5:0 gegen Osnabrück - das war richtig schön anzusehen!
Kiel und Fürth hatten gepatzt, Bochum und Düsseldorf gewonnen – und der HSV musste nachziehen. Und das ausgerechnet gegen Daniel Thiounes Exklub VfL Osnabrück, gegen den der…

Kiel und Fürth hatten gepatzt, Bochum und Düsseldorf gewonnen – und der HSV musste nachziehen. Und das ausgerechnet gegen Daniel Thiounes Exklub VfL Osnabrück, gegen den der HSV in der vergangenen Saison nur einen von sechs Punkten zu holen wusste. Eine schwere Aufgabe, da waren sich alle einig – und auch ich hatte mit einem schwierigen Gang gerechnet. Am Ende aber mussten alle zugeben: Viel souveräner geht es nicht. Gleich mit 5:0 schoss der HSV seine Gäste ab und demonstrierte eindrucksvoll, dass man nicht gewillt ist, die Tabellenführung abzugeben.
Das Überraschendste zu Beginn: Trotz des eher mäßigen Auftrittes in Nürnberg, ließ Daniel Thioune die Startelf unverändert. Und das nun schon zum dritten Mal in Folge! Für den Mann der Überraschungen eine ungewohnte Konstanz – aber sie griff zu Beginn des Spiels. Gefühlt 99 Prozent Ballbesitz hatte der HSV – und er gewann die wichtigen Zweikämpfe, um schnelle Gegenstöße zu unterbinden. Allein nach vorn war es oft noch zu eng, da die Osnabrücker wirklich bis auf Mittelstürmer Christian Santos alle Mann rund um den eigenen Sechzehner versammelte.
Chancen blieben so in den ersten 15 Minuten aus - aber dann! Hinten wie vorn agierte der HSV variabel, verschob immer wieder geschickt – so auch Kinsmobi mit Kittel über links. Und diese beiden waren es dann, die einen schnellen Vorstoß von Vagnoman ins 1:0 ummünzten. Anstatt aus 15 Metern direkt abzuziehen, sah Kinsombi nach Vagnoman-Pass den links im VfL-Sechzehner freistehenden Kittel und der zirkelte das Ding unhaltbar in den rechten Knick! Super herausgespielt – und ebenso stark abgeschlossen. Ausgerechnet von dem Mann, über dessen Startelfnominierung ich mich noch gewundert hatte, wie ich ihn in Nürnberg (vor allem defensiv) als Schwachpunkt ausgemacht hatte. ABER: Kittel bewies, dass es richtig war, ihn beginnen zu lassen. Und vor allem bewies der Trainer mir mal wieder, weshalb er der hoch bezahlte Fachmann am Rand des Spielfeldes ist und ich nur darüber berichte...
Aber im Ernst: Der HSV begann nicht nur stark, sondern behielt das auch bei. Trotzdem musste man in der 28. Minute nach einer Ecke den Gegentreffer hinnehmen – der allerdings nicht zählte. Der mir bislang unbekannte Schiedsrichter Daniel Schlager entschied auf Handspiel bei Santos. Glück für den HSV – aber eine absolut korrekte Entscheidung, die vom Videoschiri schnell bestätigt wurde. Und trotz des kurzen Schreckmomentes noch einmal: Der HSV machte das hier heute in den ersten 45 Minuten richtig gut.
Und er legte noch einmal nach. Dudziak war über links freigespielt worden, passte in die Mitte, wo VfL-Keeper Kühne den Ball nur prallen lassen kann und Jatta den Ball auf die Füße legt – das 2:0. Und das Halbzeitergebnis in einem Spiel, in dem der HSV mit 66 Prozent Ballbesitz und 60 Prozent Zweikampfquote noch einmal unterstrich, wer hier das bessere Team ist. Auch wenn es der Osnabrücker Radioreporter schräg links vor mir („Osnabrück mutig offensiv – der HSV lauert nur auf Fehler“) komplett anders sah.
In der Halbzeitpause habe ich bei unseren Freunden von „HSV, meine Frau“ zugehört und dabei auch die nicht zu bekannte These vernommen, dass eine 2:0-Führung trügerisch sein kann. Umso schöner, dass der HSV aus diesem 2:0 gleich mal en 3:0 machte. Bakery Jatta, die alte Kopfballmaschine, schädelte den Ball nach einer Ecke von Kittel ein und ich kann nicht anders als noch einmal an dieser Stelle zu betonen, dass ich mich über Bakerys Tory immer noch ein Stück mehr freue, als über andere HSV-Treffer...
Wobei, auch bei Vagnoman freue ich mich über Tore – zumal er sie sehr selten erzielt. Heute aber war es mal wieder soweit. Wie in der ersten Hälfte auch war der HSV über rechts tempomäßig deutlich überlegen. So auch beim 4:0 in der 54. Minute. Terodde leitete einen Ball weiter auf die rechte Seite, dort verteidigt Wolze zu zögerlich gegen den schnellen Vagnoman. Der wiederum sprintet davon und rechts in den Strafraum zieht und aus spitzem Winkel.
Es lief einfach alles heute für den HSV. Und es ging gut weiter. Diesmal sogar mit gegnerischer Hilfe. Kittel flankt von halblinks auf Terodde, der aber von Gegenspieler Maurice Trapp übersprungen wurde – und trotzdem fällt das 5:0, weil der VfL-Kapitän den Ball nicht kontrolliert köpfen kann und ihn so ins eigene Tor verlängert (61.).
Das Ding hier durch. Schon lange. Und der Trainer nutzte diese Phase nun zum munteren Wechseln. Terodde, der heute mehr als Vorbereiter denn als Vollstrecker dabei war und Jatta gingen, Wood und Narey kamen, ehe auch Hunt und Wintzheimer für Dudziak und Kittel kamen (70.), die beide nicht wirklich gern den Platz verließen, sondern gern weitergespielt hätten, wie sie beim langsamen Gang vom Platz noch einmal signalisierten. Am Ende kam auch noch Gideon Jung für Moritz Heyer, womit Thioune sein komplettes Wechselkontingent ausgeschöpft hatte und heute die maximale Anzahl seiner Spieler in den Genuss dieses Spiels zu bringen, in dem wirklich fast alles gelang.
In diesem Sinne, bis morgen! Genießt den Abend, schaut Euch noch ein paarmal die Wiederholung an – das war richtig schön anzusehen....
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