5:2 gegen Nürnberg - Hrubesch-Debüt lässt weiter hoffen
Der HSV hat in seinem ersten Spiel unter Interimstrainer Horst Hrubesch die Minimalchance auf die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga gewahrt. Mit dem 5:2-Heimsieg gegen den 1.…

Der HSV hat in seinem ersten Spiel unter Interimstrainer Horst Hrubesch die Minimalchance auf die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga gewahrt. Mit dem 5:2-Heimsieg gegen den 1. FC Nürnberg rückt man nach zuvor fünf sieglosen Spielen mit numehr 55 Punkten vorbei an Fortuna Düsseldorf auf Platz vier der 2. Liga vor. Greuther Fürth auf dem Relegationsplatz liegt drei Punkte vor den Hamburgern, könnte von ihnen in den verbleibenden beiden Spielen aber noch abgefangen werden. „Das war eine riesige Woche, hat Spaß gemacht“, sagte der erschöpfte Hrubesch, „vielleicht haben wir noch eine Chance.“ Die Nürnberger mussten nach sieben Spielen ohne Niederlage die erste Pleite seit dem 7. März hinnehmen. „Eine verdiente Niederlage“, sagte FCN-Torhüter Christian Mathenia, „der HSV hat viel Leidenschaft reingepackt.“
Und das stimmt. Sie wollten alle, das sah man. Alle liefen, jeder wollte seinem Nebenmann helfen und es war laut auf dem Platz – aber es wirkte gerade die ersten 20 Minuten noch alles etwas unsortiert, unkontrolliert. Aber sie wollten wenigstens und verdienten sich so ein wenig Spielglück. Nicht, dass man defensiv allzu viel auszustehen hatte, dafür waren die Nürnberger trotz eines wie ich finde Riesentalentes wie Robin Hack einfach nicht zwingend genug. Der schussstarke Johannes Geis versuchte es zwar immer wieder mal aus der Ferne, fand aber in Sven Ulreich zunächst noch seinen Meister (10.). Der HSV? Offensive so gut wie nicht zu sehen, obgleich Horst Hrubesch wie erwartet mit Robin Meißner eine zweite Spitze neben Terodde gebracht hatte.
Der HSV wartet nicht - er sucht und findet seine Chancen
Und dennoch, der HSV erarbeitete sich das, was er zuletzt nicht hatte: Spielglück. Der HSV geht in Führung! Es fängt bei einer Balleroberung von Leistner an. Über Kinsombi landet die Kugel dann links im Strafraum bei Kittel, der zurück auf Meißner legt. Der Stürmer zieht aus zwölf Metern ab, Sörensen fälscht die Kugel ins Tor ab. Der Schuss wäre zwar rechts vorbeigegangen – aber im Gegensatz zur DFL hätte ich hier wie früher bei uns auf dem Bolzplatz im Park die Schusskraft zählen lassen und dem Youngster seinen ersten Zweitligatreffer attestiert. Leider soll es aber ein Eigentor von Sörensen gewesen sein. „Er ist 75 Minuten marschiert, hat ein Tor gemacht“, lobte im Anschluss auch Hrubesch seinen Youngster – und wenn Hrubesch sagt, dass es Meißners Tor war, dann ist das so!
Aber, und das war das Wichtigste, der HSV führte – vor allem auch mal länger als 90 Sekunden. Man legte sogar nach. Und das richtig gekonnt! Der immer stärker werdende Amadou Onana setzt sich auf links vehement durch, der Abpraller landet über Kittel, Leibold und Meißner rechts im Sechzehner beim völlig frei stehenden Bakery Jatta, der mit links und mit Hilfe des Innenpfostens ins lange Ecke trifft. Das 2:0 in der 36. Minute vom bis hierhin besten HSVer, wie ich fand. Vor allem schen es jetzt endlich mal wieder eines dieser Spiele werden, wo man nicht zittern muss, denn der HSV blieb jetzt dran, blieb feldüberlegen.
Aber, und auch das ist in dieser Saison einfach zu oft – wie aus dem Nichts fing sich der HSV den Anschlusstreffer. Und dabei sieht Ulreich mal wieder nicht besonders gut aus. Geis zieht aus der Distanz ab, der Keeper wehrt den Ball unglücklich nach vorne ab, wo Nürnbergs Shuranov problemlos ins rechte Eck einschieben und somit verkürzen kann (41.). Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff hatte der FCN-Torschütze sogar den Ausgleich auf dem Kopf – verfehlte das Tor aber (45.).
Ganz wichtig: Teroddes Treffer mit Halbzeitpfff
Dafür traf der HSV! Kittel erobert per starker Grätsche auf links den Ball. Anschließend flankt Leibold auf Terodde, der sich den Ball zu weit vorlegt und von Mühl geblockt wird. Aber über Kinsombi prallt die Kugel wieder zu Terodde, der aus kurzer Distanz vollstreckt. Das 3:1 in der Nachspielzeit der ersten Hälfte. Ein ganz wichtiger Treffer für den HSV und ein vergleichsweise beruhigender Halbzeitstand. Egal wie, dieses Spiel zeigte auf, wie wenig mehr es gebraucht hätte, um dieses Jahr mehr als die drei Siege zu holen, die man bisher in der Rückrunde hatte holen können.
Und es wurde noch besser. Denn der HSV legte weiter nach. Personell unverändert kam der HSV zu weiteren gefährlichen Torraumszenen. Terodde (47.) und Vagnoman (51.) scheitern beide nur knapp und Meißners Volleyschuss aus 18 Metern kann der Ex-HSV-Keeper Christian Mathenia gerade noch an die Latte lenken (62.). Der HSV hatte diese Partie jetzt endgültig im Griff und kam über die bärenstarken Kittel und Jatta immer wieder gefährlich vors Nürnberger Tor. Weil man endlich direkt spielte, schnell spielte, und mutig war. Manchmal sogar etwas zu mutig, wie beispielsweise Ulreich in der 66. Minute, als er Shuranov als letzter Mann einfach mal den Ball in die Beine schob... Aber – heute hatte der HSV wie beim Lattenschuss von Krauß auch das Spielglück, das man zuletzt so oft vermisst hatte. Diesmal aber hatte man es sich auch redlich verdient – weil hart erarbeitet.
Apropos verdient – der HSV traf weiter. Der eingewechselte Gyamerah per Querpass auf den wie außergewöhnlich kampfstarken Kittel, und der Feinfuß schiebt die Kugel unbedrängt flach ins rechte Eck (76.). Kurz darauf wird der ebenfalls eingewechselte Wintzheimer gefoult und Terodde verwandelt sicher zum 5:1 – spätestens jetzt (80.) war dieses Spiel entschieden, obgleich der FCN in der letzten Minute noch per sehr schönem Tor von Rosenlöcher zum 5:2 (90.).
„Wir wollten das Gefühl zurückbekommen, Spiele zu gewinnen. Das ist uns heute gelungen. Der Trainer hat sich die Jungs gepackt, die er für die Startelf eingeplant hat, und ihnen verdammt viel Selbstvertrauen gegeben, indem er sie starkgeredet hat. Man hat gesehen, dass das heute gefruchtet hat“, so Toni Leistner nach dem Spiel über den Mann, dem ich auch für heute das letzte Wort überlassen möchte: Interimstrainer und Mann des Tages, Horst Hrubesch: „Es war eine riesige Woche, sowohl für mich - es hat echt Spaß gemacht - als auch für die Mannschaft, die richtig toll mitzieht. Mal sehen, was in den verbleibenden beiden Spielen noch geht. Es geht jetzt darum, eingespielt zu sein. Die beiden Spiele werden nicht leicht. Schon am kommenden Sonntag an der Bremer Brücke brauchen wir mindestens das, was wir heute abgerufen haben. Wir werden nichts geschenkt kriegen.“
Stimmt. So einfach ist das eben. Und eben manchmal auch echt schön anzusehen. In diesem Sinne, bis morgen, wo die Mannschaft übrigens trainingsfrei bekommen hat, ehe es ab Mittwoch dann ins Quarantäne-Trainingslager geht. Bis dahin Euch allen eine gute Nacht!
Scholle
DAS SPIEL IM STENOGRAMM:
HSV: Ulreich - Vagnoman (74. Gyamerah), Leistner, Heyer, Leibold - Jatta (82. Heil), Kinsombi (82. Kwarteng), Onana, Kittel (86. Narey) - Terodde, Meißner (74. Wintzheimer)
1. FC Nürnberg: Mathenia - Valentini, Mühl, Sörensen, Handwerker - Geis (84. Rosenlöcher), Krauß (84. Suver), Möller Daehli (46. Latteier), Hack (84. Schleusener) - Shuranov, Dovedan (84. Krätschmer)
Tore: 1:0 Sörensen (30., ET), 2:0 Jatta (36.), 2:1 Shuranov (41.), 3:1 Terodde (45. +2), 4:1 Kittel (76.), 5:1 Terodde (80., FE), 5:2 Rosenlöcher (89.)
Zuschauer: leider keine
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)
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