Spielbericht

5:0 - der Rekordmeister demontiert den HSV binnen 30 Minuten

Es war von vornherein klar, dass der HSV in München auf einen übermächtigen Gegner treffen würde – und so kam es auch. Der Rekordmeister legte los wie die Feuerwehr, führte…

5:0 - der Rekordmeister demontiert den HSV binnen 30 Minuten

Es war von vornherein klar, dass der HSV in München auf einen übermächtigen Gegner treffen würde – und so kam es auch. Der Rekordmeister legte los wie die Feuerwehr, führte nach nicht einmal einer halben Stunde mit 4:0 und schaltete anschließend spürbar zurück. Dieses Glück hatten die Hamburger: Nur weil der FC Bayern das eigene Spiel auf das Nötigste beschränkte, kam der HSV in der zweiten Halbzeit überhaupt dazu, selbst auch einmal Angriffe zu fahren – etwas, das in der ersten Hälfte bis auf eine Szene von William Mikelbrencis komplett fehlte. Dass sich Spieler und Trainer nach dem Spiel hinstellten und die zweite Halbzeit betonten, war logisch. Was sollen sie auch sonst machen? Sich hinzustellen und zu sagen, man habe gegen einen Gegner gespielt, der selbst im Trainingsmodus noch hoch überlegen war, wäre fatal. Jetzt geht es darum, den Blick nach vorn zu richten – auf Gegner, gegen die man punkten muss, wenn das Ziel Klassenerhalt realistisch bleiben soll.

Früher K.o. – HSV komplett überfordert

Arm in Arm hüpften die Bayern-Profis nach dem einseitigen Nord-Süd-Duell vor den Fans, während beim HSV Ernüchterung herrschte. Der Aufsteiger war beim ungefährdeten 5:0 (4:0) kein Gradmesser, der Kantersieg diente dem Meister lediglich als Selbstvertrauensschub vor dem Champions-League-Kracher gegen Chelsea.

Für den HSV begann die Partie mit einem Albtraumstart: Schon nach drei Minuten traf Serge Gnabry, nach neun Minuten erhöhte Aleksandar Pavlovic. Als Soumahoro im Strafraum ein Handspiel beging, verwandelte Harry Kaneden Elfmeter sicher (26.). Vier Minuten später fälschte Luka Vuskovic einen Schuss von Luis Díaz unhaltbar ab – 0:4 nach nicht einmal einer halben Stunde. Ein historischer Tiefpunkt: So früh lag der HSV in seiner Bundesligageschichte noch nie zurück.

Dass Trainer Merlin Polzin hier nicht spätestens nach dem Handspiel und Elfmeter wechselte, schreiben viele seiner Unerfahrenheit zu. Wobei – nein, das weiß wirklich jeder Bezirksligatrainer, der schon mal zwei Spiele am Seitenrand gestanden hat. Soumahoro hätte mit Gelb-Rot vom Platz fliegen müssen, Polzin reagierte aber erst zur Pause.

Defensive Schwachstellen, fehlende Kreativität

Die jungen HSV-Verteidiger Soumahoro und Vuskovic waren mit der Münchner Offensive völlig überfordert. Soumahoro sah schon nach 30 Sekunden Gelb, später hatte er Glück, nicht vom Platz gestellt zu werden. Vuskovic wirkte als Abwehrchef nach wenigen Trainingseinheiten völlig überfordert. Dazu kam Miro Muheim auf links, der erneut viele Zweikämpfe verlor und kaum für Entlastung sorgte.

Nach vorne ging fast gar nichts. Lediglich ein Abschluss von Mikelbrencis nach einem Stanisic-Fehler (18.) war in Halbzeit eins notierbar – zu wenig. Im Zentrum fehlte die Kreativität, Ballbesitzphasen waren zu kurz. Vieira deutete immerhin Anlagen an, Capaldo dagegen blieb erneut blass. Dass der Argentinier Kapitän ist, wirkt zunehmend fragwürdig. Noch schwerer wog allerdings, dass Polzin Daniel Elfadli, den bislang wohl verlässlichsten Defensivspieler, draußen ließ.


DIE STATISTIK ZUM SPIEL

FC Bayern München: Neuer - Laimer, Upamecano (46. Guerreo/63. Bischof), Tah, Stanisic - Kimmich, Pavlovic - Olise, Gnabry (46. Jackson), Luis Diaz (76. Boey) - Kane (64. Karl)

HSV: Heuer Fernandes - Omari, L. Vuskovic, Soumahoro (46. Elfadli) - Mikelbrencis, Remberg, Capaldo (46.Meffert), Muheim - Fabio Vieira (76. Balde), Königsdörffer (76. Glatzel), Rössing-Lelesiit (46. Philippe)

Tore: 1:0 Gnabry (3.), 2:0 Pavlovic (9.), 3:0 Kane (HE., 26), 4:0 Luis Diaz (29.), 5:0 Kane (62.)

Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)      

Schiedsrichter: Tobias Stieler (Sölden)

Gelbe Karten: Soumahoro (1.), Muheim (86.) / Upamecano (27.), Pavlovic (90.+2)


Bayern schaltet zurück – HSV darf mitspielen

Nach der Pause ließen es die Bayern im Gefühl des sicheren Sieges ruhiger angehen, Kompany schonte mehrere Leistungsträger. Harry Kane erzielte kurz vor seiner Auswechslung noch das 5:0 (63.) und steht nun bei 67 Toren in 66 Bundesligaspielen. Danach durften auch die Hamburger ein wenig mitspielen. Ryan Philippe hatte erste ordentliche Szenen, Vieira blieb engagiert, und Mikelbrencis fühlte sich im rechten Mittelfeld offensiv sichtlich wohler.

Positiv immerhin: Der HSV ließ sich nicht komplett abschießen. Das lag vor allem an der Passivität der Bayern aber auch an Torwart Daniel Heuer Fernandes, der mit mehreren Paraden Schlimmeres verhinderte. Er selbst brachte es nach Abpfiff auf den Punkt: „Wir hatten zu viele Abstände, waren zu weit weg und hatten zu wenig Balldruck. Aber die zweite Halbzeit macht mir Mut.“

Historisch schwache Bilanz – Fans als einziger Erstliga-Faktor

Die Statistik bleibt zwar niederschmetternd: Seit 2008 hat der HSV in München keinen Punkt mehr geholt, stattdessen setzte es regelmäßig heftige Klatschen – zweimal 8:0, einmal 9:2, nun ein 0:5. In Summe bleibt der HSV ein willkommener Lieblingsgegner des Rekordmeisters. Aber diese Niederlage ist nicht umsonst, wenn der HSV daraus die richtigen Schlüsse zieht. Und da beziehe ich das Trainerteam explizit mit ein, wie ich auch im Blitzfazit noch einmal betone.

Einen klaren Gewinner aus Hamburger Sicht: die Fans. Rund 10.000 mitgereiste Anhänger sorgten in der stimmungsschwachen Allianz Arena selbst beim 0:5 noch für lautstarken Support. Sie sind – anders als die Mannschaft – definitiv schon bzw. noch immer erstligatauglich.


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