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Aktionäre entziehen HSV-Aufsichtsratsboss Jansen das Vertrauen

Es eskaliert mal wieder. Entgegen dem sportlichen Erfolg der letzten Wochen kommt es auf der Chefetage nicht zur Ruhe. Ganz im Gegenteil. Laut Hamburger Abendblatt ist schon…

Aktionäre entziehen HSV-Aufsichtsratsboss Jansen das Vertrauen

Es eskaliert mal wieder. Entgegen dem sportlichen Erfolg der letzten Wochen kommt es auf der Chefetage nicht zur Ruhe. Ganz im Gegenteil. Laut Hamburger Abendblatt ist schon für diesen Mittwoch ein Treffen geplant, auf dem über Jansens Zukunft gesprochen werden soll. Hintergrund des Ganzen ist, dass Teile der HSV-Aktionäre den Aufsichtsratsvorsitzenden und HSV-e.V.-Präsidenten Marcell Jansen stürzen wollen. Dem Bericht meiner Kollegen nach hatte Jansen in den vergangenen Wochen zwei Briefe an sich und sein Präsidium (Bernd Wehmeyer, Michael Papenfuß) bekommen, in denen die Unzufriedenheit der drei HSV-Gesellschafter Margaritoff-Erben, die Familie Burmeister und die AMPri Handelsgesellschaft geäußert wurden. Konkret soll es in den Schreiben heißen: „Wir entziehen Ihnen als Aufsichtsratsvorsitzenden aufgrund Ihres Verhaltens ab sofort unser Vertrauen.“

Erstaunlich hierbei ist für mich, dass dieses Schreiben noch nicht einmal vom ärgsten Jansen-Kritiker Klaus Michael Kühne kommt, der zuletzt in einem Abendblatt-Interview offen für die Absetzung Jansens geworben hatte. Ebenso erstaunlich ist für mich die Hoffnung vieler, dass ein solcher personeller Austausch die Wende zum Guten bewirken könne. Denn eines ist klar: Egal wann es dem Aktionär und Milliardär Klaus Michael Kühne nicht mehr passt mit der Vereinsführung, wird er dessen Ablösung fordern. Völlig unabhängig davon, für wie toll der Milliardär diese Person nur wenige Tage zuvor auch gefunden haben mag. Ruhe wird es bei diesem HSV immer nur so lange geben, wie die Wünsche und Belange Kühnes ausreichend geachtet werden. Und das ist ebenso fatal wie erwartungsgemäß nach den letzten Jahren.

Aufstand der Aktionäre gegen Jansen

Soll heißen: Der HSV befindet sich mal wieder in einem Prozess der Umbesetzungen. Neben dem Aufsichtsrat, den Marcell Jansen als Vereinspräsident und somit Dreiviertelmehrheits-Vertreter-Prozent-Mehrheit quasi allein umbesetzen könnte, soll nun auch der gewählte Präsident abgesetzt werden. Viel Politik für einen Klub, der genau daran immer wieder scheitert.

Wobei das bitte klar verstanden werden soll: Marcell Jansen hat in den letzten Wochen und Monaten so viele vorhersehbare Angriffsfläche geboten, wie kaum ein anderer. Allein schon sein Umgang mit der Causa Wüstefeld, dessen Doktortitel-Status noch immer nicht von dem ehemaligen Vorstand nachgewiesen wurde, war dilettantisch. Seine Pressekonferenz nach Wüstefelds Rücktritt war bodenlos und den kolportierten Werten des HSV nicht würdig. Aber, und das muss man eigentlich großschreiben: Im Hintergrund gab es noch sehr viel mehr untragbare Vorgänge, die nicht öffentlich wurden.

Natürlich auch, weil die in diesem Thema immer am besten informierten Kollegen des Hamburger Abendblattes ihre(n) Informanten nicht nennen können. Aber eben auch, weil beim HSV immer die Opposition die größte Lobby hat. Unentdeckt und anonym – aber wirkungsvoll. So war es schon immer – und so scheint es auch weiterhin zu bleiben. Oder wüsste hier noch jemand einen Ausweg?

Ich weiß nicht, wie oft ich an dieser Stelle schon Szenarien gebastelt habe, unter denen ich mir vorstellen könnte, dass der HSV funktioniert. Inzwischen aber kapituliere ich. Die Basis (insbesondere Supporters) wird einen Kühne nicht zulassen, während Kühne weiter versuchen wird, den HSV nach seinem Gusto aufzubauen und Ablösungen von Führungskräften fordern. Es funktionierte bislang – und bei Jansen scheint es erneut zu funktionieren. Aber was kommt danach? Eine Frage, deren Antwort ich nicht kenne und von der ich glaube, dass es sie in der aktuellen Konstellation auch nicht gibt.

Auch deswegen habe ich einfach keine Lust mehr, darüber zu berichten, wie wenig Substanz Vorstandsversprechen haben, wie dilettantisch Jansen sich angestellt hat, oder wie indiskret honorige Bankiers werden können, oder wie sehr der HSV an den Millionen von Klaus Michael Kühne hängt. Denn während sich die ersten drei Personen wie viele andere Positionen auch einfach nur in unregelmäßigen Abständen austauschen, wird letzteres noch sehr lange der Fall sein. Und damit wird dieser HSV auch niemals in der Lage sein, sich nachhaltig und noch weniger autark neu aufzustellen.

Morgen wird um 13 Uhr wieder trainiert.

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