90 Minuten, zwei Gesichter: Erkenntnisse aus dem Testspiel gegen Hannover
der HSV bestritt heute ein Testspiel am Volkspark gegen den aktuellen Tabellenführer der 2. Liga aus Hannover.

Moin zusammen,
der HSV bestritt heute ein Testspiel am Volkspark gegen den aktuellen Tabellenführer der 2. Liga aus Hannover.
Aufgrund der Länderspielpause spielten auf beiden Seiten nicht alle Stammspieler. Vor allem beim HSV muss man sagen, dass kaum einer aus dem Stammpersonal gestartet ist.
Genauer sah die Anfangsformation wie folgt aus:
Fernando Dickes startete im Tor.
Vor ihm bestand die 3er-Kette aus Hefti, Elfadli und Ramos.
Die Flügel wurden von Katterbach und Mickelbrencis bespielt.
Im Zentrum starteten Meffert und Pherai.
Vorn begannen links Philippe, rechts Königsdörfer und im Zentrum Poulsen.
Hannover Dominant- HSV eher defensiv
Der HSV versuchte, vorwiegend kompakt zu stehen und umzuschalten. Wenn man den Ball in den eigenen Reihen hatte, stellte Hannover das Zentrum zu. Deshalb schoben die Flügelverteidiger bis zur Mittellinie hoch. Anschließend wurde versucht, mit langen Bällen in Gegnernähe zu kommen. So richtig klappte das nicht, Hannover verteidigte das so weit gut weg. Vor allem offensiv war Hannover dominant. Hannover spielt den heute sogenannten „Fluid-Football“, was einfach heißt, dass es mehr darum geht, die Räume zu besetzen, als auf die wirklichen Positionen zu achten.
Ein Rochelt stand in einem Moment hinten rechts, ehe er 30 Sekunden später vorne links in Aktion war.
Und mit genau dieser Raumbesetzung hatte der HSV defensiv viele Probleme. Vor allem Rochelt kam in den Halbräumen immer wieder frei an den Ball, ohne richtigen Gegnerdruck zu bekommen. Die Zuteilung im Mittelfeld fehlte. Dennoch gelang es dem HSV, die Hannoveraner weitestgehend vom eigenen Tor fernzuhalten. Einzig ein paar ungefährliche Flanken segelten in den 16er. Auf der offensiven Seite gab es beim HSV aber auch nur sehr selten Chancen. Offensiv gab es nicht so viel zu sehen, das Spiel fand eher im Mittelfeld statt. Die meisten Ballkontakte hatte Enzo Leopold, der die Zentrale bei Hannover leitete.
Erst gegen die 40. Minute schaffte es Hannover, die Halbräume dann so zu bespielen, dass man sich in den 16er kombinieren konnte. Und so fiel dann auch das 0:1. Rochelt war wieder im Halbraum frei, Hannover spielte eine gute Kombination und nach super anzusehender Vorarbeit kam dann Taibi frei zum Abschluss. Dieser überlupfte Dickes.
Kurze Zeit später wurde die HSV-Abwehr dann aus dem Zentrum heraus mit einem Heber überspielt, ehe Rochelt dann wieder alleine vor Dickes stand und den Ball ebenfalls über Dickes rüberhob. Der Ball wäre in der Liga eventuell wegen Abseits aberkannt worden, aber das ist auch nur meine subjektive Wahrnehmung vom Seitenrand. Hier hatte der HSV in der Kette schlichtweg nicht aufgepasst.
Zur zweiten Halbzeit kamen dann Sahiti und Remberg für Philippe und Elfadli.
Die zweite Halbzeit startete etwas schleppend, auch hier nicht viele offensive Aktionen. Der HSV versuchte, offensiv ein wenig präsenter zu sein. In der 61. Minute schaltete Hannover dann aber schnell um. Das Mittelfeld des HSV wurde schnell überspielt und die Rückwärtsbewegung beim HSV passte nicht. Die Hannoveraner liefen auf die 3er-Kette zu und Oudenne bekam einen Steckpass in den Lauf, so dass er auf Dickes zulaufen konnte. Oudenne umlief Dickes und schob ein.
HSV wechselt und wird deutlich stärker
Das Spiel nahm eine Wendung, als beim HSV Vieira, Lokonga und Glatzel kamen.
Vor allem Lokonga war gleich präsent. Nach diesem Wechsel presste der HSV auch deutlich höher und hatte viele hohe Ballgewinne. In der 72. Minute versuchte dann Sahiti, nachdem er schön freigespielt wurde, auf Glatzel zu flanken, wurde aber von 2 Hannoveranern dabei gestoppt. Es gelang ihm jedoch, den abgeprallten Ball über die beiden Verteidiger drüberzuheben. Beim Versuch des Laufens wurde Sahiti dann im Strafraum gestoppt.
Elfmeter, Glatzel verwandelte zum 1:3.
Der HSV bekam noch weitere Chancen. Jatta trat nach einem langen Pass am Ball vorbei, Remberg bekam auch noch eine Chance, die im letzten Moment von einem Hannover-Spieler geblockt wurde.
Hannover spielte einen guten Fußball, mit dem der HSV defensiv nicht klarkam und so immer wieder Räume offen ließ. Hannover konnte diese Raumvorteile aber lange Zeit nicht ausnutzen. Erst ab der 40. Minute gelang es Hannover, vors Tor zu kommen, und so konnten die Niedersachsen zwei Tore im ersten Abschnitt erzielen. Der HSV versuchte, mit langen Bällen zu agieren, kam aber selten zu Torchancen.
In der zweiten Halbzeit versuchte der HSV dann, offensiver zu agieren, und so hatte Hannover seltener die Chance, die Halbräume zu attackieren. Die offensivere Herangehensweise bot für Hannover aber Chancen zum Umschalten und so gelang es Hannover, noch ein weiteres Mal zu treffen.
Das Spielgeschehen änderte sich mit dem 3er-Wechsel. Lokonga war sehr präsent und auch Glatzel hatte gute Aktionen. Vieira zog immer wieder in die Mitte und machte so die Bahn frei für den Flügelverteidiger.
Fazit
Alles in allem muss man sagen, dass Hannover das Spiel hier klar gewinnt, und sicherlich ist das Ergebnis in der Höhe auch so in Ordnung. Das Spiel kann man aber m. M. n. in zwei Teile aufteilen.
Einmal die ersten 60 Minuten und einmal die letzten 30 Minuten. In den ersten 60 Minuten war Hannover präsenter und der HSV defensiv anfällig. Zudem fehlte die Idee mit Ball. Ab der 61. Minute änderte sich das dann aber. Lokonga brachte gleich viel mehr Tempo und Vertikalität in das HSV-Spiel. Der HSV kam häufiger in Kombinationen und auch im Pressing war man deutlich effizienter. Viera kam noch nicht so richtig in seine Aktionen, aber die Ansätze waren da.
Ich habe mich mal im Internet umgesehen und auch umgehört. Die Kritik und die Interpretationen aus diesem Spiel sind für mich zu hart.
Ihr habt es vielleicht gemerkt, ich war heute auch etwas zurückhaltender und habe das Spiel nüchtern analysiert, ohne jetzt große Schlüsse aus dem Spiel zu ziehen.
Man muss ganz klar sagen, dass Hannover besser war, aber wenn man sich mal die Startaufstellung des HSV ansieht, fällt auf, dass in dieser, auf lange Zeit gesehen, nur 2 maximal 3 Spieler überhaupt in der Startelf stehen werden.
Ich denke, lediglich Elfadli und Poulsen/Königsdörfer werden in nächster Zeit Chancen auf einen Platz in der ersten Elf haben. Bei Königsdörfer und Poulsen wird es auf das Spiel ankommen, bei Elfadli ist die Frage, wie der HSV hinten plant. Sollte Vuskovic im Zentrum eingesetzt werden, bin ich gespannt, ob Elfaldi noch Stammspieler ist. Da von Königsdörfer und Poulsen wahrscheinlich immer nur einer spielen wird, sind wir am Ende bei einem Spieler, der definitiv spielen wird. Auch Mickelbrencis ist für mich kein Kandidat für die Startelf. Er wird wahrscheinlich gegen Bayern starten, das ist aber wohl eher dem Ausfall von Gosholieshvili geschuldet.
Zudem könnte ich mir vorstellen, dass Capaldo für das Spiel in München hinten rechts aushelfen könnte.
Deshalb rate ich hier ausnahmsweise mal dazu, das Spiel nicht so hochzuhängen.
Bei Testspielen in der Vorbereitung ist das ein wenig anders, da dort meistens viele Stammkräfte spielen. Aber aus dem Spiel jetzt Schlüsse für die Bundesliga zu ziehen, halte ich für voreilig. Ja, es ist richtig, die Fehler anzusprechen und zu analysieren, was in dem Spiel falsch lief, aber dann zu sagen, dass irgendwelche Gegner sich auf uns freuen können, weil wir in einem Testspiel ohne Stammkräfte verlieren, ergibt für mich keinen Sinn.
Andersrum sollten wir die letzten 30 Minuten natürlich auch nicht zu sehr feiern, schließlich haben bei Hannover auch Jugendspieler mitgespielt.
Abschließend sollte man das Spiel m. M. n. einfach so hinnehmen und analysieren, was falsch lief und was verbessert werden muss. Man sollte auf dieses Testspiel beidseitig aber nicht zu viel geben, denn wie gesagt, am Ende haben auf beiden Seiten viele Spieler gespielt, die in der Saison wahrscheinlich wenige Einsatzzeiten bekommen.
Was fiel euch beim Spiel auf?
Wir hören uns.
Tom
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