Analyse

Analyse, Teil 1: Heuer Fernandes macht den Unterschied

Es ist schwer zu sagen, ob es eine gute Idee ist. Aber grundsätzlich ist Erholung für einen Fußballprofi nichts Nachteiliges, sofern dieser Spieler diese Zeit nicht zu sehr…

Analyse, Teil 1: Heuer Fernandes macht den Unterschied

Es ist schwer zu sagen, ob es eine gute Idee ist. Aber grundsätzlich ist Erholung für einen Fußballprofi nichts Nachteiliges, sofern dieser Spieler diese Zeit nicht zu sehr ausnutzt und plötzlich übergewichtig zum Trainingsauftakt erscheint. Das ist schon vorgekommen, auch beim HSV. Aber sowas ist angesichts der detaillierten Trainingspläne, die alle Spieler samt (überwachenden) Puls-Uhren mit in ihren Urlaub bekommen haben, auch eher unwahrscheinlich. Von daher sehe ich den auch im Vergleich zur Konkurrenz sehr langen Urlaub noch nicht als Nachteil – sehr wohl aber als riskant. Denn wie überall gilt auch hier: alles steht und fällt mit den Ergebnissen.

Dass Walter seinen eigenen Weg geht und dabei Risiken absolut nicht scheut, ist längst bekannt. Wie in diesem Fall, der ihn bei ausbleibenden Ergebnissen schnell angreifbar machen könnte, zieht Walter sein Ding immer wieder durch. Und das ist gut so – zumindest, solange es nicht zum Selbstzweck wird. Dass ich dieses Gefühl an der einen oder anderen Stelle habe, ist ebenfalls bekennt. Zumindest denen, die hier mitlesen. Denn ich schätze Walters Mut weiterhin sehr und sehe darin den entscheidenden Faktor dafür, dass diese Mannschaft besser wird und besser bleibt als die anderen Zweitligisten.  Aber ich sähe es auch nicht als Eingeständnis, wenn Walter diesen Weg nachjustieren würde.

Im Gegenteil. Denn angesichts des riskanten Spiels bringt sich der HSV manchmal noch selbst in Nöte, die er leicht vermeiden könnte. Auch im Spiel hinten raus, womit ich zu meinem ersten Zeugnis für den ersten Mannschaftsteil kommen möchte: Die Torhüter Tom Mickel, Matheo Raab, Leo Oppermann und Daniel Heuer Fernandes.

Mickel kommt dabei erneut die Rolle der letzten Jahre zu. Er ist und bleibt ein guter Ersatzkeeper, der im Torwartteam für eine konstruktive Stimmung sorgen soll. Mit seinem unbändigen Ehrgeiz zeigt er, dass man immer Vollgas gehen muss, wenn man etwas erreichen soll. Selbst er, der sich mit seiner Entscheidung für den HSV festgelegt hat, keinen ernsthaften Anspruch mehr auf eine Karriere als Nummer eins zu erheben, gilt als einer der trainingsfleißigsten Spieler im Team. Mickel macht es so gut, dass er von seinen Mitstreitern ebenso wie von bislang noch allen Trainerteams genau dafür immer wieder hervorgehoben wird.

Auch dieses Jahr, wo sich Mickel erneut schwerer verletzte. Ihm dafür allerdings eine valide Note zu geben, ist schwer. Aber es kann festgehalten werden, dass der HSV tatsächlich großes Glück hat, einen derart loyalen Keeper mit dieser Qualität und Mentalität als Nummer drei zu haben.

Eine wirklich spannende Personalie ist der 21 Jahre junge Matheo Raab, der vor dieser Saison aus Kaiserslautern zum HSV gewechselt ist. Mit großen Vorschusslorbeeren kam er aus der Pfalz. Aber Raab konnte diese in der Vorbereitung im Sommer nicht wirklich bestätigen. Mehr noch: Er hatte sogar große Probleme, seine durchaus guten Trainingsleistungen in den wenigen Minuten in den Testspielen auf den Platz zu bekommen. Oder anders formuliert: Der junge Zugang ließ alle Zuschauer (und sicher auch das Trainerteam) kurzzeitig zweifeln, verwischte diese aber, als er ranmusste.

Ausgerechnet gegen seinen Exklub 1. FC Kaiserslautern durfte Raab seine Premiere und bislang einziges Zweitligaspiel für den HSV bestreiten. Und das machte er richtig gut. Raab gehörte beim 1:1 gegen den starken Aufsteiger zu den ganz wenigen Spielern in Normalform. Er rettete dem HSV am Ende sogar den einen, eher enttäuschenden Punkt als Ersatz für den derzeit verletzten Daniel Heuer Fernandes. Er spielte so gut, wie man es erwartet hatte bei seiner Verpflichtung.

Ich behaupte, dass der HSV am darauffolgenden Spieltag nicht einen Deut schwächer gewesen wäre, wenn statt des bärenstarken Heuer Fernandes in dem Stadtderby Raab im Kasten gestanden hätte. Da er allerdings nur ein Spiel machen konnte/durfte, ist es schwierig, ihm eine valide Note zu geben. Geht man allein nach dem, was er zeigen musste und konnte, ist es eine gute Zwei. So aber bleibe ich etwas defensiver und gebe ihm eine Drei – mit der klaren Tendenz nach oben.

Gar nicht zu bewerten auf Profiebene ist Leo Oppermann, der beim HSV das Torhüter-Quartett komplettiert und parallel die unumstrittene Nummer eins der zweiten Mannschaft in der Regionalliga ist. Bis auf ein Spiel absolvierte Oppermann dort 20 von 21 Partien über die kompletten 90 Minuten und sorgte dafür, dass die U21 des HSV so gut wie lange nicht dasteht.  Ebenso im Training des HSV, wo der 21 Jahre junge Keeper beweist, dass er bereit ist für mehr.

Lautstark gibt er Anweisungen, er ist stark mit dem Fuß am Ball, und er ist stark auf der Linie sowie im Eins gegen Eins. Oppermann ist zweifellos ein richtig starker Keeper mit einer Menge Potenzial. Und er ist ein echter Konkurrent für Raab als Nachfolger im Kasten der Profis. Note: siehe Raab. Daher eine gute Drei.

Wobei: Wann dieser Platz im Kasten der HSV- Profis aber frei wird, erscheint aktuell nicht absehbar. Denn das, was Daniel Heuer Fernandes seit Monaten abliefert, ist nahezu tadellos. Bis auf die eine oder andere Schwäche beim Rausspielen (was schon deutlich stabiler geworden ist!) hat der HSV-Keeper bislang keinerlei Anlass zur Kritik geliefert – dafür aber bei seinen bisherigen Schwächen eine starke Positiv-Entwicklung gezeigt. Jedes dritte Spiel (sechs von bislang 18) spielt er zu Null – und das nicht selten, weil er so genannte Hundertprozentige entschärft und zum Matchwinner wird.

Aber vor allem die Konstanz, mit der Heuer Fernandes unter Tim Walter seit nunmehr 18 Monaten auftritt, ist ein Faktor, der den Unterschied ausmachen kann. Denn diese Souveränität, diese Ruhe, die Heuer Fernandes ausstrahlt, gibt der gesamten Mannschaft Sicherheit. Und das liest sich in der Statistik leicht ab. Denn Heuer Fernandes ist laut meinen Kollegen vom „kicker“ aktuell der notenbeste Keeper der Zweiten Liga. Eine Bewertung, der ich komplett zustimme. Auch hier bekommt Heuer Fernandes eine sehr gute Note:  1-

Und bevor ich diesen Blog beschließe, noch ein Wort zu der Leistung von Heuer Fernandes. Denn gerade bei dem Keeper ist die Handschrift Tim Walters zu erkennen. Denn Walter war es, der den Mut hatte, Heuer Fernandes das uneingeschränkte Vertrauen auszusprechen und das bis heute auch so durchzog. Dieses gegenseitige Vertrauensverhältnis stärkte auch den Keeper, der nach einem sehr schwierigen Start beim HSV inzwischen nicht mehr wegzudenken ist. Oder anders formuliert: Walter hat hier einen Spieler des HSV besser gemacht – und damit die gesamte Mannschaft. Walters Konsequenz, die immer wieder auch Sturheit ist, zeigt hier seine ausschließlich positive Seite.

Oder wie seht Ihr diese Bewertungen?

In diesem Sinne, als nächstes folgt die Viererkette des HSV. 

Scholle

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen