5:3 gegen Schalke 04 - bärenstarker Saisonauftakt des HSV
Die Hamburger Profis feierten den späten Sieg beim Spektakelstart der 2. Fußball-Bundesliga mit breitem Grinsen. Die Spieler des FC Schalke 04 holten sich enttäuscht den…

Ich kann es nicht anders sagen: Das war ein hochverdienter Sieg des HSV! Ein Spiel, das unnötig wackelte, das am Ende aber ebenso spektakulär wie verdient mit 5:3 gewonnen werden konnte, weil der HSV offensiv ein wahres Feuerwerk abfackelte. Glatzel und Benes treffen doppelt, Dompe setzt den Schlusspunkt und sorgen für eine Stimmung im Volksparkstadion, wie sie besser nicht sein konnte. Dass es hierbei auch altbekannte Schönheitsfehler gab - logisch! Über die werden wir auch sprechen. Aber nicht heute! Denn heute haben alle HSVer, also neben den Spielern auch Trainer Tim Walter sowie sein gesamter Führungsstab es verdient, gefeiert zu werden nach diesem 5:3 gegen den Aufstiegsfavoriten FC Schalke 04. Von mir kommt heute das Blitzfazit - in den nächsten Tagen dann mehr zum sportlichenWirken der Mannschaft, die mit fünf (!!) Neuen in der Startelf agierte.

Und nur so viel vorweg: Defensiv war das nicht so gut, wie es noch werden muss, wenn man aufsteigen will - aber es war eine mannschaftlich derart geschlossen starke Leistung, dass es mir schwerfällt, heute Unterschiede zu machen. Ich müsste es machen's ein ich alle Spieler einzeln benoten würde - aber ich will es einfach nicht. Es passt bheuteb nicht zu diesem ersten Saisonspiel gegen niemand geringeren als den selbst ernannten Aufstiegsfavoriten FC Schalke. Von daher: Seht es mir nach. Wir sprechen später über die Leistungen im einzelnen...
SPIELBERICHT
von Claas Hennig, Felix Schröder und Jan Mies (dpa)
Der Hamburger SV und FC Schalke 04 liefern zum Zweitliga-Start beste Unterhaltung. Im Volksparkstadion fallen viele Tore, eins erzielt ein Teenager. Der Sieger feiert spät.
Die Hamburger Profis feierten den späten Sieg beim Spektakelstart der 2. Fußball-Bundesliga mit breitem Grinsen. Die Spieler des FC Schalke 04 holten sich enttäuscht den aufmunternden Applaus der mitgereisten Fans ab. Der HSV gewann am Freitagabend das Aufstiegsfavoritenspiel dank der Tore von Robert Glatzel und Jean-Luc Dompé in der Nachspielzeit mit 5:3 (1:2). In der höchst unterhaltsamen Partie demonstrierten beide Traditionsvereine ihre Offensivstärke - aber auch, dass sie nicht unschlagbar sind.
„Es war für die ganze Mannschaft emotional, ein Spiel, das Hin und Her ging“, sagte HSV-Neuzugang Levin Öztunali bei Sky. Der neue Schalker Torwart Marius Müller war dagegen enttäuscht: „Wir müssen einiges besser machen. Wir müssen defensiv zwei bis fünf Schippen drauflegen.“
Neben Glatzel (90.+1), der zudem die Führung (17.) erzielt hatte, und Dompé (90.+9) war László Bénes (56./Foulelfmeter und 60.) für den HSV erfolgreich. Assan Ouédraogo (22.), Thomas Ouwejan (45.+1) und Rekordmann Simon Terodde (66.) trafen für den Absteiger. Schalkes Ibrahima Cissé sah die Gelb-Rote Karte (71.).

Vieles wirkte erstklassig an diesem lauen Sommerabend in Hamburg. Drei Wochen vor dem Bundesliga-Start hatte die Deutsche Fußball Liga wie in der Saison 2021/22 die beiden Großclubs ins Eröffnungsspiel geschickt, die beide dringend aufsteigen wollen. Die 57 000 Zuschauer im ausverkauften Volksparkstadion feierten vom Anpfiff weg die Rückkehr ihrer Teams - die Hamburger Anhänger immerhin in den Anfangsminuten deutlich mehr.
Glatzel versuchte es bereits in der fünften Minute, da war aber noch Müller zur Stelle. Beim zweiten Versuch des 29 Jahre alten Stürmers nach einem scharfen Pass von HSV-Neuzugang Immanuël Pherai war Müller machtlos. HSV-Trainer Tim Walter jubelte an der Seitenlinie energisch, und er hätte sich noch mehr gefreut, wäre Pherai bei seiner eigenen Großchance wenig später nicht an Müller gescheitert (19.).
Die Schalker, die diese 18, 19 Minuten brauchten, um in die Partie zu finden, wurden trotz des Rückstands zunehmend stärker. Der Ausgleich durch den Youngster Ouédraogo, seit Freitagabend mit 17 Jahren und 80 Tagen jüngster Schalker Profispieler, fiel nach überlegter Ablage von Zweitliga-Rekordtorschütze Simon Terodde. Der 35 Jahre alte Kapitän mit HSV-Vergangenheit hatte sich in Gelsenkirchen eigentlich schon verabschiedet, nach dem Abstieg aber doch noch einmal verlängert.
Also alles wie immer beim HSV? Die Hamburger waren in der vergangenen Saison insbesondere auch an der im Topteam-Vergleich schwachen Abwehr gescheitert, der K. o. in der Relegation wirkte an der Elbe lange nach. Öztunali, der Enkel von HSV-Legende Uwe Seeler, versuchte in der 36. Minute, die erneute Führung zu erzielen. Wieder aber war Müller zur Stelle.
Stattdessen wurde es auf der anderen Spielfeldseite zunächst noch bitterer für die Gastgeber, als Ouwejan kurz vor der Pause mit einem technisch starken Schuss zur Schalker Pausenführung traf. Zuletzt gewonnen hatte S04 in Hamburg vor knapp acht Jahren, als der heutige Bayern-Star Leroy Sané getroffen hatte.
Das vermeintliche dritte Schalker Tor durch Terodde schon in der 53. wurde wegen einer Abseitsposition nicht anerkannt. Es trug aber zum Unterhaltungswert dieser Partie bei, der sich wenige Momente später noch steigerte. Cissé verursachte den Foulelfmeter, den Bénes sicher verwandelte. Im Stadion wurde es laut - und noch einmal mehr, als Bénes einen Konter mustergültig zur Führung abschloss.
Getragen vom Publikum spielten die Hamburger im Anschluss weiter offensiv, kassierten aber wieder ein Gegentor. Terodde tauchte da auf, wo ein Stürmer auftauchen muss und überwand HSV-Torwart Daniel Heuer Fernandes bei seinem 173. Zweitliga-Tor. Praktischerweise in der Nähe der Schalker Fan-Kurve. Der Platzverweis gegen Cissé machte es den Gästen in der Schlussphase aber nicht einfacher. Beide Teams kamen zu weiteren großen Chancen, Hamburgs Miro Muheim traf nur den Pfosten (81.). Und dann kamen Glatzel und Dompé.
STATISTIK ZUM SPIEL:
HSV: Heuer Fernandes - Van der Brempt (90.+3 Oliveira), Ramos, Ambrosius, Heyer (80. Muheim) - Meffert - Königsdörffer (69. Jatta), Pherai (90.+3 Krahn), Benes, Öztunali (78. Dompe) - Glatzel
FC Schalke 04: Müller - Brunner, Cisse, Kaminski, Ouwejan - Schallenberg - Karaman (72. Matriciani), Drexler (78. Latza), Ouedraogo (61. Lasme), Mohr (61. Seguin) - Terodde (78. Polter)
Tore: 1:0 Glatzel (17.), 1:1 Ouedraogo (22.), 1:2 Ouwejan (45.+1), 2:2 Benes (56., FE), 3:2 Benes (60.), 3:3 Terodde (66.), 4:3 Glatzel (90.+1), 5:3 Dompe (90.+9)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Dr. Matthias Jöllenbeck (Freiburg)
Gelbe Karten: Öztunali, Heyer, Glatzel / Schallenberg
Gelb-Rote Karten: - / Cisse (71.)
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