht ausreichend Zeit bietet. Note ohne Schonlau neben sich: 5, mit Schonlau an der Seite: 3. Ergibt zusammen die Note 4.

Und während Valon Zumberi noch einen Entwicklungsschritt hinter David allemal andeutete, eine Alternative werden zu können, musste Tim Leibold als einst gesetzter Mannschaftskapitän als Linksverteidiger mit ansehen, wie ihm Miro Muheim die Position streitig macht. Leibold war die letzten sieben Partien verletzt, zuvor aber nach überstandener Kreuzbandoperation wieder fit. Zu mehr als vier Einsätzen (zweimal Startelf / zweimal in der Schlussminute eingewechselt) reichte es nicht. Ihn zu benoten ist schwierig. Ich bin mir bei Leibold sicher, dass er die linke Seite schnell wieder im Griff hätte, sollte Muheim länger ausfallen. Ob das allerdings reicht, um eine Vertragsverlängerung beim HSV zu erwirken, ist fraglich. Zumal offen ist, ob Leibold das als Ersatz überhaupt will. Note: 4

Miro Muheim muss sich darüber keine Gedanken machen. Er hat noch einen Vertrag bis 2025 und steht aktuell beim Trainer hoch im Kurs. Weil er stärker wird, wie ihm Walter attestiert.  Und das kann man auch so sehen, da Miro Max Maria Muheim, wie der Schweizer ganz heißt, stabiler wird. Er wird defensiv sicherer und offensiv mutiger. Bei Muheim ist zu erkennen, dass er über Konstanz selbstsicherer wird. Dass er offensiv trotz seiner zweifellos vorhandenen Schussstärke, seines Tempos, seiner überdurchschnittlich hohen Anzahl intensiver Läufe und seiner Fähigkeit, scharfe Flanken zu schlagen bislang erst zwei Assists hat, ist deutlich zu wenig. Nur drei Schüsse aufs gegnerische Tor ebenso wenig. Aber dieser Luft nach oben steht das vorhandene Potenzial Muheims gegenüber. Der ist zwar laut kicker der notenschwächste HSVer in der Stamm-Viererkette (Heyer, Vuskovic, Schonlau, Muheim), kann das aber aus eigener Kraft ändern. Note: 3

Fakt ist, dass der HSV einen neuen Innenverteidiger sucht. Auf Leihbasis mit Kaufoption scheint aktuell die wahrscheinlichste Variante zu sein. Oder wird es wie im Fall Hauke Wahl zuletzt kolportiert vielleicht doch ein Kauf? Und dieser wird sich schnell einfinden müssen in der vier Wochen andauernden Vorbereitung auf die Rückrunde. 

Scholle 

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