Adeline ist ein guter Deal – doch die HSV-Baustellen liegen woanders
Mit der Verpflichtung von Martin Adeline ist dem HSV ein wirtschaftlich kluger Transfer gelungen. Doch trotz der neuen Offensivoption bleibt die Defensive die größte Baustelle für die kommende Saison.

Ein Coup mit Signalwirkung: Martin Adeline kommt zum HSV
Mit der Verpflichtung von Martin Adeline ist dem HSV ein Coup gelungen, der vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten als echtes Ausrufezeichen gewertet werden darf. Vier Millionen Euro Ablöse für einen Akteur, dessen Marktwert auf rund zehn Millionen Euro taxiert wird – das ist auf dem heutigen, oft völlig überhitzten Transfermarkt eine absolute Seltenheit. Beim ES Troyes herrscht nach dem Aufstieg in die Ligue 1 derweil großer Unmut über die Vereinsführung; viele Fans dort sprechen offen davon, dass ihr Topspieler deutlich unter Wert abgegeben wurde. Dem HSV dürfte das herzlich egal sein: Wir profitieren von dieser Konstellation und sichern uns ein echtes Schnäppchen, das in der aktuellen Kaderplanung Gold wert sein könnte.
Schon deshalb darf man diesen Transfer als Erfolg bewerten. Der HSV verpflichtet einen 22-jährigen Spieler mit enormem Entwicklungspotenzial, der in der vergangenen Saison zehn Tore erzielt und elf weitere vorbereitet hat. Zwar gelangen diese Scorerpunkte in der zweiten französischen Liga, doch Adeline bringt Tempo, Intensität, spielerische Flexibilität und einen ausgeprägten Zug zum Tor mit. Er macht den Kader in der Offensive zweifellos breiter und variabler. Sportlich ist Adeline daher eine Bereicherung, die uns im Saisonverlauf noch viel Freude bereiten könnte und die Konkurrenzsituation im Angriff spürbar verschärft.
Der Poker um Fabio Vieira
Ob er sofort zum unumstrittenen Stammspieler wird, bleibt abzuwarten. Viel wichtiger ist allerdings eine klare Aussage von Trainer Merlin Polzin: Martin Adeline ist ausdrücklich kein Ersatz für Fabio Vieira. Im Gegenteil, Polzin macht keinen Hehl daraus, dass der HSV den Portugiesen weiterhin unbedingt verpflichten möchte. Das zeigt die klaren Prioritäten des Vereins in dieser Transferperiode: Man sucht nicht nur Breite, sondern gezielte Verstärkung für die kreative Zentrale.
Vieira ist der Spieler, der dem HSV-Mittelfeld sofort eine andere Qualität geben kann. Entsprechend wird ein großer Teil des Transferbudgets in diesen Poker fließen. Arsenal fordert weiterhin deutlich mehr Geld, als der HSV aktuell zu zahlen bereit ist. Die Hoffnung des Vereins, den Preis am Ende auf unter zehn Millionen Euro drücken zu können, bleibt bestehen. Oft gilt auf dem Transfermarkt: Je länger sich Verhandlungen hinziehen, desto größer wird die Chance auf eine Annäherung, wenn der abgebende Verein Planungssicherheit braucht.
Defensive Stabilität als Schlüssel
Mit Luka Vuskovic hat die Mannschaft ihren mit Abstand wichtigsten Defensivspieler verloren. Sein Weggang wiegt schwerer als jeder andere Abgang dieses Sommers. Vuskovic war in der vergangenen Saison einer der Hauptgründe dafür, dass der HSV nach dem Aufstieg die Klasse halten konnte. Seine souveräne Art, seine Präsenz, seine Zweikampfstärke und seine Ruhe am Ball lassen sich nicht einfach ersetzen. Hinzu kommen die Abgänge von Ransford-Yeboah Königsdörffer und Robert Glatzel, wodurch auch im Angriffszentrum neue Qualität benötigt wird. Dennoch bleibt die Defensive die entscheidende Baustelle, die das Fundament für eine erfolgreiche Saison bilden muss.
Der Klassenerhalt wird sich am Ende nicht darüber entscheiden, ob der HSV ein Tor mehr schießt. Er wird sich daran entscheiden, wie stabil die Mannschaft gegen den Ball agiert und wie erfolgreich sie Gegentore verhindert. Die Dreier- beziehungsweise Fünferkette muss wieder zu einer Einheit werden, der die Mannschaft jederzeit vertrauen kann. Das Ziel muss sein, mit der Überzeugung in jedes Spiel zu gehen, den Gegner über 90 Minuten zu kontrollieren und möglichst ohne Gegentor zu bleiben.
- Defensive Kompaktheit als Fundament
- Variabilität in der Offensive durch Adeline
- Geduld im Transferpoker um Vieira
Natürlich wird das nicht immer gelingen. Aber genau dieses Selbstverständnis braucht eine Mannschaft, die auch gegen große Gegner bestehen will. Nur dann entstehen Spiele, in denen man gegen einen Favoriten ein 0:0 mitnimmt oder sich einen hart erarbeiteten 1:0-Sieg sichert. Martin Adeline ist ein Transfer, auf den sich die Fans freuen dürfen. Die entscheidenden Aufgaben des Sommers sind damit allerdings noch lange nicht erledigt – der HSV bleibt gefordert.
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