Aluminium, Rot, Intensität – trotzdem nur ein Punkt für den HSV gegen Augsburg
Manchmal erzählt ein Spiel mehr als das Ergebnis. Dieses 1:1 gegen Augsburg gehört genau in diese Kategorie. „Aluminium, Platzverweis, wilde Schlussphase“ – selten hat eine…

Manchmal erzählt ein Spiel mehr als das Ergebnis. Dieses 1:1 gegen Augsburg gehört genau in diese Kategorie. „Aluminium, Platzverweis, wilde Schlussphase“ – selten hat eine Schlagzeile ein Spiel so treffend beschrieben wie heute im Volkspark. Und trotzdem bleibt am Ende dieses Gefühl: Da war mehr drin. Viel mehr.
Der HSV startete ordentlich in die Partie, hatte durch Otele früh die erste Chance und zeigte sofort, dass er dieses Spiel annehmen wollte. Aber Augsburg war vorbereitet, stand kompakt, spielte schnörkellos nach vorn und wartete auf genau den einen Moment. Und der kam. Eine Flanke, ein verlorenes Duell, ein Abpraller – und plötzlich steht Arthur Chaves genau da, wo er stehen muss. 0:1. Aus dem Nichts. Ein Gegentor, das sich nicht unbedingt angekündigt hatte, aber perfekt zu einer Phase passte, in der der HSV zwar bemüht war, aber noch nicht zwingend genug agierte.
Was danach folgte, war zunächst viel Ballbesitz, aber wenig Durchschlagskraft. Augsburg verteidigte clever, machte die Räume eng und zwang den HSV immer wieder zu Lösungen, die nicht ganz zu Ende gespielt wurden. Und doch kippte das Gefühl langsam. Gegen Ende der ersten Halbzeit wurden die Aktionen klarer, gefährlicher. Muheim per Freistoß, Otele mit einer guten Gelegenheit, Glatzel nur knapp vorbei – das war mehr als nur ein kurzes Aufbäumen, das war ein erstes echtes Zeichen, dass dieses Spiel noch lange nicht entschieden ist.
Nach der Pause kam der HSV dann mit genau der Energie aus der Kabine, die man sich gewünscht hatte. Mehr Tempo, mehr Mut, mehr Zielstrebigkeit. Und dann ging es plötzlich ganz schnell: Ballgewinn, Umschalten, Kombination – und Königsdörffer schließt kompromisslos zum 1:1 ab. Das Stadion war da, das Spiel war offen, und alles deutete darauf hin, dass der HSV jetzt nachlegt. Spätestens als Vuskovic kurz danach per Kopf nur den Pfosten traf, war klar: Augsburg wackelt. Der HSV war dran. Ganz nah dran.
Und dann kam diese eine Szene, die alles veränderte. Muheim, letzter Mann, ein unglücklicher Moment, eine Notbremse – Rot. Ausgerechnet in der Phase, in der der HSV das Spiel komplett auf seine Seite gezogen hatte. Ausgerechnet dann, als man das Gefühl hatte, dass hier gleich das 2:1 fällt. In diesem Moment kippte die Erwartung im Stadion schlagartig. Viele dachten: Das wird jetzt ein reines Verteidigen.
Aber genau das passierte nicht. Und genau das macht dieses Spiel so besonders.
Natürlich hatte Augsburg in Überzahl seine Möglichkeiten, natürlich wurde der Druck größer. Gregoritsch aus kurzer Distanz an den Pfosten – das hätte das Spiel drehen können. Aber was danach folgte, war kein Einbruch, sondern ein Aufbäumen. Der HSV bekam plötzlich eine zweite Luft, befreite sich, wurde wieder mutig und suchte selbst den Weg nach vorne. Es war fast surreal zu sehen, wie die Mannschaft in Unterzahl wieder die Kontrolle übernahm, wie sie Chancen kreierte und Augsburg ins Wanken brachte.
Die Szene mit Zesigers Rückpass, der über Dahmen an die Latte sprang, war sinnbildlich für diese Phase. Kurz danach der Distanzschuss von Grönbaek, den Dahmen mit Mühe an den Pfosten lenkt. Dann die VAR-Situation, der kurze Moment des kollektiven Ausrastens im Stadion, als der Elfmeter gegeben wurde – und die Ernüchterung Sekunden später. Und trotzdem: Der Volkspark hat gebrannt. Weil alle gespürt haben, dass hier gerade etwas entsteht, das über ein normales 1:1 hinausgeht.
Der HSV war zu zehnt näher am Sieg als Augsburg in Überzahl. Und das sagt alles über dieses Spiel.
Muheim hat es nach Abpfiff treffend formuliert: Die Szene war unglücklich, aber das, was die Mannschaft danach gezeigt hat, war unglaublich. Genau das ist der Kern dieses Spiels. Diese Mannschaft lebt, sie hat eine Haltung, sie gibt sich nicht auf. Egal, was passiert.
Und genau deshalb fühlt sich dieses Unentschieden so seltsam an. Auf dem Papier ist es ein Punkt, ein wichtiger Punkt im Abstiegskampf. Einer, der hilft, einer, der Stabilität gibt. Aber emotional bleibt dieses Gefühl, dass hier zwei Punkte liegen geblieben sind. Weil der HSV heute gezeigt hat, dass er mehr kann. Dass er Spiele ziehen kann. Sogar in Unterzahl.
Fazit:
Dieser Punkt kann am Ende Gold wert sein – wahrscheinlich sogar der, der reicht, um den direkten Abstieg zu vermeiden. Jetzt geht es darum, sich auch noch rechtzeitig vom Relegationsplatz abzusetzen. Denn wenn diese Energie bleibt, wenn diese Mentalität konserviert wird, dann ist da noch einiges drin.
DIE EINZELBEWERTUNGEN:
Daniel Heuer Fernandes: Er hatte nicht viel zu tun – und trotzdem war es häufiger gefährlich, als es ihm lieb war. Beim Gegentor chancenlos, danach mit Pfosten und etwas Glück den Punkt gesichert. Note: 3
William Mikelbrencis: Er hat seine Szenen – aber die ausschließlich offensiv. Defensiv ist er eine Vollkatastrophe! Wieder Schuld am Gegentor! Wie kann man nur so unfassbar schlecht verteidigen? Das ist Kreisklassen-Niveau! Er schaute nicht mal auf den Ball! Offensiv war das ne 3, defensiv eine 6 – ergo: Note: 4
Luka Vuskovic: Hatte seine Abwehr heute in der ersten Halbzeit nicht im Griff. In der zweiten Hälfte wurde auch er besser. Schade, dass sein Kopfball nur an den Pfosten ging. Note: 3
Jordan Torunarigha: Das war sehr ordentlich. Für mich war er heute der beste Defensivakteur beim HSV. Note: 2
Warmed Omari: Er ist noch weit entfernt von der Form, die er vor seiner langen Verletzungspause hatte. Zu langsam in seiner Entscheidungsfindung. Er ließ sich von Gregoritsch immer wieder verladen. Note: 4
Albert-Sambi Lokonga: Oha, das war erste Halbzeit gar nichts. Im Zentrum war der HSV so offen, wie lange nicht mehr. Zweite Halbzeit war es etwas besser. Note: 4
Miro Muheim: Fahriges Passspiel zu Beginn der Partie, aber er wurde besser. Ganz bitterer Stockfehler vor seiner Roten Karte, die im Zustandekommen dann noch mal bitterer war. Note: 5
Ransford Königsdörffer (bis 67.): Eine Frechheit, wie wenig er in der ersten Halbzeit mit nach hinten arbeitete. Noch schlimmer war, als er nach einem peinlichen Fehlpass abreißen ließ und es gefährlich wurde. Ich hätte ihn zur Halbzeit spätestens runtergenommen. Aber: Gut, dass ich nichts zu sagen habe! Das Trainerteam entschied sich anders und scheint ihm in der Pause mal deutlich gemacht zu haben, was für eine Sch…. das in der ersten Halbzeit von ihm war. Denn er wurde deutlich besser, lief mehr, kämpfte – und traf dann zum 1:1. Musste dann leider aus taktischen Gründen runter. Note: 3
Albert Grönbæk (ab 67.): Was wäre das für ein Einstand gewesen, wenn der Distanzschuss drin gewesen wäre? Ein sehr spannender erster Auftritt...!! Note: 2,5
Philip Otele (bis 45.): Er ackert, er versucht viel – aber es kommt nichts dabei rum! Er ist einfach uneffektiv Note: 4
Rayan Philippe (ab 46. / bis 90.): Ihn erst einzuwechseln und dann wieder runterzunehmen, hätte Polzin sich sparen sollen. Dass der Franzose da irritiert war, kann ich gut nachvollziehen. Für diese taktische Auswechslung (um Zeit von der Uhr zu nehmen) hätten sich viele andere Spieler besser geeignet. Ansonsten war der Franzose gewillt – aber null effektiv. Note: 4
Otto Stange (ab 90.): Durfte sich die Punktprämie noch abholen.
Robert Glatzel (bis 67.): War richtig gut im Spiel, machte Bälle fest, verteilte sie und war gefährlich. Er lieferte seinen Teil und war mit der Ablage auf Königsdörffer maßgeblich am Ausgleichstreffer beteiligt! Musste taktisch raus – was extrem schade war. Er war noch für einen Treffer gut…! Note: 2
Giorgi Gocholeishvilli (ab 67.): Der Einsatz und der Wille ist immer da. So einen Ersatzspieler will man in seinem Team haben. Aber: Er weiß zu oft nicht, wann er dribbeln und wann er besser passen sollte! Note: 3
Fabio Vieira: Er kann noch mehr – obwohl das heute nicht schlecht war. Dennoch, und da muss ich mich Stefan Schnoor anschließen – da muss noch mehr bei rumkommen. Note: 3
STATISTIK ZUM SPIEL:
HSV: Heuer Fernandes – Omari, L. Vuskovic, Torunarigha – Mikelbrencis, Sambi Lokonga, Vieira, Königsdörffer (67. Gocholeishvili), Muheim – Glatzel (67. Grönbaek), Otele (46. Philippe, 90.+4 Stange)
FC Augsburg: Dahmen – Chaves, K. Schlotterbeck, Zesiger – Wolf, Fellhauer (80. Massengo), Rieder, Giannoulis – Kade (80. Ribeiro), Claude-Mauirce (90. Ogundu)– Gregoritsch
Tore: 0:1 Chaves (23.), 1:1 Königsdörffer (60.)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)
Gelbe Karten: Otele, Torunarigha / Rieder, Zesiger, K. Schlotterbeck
Gelb-Rote Karten: - / -
Rote Karten: Muheim / -
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