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Analyse: Das macht der HSV gut - und das nicht...

In den letzten Tagen haben wir hier viel über "Entwicklung" philosophiert, bzw. darüber, dass diese eben nicht zu erkennen ist. Nun ist das Gesehene das eine, die Zahlen…

Analyse: Das macht der HSV gut - und das nicht...

Hamburger SV

Analyse des Saisonstarts

In den letzten Tagen haben wir hier viel über "Entwicklung" philosophiert, bzw. darüber, dass diese eben nicht zu erkennen ist. Nun ist das Gesehene das eine, die Zahlen dahinter das andere. Nichts von beidem ist für sich allein aussagekräftig genug, daher habe ich mich dazu entschlossen, bei unseren Analyse-Freunden von Createfootball.com noch einmal eine Analyse zu bestellen, die aufzeigt, was die Zahlen hinter dem Gesehenen aussagen. Hier haben wir auch mit unserem Analysten "Muti" gesprochen, der den HSV als Außenstehender noch einmal rationaler bewertet, als wir hier.

Und in allen Analysen wird deutlich, dass der HSV immer ausreichend Torchancen kreiert, um Spiele zu gewinnen - und dass er defensiv stabiler geworden ist. Allerdings muss er sich in beiden Bereichen noch steigern, wenn man am Saisonende zu den Aufsteigern zählen will. Anbei die Analyse. Viel Spaß damit! Angefangen mit:

Was läuft schon gut?

Flaches Angriffsspiel

  1. Der HSV spielt die wenigsten langen Bälle der Liga, baut Angriffe konsequent flach auf, löst auch Pressingsituationen spielerisch  durch die hohe individuelle Qualität und die höchste Präzision an Pässen ins letzte Drittel (73%), erspielt sich die Mannschaft die zweitmeisten Abschlüsse der Liga (14.6)
  2. Dabei dringt kein Team häufiger als der HSV aus dem Zentrum in gefährliche Schusspositionen (1.4 xG pro 90 Min. aus der Spielfeldmitte kreiert)
  3. Insgesamt kommt der HSV auf die drittmeisten Ballaktionen im gegn. Strafraum (22) und die viertbesten Schusspositionen (0.14 xG pro Schuss)  kein Team spielt mehr Positionsangriffe erfolgreich zu Ende (11) und kommt häufiger aus dem Spiel heraus zum Torschuss
  • Der HSV kreiert elf Torschüsse aus Positionsangriffen pro 90 Minuten – Ligabestwert!
  • Pressingeffizienz
  • Der HSV besitzt den zweitniedrigsten PPDA-Wert der Liga, lässt gerade einmal 9.3 Pässe des Gegners bis zur ersten Abwehraktion zu, nur Magdeburg unter Ex-HSV-Coach Titz läuft den Gegner früher an
  • Dazu gewinnt der HSV die zweitmeisten Defensivduelle (64%), zeigt sich in diesem Aspekt im Vergleich zur Vorsaison (60%) stark verbessert!
  • Flankenverteidigung
  • Hamburg kassierte noch kein einziges Kopfball-Gegentor in der laufenden Zweitligasaison, die Zuordnung bei gegn. Flanken ist mehr als stimmig
  • Besonders die Neuzugänge Hadzikadunic und Ramos sind enorm stark im Luftduell, gewinnen 64%, bzw. 50% ihrer Kopfballduelle und liegen damit deutlich über dem Ligaschnitt von 46%

Wo muss sich der HSV verbessern?

Chancenverwertung

  1. Den xG-Wert von 20.8 erwarteten Toren übertrifft kein Zweitligist, daraus konnte der HSV jedoch „nur“ 17 Tore erzielen, trotz guter Schusspositionen und -präzision ist die Chancenverwertung nicht optimal  besonders Glatzel kann seine Ausbeute noch steigern (5 Tore aus 7 xG)

Defensiver Zugriff

  • Obwohl die Gegner des HSV zu weniger als zehn Abschlüssen pro 90 Minuten kommen, ist die Qualität der Torchancen wie schon in der Vorsaison deutlich zu hoch, wodurch der HSV zu einfach Gegentore kassiert  Der Expected Goals Against-Wert liegt mit 13.3 sogar noch deutlich über dem realen Wert von 10 Gegentoren, zu viel für ein Top-Team!
  • Tiefe im Angriff
  • Der HSV spielt die zweitwenigsten raumgewinnenden Pässe der Liga (46 /90 Min., weist dabei auch eine extrem schwache Genauigkeit von 71% auf  Ballbesitz gegen defensive Gegner häufig sehr lateral
  • Steckpässe in die Schnittstellen werden kaum gespielt, weisen mit 22% Präzision die geringste Genauigkeit der Liga auf (Ligaschnitt 37%)  um gegen tiefstehende Gegner in der Chancenkreation versatiler zu sein, muss diese Qualität gesteigert werden und besonders Pherai und Jatta häufiger den Ball zwischen die Ketten des Gegners spielen
  • Ähnlich verhält es sich im Flankenspiel, besonders Halbfeldflanken von Pherai und Benes sind bisher überhaupt kein Mittel, werden aber 10x /90 Min. gespielt  aus tieferen Positionen sind Hereingaben von bspw. van der Brempt, Dompé und Muheim deutlich gefährlicherer
  • Nur 14.5% aller Pässe sind raumgewinnend und überspielen Gegenspieler – der niedrigste Wert der Liga

Benchmarking der relevanten Daten (Defensive)

  Hamburger SV22/23Hamburger SV23/24Durchschnitt2. Bundesliga 23/24
Gegentore1.211.4
Expected Goals Against  (pro Schuss)1.4 (0.12)1.5 (0.13)1.7 (0.12)
Gegnerische Schüsse (% aufs Tor)10.9 (39%)9.9 (38%)12.2 (36%)
Defensivzweikämpfe (% erfolgreich)57 (60%)51.3 (64%)58 (60%)
Kopfballduelle (% erfolgreich)33.4 (45%)29.2 (50%)37.5 (46%)
Abgefangene Pässe3731.937.8
Balleroberungen83.278.983.1
PPDA8.69.311.6
Alle Daten pro 90 Minuten aus der 2. Bundesliga 2022-23 respektive 2023-24.

Benchmarking der relevanten Daten (Offensive)

  Hamburger SV22/23Hamburger SV23/24Durchschnitt2. Bundesliga 23/24
Tore1.91.71.4
Expected Goals (pro Schuss)1.9 (0.14)2.3 (0.14)1.6 (0.13)
Schüsse (aufs Tor)12.8 (39%)14.6 (41%)12.2 (36%)
Passquote84%85%83%
Schlüsselpässe4.143.5
Lange Pässe (% angekommen)32.5 (51%)31.5 (55%)43 (59%)
Pässe ins letzte Drittel (% angekommen)46.5 (69%)47.4 (73%)43.4 (67%)
Flanken (% angekommen)19.2 (37%)18.8 (31%)13.8 (35%)
Alle Daten pro 90 Minuten aus der 2. Bundesliga 2022-23 respektive 2023-24.

Was muss Tim Walter verbessern?

Defensive

  • Die Konterabsicherung muss Tim Walter eindeutig in den Griff kriegen, dass der HSV vergleichsweise einfache Gegentore kassiert, war in der Vorsaison bereits ein Riesenproblem  besonders bei solch einer hohen Verteidigungslinie muss die Absicherung auf Gegenangriffe besser greifen, aus dem offenen Spiel heraus lässt der HSV kaum Chancen zu

Offensive

  • Die Qualität der Torchancen ist die beste der Liga, deren Verwertung ist es bislang noch nicht. Pro Spiel schießt der HSV 0.5 Tore weniger als erwartet, vor dem Tor ist also noch reichlich Steigerungsbedarf vorhanden

Übergangsspiel

  • Besonders gegen tief stehende Gegner muss der HSV mehr Räume mit progressiven Pässen öffnen. Insbesondere Reis und Muheim müssen die Präzision ihrer insgesamt 2.4 Versuche (13%) deutlich steigern. Von Benes und Pherai kommen bisher fast gar keine Steckpässe. Verbessert sich der HSV in diesem Aspekt, wird die Qualität der Torchancen weiter zunehmen.

Dieser Text stammt von der Fußball-Consultancy CREATEFOOTBALL GmbH, die national wie international Profivereine, Berateragenturen sowie Medienanstalten in den Themenfeldern Datenscouting und -analyse berät.

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